„Ente aus Kryostase erwacht“ – so könnte es in 30 Jahren mal in einem Science-Fiction-Roman heißen. Meine Ente lag zwar nicht im Kälteschlaf, wurde aber trotzdem langzeitkonserviert. Im Sommer 2007 hatte ich sie endlich wieder. Hier ist die Geschichte meiner funkferngesteuerten Ente und dazu ein paar Tipps, damit dein eigenes RC-Boot nicht dasselbe Schicksal ereilt.
Wie aus einer Baumarkt-Ente ein RC-Boot wurde
Damals im Modellsportclub haben wir einer Ente aus dem Hagebaumarkt Leben eingehaucht. Warum? Die passiven Treibminen im Vorgartenteich waren schon immer langweilig. Also bekam die Ente einen Motor, ein Servo, ein Ruder und einen Empfänger verpasst, und ab ging die Luzie.
Eine funkferngesteuerte Ente zu besitzen, war schon ziemlich cool. Bis die Gute eines Tages Schlagseite hatte. Ich war zu faul gewesen, den Deckel richtig abzudichten. Die RC-Ente ging unter, und zwar wie es sich gehört: mit dem Schwänzchen in die Höh.
Abgetaucht für fast zehn Jahre
Nie wieder ward sie gesehen. Sie wollte offenbar für immer im Schlamm ihr Dasein fristen. Den Dinos dürfte es nicht anders ergangen sein.
Aber nach nicht mal zehn Jahren ist sie wieder aufgetaucht, meine Modellbau-Ente. Nun gut, der Teich ist ausgetrocknet, weil unsere Porzelline unter einem Fehlmanagement pleitegegangen ist. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, ich habe meine Ente ja wieder. Sarkasmus aus. Wer mehr über das Colditzer Porzellanwerk wissen will, findet dazu einen eigenen Beitrag.
Gefunden habe ich sie genau dort, wo wir sie alle vermutet, aber nie gefunden hatten. Und ihren alten Charme hat sie nicht verloren.
Was in so einer RC-Ente steckt
Das Prinzip ist bei jedem kleinen RC-Boot gleich, egal ob es aussieht wie ein Rennboot oder wie eine Stockente:
- Antrieb: ein Elektromotor, der über eine Welle eine kleine Schiffsschraube antreibt. Wo die Welle durch den Rumpf geht, sitzt ein Stevenrohr, das mit Fett gegen eindringendes Wasser abgedichtet wird.
- Lenkung: ein Servo, das über ein Gestänge das Ruder bewegt.
- Empfänger und Akku: möglichst weit oben und möglichst trocken.
- Ballast: damit das Ganze aufrecht schwimmt und nicht beim ersten Windstoß kentert.
Gerade die Baumarkt-Ente ist dafür eigentlich ein dankbares Objekt: Sie schwimmt von Haus aus stabil, hat innen Platz und fällt auf dem Teich nicht weiter auf. Zumindest bis sie gegen den Wind schneller wird als jede echte Ente.
Warum RC-Boote untergehen und wie du das verhinderst
Meine Ente ist an einem klassischen Fehler gescheitert: Der Deckel war nicht dicht. Mit ein paar Kniffen passiert dir das nicht:
- Deckel richtig abdichten. Eine Gummidichtung oder ein umlaufendes Klebeband zwischen Rumpf und Deckel kostet fast nichts und hält das meiste Wasser draußen.
- Elektronik einpacken. Ein alter Trick: Den Empfänger in einen Luftballon oder einen kleinen Zippbeutel stecken und die Öffnung mit einem Kabelbinder verschließen. Es gibt außerdem spritzwassergeschützte Empfänger und Servos.
- Auftrieb einbauen. Ein paar Stücke Styropor oder Schaumstoff im Rumpf sorgen dafür, dass ein vollgelaufenes Boot trotzdem oben bleibt. Dieser Tipp hätte meiner Ente ein Jahrzehnt im Schlamm erspart.
- Erst in die Badewanne. Vor dem ersten Einsatz auf dem Teich das Boot in der Wanne testen. Dort siehst du, ob es irgendwo hereinläuft, und kannst es gefahrlos herausfischen.
- Stevenrohr fetten. Die Wellendurchführung regelmäßig nachfetten, sonst zieht das Boot dort langsam, aber sicher Wasser.
Warum Funk unter Wasser nicht hilft
Heutige Fernsteuerungen funken fast alle auf 2,4 GHz. Wasser schluckt Funkwellen in diesem Bereich sehr stark, schon wenige Zentimeter genügen. Liegt die Empfängerantenne unter der Wasserlinie, kommt praktisch kein Signal mehr an. Deshalb gehört die Antenne bei Booten immer möglichst hoch und trocken verlegt. Ein gekentertes oder gesunkenes Boot steuerst du nicht mehr zurück.
Und wenn es doch passiert?
Ist das Boot gekentert und treibt noch, hilft nur Geduld, ein Kescher mit langem Stiel oder ein zweites Boot. Hat es Wasser gezogen, sofort den Akku abklemmen, die Elektronik ausbauen und gründlich trocknen lassen, bevor du wieder Strom anlegst.
Nasse Akkus
Ein LiPo-Akku, der im Wasser lag oder sichtbar beschädigt ist, gehört nicht mehr ins Modell. Lagere ihn auf einer nicht brennbaren Fläche im Freien, entlade ihn nach Herstellerangaben und bring ihn zur Sammelstelle. Lade einen solchen Akku auf keinen Fall noch einmal.
Was ist aus RC-Enten geworden?
Ferngesteuerte Enten, Schwäne und Fische sind bis heute ein beliebter Spaß. Daneben haben sich ganz eigene Bootsklassen entwickelt, zum Beispiel Futterboote für Angler, die Köder per Fernsteuerung an die richtige Stelle bringen. Technisch hat sich viel getan: wasserdichte Servos, kompakte Brushless-Motoren und LiPo-Akkus machen selbst kleine Boote erstaunlich schnell.
Am Grundprinzip hat sich nichts geändert. Ein dichter Rumpf, Auftrieb und eine trockene Elektronik entscheiden darüber, ob dein Boot nach der Ausfahrt im Regal steht oder für die nächsten zehn Jahre im Schlamm.
Wer echte Enten lieber in Ruhe beobachtet, findet bei meinen Enten im Park die entspannte Variante.
Mein Fazit
Dass meine Ente nach fast zehn Jahren wieder aufgetaucht ist, hat mich ehrlich gefreut, auch wenn der Grund dafür, ein ausgetrockneter Teich nach einer Firmenpleite, eher traurig ist. Gelernt habe ich daraus vor allem eines: Ein Deckel ist erst dann dicht, wenn man ihn auch abdichtet. Und ein Stück Styropor im Rumpf hätte die ganze Geschichte deutlich verkürzt.
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