Im Juni 2017 stand sie endlich vor mir: die Optimum MH 25 SV. Nach fast acht Jahren mit meiner umgebauten Optimum BF 20 wollte ich mehr Leistung, ohne dafür viel mehr Platz zu opfern. Hier kommen meine Eindrücke aus den ersten Wochen, der Nachtrag knapp ein Jahr später und ein Blick darauf, was du heute beim Kauf einer Hobbyfräse beachten solltest.
Warum der Umstieg von der BF 20?
Viel Platz habe ich nicht in der Werkstatt. Etwas mehr Leistung durfte es aber schon sein, damit die Fräsarbeiten schneller von der Hand gehen. Da kamen mir die 1,5 kW Spindelleistung der MH 25 gerade recht, gegenüber den 850 Watt der BF 20.
Der Arbeitstisch ist gut 100 Millimeter länger, was für mich allerdings keine große Rolle spielt. Interessanter fand ich den überarbeiteten Kreuztisch: Ringsherum ist eine Sicke eingearbeitet, über die die Kühlflüssigkeit ablaufen kann, statt in der halben Werkstatt zu landen.
Die Mechanik: bewährt und durchdacht
Die Achsen lassen sich jetzt über ein Bedienpult motorisch verfahren. Damit sich die Alu-Handräder im Schrittmotorbetrieb nicht mitdrehen, sind sie über eine einfache Mechanik mit Federn entkoppelt. Drückst du ein Handrad hinein, kannst du wie gewohnt per Hand den Kreuztisch in X und Y oder den Fräskopf in der Höhe bewegen. Eine schöne Lösung, die im Alltag wirklich praktisch ist.
Die Schwalbenschwanzführungen sind bewährte Technik, die es seit Jahrzehnten gibt. Mit meiner BF 20 hatte ich damit kaum Probleme, und über die Keilleisten ließ sich das Spiel gut nachjustieren. Die Verarbeitung an der MH 25 sah zumindest optisch ordentlich aus. An der Z-Achse hängt über eine Kette ein Gegengewicht, das den Schrittmotor entlastet. Bis hierhin war für diese Preisklasse alles gut und akzeptabel.
Schwalbenschwanz und Keilleiste
Eine Schwalbenschwanzführung ist eine schräg angeschnittene Gleitführung, in der Tisch oder Fräskopf laufen. Sie ist robust und dämpft Vibrationen gut. Mit der Zeit entsteht Spiel, das du über die Keilleiste nachstellst, eine leicht keilförmige Leiste mit Stellschrauben. Zu stramm eingestellt laufen die Achsen schwer, zu locker rattert das Werkzeug.
Die Elektronik: Licht und Schatten
Optisch ist die Elektronik okay, alles ist gut erreichbar, und die Bedienungsanleitung erklärt die letzten Unklarheiten. Ansonsten ist die Bedienung sehr intuitiv. Ein paar Dinge sind mir dennoch aufgefallen.
Die DRO 5 nullt nicht immer
Manchmal hing die digitale Positionsanzeige DRO 5 beim Nullen einzelner Achsen. Der Wert sprang nicht auf 0, obwohl ich die Taste mehrfach lange genug gedrückt hielt. Genullt wurde erst, nachdem die Achse bewegt worden war. Nach dem Aus- und Einschalten oder einem Verfahren der Achse ließ sich bis zu einem gewissen Punkt wieder sauber nullen. Der Fehler war reproduzierbar.
Die Z-Achse fiept statt zu fahren
Über Kippschalter und Potis verfährst du die Achsen in die gewünschte Richtung und mit der gewünschten Geschwindigkeit. Stand das Poti der Z-Achse auf Vollgas und ich wollte nach oben fahren, fing der Schrittmotor an zu fiepen, und nichts bewegte sich. Mit weniger Geschwindigkeit lief er an, danach konnte ich wieder voll aufdrehen. Eine Justage am Motortreiber hat das Problem behoben.
Warum Schrittmotoren fiepen
Ein Schrittmotor kann nicht aus dem Stand mit beliebig hoher Schrittfrequenz loslaufen. Oberhalb der sogenannten Start-Stopp-Frequenz reicht das Drehmoment nicht, um Rotor und Last mitzunehmen. Der Motor bleibt stehen und brummt oder fiept nur. Abhilfe schaffen eine Beschleunigungsrampe, ein passend eingestellter Motorstrom am Treiber oder eine geringere Startgeschwindigkeit. Die Z-Achse trifft es besonders, weil sie beim Hochfahren auch noch das Gewicht des Fräskopfs heben muss.
Der Not-Aus stoppte nicht alles
Das war der ernsteste Punkt. Beim Not-Aus hörte die Spindel zwar immer auf zu drehen, aber X oder Y fuhren manchmal weiter, immer nur eine der beiden Achsen. Erst der Schalter in Nullstellung oder der Endschalter brachte die Achse zum Stehen. Durch welche Handlung genau der Fehler ausgelöst wurde, konnte ich nicht herausfinden. Am Ende stellte sich heraus: Die Steuerplatine war defekt. Ein kurzes Telefonat mit Fehlerbeschreibung, und die Platine wurde ersetzt.
Not-Aus ist nicht verhandelbar
Ein Not-Aus muss alle gefährlichen Bewegungen sofort stoppen. Tut er das nicht, arbeite nicht weiter an der Maschine, sondern melde den Fehler dem Händler oder Hersteller. Teste den Not-Aus regelmäßig. Und die üblichen Regeln an der Fräse gelten immer: Schutzbrille auf, keine Handschuhe an der laufenden Spindel, lange Haare zusammenbinden, Werkstück fest spannen.
Kleinigkeiten am Rande
- Bedienteile: Endschalter, Potis, Touchpad und Schalter funktionierten zuverlässig und fassen sich gut an.
- Touchpanel: Als ich es endlich einmal abgenommen hatte, zeigte sich: Lack auf Lack. Schon nach einmaligem Rein- und Rausschieben gab es viele kleine Striemen. Klar, Arbeitsgerät, schön ist es trotzdem nicht. Das Kabel ist mit etwa 1,5 Metern ausreichend lang, und das Panel liegt leicht und handlich in der Hand.
- Lüfter: Per Mail kam die Frage, ob das Lüfterrad zur Kühlung des Spindelmotors ständig läuft. Ja, sobald der Schaltschrank unter Strom steht, ist auch der Lüfter aktiv.
- DRO abgezogen: Beim Basteln hatte ich die DRO 5 abgezogen. Ist sie nicht mit dem Rest der Maschine verbunden, läuft die Spindel nicht an. Wieder anstecken, und alles funktioniert wie zuvor. Man muss das nur wissen, sonst sucht man erst einmal nach dem Fehler.
Als Nächstes stand auf meiner Liste, die MH 25 mit meiner Netzwerksteuerung Micro Step 42-3 zu verheiraten. Dann wäre ich wunschlos glücklich.
Nachtrag Mai 2018: knapp ein Jahr später
Ein ganzes Jahr war noch nicht um, aber ein Resümee ließ sich ziehen: Die MH 25 SV macht ihr Ding. Die Elektronik war anfangs defekt, was ich als Kinderkrankheit verbuche. Manche der Fehler waren Folgefehler davon und ließen sich nach dem Tausch der Elektronik nicht mehr reproduzieren.
Aus heutiger Sicht (2026)
Die MH 25 SV in dieser Form taucht im aktuellen Programm von Optimum nicht mehr auf. Stattdessen gibt es die Varianten MH 25PV und MH 25SPV, beide mit Pinole. Die MH 25SPV bringt laut Hersteller wie meine Maschine 1,5 kW Spindelleistung, Schrittmotoren an allen drei Achsen und die DRO 5 mit, dazu eine Pinole mit 60 Millimetern Hub und eine BT-30-Spindelaufnahme. Der Link oben zum Händler führt inzwischen auf dieses Modell.
Wenn du heute über eine Hobbyfräse nachdenkst, würde ich auf diese Punkte achten:
- Platz und Gewicht: Maschinen dieser Klasse wiegen um die 200 Kilogramm. Plane einen stabilen Unterbau ein und prüfe, ob der Boden das trägt.
- Spindelaufnahme: Davon hängt ab, welche Werkzeughalter du nutzen kannst. Ein verbreiteter Standard spart später Geld.
- Vorschub: Motorische Achsen sind ein Komfortgewinn. Wer später auf CNC umrüsten will, sollte darauf achten, wie gut sich Motoren und Steuerung austauschen lassen.
- Service: Mein Not-Aus-Problem wurde nach einem Telefonat gelöst. Ein erreichbarer Händler mit Ersatzteilversorgung ist mindestens so viel wert wie ein paar Watt mehr Leistung.
Wer neben der Fräse noch andere Wege sucht, Teile herzustellen, findet bei mir einiges zum 3D-Druck und zum Kalibrieren eines Anet A8. Und wenn die gefrästen Alu-Teile Farbe bekommen sollen, hilft der Beitrag zum Eloxieren.
Mein Fazit
Die MH 25 SV war für meine kleine Werkstatt ein echter Schritt nach vorn: mehr Leistung, motorische Achsen und durchdachte Details wie die entkoppelten Handräder. Die Elektronik hatte anfangs ihre Macken, der Service hat das aber schnell geregelt. Für mich zählt am Ende genau diese Kombination aus solider Mechanik und einem Händler, der ans Telefon geht.
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