Im Sommer 2008 war ich ziemlich genervt. So eine Diplomarbeit zehrt an den Nerven, und irgendwann brauchte ich einfach eine Pause. Also dachte ich mir: Geh mal in den Park und schau den Enten zu. Meine eigene lebt ja nicht mehr – gemeint ist meine ferngesteuerte RC-Ente. Eine halbe Stunde sollte es werden. Nach zwei Stunden bin ich wieder aufgewacht.
Was die Enten da eigentlich treiben
Ein paar Fotos habe ich vor dem Nickerchen noch geschafft: eine Ente beim Putzen, ein paar Schwäne und eine Gruppe Enten auf dem Wasser. Gerade das Putzen ist spannender, als es aussieht.
Enten pflegen ihr Gefieder ständig. An der Schwanzwurzel sitzt die Bürzeldrüse, die ein öliges Sekret produziert. Mit dem Schnabel verteilen die Enten es Feder für Feder. So bleibt das Gefieder wasserabweisend, und darunter hält sich ein isolierendes Luftpolster. Ohne diese Pflege würde eine Ente regelrecht durchweichen.
Im Hochsommer kommt noch etwas dazu: die Mauser. Bei Stockenten-Erpeln beginnt sie etwa zwischen Juli und August. Sie tauschen ihr Prachtkleid gegen ein unauffälliges, weibchenähnliches Schlichtkleid und werfen dabei alle Schwungfedern auf einmal ab. Drei bis fünf Wochen lang können sie dann nicht fliegen. Kein Wunder, dass in dieser Zeit besonders viel geputzt und gezupft wird – und dass am Ufer überall Federn liegen.
Warum Brot für Enten keine gute Idee ist
Wer in den Park geht, hat oft eine Tüte altes Brot dabei. Gut gemeint, aber für Wasservögel ist Brot ein schlechtes Futter:
- Kaum Nährstoffe. Brot macht satt, liefert aber zu wenig von dem, was Enten brauchen. Auf Dauer kann das zu Mangelerscheinungen führen.
- Schimmel ist gefährlich. Verschimmeltes Brot kann Vögel vergiften.
- Schlecht fürs Wasser. Was nicht gefressen wird, sinkt auf den Grund und fault. Vor allem kleine Parkteiche ohne Zu- und Abfluss kippen dadurch leichter.
- Ratten. Futterplätze locken auch ungebetene Gäste an.
Wenn du unbedingt füttern willst, nimm kleine Mengen geeigneten Futters, etwa Getreide, Wassergeflügelfutter aus dem Fachhandel oder abgespülten Dosenmais, und nur so viel, wie sofort gefressen wird. In vielen Parks ist das Füttern ohnehin verboten oder unerwünscht, achte also auf die Schilder. Für Jungvögel gilt übrigens dasselbe: Brot und Milch sind tabu. Mehr dazu steht in der Rückschau auf mein Spatzsitting.
Tipps: Wasservögel im Park fotografieren
Enten und Schwäne sind dankbare Motive. Sie sind an Menschen gewöhnt, halten relativ still und sind fast überall zu finden. Mit ein paar Kniffen werden die Bilder deutlich besser:
- Runter auf Augenhöhe. Von oben herab fotografiert sieht jede Ente aus wie ein Fleck auf dem Wasser. Geh in die Hocke oder leg dich am Ufer flach hin. Auf Augenhöhe wirken die Tiere viel lebendiger.
- Ein wenig Tele. Mit längerer Brennweite kannst du Abstand halten und den Hintergrund unscharf werden lassen.
- Weiße Schwäne knapp belichten. Das weiße Gefieder brennt schnell aus und verliert jede Struktur. Stell die Belichtungskorrektur leicht ins Minus.
- Spiegelungen nutzen. Ruhiges Wasser am Morgen oder Abend liefert schöne Spiegelbilder.
- Auf Momente warten. Putzen, Flügelschlagen, Abtauchen – das sind die Bilder, die hängen bleiben. Mit Serienbild erwischst du den richtigen Augenblick.
Abstand zu Schwänen
Schwäne verteidigen ihre Jungen sehr energisch. Wenn ein Schwan zischt, den Hals vorstreckt oder die Flügel aufstellt, geh ein Stück zurück. Ein langes Tele ist hier die beste Lösung für alle Beteiligten.
Und das Nickerchen?
Eine halbe Stunde sollte es werden, zwei Stunden wurden daraus. Muss auch mal sein. Wer schon einmal an einer Abschlussarbeit gesessen hat, weiß, wie sehr einen das schlaucht.
Wenn du so eine Pause bewusst einplanst, reicht oft schon ein kurzer Mittagsschlaf von etwa 20 Minuten. Der erfrischt, ohne dass du in den Tiefschlaf rutschst. Nach einem längeren Schlaf fühlt man sich dagegen oft erst einmal benommen. Aber mal ehrlich: Im Park auf der Wiese, mit Entengeschnatter im Hintergrund – es gibt schlimmere Orte zum Abschalten.
Pausen in der Lern- oder Schreibphase
Plane Pausen ein, bevor du völlig erledigt bist. Kurze Spaziergänge an der frischen Luft, Bewegung und ein Ortswechsel helfen dem Kopf oft mehr als die nächste Tasse Kaffee. Und wenn du die Kamera mitnimmst, kommt sogar noch etwas dabei heraus.
Mehr aus dem Sommer 2008
Dieser Sommer war bei mir fotografisch ziemlich ergiebig. Ungefähr zur selben Zeit habe ich auf einer Modenschau in Chemnitz eine halbe Stunde lang eine Schwebfliege verfolgt, statt auf den Laufsteg zu schauen. Mit Ablenkung kenne ich mich also aus.
Mein Fazit
Eine halbe Stunde Enten gucken, zwei Stunden Schlaf – für meinen Diplomstress war das genau die richtige Medizin. Wenn du das nächste Mal in den Park gehst: Lass das Brot zu Hause, nimm die Kamera mit und geh auf Augenhöhe mit den Enten. Und wenn du dabei einschläfst, ist das auch in Ordnung.
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