Modellbau-Alufelgen für einen Monstertruck 1:5

Sah top aus, ließ sich aber mit der bloßen Hand eindrücken: meine erste Monstertruck-Alufelge in 1:5 – und wie du Rechenfehler im Fräsprogramm vermeidest.

4–6 Minuten

Im Juli 2007 habe ich mich endlich an Alufelgen für einen Monstertruck im Maßstab 1:5 gewagt. Die Zeichnung hatte ich schon vor Äonen fertig, nur nie die Zeit. Dann war das Werk vollbracht, dachte ich jedenfalls. Hier steht, was schiefging, und was du daraus für eigene Frästeile lernen kannst.

Der erste Eindruck: richtig gut

Frisch aus der Maschine sah die Felge schon mal gut aus. Für die erste Monstertruck-Alufelge in 1:5 war ich zufrieden. Ein paar kleine Riefen im Stern, also in den Speichen, aber ansonsten top.

Wer meine ersten Felgen am 1:10er kennt, weiß, dass ich nicht ganz bei null angefangen habe. Eine 1:5er-Felge ist aber eine andere Hausnummer. Sie ist größer, schwerer und muss deutlich mehr aushalten, denn so ein Monstertruck landet nach Sprüngen mit ordentlich Gewicht auf den Rädern.

Das große Aber: ein Stern zum Eindrücken

Dann kam das große Aber. Den Stern konnte ich mit der bloßen Hand eindrücken. Was war passiert? Eigentlich nicht viel: Ich hatte mich verrechnet. Hätte ich das Programm mal nicht so lange liegen lassen.

Ein Maurer wäre über eine auf 5 Millimeter genaue Bearbeitung vielleicht glücklich gewesen. Bei einer Felge, deren Speichen ein paar Millimeter stark sein sollen, ist das der Unterschied zwischen stabil und Alufolie.

Wie man sich bei einem Fräsprogramm verrechnet

Fehler in CNC-Programmen sind selten spektakulär, sondern fast immer banal. Die häufigsten Quellen:

  • Werkzeugradius vergessen oder doppelt berücksichtigt. Wird die Fräserbahn auf der falschen Seite der Kontur geführt, fehlt plötzlich ein ganzer Fräserdurchmesser Material.
  • Falscher Nullpunkt. Sitzt der Werkstücknullpunkt in Z ein paar Millimeter zu tief, wird jede Tasche entsprechend tiefer.
  • Vorzeichen und Einheiten. Ein Minus vergessen, Zoll und Millimeter verwechselt, Radius statt Durchmesser eingegeben.
  • Alte Annahmen. Wer ein Programm monatelang liegen lässt, weiß nicht mehr, welches Werkzeug, welcher Rohling und welche Spannung gemeint waren. Genau das ist mir passiert.

So vermeidest du den Felgen-Totalschaden

  1. Simulieren. Lass die Werkzeugbahnen vor dem ersten Span in der Software durchlaufen und schau dir das virtuelle Ergebnis aus allen Richtungen an.
  2. Probelauf in weichem Material. Ein Durchlauf in Hartschaum, Holz oder Kunststoff kostet wenig und zeigt Fehler, bevor teures Aluminium auf dem Tisch liegt.
  3. Einrichteblatt anlegen. Notiere Werkzeuge, Nullpunkt, Rohteilmaße und Spannmittel zum Programm. Dann klappt es auch nach einem halben Jahr Pause.
  4. Zwischendurch messen. Nach dem ersten Arbeitsgang kurz mit dem Messschieber prüfen, ob die Wandstärken stimmen.
  5. Mindestwandstärken festlegen. Leg in der Konstruktion fest, wie dünn Speichen und Felgenbett höchstens werden dürfen, und prüf das im Modell nach.

Worauf es bei der Konstruktion ankommt

Eine Felge sieht simpel aus, muss aber einiges können: Sie überträgt das Antriebsmoment von der Nabe auf den Reifen, fängt Landungen ab und soll dabei möglichst leicht sein. Ein paar Grundregeln helfen:

  • Höhe schlägt Breite. Die Biegesteifigkeit eines rechteckigen Speichenquerschnitts wächst mit der dritten Potenz der Höhe, aber nur linear mit der Breite. Doppelt so hoch heißt achtmal so steif, doppelt so breit nur doppelt so steif. Wer Gewicht sparen will, macht Speichen also lieber schmal und hoch als breit und flach.
  • Radien statt scharfer Ecken. An scharfkantigen Übergängen, etwa zwischen Speiche und Nabe, sammeln sich die Spannungen. Dort entstehen bei Dauerbelastung zuerst Risse. Ein sauberer Radius verteilt die Last. Beim Fräsen ist der kleinste Innenradius ohnehin durch den Fräserradius vorgegeben, das solltest du in der Zeichnung gleich berücksichtigen.
  • Die Nabe nicht zu dünn machen. Hier sitzen Mitnehmer und Radmutter, hier wird das ganze Drehmoment übertragen. Am Nabenbereich zu sparen, lohnt sich nicht.
  • Rundlauf prüfen. Eine Felge, die eiert, erzeugt bei hohen Drehzahlen Vibrationen. Die gehen auf Lager, Antriebswellen und Fahrwerk.

Welches Aluminium für RC-Felgen?

Für Felgen und andere Frästeile im Modellbau werden meist zwei Legierungen genommen:

LegierungEigenschaftenEloxieren
EN AW-6082 (AlSi1MgMn)gut zerspanbar, mittlere Festigkeit, günstigsehr gut
EN AW-7075 (AlZnMgCu)hohe Festigkeit, etwas teurergut, Farben teils weniger gleichmäßig

Kupferhaltige Automatenlegierungen lassen sich zwar prima zerspanen, aber schlecht eloxieren. Wer seine Felgen später farbig haben will, sollte das schon beim Material bedenken. Wie das Eloxieren funktioniert, habe ich in einem eigenen Beitrag übers Eloxieren beschrieben.

Wie es weiterging

Damals hatte ich versprochen, mich zu melden, sobald das Projekt ein gutes Ende nimmt. Ein paar Tage später war es so weit. Das angepasste Programm und die neue Felge findest du unter Monstertruckfelge, Klappe die Zweite.

Andere Felgentypen und Maßstäbe waren damals schon in Planung. Eine Auswahl an Alufelgen für RC-Cars in 1:10 und 1:5 gibt es bei Modellbau Sieghard.

Aus heutiger Sicht (2026)

Vieles, was 2007 mühsam war, geht heute leichter. CAM-Programme simulieren den Materialabtrag inzwischen standardmäßig, kommerzielle Pakete ebenso wie Open-Source-Lösungen. Fehler wie meiner fallen so oft schon am Bildschirm auf.

Dazu kommt der 3D-Drucker. Einen Prototyp der Felge druckst du in ein paar Stunden aus Kunststoff, steckst ihn auf die Achse und prüfst Passung, Einpresstiefe und Optik, bevor ein Gramm Aluminium zerspant wird. Einen Überblick über die Technik findest du in meinem Beitrag 3D-Druck – der Überblick.

Häufige Fragen

Lohnen sich Alufelgen für ein RC-Car überhaupt?

Alufelgen sind stabiler und präziser als die meisten Kunststofffelgen und sehen einfach gut aus. Dafür sind sie schwerer und teurer. Gerade bei schnellen Modellen bringt zusätzliche ungefederte Masse Nachteile im Fahrverhalten, für Show-Modelle und Großmaßstäbe sind sie dagegen oft erste Wahl.

Kann ich Felgen auch aus dem 3D-Drucker fahren?

Für leichte Modelle und Prototypen ja, mit zähen Materialien wie PETG oder Nylon. Bei schweren 1:5er-Monstertrucks stoßen gedruckte Felgen schnell an ihre Grenzen. Zum Anprobieren und Testen sind sie aber ideal.

Kann man fertige Alufelgen nachträglich färben?

Ja, durch Eloxieren. Die Felge muss dafür aus einer geeigneten Legierung bestehen und vorher völlig sauber und fettfrei sein.

Mein Fazit

Der eingedrückte Stern hat mich damals richtig geärgert, war aber eine gute Lektion: Ein Programm, das man lange liegen lässt, muss man vor dem Fräsen komplett neu prüfen. Heute würde ich jede neue Felge zuerst simulieren und als Druckteil anprobieren. Das spart Material, Zeit und Nerven.

Kommentare

9 Kommentare zu „Modellbau-Alufelgen für einen Monstertruck 1:5“

  1. Avatar von rouge

    Die sehen aber toll aus 😉

  2. Avatar von admin
    admin

    🙂 jaja ^^ Die nächsten haben dann auch ein Fräsbild und sind poliert. 🙂 Hier war es ziemlich sinnlos, bei einer Wandstärke von 1mm… 😉

  3. Avatar von rouge

    Klaro – ein bisschen „Pling Pling“ muss ja sein 🙂 Ja wäre wohl keine gute Idee gewesen.

  4. Avatar von Ralf Schwabe
    Ralf Schwabe

    Hallo Patrick womit hast du die denn gefertigt mit welcher Fräse wäre nett wenn du mir darüber bescheid geben könntest.Die Zeichnung hast du die selber gemacht oder wo bekommt man sowas her. wäre nett eine Antwort von dir zu bekommen Mfg Ralf

  5. Avatar von Patrick
    Patrick

    Gefertigt sind die Felgen auf einer Drehmaschine Knuth 410 und einer Optimum BF 46 Vario. Die Zeichnungen ist selbst erstellt auf der Software PC Dreh und PC Fräsen.

  6. Avatar von Alufelgen
    Alufelgen

    Da kann man nur staunen was alles möglich ist. Aber es ist ein super Effekt.

  7. […] und Montagezeit sollen darin stecken, so hieß es. Die Zahlen sprechen für sich. Mit meinen selbst gefrästen Felgen kam ich mir dagegen ziemlich klein vor. Ich wollte auch so […]

  8. […] es mit den Felgen weiterging, kannst du bei meinen Alufelgen für einen Monstertruck in 1:5 nachlesen. Neue RC-Alufelgen gibt es bei Modellbau […]

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