Kurzurlaub in Mühlhausen

Eigentlich bin ich kein Fan alter Gemäuer. Vier Tage Mühlhausen mit Stadtmauer, Ponys und neugierigen Hühnern im AntoniQ haben mich trotzdem überzeugt.

4–6 Minuten

Burgen, alte Mauern und Kirchen sind eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Trotzdem fand ich das „kleine Örtchen“ Mühlhausen in Thüringen im Juli 2007 richtig spannend. Vier Tage habe ich dort verbracht, untergekommen bin ich auf dem Gelände des AntoniQ. Hier erzähle ich, was mich überrascht hat, und gebe dir ein paar Tipps, was du in und um Mühlhausen heute erleben kannst.

Ankunft: Stadttor oder Turm mit Tor?

Als ich von der A38 abfuhr, war ich mir überhaupt nicht sicher, was mich erwarten würde. Das änderte sich recht schnell, als ich vor dem Stadttor stand. Oder ist das eher ein Stadtturm mit Tor? So genau konnte ich das nicht sagen, beeindruckend war es jedenfalls.

Die Stadt wirkte auf mich sehr aufgeräumt, selbst die Mauern erstrahlten regelrecht in ihrer Pracht. Und sie war richtig belebt. Man sollte eben nicht mit Vorurteilen irgendwo hinfahren, denn es kann gut sein, dass sie sich überhaupt nicht bestätigen.

Alte Gemäuer, die sogar mir gefallen

Ich habe ja eigentlich kein Auge für „alte Gemäuer“. Diese hier fand ich aber sehr angenehm, und es gab immer wieder etwas zu entdecken, wenn man sich die Zeit dafür nahm: Straßenzüge, Ecken der Stadtmauer, Kapellen und Türme.

Ganz zu Recht, wie ich heute weiß. Die Stadtmauer von Mühlhausen wurde um 1200 errichtet, war 2,7 Kilometer lang und hatte sieben Doppeltore und 38 Wehr- und Kanzeltürme. Teile davon sind bis heute erhalten, samt Wehrgang. Das Frauentor ist das letzte erhaltene Tor der Stadtmauer, dort steht auch ein Denkmal für Thomas Müntzer.

Untergekommen im AntoniQ

Gewohnt habe ich im AntoniQ. Das ist wie ein kleiner Ort im Ort Mühlhausen. Damals konnte man dort noch richtig Urlaub auf dem Bauernhof machen. Alle waren lieb, die Menschen wie die Tiere.

Die Ponys und die Rabauken

Zwei Ponys habe ich sehr oft aus derselben Perspektive gesehen, nämlich von hinten, beim Fressen. Damit ich die beiden auch mal von vorn zu Gesicht bekam, musste ich mich schon bewegen. Ganz so schlimm war es nicht, die zwei haben auch mal etwas anderes gemacht. Langweilig wurde mir auf dem Gut jedenfalls nie.

Allein war man dort auch nie. Einige Tiere folgten einem auf Schritt und Tritt, keine Spur von Angst. Die Rede ist von den Rabauken des Hofs: Puten und Hühnern. Die konnte man sogar streicheln. Ich hatte vorher noch nie Federn an einem lebenden Tier angefasst. Und neugierig waren die!

Kapelle, Waldhäuschen und Katze

Auf dem Gelände gibt es sogar eine Kirche, die von außen und innen sehr gut restauriert wurde und heute anders genutzt wird. Wer Ruhe und Sonne suchte, fand sie an einem etwas abgeschiedenen Waldhäuschen, ebenfalls auf dem Gut, inklusive einer Katze, die es sich auf einem Querbalken gemütlich gemacht hatte. Eine Kuh habe ich auch gesehen. Hier gab es wirklich alles, nur keinen Stress.

Man hat gemerkt, dass an der ganzen Sache Herzblut hängt. Kein lieblos abgefertigter Aufenthalt, wie ich es woanders schon erlebt hatte. Danke noch einmal an Knut, dass ich vier Tage auf seinem Hof verbringen durfte.

Das AntoniQ heute

Das AntoniQ gibt es weiterhin. Heute versteht es sich als freie Jugendherberge und Gruppenunterkunft und beschreibt sich als „über 800 Jahre altes Dorf in der Stadt“. Auf dem Anwesen gibt es mehrere Häuser, eine Kirche und eine Herberge für Pilgernde. Zielgruppen sind vor allem Kinder- und Jugendfreizeiten, Klassenfahrten, Seminare, Familientreffen und Musikgruppen. Träger ist der Verein Diakonie Doppelpunkt. Seit August 2025 erhebt die Stadt Mühlhausen eine Beherbergungssteuer von 2,50 Euro pro Nacht für Erwachsene.

Was du in Mühlhausen nicht verpassen solltest

Wenn du heute nach Mühlhausen fährst, lohnen sich diese Ziele:

  • Stadtmauer und Rabenturm: Ein Rundgang entlang der Mauer zeigt dir die Stadt von ihrer wehrhaften Seite. Der Rabenturm gehört zum Mauerring.
  • Marienkirche: die zweitgrößte Kirche Thüringens. Ihr Mittelturm ist mit 86,7 Metern der höchste des Landes. Im Kirchenraum befindet sich die Müntzer-Gedenkstätte.
  • Divi-Blasii-Kirche: Hier war Johann Sebastian Bach 1707 und 1708 Organist. Vor der Kirche steht seit 2009 ein Bach-Denkmal.
  • Anreise: Mit der Bahn kommst du über die Strecke Gotha–Leinefelde nach Mühlhausen, mit dem Auto über die Bundesstraßen B 247 und B 249.
  • Auf Müntzers Spuren: Der Reformator und Bauernkriegsführer Thomas Müntzer wirkte 1525 in Mühlhausen. Seit 2016 trägt die Stadt den Titel „Reformationsstadt Europas“.

Abstecher in den Hainich

Mühlhausen liegt am Rand des Hainich. Der Nationalpark Hainich im Dreieck Eisenach, Mühlhausen und Bad Langensalza besteht seit 1997, ist der einzige Nationalpark Thüringens und umfasst rund 7.500 Hektar, vor allem Buchenwald. Seit 2011 gehört er zum UNESCO-Welterbe „Alte Buchenwälder“. Beim Forsthaus Thiemsburg führt ein rund 530 Meter langer Baumkronenpfad durch die Wipfel. Ein schöner Ausgleich zu so viel Stadtgeschichte.

Was ich verpasst habe

Ein Biber ist mir damals über den Weg gelaufen, und ausgerechnet da hatte ich die Kamera vergessen. Die übrigen Bilder von Stadtmauer, Kapellen und Türmen gibt es leider nicht mehr. Ein Grund mehr, selbst hinzufahren.

Wie anstrengend Autofahren dagegen sein kann, steht in Autobahn Potsdam Nürnberg. Wer alte Gemäuer lieber in HDR mag, schaut sich mein Colditzer Schloss in HDR an, und für mehr Action draußen empfehle ich den Kletterwald.

Mein Fazit

Mühlhausen hat mich als bekennenden Gemäuer-Muffel überrascht: eine aufgeräumte, lebendige Stadt mit beeindruckender Stadtmauer und einer Unterkunft, an der Herzblut hängt. Wenn du in Thüringen unterwegs bist, plan ruhig ein paar Tage ein und kombinier die Altstadt mit einem Ausflug in den Hainich.

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