Wände und Decken richtig streichen

Alte Bude, neue Bude, zweimal Malermeister: Mein Merkzettel zum Wände- und Deckenstreichen – mit Reihenfolge, Farbbedarf und den Fettnäpfchen, die du dir sparen kannst.

6–10 Minuten

Zu allererst: Ich zieh nie wieder um! Alte Bude herrichten, neue Bude herrichten – da wird man ja noch zum Malermeister. Damit ich beim nächsten Mal, falls es doch eins gibt, nicht wieder in dieselben Fettnäpfchen trete, habe ich mir im April 2009 einen kleinen Merkzettel geschrieben. Hier ist er, ergänzt um alles, was ich heute noch dazuschreiben würde.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst die Decke, dann die Wände – und vor jeder Fläche zuerst Ecken und Kanten mit dem Pinsel.
  • Mit dem Roller kreuzweise auftragen und zum Schluss in einer Richtung abrollen.
  • Rechne grob mit 150 bis 200 ml Farbe pro Quadratmeter und Anstrich.
  • Klebeband abziehen, solange die Farbe noch feucht ist.
  • Gründlich abdecken spart dir hinterher Stunden.

Was du zum Streichen brauchst

Mein Merkzettel von damals war kurz:

  • Farbe: etwa 190 ml pro Quadratmeter, 10 Liter reichen für ungefähr 60 m²
  • große Pinsel und Roller mit Teleskopstange
  • Streichgitter

Das ist immer noch die Grundausstattung. Ein paar Dinge würde ich heute ergänzen: einen Farbeimer, in den das Gitter eingehängt wird, einen schmalen Pinsel für Ecken, Malerkrepp, Abdeckfolie oder Malervlies, einen Rührstab und eine stabile Leiter. Die Teleskopstange ist übrigens kein Luxus. Ohne sie stehst du für jede Bahn an der Decke auf der Leiter.

Welche Farbe taugt was?

Auf jedem Eimer Dispersionsfarbe findest du Angaben nach der Norm DIN EN 13300. Zwei davon sind wirklich wichtig:

AngabeBedeutungWas du willst
Deckvermögen Klasse 1 bis 4Wie gut die Farbe den Untergrund abdeckt, Klasse 1 ist am bestenKlasse 1 oder 2
Nassabriebklasse 1 bis 5Wie gut sich die Wand später abwischen lässt, Klasse 1 ist am robustestenKlasse 2 oder 3 für Wohnräume

Ein Haken bei der Deckkraft: Die Klasse gilt nur bei der Ergiebigkeit, die der Hersteller daneben angibt, also zum Beispiel bei 7 m² pro Liter. Wer die Farbe dünner verstreicht, deckt schlechter. Billigfarbe mit Klasse 3 oder 4 ist oft der Grund, warum man am Ende doch dreimal streicht.

Wie viel Farbe brauchst du?

Bei 190 ml pro Quadratmeter reichen 10 Liter rechnerisch für gut 50 m². Meine ungefähr 60 m² waren also eher optimistisch, auf vielen Eimern steht allerdings tatsächlich eine Ergiebigkeit in dieser Größenordnung. Je nach Untergrund schwankt der Verbrauch deutlich: Raufaser und saugende Wände schlucken mehr, glatte, vorgestrichene Flächen weniger.

So rechnest du grob für ein Zimmer von 4 × 5 Metern mit 2,50 m Deckenhöhe:

  1. Wände: (4 + 5) × 2 × 2,50 m = 45 m², abzüglich Tür und Fenster bleiben rund 40 m².
  2. Decke: 4 × 5 m = 20 m².
  3. Zusammen 60 m², bei zwei Anstrichen also 120 m².
  4. Bei 150 bis 190 ml pro m² brauchst du damit etwa 18 bis 23 Liter Farbe.

Vorbereitung: Abdecken ist die halbe Miete

Das stand auf meinem Merkzettel:

  • mögliche Spinnweben entfernen
  • den Fußboden möglichst gründlich abdecken – Abdeckfolie gab es im Baumarkt damals schon für 49 Cent
  • Teppichleisten an den Wänden ebenfalls abdecken, denn Farbe rausschrubben macht keinen Spaß

Dazu würde ich heute noch packen:

  • Möbel raus oder in die Raummitte schieben und abdecken. Bilder, Regale und Nägel von der Wand.
  • Untergrund prüfen: Wisch mit der Hand über die Wand. Bleibt weißer Staub hängen, kreidet sie, dann hilft eine Grundierung. Löcher und Risse vorher spachteln.
  • Steckdosen und Schalter abkleben. Wenn du die Abdeckungen abschraubst, schalte vorher die Sicherung für den Raum aus.
  • Fenster und Türrahmen mit Malerkrepp abkleben, das Band gut andrücken.
  • Licht: Ein Baustrahler zeigt dir Fehlstellen, die du bei normaler Deckenbeleuchtung übersiehst.

Die richtige Reihenfolge: Kanten, Decke, Wände

Von den großen Flächen kommt zuerst die Decke dran. Logisch: Was von oben tropft, landet so auf Wänden, die ohnehin noch gestrichen werden.

Schritt 1: Ecken und Kanten herausstreichen

Bevor du an die Fläche gehst, streichst du mit dem Pinsel die Ecken und Kanten heraus, also die Übergänge zwischen Decke und Wand, die Raumecken und die Ränder an Fenstern und Türen. Dort kommt der Roller nicht sauber hin.

Mein wichtigster Tipp aus Erfahrung: Nicht einfach mit dem Pinsel an der Kante entlangziehen. Das sieht nach dem Trocknen nicht gut aus. Besser ist es, die Farbe aus der Ecke heraus in die Fläche zu streichen und einen Streifen von einigen Zentimetern anzulegen, den der Roller später überlappen kann. Wichtig ist, dass dieser Streifen noch feucht ist, wenn du mit dem Roller drübergehst. Sonst zeichnet sich um die Fläche herum ein sichtbarer Rahmen ab, weil Pinsel und Roller eine unterschiedliche Struktur hinterlassen.

Schritt 2: Die Decke kreuzweise streichen

Ist das erledigt, geht es an die Decke. Hier streichst du die Farbe zuerst über Kreuz auf, also kreuz und quer in überlappenden Bahnen. Der Grund liegt nahe: Man erwischt dadurch einfach mal alles. Zum Schluss rollst du noch einmal ohne neue Farbe geradlinig in einer Richtung ab. Bei mir war das damals an der Tapete entlang.

Als Faustregel für diesen letzten Durchgang gilt: an der Decke in Richtung des Lichteinfalls, also vom Fenster weg in den Raum hinein. So fallen eventuelle Rollspuren am wenigsten auf.

Schritt 3: Die Wände

Genauso gehst du anschließend bei den Wänden vor. Erst Kanten und Ecken, dann die Fläche kreuzweise, zum Schluss senkrecht von oben nach unten abrollen. Streich eine Wand am Stück fertig und mach mittendrin keine Kaffeepause. Die Bahnen sollten immer nass in nass ineinanderlaufen, sonst siehst du später jeden Ansatz.

Roller richtig beladen

Tauch den Roller in den Eimer und roll ihn am Gitter gründlich ab, bis die Farbe gleichmäßig verteilt ist und nichts mehr tropft. Zu viel Farbe gibt Läufer und Spritzer, zu wenig gibt Streifen. Lass den Roller mit wenig Druck laufen, die Arbeit macht die Farbe.

Nachbereitung und zweiter Anstrich

Hast du mit Klebeband gearbeitet, entferne es, bevor die Farbe getrocknet ist. Sonst wird es ziemlich schwer, und die Farbkante reißt beim Abziehen mit. Zieh das Band langsam und flach ab.

Bei mir hat es übrigens erst nach dem zweiten Streichen richtig geklappt. Das ist ganz normal, vor allem bei Farbwechseln, bei saugenden Untergründen oder bei Farbe mit schwächerer Deckkraft. Wichtig ist nur, dass der erste Anstrich wirklich trocken ist, bevor du den zweiten aufträgst. Wie lange das dauert, steht auf dem Eimer und hängt stark von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab.

Pinsel und Roller streichst du zuerst auf Zeitungspapier aus und wäschst sie dann mit Wasser aus. Restfarbe hältst du gut verschlossen und frostfrei für spätere Ausbesserungen. Eingetrocknete Reste dürfen in vielen Gemeinden in den Restmüll, flüssige Reste gehören zum Wertstoffhof oder zur Schadstoffsammlung. Was genau gilt, sagt dir dein örtlicher Entsorger.

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

FehlerFolgeBesser
Pinsel an der Kante entlanggezogenSichtbarer Rahmen nach dem TrocknenAus der Ecke heraus streichen, nass in nass rollen
Pause mitten in der FlächeAnsätze und StreifenJede Fläche am Stück fertig streichen
Klebeband erst nach dem Trocknen abgezogenAusgerissene KantenBand abziehen, solange die Farbe feucht ist
Boden nur halb abgedecktFarbspritzer auf Laminat und LeistenAlles abdecken, Ränder festkleben
Billigfarbe gekauftDritter Anstrich nötigAuf Deckvermögen Klasse 1 oder 2 achten

Streichen beim Auszug aus der Mietwohnung

Ob du beim Auszug überhaupt streichen musst, hängt von deinem Mietvertrag ab, und viele Klauseln halten vor Gericht nicht. Laut Bundesgerichtshof sind zum Beispiel starre Renovierungsfristen unwirksam (2004), ebenso Renovierungsklauseln, wenn du die Wohnung unrenoviert übernommen hast und der Vermieter dafür keinen Ausgleich gezahlt hat (2015). Knallbunte Wände solltest du vor der Rückgabe trotzdem wieder neutral streichen, wenn du die Wohnung hell übernommen hast. Im Zweifel hilft dir ein Mieterverein weiter.

Aus heutiger Sicht (2026)

An der Technik hat sich seit 2009 wenig geändert: Kanten vorstreichen, Decke zuerst, nass in nass, Klebeband rechtzeitig ab. Bei den Farben hat sich aber einiges getan. Viele Innenfarben sind heute lösemittelfrei und emissionsarm, das Umweltzeichen Blauer Engel hilft beim Auswählen. Für Allergiker gibt es konservierungsmittelfreie Varianten.

Außerdem stehen im Baumarkt inzwischen elektrische Farbsprühsysteme für Heimwerker. Die sind schnell, verlangen aber noch gründlicheres Abdecken, weil der Sprühnebel überall hinzieht. Für ein oder zwei Zimmer würde ich weiterhin zu Roller und Pinsel greifen.

Und mein „nie wieder umziehen“? Ganz neu war mir das Thema 2009 nicht: Beim Umzug von Dresden nach Chemnitz hatte ich zwei Jahre vorher schon mit angepackt, und für den eigenen Umzug hatte ich im März einen LKW gemietet. Immerhin hatte ich kurz danach endlich wieder einen Backofen, und das erste selbst gebackene Brot ließ nicht lange auf sich warten.

Häufige Fragen

Wie viel Farbe brauche ich für ein Zimmer?

Rechne mit etwa 150 bis 190 ml pro Quadratmeter und Anstrich. Für ein Zimmer von 4 × 5 Metern mit Decke und zwei Anstrichen kommst du grob auf 18 bis 23 Liter. Saugende Untergründe und Raufaser brauchen mehr.

Streiche ich zuerst die Decke oder die Wände?

Zuerst die Decke, dann die Wände. Und vor jeder Fläche streichst du die Ecken und Kanten mit dem Pinsel vor.

Wann ziehe ich das Malerkrepp ab?

Solange die Farbe noch feucht ist, also direkt nach dem letzten Anstrich. Ist die Farbe schon trocken, reißt die Kante beim Abziehen mit aus.

Muss ich zweimal streichen?

Meistens ja, vor allem bei Farbwechseln, saugenden Untergründen oder Farbe mit schwächerer Deckkraft. Mit einer gut deckenden Farbe auf gleichfarbigem Untergrund reicht manchmal ein Anstrich.

Mein Fazit

Streichen ist kein Hexenwerk, aber es verzeiht wenig Schlamperei bei der Vorbereitung. Meine wichtigste Lektion von damals gilt bis heute: Kanten nicht einfach entlangpinseln, sondern herausstreichen und nass in nass weiterrollen. Und falls du das hier liest, weil du gerade selbst umziehst: viel Glück!

Kommentare

4 Kommentare zu „Wände und Decken richtig streichen“

  1. Avatar von FL4PJ4CK
    FL4PJ4CK

    Ohje, aber jetzt ist der Stress ja größtenteils vorbei, oder? Das erste Brot ist gebacken ( 😉 ), dann kannste dich ja jetzt richtig im neuen Heim einleben.

  2. Avatar von Markus
    Markus

    Das Streichen ist schon eine Wissenschaft für sich 🙂
    Hoffe du musst so schnell nicht wieder umziehen!

  3. Avatar von Micha
    Micha

    Ja dass hoffe ich auch,..
    ich kenne dass selbst zu gut..:=)
    hoffe die küche steht und ihr lasst es euch schmecken..
    🙂
    Micha

  4. […] Ein Punkt wird gern vergessen: Licht, das flach über die Decke streicht, zeigt jede Unebenheit, jede Spachtelkante und jeden Rollerstreifen gnadenlos. Bring die Decke deshalb vorher in Ordnung. Wie das sauber klappt, steht in meinem Beitrag Wände und Decken richtig streichen. […]

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