Ganz ehrlich: Im Oktober 2008 hätte ich kotzen können. Am 7. November 2005 hatte ich mir beim Lidl ein Navigationssystem gekauft, für zarte 349 Euro. Knapp drei Jahre später lotste mich das Ding mit Karten von vorgestern durch die Gegend, und es gab niemanden mehr, der mir neue liefern konnte. Hier ist die ganze Leidensgeschichte und dazu ein Blick darauf, was aus Navis, Karten-Updates und dem Thema Support bis heute geworden ist.
Drei Jahre alt und schon von gestern
An einem Tag im Oktober 2008 kam ich zu der Feststellung, dass das Kartenmaterial hoffnungslos veraltet war. Einbahnstraßen waren nicht ausgewiesen, Umgehungsstraßen nicht eingezeichnet, und so weiter. Nun gut, in fast drei Jahren sind ja auch einige Kubikmeter die Mulde hinuntergeflossen. Straßen ändern sich, das ist normal.
Ich brauchte also einfach mal neues Kartenmaterial. Ich wusste noch, dass es mindestens drei Jahre Support geben sollte. Also hab ich den Karton von dem Teil gezückt, um an die Kontaktdaten heranzukommen. Da war sie, die Anleitung vom MyGuide Navigator 4000, und auf der Rückseite stand eine Webadresse. Klang nach einem Plan.
Die Odyssee: Website, Mail, Hotline
Erster Versuch: myguide-navigator.de in den Browser getippt. Ergebnis: Seiten-Ladefehler. Okay, kann ja mal temporär down sein.
Zweiter Versuch: In der Hoffnung, dass der Mailserver unabhängig von der Website läuft, hab ich an die Service-Adresse geschrieben. Zurück kam prompt die Meldung, dass die Mail nicht zugestellt werden konnte. Mmmmh.
Dritter Versuch: die Telefonnummer. Eine 01805-Nummer, 12 Cent pro Minute. Die Ansage: Der Teilnehmer ist unter dieser Nummer nicht erreichbar. Die 12 Cent hat es mir trotzdem abgezogen. Aaaaarrrgh! Callcenter und Hotlines waren mir ja schon vorher nicht ganz geheuer, siehe die Machenschaften der Callcenter, aber eine Hotline, die Geld kostet und gar nicht existiert, war selbst für mich neu.
Drei Wege, dreimal ins Leere. Der Anbieter war für mich als Kunde schlicht nicht mehr da.
Die Hardware war gar nicht das Problem
Das Ärgerliche daran: Schlecht fand ich das Navi gar nicht. 300 MHz und 64 MB RAM waren für die damalige Zeit völlig in Ordnung. Extrem geärgert hat mich etwas anderes. Es kam nicht ein einziges Update heraus. Kein neues Kartenmaterial, keine neue Software, gar nichts.
Mein damaliges Fazit war entsprechend kurz und unfein: Scheiß Lidl, scheiß MyGuide. Hätte ich doch nur auf die warnenden Hinweise gehört. Die lauteten nämlich: Kauf dir ein TomTom, die gibt’s schon eine Weile, und die wird’s auch noch eine Weile geben. Narv.
Wie Navis 2005 funktionierten
Mitte der Nullerjahre waren mobile Navis kleine Computer mit GPS-Empfänger, oft auf Basis von Windows CE. Die Karten lagen auf einer Speicherkarte oder im internen Speicher. Die Kartendaten selbst kauften die meisten Gerätehersteller bei zwei großen Lieferanten ein: Navteq und Tele Atlas. Neue Karten gab es in der Regel nur gegen Geld, auf DVD oder Speicherkarte, und nur für Geräte, deren Hersteller sich noch darum kümmerte. 2008 wurden übrigens beide Kartenlieferanten übernommen: Tele Atlas von TomTom, Navteq von Nokia.
Hatten die Warner recht?
Teilweise. TomTom gibt es tatsächlich bis heute. Die Niederländer bringen auch noch neue Navigationsgeräte heraus, vor allem für Geschäftskunden. Das große Geschäft machen sie aber längst woanders: mit Kartendaten, Verkehrsinformationen und Navigationssoftware für Autohersteller und andere Firmen. Der Verkauf klassischer Navis an Privatleute geht seit Jahren zurück, und TomTom selbst sieht keinen Weg, diesen Trend umzukehren.
Beim Hersteller lagen die Warner also richtig. Das eigentliche Problem, die veralteten Karten, hat am Ende aber nicht TomTom gelöst, sondern das Smartphone.
Navigation 2026: Das Smartphone hat gewonnen
Als ich 2007 nach einem billigen Handytarif gesucht habe, ging es noch ums Telefonieren. Mobiles Internet war teuer und langsam. Heute ist es genau umgekehrt: Für die meisten Leute ist das Smartphone das Navi, und ein eigenes Gerät kaufen nur noch wenige.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Karten aktualisieren sich von selbst. Bei Google Maps, Apple Karten oder Waze musst du dich um nichts kümmern.
- Live-Verkehr ist eingebaut. Staus, Sperrungen und Baustellen fließen laufend in die Route ein.
- Offline geht auch. In Google Maps kannst du Kartenausschnitte vorab herunterladen. Apps wie OsmAnd oder Organic Maps arbeiten komplett offline mit Karten aus dem freien Projekt OpenStreetMap.
- Im Auto oft schon integriert. Viele neuere Autos spiegeln das Handy per Android Auto oder Apple CarPlay aufs große Display.
Was du dafür brauchst, ist überschaubar: eine stabile Halterung, ein Ladekabel und für Funklöcher am besten vorab heruntergeladene Karten.
Handy am Steuer
Während der Fahrt darfst du das Smartphone nicht in die Hand nehmen. Erlaubt ist die Nutzung laut § 23 StVO nur, wenn das Gerät in einer Halterung steckt und du es per Sprachsteuerung bedienst oder nur kurz draufschaust. Das Ziel gibst du also vor dem Losfahren ein. Verstöße kosten Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Außerdem verbietet dieselbe Vorschrift dir als Fahrer, Blitzerwarnungen in Navi-Apps zu nutzen.
Und wenn du heute ein günstiges Gerät kaufst?
Die gute Nachricht: Rechtlich stehst du heute besser da als ich 2005. Seit Januar 2022 gibt es im BGB eine Aktualisierungspflicht für Waren mit digitalen Elementen (§ 475b BGB). Der Verkäufer muss dafür sorgen, dass du die Updates bekommst, die nötig sind, damit das Gerät vertragsgemäß funktioniert und sicher bleibt. Das gilt für den Zeitraum, den du vernünftigerweise erwarten kannst. Einen Anspruch auf frische Kartendaten kannst du daraus allerdings nicht ohne Weiteres ableiten.
Ein paar Dinge würde ich heute vor jedem Kauf von Technik mit Software drin prüfen:
- Wie lange gibt es Updates? Seriöse Hersteller nennen einen konkreten Zeitraum.
- Wer steckt dahinter? Eine Handelsmarke vom Discounter ist kein Hersteller. Schau nach, wer das Gerät wirklich baut und betreut.
- Hängt das Gerät an einem Server des Anbieters? Dann ist es nur so lange nützlich, wie dieser Server läuft.
- Brauchst du überhaupt ein Extra-Gerät? Beim Navi lautet die Antwort heute fast immer: nein, dein Handy kann das.
Wohin mit dem alten Navi?
Alte Navis sind Elektroschrott und gehören nicht in den Hausmüll, schon wegen des Akkus. Du kannst sie kostenlos beim Wertstoffhof abgeben. Seit Juli 2022 müssen außerdem größere Supermärkte und Discounter, die regelmäßig Elektrogeräte verkaufen, kleine Altgeräte bis 25 Zentimeter Kantenlänge kostenlos zurücknehmen, auch ohne Neukauf. Das Lidl-Navi kann also genau dahin zurück, wo es hergekommen ist.
Häufige Fragen
Kann ich ein altes Navi noch mit aktuellen Karten bestücken?
Bei Markengeräten, deren Hersteller sie noch unterstützt, oft ja, meist über eine Software des Herstellers und manchmal gegen Aufpreis. Bei No-Name-Geräten und Handelsmarken von damals sieht es fast immer schlecht aus. Bastellösungen, mit denen auf alten Windows-CE-Navis andere Navigationssoftware läuft, gibt es zwar, sie sind aber fummelig und ohne Gewähr.
Lohnt sich 2026 noch ein separates Navi?
Für die meisten nicht. Sinnvoll kann es sein, wenn du mit Lkw, Wohnmobil oder Gespann unterwegs bist und Routen nach Höhe, Gewicht und Länge brauchst. Oder wenn du dein Handy schlicht nicht als Navi einsetzen willst. Achte dann darauf, dass Kartenupdates im Preis enthalten sind.
Sind Navi-Apps wirklich kostenlos?
Die großen Apps kosten kein Geld, du bezahlst aber mit Daten: Standort und Bewegungen fließen unter anderem in die Verkehrsinfos ein. Wer das nicht möchte, greift zu Apps auf Basis von OpenStreetMap, die auch offline und ohne Konto funktionieren.
Mein Fazit
Das MyGuide-Debakel war für mich eine teure Lektion: Bei Geräten, die von Software und Daten leben, kaufst du den Support immer mit. 349 Euro für ein Navi, das nach drei Jahren nicht mehr wusste, wo die Umgehungsstraße langführt, sind rückblickend bitter. Heute würde ich für normale Fahrten gar kein eigenes Navi mehr kaufen, sondern das Handy in die Halterung klemmen.
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