De Agostini macht einen Ausflug in die Panzergeschichte: Mit der Panzer Sammlung im Maßstab 1:72 sollten angeblich alle wichtigen Panzermodelle seit 1939 erscheinen, jedes mit eigenem Magazin. Im Februar 2010 ging es los. Hier steht, was ich damals davon gehalten habe, was die ersten Sammler berichtet haben und was so ein Abo über die Zeit wirklich kostet.
Was steckte in jeder Ausgabe?
Jede Ausgabe bestand aus einem Fertigmodell in 1:72 und einem Heft. Das Magazin hat sich damals selbst so beschrieben:
Das 16-seitige Magazin, welches Bestandteil jeder Ausgabe ist, bietet umfangreiche und fundierte Informationen übersichtlich aufbereitet in den folgenden 3 Rubriken: Technische Entwicklung (…), Panzer im Einsatz (…), Legendäre Panzer (…).
Die Modelle selbst kamen als fertige Gussmodelle in einer kleinen Dioramen-Box, also zum direkten Hinstellen statt zum Basteln. Das ist der große Unterschied zu einem klassischen Plastikbausatz, bei dem du jedes Teil selbst vom Spritzling schneidest.
Wie ging die Serie los?
Generell finde ich die Idee so einer Sammlung sehr interessant. Laut dem Thread zur Serie im Forum auf rcsky.de sah der Start so aus:
| Ausgabe | Modell | Erscheinungstag |
|---|---|---|
| 1 | Leopard 2 | 24. Februar 2010 |
| 2 | Tiger I (Pz.Kpfw. VI Ausf. E) | 10. März 2010 |
| 3 | Panzerjäger Tiger (P) „Elefant“ | 24. März 2010 |
Neue Ausgaben gab es alle 14 Tage, jeweils mittwochs. Bemerkenswert: Ausgerechnet ein moderner Kampfpanzer der Bundeswehr machte den Auftakt, obwohl die Serie mit „seit 1939“ beworben wurde.
Was kostet die Panzer Sammlung?
Ausgabe 1 gab es schon für 3,99 Euro. Den Preis von 10,99 Euro im Abo für jedes weitere Heft fand ich für diese Guss-Variante aber schon recht happig. Am Kiosk lag der reguläre Preis laut Forum sogar bei 11,99 Euro. Abonnenten bekamen dafür Prämien wie einen Sammelordner dazu.
Rechnen wir das mal durch. Bei einem 14-tägigen Rhythmus erscheinen 26 Ausgaben pro Jahr:
| Bezugsweg | Rechnung für das erste Jahr | Summe |
|---|---|---|
| Abo | 3,99 € + 25 × 10,99 € | 278,74 € |
| Kiosk | 3,99 € + 25 × 11,99 € | 303,74 € |
Jedes weitere Jahr im Abo schlägt mit 26 × 10,99 € = 285,74 € zu Buche. Wie viele Ausgaben es am Ende insgesamt wurden, lässt sich heute kaum noch sauber belegen. Im Forum kursierte damals eine Zahl von rund 70 Modellen für den deutschen Markt, offiziell bestätigt war das aber nicht. Fest steht: Wer über mehrere Jahre dabeibleibt, landet schnell im hohen dreistelligen Bereich.
Partworks: das Prinzip hinter der Sammlung
Partworks, auf Deutsch Sammelwerke, sind Serien aus geplanten Einzelausgaben, die sich am Ende zu einer Sammlung oder einem Modell ergänzen. Typisch ist eine stark verbilligte erste Ausgabe zum Anfüttern, danach greift der reguläre Preis. Die häufigste Kritik: Zusammengerechnet zahlen Sammler oft ein Vielfaches dessen, was die Einzelteile am Markt wert sind. De Agostini ist einer der größten Anbieter solcher Serien. Laut einem Bericht des Scotsman von 2004 hielt der Verlag damals rund die Hälfte des Weltmarkts.
Fertigmodell oder Bausatz?
Ob sich so eine Serie für dich lohnt, hängt vor allem davon ab, was du willst.
Für die Fertigmodelle spricht:
- Du stellst sie direkt in die Vitrine, ohne Kleber, Farbe und Werkzeug.
- Die Hefte liefern den historischen Hintergrund gleich mit.
- Metallguss ist robuster als filigraner Kunststoff.
Für klassische Bausätze spricht:
- Du suchst dir genau die Fahrzeuge aus, die dich interessieren, statt das zu nehmen, was als Nächstes kommt.
- Gute Plastikbausätze in 1:72 sind oft deutlich detaillierter.
- Bemalung, Tarnschema und Alterung bestimmst du selbst.
Beides lässt sich übrigens gut kombinieren: Ein fertiges Gussmodell kann die Basis für ein kleines Diorama sein, mit Gelände, Figuren und etwas Alterung aus dem Farbtopf.
Im Forum gingen die Meinungen damals entsprechend auseinander. Für Sammler waren die Modelle in Ordnung, Modellbauer fanden sie eher langweilig: nicht schlecht, aber auch nicht außergewöhnlich. Einer ist nach eigener Aussage schnell wieder ausgestiegen, weil er schlicht genug Staubfänger hatte.
So behältst du die Kosten im Griff
Rechne vor dem Abschluss eines Sammelabos die Kosten für ein ganzes Jahr aus, nicht nur den Preis des ersten Hefts. Lies die Kündigungsbedingungen und überleg dir, ob dich wirklich jedes Modell der Serie interessiert. Wer nur einzelne Fahrzeuge will, kauft gezielt am Kiosk oder später gebraucht.
Was bedeutet der Maßstab 1:72?
Ein Modell in 1:72 ist 72-mal kleiner als das Original. Aus einem Panzer mit 7,20 Metern Rumpflänge wird so ein zehn Zentimeter langes Modell. Der Maßstab ist im Militärmodellbau seit Jahrzehnten ein Klassiker, bei Flugzeugen genauso wie bei Fahrzeugen. Das hat einen praktischen Grund: Eine ganze Sammlung passt in eine einzige Vitrine, und es gibt passende Figuren, Fahrzeuge und Gebäude für Dioramen.
Wer größere Modelle mag, landet eher bei 1:35, da wird ein Panzer schnell mal 20 Zentimeter lang und mehr. Für eine umfangreiche Sammlung aller Epochen ist das aber schlicht zu sperrig.
Was ist daraus geworden?
Die Serie von 2010 ist längst Geschichte. Komplette Sammlungen, einzelne Modelle und Hefte wechseln seitdem auf Kleinanzeigen- und Auktionsplattformen den Besitzer. Wer heute einsteigen will, kann sich also gezielt die Fahrzeuge heraussuchen, die ihn interessieren – ganz ohne Abo. Achte dabei auf vollständige Modelle mit Box und Heft und prüf die Fotos auf abgebrochene Antennen oder Rohre.
Wer weiterführende und tiefgründige Diskussionen über die 1:72er Panzer Sammlung sucht, sollte mal in das Forum zur Panzer Sammlung von De Agostini auf rcsky.de schauen.
De Agostini hat übrigens nicht nur Standmodelle im Programm gehabt. 2008 gab es den AMG Mercedes mit Kyosho-Technik als fahrbaren Verbrenner, 2014 den Hummer H1 in 1:8. Und wie detailverliebt Modellbau ganz ohne Abo sein kann, zeigt der Ferrari 312 PB, der mich 2007 schwer beeindruckt hat.
Häufige Fragen
Wie viele Ausgaben hatte die Panzer Sammlung von De Agostini?
Eine offizielle Gesamtzahl ist heute schwer zu finden. Im Forum war 2010 von rund 70 Modellen für den deutschen Markt die Rede, bestätigt wurde das nicht.
Was hat eine Ausgabe gekostet?
Die erste Ausgabe kostete 3,99 Euro. Danach lag der Preis bei 10,99 Euro im Abo und 11,99 Euro am Kiosk. Im 14-Tage-Rhythmus sind das im Abo knapp 290 Euro pro Jahr.
Muss ich die Modelle selbst bauen?
Nein. Die Panzer kamen als fertige Gussmodelle in einer kleinen Dioramen-Box. Wer lieber selbst baut und bemalt, greift zu einem Plastikbausatz im gleichen Maßstab.
Mein Fazit
Die Idee, die Panzergeschichte Heft für Heft mit Modell und Hintergrundwissen zu erzählen, fand ich schon damals sehr interessant. Den Abopreis von 10,99 Euro pro Guss-Modell fand ich aber schon damals happig, und übers Jahr summiert sich das auf fast 300 Euro. Wer gezielt sammeln will, fährt mit einzelnen Käufen oder Bausätzen meist besser.
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