Herzschrittmacher und Defibrillatoren

DDR-Schrittmacher, Mini-Defis und ein „Kabel für den Magen“: Was ich 2009 im Krankenhaus sah – und was du über Schrittmacher und Defibrillatoren wissen solltest.

7–10 Minuten

So etwas hatte ich noch nie aus der Nähe gesehen. Aber wozu ist ein Tag der offenen Tür im Krankenhaus sonst da? Im Mai 2009 stand ich vor alten Herzschrittmachern aus DDR-Zeiten, erstaunlich kleinen Defibrillatoren und einem Notfallgerät, bei dem mir kurz anders wurde. Hier ist die Geschichte – und dazu, was diese Geräte eigentlich machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Herzschrittmacher springt ein, wenn das Herz zu langsam schlägt.
  • Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) beendet lebensgefährlich schnelle Rhythmen und Kammerflimmern.
  • Die Sonden laufen über eine Vene ins Herz, die Batterie hält meist zwischen fünf und zwölf Jahren.
  • Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute: 112 rufen, drücken, Defi holen.

Ein Tag der offenen Tür mit Gänsehaut

Beim selben Tag der offenen Tür habe ich mich übrigens auch an der T-Wall ausgetobt. Neben Reaktionswand und Lungentest gab es dort auch Medizintechnik zum Anschauen. Da lagen Herzschrittmacher aus DDR-Zeiten, daneben die Drähte, die damals scheinbar wahllos herumlagen. Genau diese Drähte werden bis ins Herz vorgeschoben – für mich als Laien war das eine ziemlich gruselige Vorstellung.

Dann die Defibrillatoren. Ich war immer der Meinung, die gibt es nur in groß, und sie werden einem auf die Brust gedrückt, so wie man es aus jeder Krankenhausserie kennt. Dass es Geräte gibt, die so klein sind, dass sie unter die Haut passen, war mir neu.

Zu guter Letzt lag da noch ein Notfall-Schrittmacher für unterwegs. Die Erklärung klang für mich ungefähr so: Kabel in den Magen einführen, gewünschte Spannung anlegen, fertig. Damit, dachte ich mir, hätte Chev Chelios in „Crank 2: High Voltage“ nicht so viel Stress bei seiner Stromsuche gehabt. Im Film bekommt der Held ein künstliches Herz, das ständig Strom braucht, und er zapft ihn sich aus allem, was gerade herumsteht.

Richtig mulmig wurde mir aber erst, als ich hörte, dass all diese Modelle schon einmal in Benutzung waren. Jedes Gerät auf dem Tisch war also schon einmal bei einem Patienten im Einsatz.

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Dein Herz hat einen eigenen Taktgeber, den Sinusknoten. Von dort läuft der elektrische Impuls über den AV-Knoten in die Herzkammern. Ist diese Leitung gestört oder der Taktgeber zu langsam, schlägt das Herz zu selten. Mediziner sprechen dann von einer Bradykardie oder, wenn die Weiterleitung blockiert ist, von einem AV-Block. Die Folgen reichen von Schwindel und Müdigkeit bis zur Ohnmacht.

Ein Schrittmacher besteht aus zwei Teilen:

  • Aggregat: Batterie und Elektronik in einem flachen Metallgehäuse. Es sitzt meist unter der Haut unterhalb des Schlüsselbeins.
  • Sonden (Elektroden): dünne, isolierte Drähte, die über eine Vene ins Herz geführt werden. Die „Hauptkammer“ aus meinem damaligen Text ist in aller Regel die rechte Herzkammer, oft kommt eine zweite Sonde in den rechten Vorhof.

Moderne Schrittmacher arbeiten nach Bedarf. Sie lauschen ständig auf den eigenen Herzschlag und geben nur dann einen Impuls ab, wenn er ausbleibt. Je nach Erkrankung gibt es Einkammer- und Zweikammersysteme. Bei bestimmten Formen der Herzschwäche kommt eine dritte Sonde dazu, die auch die linke Kammer erreicht, damit beide Kammern wieder im Takt pumpen (kardiale Resynchronisationstherapie).

Eine moderne Batterie hält typischerweise zwischen fünf und zwölf Jahren. Ist sie erschöpft, wird in einem kleinen Eingriff das Aggregat getauscht, die Sonden bleiben meist drin. Inzwischen gibt es außerdem sondenlose Kapselschrittmacher, die per Katheter über die Leistenvene direkt in die rechte Kammer gesetzt werden. Für welche Patienten das infrage kommt, entscheiden die Kardiologen im Einzelfall.

Und was macht ein Defibrillator?

Beim Kammerflimmern feuern die Herzmuskelzellen völlig chaotisch. Das Herz zuckt nur noch und pumpt praktisch kein Blut mehr. Ohne Hilfe führt das innerhalb weniger Minuten zum Tod. Ein Defibrillator gibt einen kräftigen Stromstoß ab, der alle Zellen gleichzeitig erregt. Danach kann der natürliche Taktgeber im besten Fall wieder übernehmen.

Die kleinen Geräte, die mich damals so überrascht haben, sind implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD). Der erste wurde 1980 in den USA eingesetzt. Ein ICD sitzt wie ein Schrittmacher unter der Haut, ist aber etwas größer, weil er für die Schocks mehr Energie bereithalten muss. Er überwacht den Rhythmus rund um die Uhr. Viele schnelle Rhythmusstörungen kann er zunächst mit einer schmerzlosen Überstimulation beenden, erst wenn das nicht reicht, kommt der Schock. Den spüren Betroffene deutlich, oft wird er als kräftiger Schlag gegen die Brust beschrieben.

Was Filme falsch machen

In Filmen und Serien wird gern bei einer „Nulllinie“ geschockt. In der Realität hilft ein Defibrillator bei der Asystolie, also wenn gar keine elektrische Aktivität mehr da ist, nicht. Dann sind Herzdruckmassage und Medikamente gefragt. Der Schock wirkt bei Kammerflimmern und bestimmten schnellen Kammerrhythmen.

Das Kabel im Magen: Gibt es Notfall-Schrittmacher wirklich?

Was nach einem Witz klingt, ist gar nicht so weit hergeholt. Wenn das Herz vorübergehend zu langsam schlägt, gibt es mehrere Wege, es kurzfristig zu stimulieren:

  • Transkutan: Große Klebeelektroden auf Brust und Rücken leiten den Impuls durch die Haut. Weil dabei auch die Muskeln zucken, ist das unangenehm und eine reine Notfalllösung. Viele Defibrillatoren im Rettungsdienst können das.
  • Transösophageal: Eine Elektrode wird über die Speiseröhre bis auf Herzhöhe geschoben, die dort direkt hinter dem Herzen verläuft. Die Stimulation ist schmerzhaft und wird heute selten genutzt, meist zur Diagnostik. Auch Varianten über den Magen sind beschrieben.
  • Transvenös: Eine provisorische Sonde wird über eine Vene ins Herz gelegt, bis ein dauerhafter Schrittmacher eingesetzt werden kann.

Das „Kabel in den Magen“ hatte also einen wahren Kern. Und „gewünschte Spannung anlegen“ ist natürlich ausschließlich Sache von Ärzten und Rettungsdienst. Die Stromsuche à la Crank bleibt bitte im Kino.

Herzschrittmacher aus der DDR und ein Stück Medizingeschichte

Der erste vollständig implantierte Herzschrittmacher kam am 8. Oktober 1958 in Stockholm zum Einsatz. Der Chirurg Åke Senning und der Ingenieur Rune Elmqvist setzten ihn dem Patienten Arne Larsson ein. Das erste Gerät gab schon nach kurzer Zeit den Geist auf. Larsson bekam im Laufe seines Lebens insgesamt 26 Schrittmacher und wurde 86 Jahre alt.

Auch in der DDR wurden früh eigene Geräte entwickelt. In der Medizinhistorischen Sammlung am Klinikum Chemnitz liegt zum Beispiel ein externer Schrittmacher aus Halle (Saale), der als einer der ersten in der DDR gilt. Verglichen mit heutigen Implantaten waren diese Geräte klobig, und genau deshalb sind sie heute so beeindruckend: Man sieht förmlich, wie viel Ingenieursarbeit in den letzten Jahrzehnten in die Miniaturisierung geflossen ist.

Und mein mulmiges Gefühl? Ausgestellte Implantate stammen nun mal aus Patienten, sei es nach einem Aggregatwechsel oder nach dem Tod. Gruselig ist das schon ein bisschen. Aber jedes dieser Geräte hat vermutlich einem Menschen Jahre geschenkt.

Leben mit Schrittmacher: Was heute gilt

Die meisten Menschen mit Schrittmacher führen ein weitgehend normales Leben. Ein paar Punkte sind trotzdem wichtig:

  • Ausweis immer dabei: Den Schrittmacher- oder ICD-Ausweis vorzeigen, etwa beim Arzt, Zahnarzt oder an der Sicherheitskontrolle am Flughafen.
  • Smartphone: Früher galt pauschal ein Abstand von 15 Zentimetern. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie sieht das bei modernen Smartphones seit 2019 nicht mehr als nötig an. Das Handy in der Brusttasche direkt über dem Implantat solltest du aber trotzdem vermeiden. Für induktive Ladestationen werden 10 Zentimeter, für Induktionsherde 25 Zentimeter Abstand empfohlen.
  • MRT: Viele neuere Systeme sind unter bestimmten Bedingungen MRT-tauglich. Das muss aber immer vorher mit der Kardiologie abgestimmt werden.
  • Kontrollen: Regelmäßige Nachsorge ist Pflicht, manche Geräte lassen sich zusätzlich per Fernüberwachung auslesen.

Nur mit ärztlichem Rat

Dieser Beitrag ersetzt keine Beratung. Ob, wann und welches Gerät sinnvoll ist, entscheiden Kardiologen nach Untersuchung. Bei Fragen zu deinem Implantat ist deine Schrittmacher-Ambulanz die richtige Adresse. Gut verständliche Infos bietet die Deutsche Herzstiftung.

Herzstillstand im Alltag: Was du tun kannst

Die allermeisten Menschen mit Herzstillstand haben keinen ICD. Dann kommt es auf die Leute an, die gerade danebenstehen. Die Faustregel lautet Prüfen, Rufen, Drücken:

  1. Prüfen: Ansprechen, anfassen. Reagiert die Person nicht und atmet nicht normal?
  2. Rufen: Notruf 112 wählen und jemanden losschicken, einen AED (automatisierter externer Defibrillator) zu holen.
  3. Drücken: Fest und schnell in der Mitte des Brustkorbs drücken, etwa 100- bis 120-mal pro Minute und 5 bis 6 Zentimeter tief. Nicht aufhören, bis Hilfe übernimmt.

Ist ein AED da: einschalten und den Ansagen folgen. Das Gerät analysiert den Rhythmus selbst und gibt nur dann einen Schock frei, wenn er sinnvoll ist. Heute hängen AEDs in vielen Bahnhöfen, Einkaufszentren und Sporthallen. Herzdruckmassage gehört zu den Dingen, die jeder draufhaben sollte – so wie im Sommer das richtige Zeckenentfernen. Ein Erste-Hilfe-Kurs frischt das in wenigen Stunden auf.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Herzschrittmacher und Defibrillator?

Ein Herzschrittmacher gibt schwache Impulse ab, wenn das Herz zu langsam schlägt. Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) kann zusätzlich lebensgefährlich schnelle Rhythmen und Kammerflimmern beenden, notfalls mit einem Stromstoß. Die meisten ICDs arbeiten bei Bedarf auch als Schrittmacher.

Wie lange hält die Batterie eines Herzschrittmachers?

Typischerweise fünf bis zwölf Jahre, je nachdem, wie oft das Gerät stimulieren muss und wie es programmiert ist. Der Batteriestand wird bei jeder Kontrolle geprüft, der Wechsel wird rechtzeitig geplant.

Darf ich als Laie einen AED benutzen?

Ja, genau dafür sind die Geräte gemacht. Sie sagen dir jeden Schritt an und lösen nur aus, wenn ein schockbarer Rhythmus vorliegt. Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun.

Stört mein Smartphone den Herzschrittmacher?

Bei modernen Geräten ist das Risiko sehr gering. Trag das Handy trotzdem nicht direkt über dem Implantat, etwa in der Brusttasche. Im Zweifel fragst du in deiner Schrittmacher-Ambulanz nach.

Mein Fazit

Schrittmacher und Defis sind kleine Wunderwerke, und gerade die alten DDR-Geräte zeigen, wie weit die Technik in ein paar Jahrzehnten gekommen ist. Ein mulmiges Gefühl beim Anblick gebrauchter Implantate finde ich trotzdem völlig normal. Mein Tipp: Lass dir in einem Erste-Hilfe-Kurs zeigen, wie ein AED funktioniert – das dauert keine fünf Minuten.

Kommentare

4 Kommentare zu „Herzschrittmacher und Defibrillatoren“

  1. Avatar von Petra
    Petra

    Hm, das ist ja keine so schöne Vorstellung wenn so ein Draht ins Herz gelegt werden soll, aber wenn es das Leben rettet sieht man das wohl anders…

  2. Avatar von Saskia
    Saskia

    Ich finde es unglaublich, welche möglichkeiten heutzutage das Leben retten können! Und wie anders sie noch vor nur ein paar jahren aussahen. Danke für die Bilder!

    lg

  3. Avatar von michael
    michael

    hallo und moin moin ich kann da zu nur sagen ich bin froh das es die gibt habe morgen meine 2 op da meiner leer isr das ist ein einfacher eingriff. mein leben hat sich nicht viel ferändert auser das ich mich in sport sachen wie gewichte stämmen oder schwere sachen nach oben heben nicht ein darf. habe den ärsten vor knapp 10 jahren bekommen und nur ein mal worde er um gestellt.
    also mit 28 jahren .damals hatte ich eine hertzmuskel enzündung. da worde es festgestelt das ich ritmusstürungen habe .
    lg micken

  4. […] Am selben Tag gab es übrigens auch alte DDR-Herzschrittmacher und erstaunlich kleine Defibrillatoren zu sehen. Darüber habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: Herzschrittmacher und Defibrillatoren. […]

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