T-Wall

16 Leuchtfelder und mein Ehrgeiz: 2009 hat mich beim Tag der offenen Tür eine Reaktionswand gepackt. Was hinter der T-Wall steckt und wie du sie nachbaust.

6–8 Minuten

Im Mai 2009 war Tag der offenen Tür in einem Krankenhaus bei mir in der Nähe, und es gab eine Menge zu sehen: Magen- und Darmspiegelung, ein Lungentest und eine Brille, die zeigt, wie man die Welt mit 0,8 Promille nach Alkopops oder 1,2 Promille nach Bier sieht. Mir stach aber von Anfang an etwas ganz anderes ins Auge: die T-Wall. Hier erzähle ich, warum mich diese Wand nicht mehr losließ, was eigentlich dahintersteckt und wie du so etwas heute selbst ausprobieren kannst.

Highscore-Jagd im Krankenhaus

Die Wand hatte 4 × 4 Felder. Jedes Feld konnte aufleuchten, und drückte man auf das leuchtende Feld, ging es aus. Sobald ein Feld erloschen war, leuchtete an anderer Stelle ein neues auf, und so weiter. Was für ein Spaß!

Eigentlich ist diese Wand für Reaktionstests und Reha-Maßnahmen gedacht. An diesem Tag durfte aber die Öffentlichkeit ran. Ganz cool, mal zu sehen, was geht und was nicht – und vor allem, wie reaktionsschnell ich in meinem hohen Alter noch bin. Für eine ordentliche Highscore-Jagd ist so ein Ding sowieso wie gemacht.

Kurz habe ich sogar über eine eigene nachgedacht. Bei einem Preis von 1.600 Euro war die Sache dann aber doch nicht mehr so interessant für mich. Da gehe ich lieber mal wieder zum Tag der offenen Tür. Meine Fotos von damals gibt es leider nicht mehr. Man konnte darauf aber schön sehen, dass am Balancing noch etwas gefeilt werden musste.

Am selben Tag gab es übrigens auch alte DDR-Herzschrittmacher und erstaunlich kleine Defibrillatoren zu sehen. Darüber habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: Herzschrittmacher und Defibrillatoren.

Was ist die T-Wall eigentlich?

Die T-Wall ist eine interaktive Reaktionswand. Das Prinzip ist simpel: Eine Software lässt Felder aufleuchten, du schlägst sie so schnell wie möglich aus. Dabei werden Reaktionszeiten und Fehler, etwa falsch gedrückte Felder, gespeichert und ausgewertet. Das T steht für „Touch“, die Wand heißt also schlicht Berührungswand.

Die Geschichte dahinter ist ziemlich mitteldeutsch und gefällt mir richtig gut. Laut Hersteller hat alles 1978 in einer Trainingshalle im Mansfelder Land angefangen. Der Ringer und Nachwuchstrainer Frank Weiß malte dort mit Kreide ein Koordinatenraster auf die Wettkampfmatte. Auf Zuruf mussten die Athleten so schnell wie möglich auf ein bestimmtes Feld und dort eine Übung machen. Das war die Grundidee.

Erst 2001 wurde aus der Idee eine Skizze, dann folgten Prototypen, eine knifflige Entwicklung der Tastmodule und schließlich der Name. Am 25. März 2004 wurde die T-Wall am Olympiastützpunkt Leipzig der Öffentlichkeit vorgestellt. 2007 entdeckte die IMM-Gruppe aus Mittweida die Wand auf der Fitnessmesse FIBO und übernahm Patente und Marke. Ausgerechnet Mittweida, die Stadt mit dem Wasserturm, den ich 2007 in HDR fotografiert habe.

Vom Kreidegitter in die Fernsehshow

Nach Herstellerangaben stand die Wand später auch im Studio von „Schlag den Raab“, und sogar ESA-Astronauten sollen damit nach langen Aufenthalten im All trainiert haben. 2014 kam mit der twall PLUS eine neue Generation mit gestickten Sensoren, 2022 folgte die robuste twall A.

Warum steht so eine Wand in der Reha?

Auf den ersten Blick ist die T-Wall ein Spielzeug. Auf den zweiten trainiert sie eine ganze Reihe von Fähigkeiten auf einmal:

  • Reaktion: Wie schnell bemerkst du den Reiz und setzt eine Bewegung in Gang?
  • Auge-Hand-Koordination: Du musst das Feld nicht nur sehen, sondern auch treffen.
  • Peripheres Sehen: Die Felder leuchten überall, nicht nur dort, wo du gerade hinschaust.
  • Beweglichkeit und Ausdauer: Die oberen und äußeren Felder verlangen Strecken, Drehen und Bücken.
  • Konzentration: Spätestens wenn mehrere Farben im Spiel sind und nur bestimmte gedrückt werden dürfen.

In der Therapie ist genau diese Mischung interessant. Ein Highscore motiviert eben mehr als die zwanzigste Wiederholung einer Armübung. Die Geräte lassen sich außerdem an die Fähigkeiten der jeweiligen Person anpassen. Der Hersteller nennt heute Therapie und Rehabilitation, Leistungssport, Schulen, Büros und Events als Einsatzgebiete und bietet mehr als 100 Spiele an.

Wie schnell reagiert ein Mensch eigentlich?

Auf einen einfachen Lichtreiz, bei dem du nur einen Knopf drücken musst, reagieren die meisten Erwachsenen in grob 0,2 bis 0,25 Sekunden. An der T-Wall dauert es deutlich länger, denn dein Gehirn muss erst herausfinden, welches Feld leuchtet, und dann muss der Arm auch noch dorthin. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto länger braucht die Entscheidung. In der Psychologie ist dieser Zusammenhang als Hick-Hyman-Gesetz bekannt.

Und mein „hohes Alter“? Da hatte ich mit meinem Witz damals gar nicht so unrecht. Eine Studie aus dem Jahr 2014 hat die Spieldaten von 3.305 „StarCraft 2“-Spielern zwischen 16 und 44 Jahren ausgewertet. Ergebnis: Die Reaktionsgeschwindigkeit in dem Spiel ließ schon ab etwa 24 Jahren messbar nach. Der Titel der Studie bringt es auf den Punkt: „Over the Hill at 24“. Ganz so düster ist es aber nicht: Laut den Autoren haben ältere Spieler den Verlust offenbar teilweise ausgeglichen, indem sie die Spielmechanik geschickter nutzten und ihr Gehirn so entlasteten.

Fair vergleichen

Wenn ihr in der Gruppe auf Highscore-Jagd geht, achtet auf gleiche Bedingungen: gleicher Spielmodus, gleicher Abstand zur Wand, kurz aufwärmen. Der erste Durchgang ist fast immer der schlechteste, weil du die Wand erst kennenlernst. Werte deshalb lieber den besten von drei Versuchen.

Reaktionswand für zu Hause: Kaufen, mieten oder selber bauen?

Eine professionelle Wand für die Wohnung ist für die meisten wohl Overkill. Es gibt aber Alternativen:

  • Mieten: Manche Sportämter und Eventverleiher bieten solche Wände tageweise für Sportfeste, Firmenevents oder Messen an. Für ein Vereinsfest ist das eine nette Attraktion.
  • Reaktionslichter: Inzwischen gibt es kabellose LED-Pods, die du per App steuerst und frei an Wand, Boden oder Hütchen platzierst. Damit kannst du deine eigene Wand im Kleinformat aufbauen.
  • Selbst bauen: Für Bastler ist so ein Projekt eigentlich ein Traum.

So könnte ein DIY-Nachbau aussehen

  1. Besorg dir 16 beleuchtete Arcade-Taster. Achte auf die LED-Spannung, es gibt Varianten mit 5 und mit 12 Volt.
  2. Montiere sie im 4 × 4-Raster auf eine stabile Platte aus Holz oder Multiplex.
  3. Nimm einen Mikrocontroller mit genug Ein- und Ausgängen, zum Beispiel einen Arduino Mega. Alternativ sparst du Pins mit Schieberegistern oder einer Tastenmatrix.
  4. Schalte die LEDs über Transistoren oder einen Treiberbaustein, wenn sie mehr Strom brauchen, als ein Pin liefern darf.
  5. Die Software ist simpel: zufälliges Feld einschalten, Zeit merken, auf den richtigen Taster warten, Zeit stoppen, nächstes Feld. Nach 30 Sekunden zählst du die Treffer.

Mit einem kleinen Display oder einer Ausgabe am PC hast du dann deine eigene Highscore-Liste. Wer mag, baut noch Spielmodi ein: Zwei Farben für zwei Spieler, Felder, die nur kurz leuchten, oder Strafpunkte für falsch gedrückte Taster.

Was ist aus der T-Wall geworden?

Die T-Wall gibt es immer noch, inzwischen unter dem Namen twall und weiterhin aus Mittweida. Aktuell bietet IMM drei Varianten an: die robuste twall A, die laut Hersteller auch kräftige Schläge und Tritte wegsteckt, die twall D für Kliniken und Büros, die schon auf sanfte Berührung reagiert und sich komplett desinfizieren lässt, und mit der twall S eine Tischversion. Preise nennt der Hersteller auf seiner Website nicht.

Aus einem Kreidegitter auf einer Ringermatte ist also ein Produkt mit über 20 Jahren Entwicklungsgeschichte geworden – eine kleine mitteldeutsche Erfolgsgeschichte. Und Tage der offenen Tür in Kliniken gibt es zum Glück nach wie vor. Wenn du irgendwo so eine Wand siehst: unbedingt ausprobieren.

Häufige Fragen

Was trainiert man an einer Reaktionswand?

Vor allem Reaktionsgeschwindigkeit, Auge-Hand-Koordination und peripheres Sehen. Dazu kommen je nach Spielmodus Konzentration, Beweglichkeit und Ausdauer. Am deutlichsten verbessert sich aber erst einmal die Leistung an genau dieser Aufgabe.

Wie schnell ist eine gute Reaktionszeit?

Auf einen einfachen Lichtreiz reagieren Erwachsene typischerweise in etwa 0,2 bis 0,25 Sekunden. Sobald du erst suchen und dann greifen musst, wie an der T-Wall, dauert es deutlich länger.

Kann ich mir eine Reaktionswand selbst bauen?

Ja. Mit 16 beleuchteten Arcade-Tastern, einem Mikrocontroller wie dem Arduino Mega und etwas Holz bekommst du einen funktionierenden Nachbau hin. Die eigentliche Arbeit steckt in Verkabelung und Gehäuse, die Software ist überschaubar.

Mein Fazit

Die T-Wall hat mich 2009 mehr gepackt als alles andere an diesem Tag, obwohl es daneben Spiegelungen und eine Rauschbrille gab. Dass dahinter eine Idee von einer Ringermatte steckt, die in Mittweida groß geworden ist, macht die Sache für mich noch sympathischer. Kaufen würde ich sie mir immer noch nicht – aber nachbauen, das reizt mich.

Kommentare

Ein Kommentar zu „T-Wall“

  1. Avatar von Joao Oliveira
    Joao Oliveira

    Hallo
    Ich verstehe nicht, kein Deutsch. Ich hoffe, die Google Translator hilft bei radução
    Gebloggt über die T-Wand. Er schrieb, dass die Kosten 1.600 €.
    Können Sie mir einen Ansprechpartner, der verkauft?
    Greetings.

    Joao Oliveira

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.