Einfaches CMS für jedermann?

Installieren, losschreiben, fertig – das wünschte ich mir 2007 von einem CMS. Was WordPress seitdem gelernt hat und wie einfach eine eigene Website heute wirklich ist.

3–5 Minuten

Ein CMS einfach installieren, alle Einstellungen sind schon grob voreingestellt, und dann einfach nur lostippseln – das wär doch mal was! Genau das hab ich mir Ende Oktober 2007 gewünscht. Damals hatte ein Entwickler angekündigt, aus WordPress ein solches Rundum-sorglos-System zu bauen. Hier liest du, was aus meinem Wunsch geworden ist und wie einfach eine eigene Website heute tatsächlich ist.

Mein Wunsch von 2007

WordPress bot schon damals ein gutes Grundgerüst. So richtig zu gebrauchen war es von Haus aus aber noch nicht. Für fast alles mussten Plugins gesucht und eingebunden werden, die ja auch erst mal jemand geschrieben haben musste. Und wenn man es ganz genau nahm, kam man trotzdem nicht drum herum, mal in den Quelltext zu schnuppern.

Ich gebe zu: An meinem eigenen Template hab ich mich damals kaum noch etwas zu ändern getraut. Ein falsches Zeichen in einer PHP-Datei kann schließlich den ganzen Blog lahmlegen. Kurz vorher hatte ich mich außerdem mit TYPO3 herumgeschlagen – mächtig, aber alles andere als einfach.

GravitalisRS: die Idee von Herrn Baier

Herr Baier hatte sich daran gemacht, etwas Unvollkommenes herzunehmen und daraus ein CMS zu machen, das leicht zu verstehen ist und schon vieles im geschnürten Päckchen mitbringt, was man sich sonst mühsam zusammensuchen müsste. Der Name des Projekts: GravitalisRS. Eine erste Vorschau gab es schon, und ich hatte mir fest vorgenommen, das Ganze zu beobachten und vielleicht umzusteigen, sobald es fertig ist.

Was aus dem Projekt geworden ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Die Seite von damals ist offline. Die Idee dahinter ist aber aktueller denn je, denn fast alle großen Systeme haben sich seitdem genau in diese Richtung entwickelt.

Was WordPress seitdem gelernt hat

WordPress ist längst mehr als eine Blogsoftware. Laut W3Techs läuft es im Oktober 2026 auf rund 40 Prozent aller Websites und hat bei den Content-Management-Systemen einen Marktanteil von knapp 59 Prozent. Und vieles, was mir 2007 gefehlt hat, ist inzwischen eingebaut:

  • Block-Editor: Seit WordPress 5.0 von Ende 2018 setzt du Beiträge aus Blöcken zusammen – Absätze, Bilder, Tabellen, Galerien. HTML musst du dafür nicht mehr können.
  • Website-Editor: Seit WordPress 5.9 von Anfang 2022 lassen sich mit sogenannten Block-Themes auch Kopfbereich, Fußzeile und Seitenvorlagen per Klick bearbeiten. Genau das, wovor ich mich 2007 im Quelltext gefürchtet habe.
  • Automatische Updates: Kleinere Sicherheitsupdates spielt WordPress seit Jahren von selbst ein, für Plugins und Themes lassen sie sich ebenfalls aktivieren.
  • Riesiges Ökosystem: Im offiziellen Verzeichnis findest du Zehntausende kostenlose Plugins und Themes.

WordPress.org oder WordPress.com?

Das sorgt bis heute für Verwirrung. WordPress.org ist die freie Software, die du auf deinem eigenen Webspace installierst. Du hast volle Kontrolle, kümmerst dich aber auch selbst um Updates und Backups. WordPress.com ist ein gehosteter Dienst, bei dem sich der Anbieter um die Technik kümmert. Das ist bequemer, dafür bist du je nach Tarif bei Plugins und Gestaltung eingeschränkt.

Wie einfach ist „einfach“ heute?

Mein Wunsch von 2007 – installieren, Voreinstellungen passen, lostippen – ist heute erfüllt. Es gibt sogar mehrere Wege dorthin:

  • Website-Baukästen wie Wix, Squarespace oder Jimdo: Konto anlegen, Vorlage wählen, Texte rein, fertig. Um Server und Updates musst du dich nicht kümmern. Dafür bist du an den Anbieter gebunden, und ein Umzug ist oft mühsam.
  • WordPress bei einem Hoster mit Vorinstallation: Viele Webhoster richten WordPress mit einem Klick ein, teilweise samt Updates und Backups. Das ist der Mittelweg aus Bequemlichkeit und Freiheit.
  • Flat-File-CMS wie Kirby oder Grav: Die kommen ohne Datenbank aus und speichern Inhalte als einfache Dateien. Schön schlank, aber eher was für Leute, die gern basteln.
  • Statische Seitengeneratoren wie Hugo oder Jekyll: rasend schnell und sehr sicher, aber nur sinnvoll, wenn du keine Angst vor der Kommandozeile hast.

Weniger Plugins, weniger Ärger

Jedes Plugin ist zusätzlicher Code, der aktuell gehalten werden muss und eine mögliche Sicherheitslücke sein kann. Installier nur, was du wirklich brauchst. Achte darauf, wann ein Plugin zuletzt aktualisiert wurde und wie viele aktive Installationen es hat. Und richte von Anfang an automatische Backups ein – die brauchst du spätestens beim ersten missglückten Update.

Wo es immer noch hakt

So einfach die Technik geworden ist, ein paar Dinge kann dir kein System komplett abnehmen. Sicherheitsupdates musst du zumindest im Blick behalten. Spam in den Kommentaren gibt es nach wie vor. Und die rechtliche Seite bleibt deine Aufgabe: Ein Impressum ist für viele Websites Pflicht, eine Datenschutzerklärung ebenso, und sobald du Statistik-Tools oder eingebettete Inhalte nutzt, brauchst du unter Umständen auch ein Cookie-Banner. Wie es mit Statistiken und Datenschutz aussieht, hab ich im Beitrag über das Google-Analytics-Stöckchen aufgeschrieben.

Das wichtigste Werkzeug ist ohnehin kein CMS, sondern Lust aufs Schreiben. Das hat sich seit 2007 nicht geändert.

Mein Fazit

Mein Wunsch von 2007 hat sich erfüllt, nur anders als gedacht: Nicht ein einzelnes Projekt hat das einfache CMS gebracht, sondern WordPress selbst und die Baukästen haben sich dahin entwickelt. Für einen privaten Blog würde ich heute WordPress mit wenigen, gut gepflegten Plugins nehmen. Wer gar keine Technik will, ist mit einem Baukasten gut bedient.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Einfaches CMS für jedermann?“

  1. Avatar von Mawin
    Mawin

    Die Seite ist leider nicht mehr verfügbar. Habe aber gerade hier ein anderes einfaches CMS gefunden. Ich persönlich werde es bald anstelle von WordPress einsetzen.

    bonsaicms.de

    Das coole daran ist, dass Personen die kein Geld oder kaum Geld mit der Webseite verdienen das CMS komplett kostenlos verwenden können.

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