XBG Nitrage 5.2 4WD Truggy

2007 hat mich der Tamiya Nitrage 5.2 im Katalog umgehauen: 1:8, Allrad, 5,2-ccm-Nitromotor. Was der Truggy kann und ob du heute noch Nitro kaufen solltest.

4–6 Minuten

Im Juli 2007 hielt ich endlich den Tamiya-Katalog 2007/2008 in den Händen und war schnell durch. Eine Maschine hatte es mir aber richtig angetan: der Nitrage 5.2 im Maßstab 1:8, ein Allrad-Truggy mit 5,2-ccm-Nitromotor. Hier steht, was mich damals so begeistert hat, und was ich dir heute rate, wenn du über einen Verbrenner nachdenkst.

Truggy? Was ist das überhaupt?

Ein Truggy ist eine Mischung aus Truck und Buggy. Er basiert auf der Technik eines 1:8-Buggys, hat aber eine breitere Spur, längere Querlenker und größere Reifen. Das macht ihn stabiler im Gelände und gutmütiger bei Sprüngen, dafür ist er etwas schwerer und träger als ein reinrassiger Buggy.

Was den Nitrage 5.2 ausmacht

Herzstück war ein 5,2-ccm-Nitromotor von Tamiya, der FR-32FX. Rund 3 Pferdestärken sollte der leisten. Zum Vergleich: Mein Moped hatte damals 3,5 PS aus 50 ccm. Bei einem Gewicht von gut 4,5 Kilo konnte ich mir gut vorstellen, dass das Ding abgeht wie Schmitz’ Katze.

Was mir beim Durchblättern sonst noch aufgefallen ist:

  • Das Chassis sollte leicht und verwindungssteif sein, mit gekanteten Seitenflanken.
  • Die Querlenker waren extrem breit, das Auto knapp über 40 Zentimeter breit und gut einen halben Meter lang.
  • Die modulare Bauweise versprach, dass sich das Auto schnell zerlegen lässt.
  • Neu war ein Mitteldifferenzial. Das Vorgängermodell hatte noch keins und dafür einen höheren Schwerpunkt.

Laut Tamiyas Produktseite hat der Nitrage 5.2 Wellenantrieb auf alle vier Räder, drei Differenziale, eine Rutschkupplung aus Aluminium und einen 150-cm³-Tank. Die Maße gibt Tamiya mit 540 × 425 Millimetern an, das Gewicht ohne Sprit mit 4.650 Gramm. In Japan kam das fertig aufgebaute Modell im Juni 2007 auf den Markt.

Für mich hieß das damals: Sparschwein füttern. Das Einzige, was ich nicht so toll fand, waren die Felgen. Da gibt es bessere – wer meine Felgenprojekte kennt, weiß, warum mir so etwas sofort auffällt.

Warum ein Mitteldifferenzial wichtig ist

Bei einem Allradler drehen sich Vorder- und Hinterachse in Kurven unterschiedlich schnell, weil die Räder verschiedene Wege zurücklegen. Ohne Mitteldifferenzial verspannt sich der Antrieb, das Auto schiebt über die Vorderräder, und der Verschleiß steigt.

Das Mitteldifferenzial gleicht diese Unterschiede aus. Über die Füllung mit Silikonöl lässt sich einstellen, wie stark es sperrt. Dickeres Öl verteilt mehr Kraft auf die Achse mit Grip, dünneres macht das Auto handlicher. Bei 1:8-Buggys und -Truggys gehört das Mitteldiff deshalb längst zum Standard.

Würde ich heute noch Nitro kaufen?

Ehrlich gesagt: eher nicht, zumindest nicht als Einstieg. Die Technik hat sich seit 2007 massiv verschoben. Brushless-Motoren und LiPo-Akkus haben den Verbrenner aus den meisten Klassen verdrängt. Ein Vergleich:

MerkmalNitroBrushless mit LiPo
InbetriebnahmeEinlaufen, Vergaser einstellen, GlühkerzeAkku laden, einschalten
Wartunghoch: Vergaser, Kupplung, Luftfilter, After-Rungering: Lager, Zahnräder, Akkupflege
Lautstärkelaut, Abgas und Geruchleise, nur Antriebsgeräusche
FahrzeitTank in Sekunden nachgefülltAkku tauschen oder laden
Leistungordentlich, aber Drehzahlbandoft mehr Beschleunigung und Endgeschwindigkeit

Nitro hat trotzdem seinen Reiz. Der Sound, der Geruch und das Basteln am Vergaser gehören für viele einfach dazu. Im Rennsport fahren 1:8-Verbrenner-Buggys bis heute in eigenen Klassen, daneben haben sich aber längst Elektro-Klassen etabliert. Wenn du genau dieses Verbrenner-Erlebnis suchst, nur zu. Für alle anderen würde ich zu Brushless greifen.

Wie viel Geduld ein Nitromotor kosten kann, steht in meinen Beiträgen über meinen streikenden 1:10er und den Tag mit der gerissenen Anlasserschnur.

LiPo-Akkus sicher nutzen

LiPo-Akkus speichern viel Energie und können bei falscher Behandlung brennen. Lade sie nur mit einem passenden Ladegerät mit Balancer, nie unbeaufsichtigt und am besten in einem LiPo-Safe-Beutel auf nicht brennbarem Untergrund. Eine Zelle hat voll geladen 4,2 Volt, zum Lagern sind etwa 3,8 Volt pro Zelle ideal. Tiefer als etwa 3,0 bis 3,2 Volt pro Zelle solltest du nicht entladen, moderne Regler haben dafür eine Abschaltung. Aufgeblähte oder beschädigte Akkus gehören nicht mehr ins Modell, sondern zur Sammelstelle.

Worauf du beim Modellautokauf heute achten solltest

Den Link zu einem Ratgeber, den ich damals empfohlen hatte, gibt es nicht mehr. Deshalb hier die wichtigsten Punkte in Kurzform:

  • Ersatzteile: Prüf vor dem Kauf, ob es Ersatzteile gut und dauerhaft zu kaufen gibt. Ein Modell, für das es keine Querlenker mehr gibt, ist nach dem ersten Crash ein Regalschmuck.
  • RTR oder Bausatz: Fertig aufgebaute Modelle (RTR, „Ready to Run“) sind schnell startklar. Ein Bausatz lehrt dich dafür jede Schraube kennen, und das hilft bei Reparaturen.
  • Maßstab und Platz: Ein 1:8-Truggy braucht Platz und erreicht Geschwindigkeiten, die im Park schnell gefährlich werden. Für kleine Flächen sind 1:10 oder kleiner sinnvoller.
  • Szene vor Ort: Ein Verein oder eine Strecke in der Nähe hilft beim Einstieg mehr als jedes Datenblatt.

Häufige Fragen

Gibt es den Nitrage 5.2 noch?

Neu findest du ihn höchstens noch vereinzelt als Restposten. Wer einen gebrauchten kaufen will, sollte vorher klären, welche Ersatzteile noch erhältlich sind, vor allem für Motor, Kupplung und Querlenker.

Kann man einen Nitro-Truggy auf Elektro umbauen?

Für viele 1:8-Modelle gibt es Umbausätze mit Halterungen für Brushless-Motor, Regler und Akkus. Das lohnt sich vor allem, wenn das Chassis gut ist und der Motor hinüber.

Brauche ich für Nitro besonderes Zubehör?

Ja: Glühkerzenstecker, Ersatzglühkerzen, eine Tankflasche, Sprit, After-Run-Öl und je nach Modell einen Starter. Dazu kommt Werkzeug zum Einstellen des Vergasers.

Mein Fazit

Der Nitrage 5.2 war 2007 genau das, wovon ich geträumt habe: breit, kräftig, Allrad und mit einem Motor, der richtig Krach macht. Heute würde ich die meisten Einsteiger in Richtung Brushless schicken, weil es einfach weniger Nerven kostet. Aber wer einmal einen gut eingestellten Verbrenner gehört hat, weiß, warum Nitro nicht totzukriegen ist.

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