Im September 2007 habe ich das Moped meines kleinen Bruders mal genauer unter die Lupe genommen – und musste zweimal hinschauen. Am Heck seiner Simson S51 steckte eine 120er Walze. Auf einer S51! Hier erzähle ich, was der Kleine damals alles an seinem Moped geschraubt hat, und vor allem, was du heute beachten musst, bevor du selbst zum Schraubenschlüssel greifst.
Der kleine Moped-Tuner
Mein Bruder hat an diesem Teil eigentlich ständig etwas verändert. Er hat den Vergaser „gepimpt“, den Zündzeitpunkt verstellt, und optisch blieb sowieso kaum etwas, wie es mal war. Neu war an jenem Tag eben der breite Hinterreifen. Ich hätte mich damals, als ich selbst noch mit so einem Geschoss unterwegs war, so etwas nie getraut. Ich hoffte einfach, dass er weiß, was er tut.
Er hatte damals sogar einen eigenen kleinen Tuning-Blog. Den gibt es längst nicht mehr. Schon 2007 habe ich euch gebeten, ihn mal anzustupsen, damit er dort wieder über aktuelle Geschehnisse schreibt. Auf mich hörte er ja nicht. Was er in den Monaten danach an der Simson gebaut hat, kannst du hier nachlesen: vom aufgebohrten Zylinder über das S51-Update mit neuem Kolben bis zum Kettensägenkolben im Simson-Motor.
Warum gerade eine Simson?
Die S51 wurde von 1980 bis 1990 im Simson-Werk in Suhl gebaut und ist bis heute eines der beliebtesten Mopeds in Ostdeutschland. Der Zweitakter ist einfach aufgebaut, Ersatzteile gibt es reichlich, und fast jeder Dorfschrauber kennt sich damit aus. Genau deshalb ist sie seit Jahrzehnten die Lieblingsbasis für Umbauten.
Dazu kommt ein Bonus, den kein Westroller hat: Die S51 darf ab Werk 60 km/h fahren und trotzdem mit dem Moped-Führerschein bewegt werden. Dazu gleich mehr.
Was ist eine „Walze“ – und was bringt sie?
„Walze“ nennen Schrauber einen besonders breiten Reifen. Eine 120er hat rund 120 Millimeter Breite, deutlich mehr als der schmale Serienreifen einer S51. Das sieht bullig aus und bringt mehr Auflagefläche. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht:
- Der Reifen muss frei laufen, also genug Abstand zu Schwinge, Kettenkasten und Kotflügel haben.
- Oft muss die Kettenlinie angepasst werden, damit Ritzel und Kettenrad noch sauber fluchten.
- Das Fahrverhalten ändert sich. Breite Reifen fallen schwerer in die Kurve, und die Lenkung fühlt sich träger an.
- Die Felge muss zur Reifenbreite passen. Ein zu breiter Reifen auf zu schmaler Felge ist ein Sicherheitsrisiko.
Was ist beim Moped-Tuning erlaubt?
Kurz gesagt: Fast alles, was Leistung, Geschwindigkeit, Lärm oder Abgas verändert, ist im Straßenverkehr nicht ohne Weiteres erlaubt. Drei Dinge hängen daran.
Betriebserlaubnis
Nach § 19 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) erlischt die Betriebserlaubnis, wenn eine Änderung die Fahrzeugart ändert, andere gefährden kann oder Abgas- oder Geräuschverhalten verschlechtert. Das trifft auf Hubraumvergrößerung, Sportauspuff und frisierten Vergaser fast immer zu. Auch Reifengrößen, die nicht in den Papieren stehen, brauchen in der Regel ein Gutachten und eine Abnahme. Teile mit eigener Allgemeiner Betriebserlaubnis (ABE) oder mit Teilegutachten samt Abnahme sind dagegen okay, wenn du die Auflagen einhältst.
Versicherung
Kleinkrafträder fahren mit Versicherungskennzeichen, das jedes Jahr zum 1. März wechselt. Für das Versicherungsjahr 2026/27 ist es schwarz. Ist das Moped durch Tuning kein Kleinkraftrad mehr, wird es heikel: Der Versicherer zahlt zwar dem Unfallopfer, kann sich das Geld aber von dir zurückholen, laut Kfz-Pflichtversicherungsverordnung in der Regel bis zu 5.000 Euro pro Person. Im ungünstigsten Fall steht sogar der Vorwurf im Raum, ohne gültige Versicherung gefahren zu sein, und das ist eine Straftat.
Fahrerlaubnis
Mit der Klasse AM (ab 15 Jahren, in Klasse B enthalten) darfst du Kleinkrafträder fahren: bis 50 cm³ und bauartbedingt höchstens 45 km/h. Wird das Moped durch Tuning schneller oder größer, brauchst du die passende Klasse, meist A1. Wer ohne sie fährt, begeht nach § 21 Straßenverkehrsgesetz eine Straftat. Strafbar macht sich übrigens auch der Halter, der das zulässt.
Die Simson-Sonderregel
Laut Fahrerlaubnis-Verordnung (§ 76 Nr. 8) gelten Kleinkrafträder „im Sinne der Vorschriften der Deutschen Demokratischen Republik“ als Fahrzeuge der Klasse AM, wenn sie bis zum 28. Februar 1992 erstmals in den Verkehr gekommen sind. Deshalb darfst du eine S51, S50 oder Schwalbe KR51 aus dieser Zeit mit ihren 60 km/h und dem AM-Führerschein fahren. Das gilt aber nur, solange das Moped ein Kleinkraftrad nach DDR-Maßstab bleibt, also unter anderem höchstens 50 cm³ hat. Ein 70er- oder 85er-Zylinder fällt nicht darunter.
Tuning, aber legal
Wer trotzdem schrauben will, hat zwei saubere Wege:
- Eintragen lassen. Größere Umbauten lässt du von einem Prüfingenieur bei TÜV, Dekra oder einer anderen Prüforganisation begutachten. Dann wird aus der Simson meist ein zulassungspflichtiges Leichtkraftrad mit Kennzeichen, für das du mindestens Klasse A1 brauchst. Ob dein Umbau überhaupt abnahmefähig ist, klärst du am besten vorher.
- Nur auf abgesperrtem Gelände. Auf privatem, abgesperrtem Gelände oder bei organisierten Simson-Rennen von Motorsportvereinen gelten die Regeln der Straße nicht. Dort regelt das jeweilige Reglement, was erlaubt ist. Für die Straße muss das Moped dann wieder in den legalen Zustand.
Sicherheit geht vor
Mehr Leistung braucht bessere Bremsen, ein stabiles Fahrwerk und Reifen, die zum Tempo passen. Lass Umbauten an Bremsen und Fahrwerk im Zweifel von einer Fachwerkstatt prüfen. Und fahr nie ohne Helm und Schutzkleidung, auch nicht „nur mal kurz über den Hof“.
Was ist daraus geworden?
Die Simson-Szene lebt, wahrscheinlich mehr denn je. Gut erhaltene S51 sind heute gesuchte Klassiker, und die 60-km/h-Regel macht sie für Jugendliche mit AM-Führerschein besonders attraktiv. Ersatzteile werden bis heute in großer Zahl nachgefertigt. Wenn dich die Geschichte rund um die Zweitakter aus Suhl interessiert, schau auch mal in meinen Beitrag zum Simson Krause Duo.
Mein Fazit
Die 120er Walze sah damals einfach geil aus, das muss man dem Kleinen lassen. Heute würde ich jedem raten, vor dem Schrauben erst mal in die Papiere und ins Gesetz zu schauen. Eine originale Simson mit 60 km/h ist legal, günstig zu fahren und macht genauso viel Spaß wie ein frisiertes Geschoss, das dich im Ernstfall den Führerschein kostet.
*sie wird noch komplet orange* die Felgen kommen noch neu und die Mäntel auch noch :p aber sonst bleib die erst mal so.
einige sachen hab ich wieder abgemacht, wie der name Ray sah scheise aus =^.^=


Schreibe einen Kommentar