DeAgostinis neuester 1:8-Hummer

65 Hefte, 16 Monate, ein Hummer H1 in 1:8 mit Nitromotor: Was hinter der DeAgostini-Sammelserie von 2014 steckte und was so ein Partwork-Modell am Ende wirklich kostet.

5–7 Minuten

DeAgostini hatte 2014 wieder einen neuen Brocken im Programm: einen Hummer H1 im Maßstab 1:8, Heft für Heft zum Selberbauen. Damals hab ich die Eckdaten zusammengetragen und war gespannt auf die ersten Meldungen. Hier bekommst du die Daten von damals, das, was die ersten Sammler über das Modell herausgefunden haben, und eine ehrliche Rechnung, was so ein Sammelmodell unterm Strich kostet.

Das Modell im Detail

So sah das Datenblatt aus, das DeAgostini für den fertigen Hummer angegeben hat:

EigenschaftWert
Maßstab1:8
Länge570 mm
Radstand390 mm
Breite275 mm
Höhe220 mm
Bodenfreiheit50 mm

Mit fast 60 Zentimetern Länge ist das kein Vitrinenmodell für das Bücherregal, sondern ein ordentlicher Brocken. Noch mehr Details zum DeAgostini 1:8 Hummer wurden damals im Forum auf rcsky.de zusammengetragen.

65 Hefte in 16 Monaten – der Plan

Angekündigt waren 65 Magazine, verteilt auf 16 Monate. Pro Ausgabe sollten vermutlich 8,99 Euro fällig werden. Bei 65 Ausgaben sind das im Schnitt rund vier Hefte pro Monat. Im Forum berichteten Sammler später, dass tatsächlich etwa vier Hefte pro Lieferung kamen und eine Lieferung bei rund 35 Euro lag. Das passt ziemlich genau zu vier mal 8,99 Euro.

Was steckte wirklich drin?

Aus den ersten Meldungen im rcsky-Forum ergab sich ein ziemlich klares Bild – und eine Überraschung: Der Hummer war kein reines Standmodell, sondern ein fahrbares RC-Modell mit Verbrennungsmotor. Laut den Herstellerangaben, die damals im Forum zitiert wurden, gehörten dazu:

  • ein Nitromotor mit 3,46 cm³ (Typ GX21) und Seilzugstarter,
  • Allradantrieb,
  • Doppelquerlenker an der Aufhängung und Scheibenbremsen,
  • Reifen mit 112 mm Durchmesser,
  • eine abgedichtete Box für die RC-Elektronik,
  • eine Karosserie aus schlagfestem Polystyrol statt des sonst üblichen Polycarbonats.

Die Motorbezeichnung GX21 verrät übrigens die Hubraumklasse: Im RC-Bereich werden Verbrenner nach US-Art in Kubikzoll angegeben, „21“ steht für 0,21 Kubikzoll, also rund 3,5 cm³. Das ist die klassische Größe für Offroad-Modelle in 1:8. Einen echten Hummer-V8 bekommst du damit klanglich natürlich nicht hin, aber Kreischen und Blaurauch gibt es inklusive.

Ein Haken fiel den deutschen Sammlern schnell auf: Eine Fernsteuerung war im deutschen Angebot nicht enthalten. In Großbritannien lag dem Paket dagegen eine 27-MHz-Anlage bei. Wer hierzulande fahren wollte, musste also zusätzlich eine eigene Anlage kaufen.

Die ersten Lieferungen trudelten ab Ende April 2014 bei den Abonnenten ein. Ein Sammler lobte die Teile als hochwertig und fester als die gewohnten Kunststoffteile von Tamiya. Andere ärgerten sich vor allem über das langsame Liefertempo.

Was kostet so ein Partwork-Modell am Ende?

Die Rechnung mit den damals genannten Zahlen ist schnell gemacht: 65 Ausgaben × 8,99 Euro = 584,35 Euro. Das ist der reine Preis für die Hefte mit Bauteilen.

Dazu kommen bei einem Verbrennermodell wie diesem noch:

  • eine Fernsteuerung mit Empfänger und Servos, soweit nicht enthalten,
  • Glühkerzenstecker, Kraftstoff und eine Tankflasche,
  • Werkzeug und Verbrauchsmaterial wie Öl für Dämpfer und Differenziale.

In Großbritannien wurde das komplette Paket mit Fernsteuerung zum Vergleich mit 399,95 Pfund beworben.

Was ist eigentlich ein Partwork?

Partworks, auf Deutsch Sammelwerke, sind Publikationen, die in geplanten Einzelausgaben erscheinen – wöchentlich, alle zwei Wochen oder monatlich. Bei Modell-Partworks liegen jedem Heft ein paar Bauteile bei, die sich über die gesamte Laufzeit zum fertigen Modell ergänzen. Typisch ist eine stark verbilligte erste Ausgabe zum Anfüttern. DeAgostini ist einer der größten Anbieter: Laut einem Bericht des Scotsman von 2004 hielt der Verlag damals rund die Hälfte des Weltmarkts.

Teurer als der Bausatz am Stück

Die Kritik an Modell-Partworks ist so alt wie die Serien selbst: Zusammengerechnet kosten sie oft ein Vielfaches dessen, was ein vergleichbarer Bausatz am Stück kostet. Ein vielzitiertes Beispiel aus Großbritannien ist ein statisches Flugzeugmodell, für das man 125 Ausgaben für insgesamt 620,25 Pfund kaufen musste. Dazu kommt das Risiko, dass einzelne Teile fehlen und sich später nur schwer nachbestellen lassen.

Auf der anderen Seite steht, was viele Sammler an den Serien schätzen: Die Kosten verteilen sich über Monate, die Hefte erklären Schritt für Schritt, und das Bauen selbst wird zum Ritual. Ob dir das den Aufpreis wert ist, musst du selbst entscheiden.

Bevor du ein Sammelabo abschließt

Rechne die Gesamtsumme aus, nicht nur den Preis des Lockangebots. Prüf, ob Fernsteuerung, Motor oder Akkus wirklich enthalten sind, und lies die Kündigungsbedingungen. Such außerdem nach Foren oder Gruppen, in denen andere die gleiche Serie bauen – dort erfährst du schnell, wo es hakt.

Lohnt sich ein Nitro-Hummer heute noch?

Verbrennermodelle sind im RC-Bereich eine Nische geworden. Die meisten fahren heute elektrisch mit bürstenlosen Motoren und Lithium-Akkus: kein Einstellen am Vergaser, kein Methanolgeruch, kein Ärger mit Nachbarn wegen des Lärms. Gerade das macht einen Nitro-Hummer aber für Fans interessant, die den Sound und das Schrauben am Motor lieben.

Gebraucht kaufen: Darauf solltest du achten

Wer so ein Modell heute gebraucht kauft, sollte vor allem den Motor und die Vollständigkeit prüfen. Ein Verbrenner, der jahrelang mit Kraftstoffresten im Tank stand, braucht oft erst mal eine Generalüberholung.

  • Kompression: Dreh den Motor von Hand durch. Am oberen Totpunkt sollte der Kolben spürbar klemmen, das ist bei diesen Motoren normal. Läuft er ganz ohne Widerstand durch, ist er verschlissen.
  • Schläuche und Tank: Alte Kraftstoffschläuche werden hart und rissig, Tankdeckel undicht. Das sind günstige Teile, aber du solltest sie einplanen.
  • Kupplung und Lager: Kupplungsbacken, Kupplungsglocke und Kugellager verschleißen. Rauer Lauf beim Durchdrehen der Räder ist ein Warnsignal.
  • Vollständigkeit: Bei einem halb gebauten Partwork fehlen gern einzelne Hefte. Vergleich die Teile mit den Bauanleitungen.

Wie zickig so ein Verbrenner nach längerer Pause sein kann, habe ich übrigens selbst schon erlebt – nachzulesen bei meinem RC-Car in 1:10.

Ähnliche Sammelserien hatte DeAgostini schon vorher im Programm. 2008 gab es zum Beispiel den AMG Mercedes mit Kyosho-Technik, ebenfalls in 1:8 mit Verbrennungsmotor, und 2010 die Panzer Sammlung in 1:72 als reine Standmodelle. Und wer lieber einen klassischen Bausatz am Stück will, wird auch heute noch fündig – so wie damals bei mir der Nitrage 5.2 in 1:8, der mich im Katalog angelacht hat.

Häufige Fragen

Was hat der DeAgostini-Hummer insgesamt gekostet?

Mit den angekündigten 65 Ausgaben zu je 8,99 Euro kommst du auf 584,35 Euro. Im deutschen Angebot fehlte laut Forum die Fernsteuerung, dazu kommen Starterzubehör und Kraftstoff.

War der Hummer ferngesteuert?

Ja, es war ein fahrbares RC-Modell mit Nitromotor, Allradantrieb und Seilzugstarter. Die Fernsteuerung musstest du in Deutschland aber selbst besorgen.

Bekommt man so ein Modell heute noch?

Als Abo läuft die Serie längst nicht mehr. Gebraucht tauchen komplette Modelle, einzelne Hefte und Teile immer wieder auf Kleinanzeigen- und Auktionsplattformen auf. Prüf dann genau, ob wirklich alle Teile dabei sind.

Mein Fazit

Der DeAgostini-Hummer war mehr als ein Heftchen mit Plastikteilen: ein fahrbares 1:8-Modell mit Nitromotor und Allrad. Wer mitgemacht hat, sollte aber von knapp 585 Euro plus Fernsteuerung und Zubehör ausgehen. Für Sammler, die das Bauen über Monate genießen, kann das passen – wer nur fahren will, ist mit einem Bausatz am Stück meist günstiger dran.

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