DeAgostini hat 2008 in Zusammenarbeit mit Kyosho ein Modell der AMG-Mercedes C-Klasse aus der DTM-Saison 2008 herausgebracht. Nicht komplett, nein – als Bausatz, verteilt auf viele Hefte. Hier steht, was damals bekannt war, welche Frage mich umgetrieben hat und wie teuer der Spaß am Ende wirklich wurde.
Was war angekündigt?
Das erste Heft gab es für 4,99 Euro, die restlichen 79 Hefte sollten je 9,99 Euro kosten. Dafür gab es nach und nach eine Tankflasche, eine Fernsteuerung und als Bonus eine Uhr im Felgendesign samt Sammelordner.
Die 4,5 cm³ Hubraum des AMG Mercedes von Kyosho sind nicht zu verachten. Damit war klar: Das hier ist kein Vitrinenmodell, sondern ein echter Verbrenner-Renner für die Straße.
Das Vorbild: die DTM-Saison 2008
Die AMG-Mercedes C-Klasse in der 2008er-Ausführung setzte in der DTM das Werksteam HWA ein, Kundenteams wie Persson und Mücke fuhren das Vorjahresauto. Die Saison mit elf Rennen gewann am Ende Timo Scheider im Audi, bester Mercedes-Pilot wurde Paul di Resta als Vizemeister. Für Mercedes-Fans war das Modell also eher ein Vizemeister-Auto – optisch aber ein echter Hingucker.
Steckt ein Inferno-GT-Chassis drunter?
Damals munkelte man, dass ein Kyosho Inferno GT als Basis dient. Nur gab DeAgostini das Modell laut Beschreibung mit 60 Zentimetern Länge an, der Inferno GT ist dagegen rund 50 Zentimeter lang. Meine Frage in die Runde war deshalb: Weiß jemand mehr?
Eine ziemlich gute Antwort lieferte kurz darauf der Bericht über Ausgabe 1 des AMG Mercedes Racer auf modell-bau.org. Dort wurden die DeAgostini-Daten dem Inferno GT gegenübergestellt:
| Merkmal | DeAgostini AMG Mercedes | Kyosho Inferno GT |
|---|---|---|
| Länge | 645 mm | 496 mm |
| Radstand | 387,5 mm | 328 mm |
| Motor | GXR-28, 4,53 cm³ | gleicher Motor |
| Reifen | 94 × 41 mm | gleiche Größe |
Motor und Reifen stimmen überein, die Abmessungen aber nicht. Das Fazit dort: kein Standard-Kyosho-Modell, zumindest kein Inferno GT. Ein Leser ergänzte, dass trotzdem die meisten Teile Kyosho-Teile seien. Damit war die Sache ziemlich gut eingekreist: Kyosho-Technik in einem eigens abgestimmten, längeren Chassis.
Die technischen Daten laut Ausgabe 1
- Motor: Kyosho GXR-28 mit 4,53 cm³ und Schiebervergaser
- Antrieb: Allrad mit Zweiganggetriebe und Differenzialen
- Bremsen: Scheibenbremse
- Maße: 645 × 302 × 172 mm (L × B × H)
- Gewicht: etwa 3,2 kg
Im ersten Heft lagen eine Kunststofffelge, ein Stoßdämpfer ohne Öl und eine DVD, die den Zusammenbau des Mercedes zeigt.
Wie lief die Serie?
Erschienen sind 80 Ausgaben im Wochenrhythmus. Im Forum zum AMG Mercedes auf rcsky.de haben Sammler den Bau Heft für Heft begleitet – bis zum Thread mit dem schönen Titel „80 Deagostini Magazin AMG Mercedes – Das Ende“. Schau da gern mal rein, das ist eine kleine Zeitkapsel des Hobbys.
Laut den Kommentaren auf modell-bau.org war ein Sammler im Dezember 2009 bei Heft 61 angekommen und im März 2010 fertig. Wer von Anfang an dabei war, hat also rund anderthalb Jahre gebaut.
Was hat der AMG Mercedes am Ende gekostet?
Hier wird es interessant. Laut den Angaben rund um Ausgabe 1 gab es zwei Preise für die Folgehefte: 8,99 Euro ohne und 9,99 Euro mit Fernsteuerung, einer 27-MHz-Anlage.
| Variante | Rechnung | Summe |
|---|---|---|
| Ohne Fernsteuerung | 4,99 € + 79 × 8,99 € | 715,20 € |
| Mit Fernsteuerung | 4,99 € + 79 × 9,99 € | 794,20 € |
Der Unterschied liegt bei 79 Euro. Die Fernsteuerung wurde mit 29,95 Euro bewertet. Wer die Variante mit Anlage genommen hat, hat also gut das Zweieinhalbfache ihres Werts bezahlt – verteilt auf 79 kleine Euro-Beträge, die man kaum spürt.
Der Vorteil eines Bausatzes am Stück ist, dass du sofort alles hast, Motor und Fernsteuerung selbst aussuchst und nicht anderthalb Jahre auf das letzte Teil wartest. Bei einem Partwork zahlst du für das Erlebnis, Woche für Woche ein Stück weiterzukommen.
So funktionieren Partworks
Partworks, auf Deutsch Sammelwerke, erscheinen in geplanten Einzelausgaben, oft wöchentlich oder alle zwei Wochen. Jedem Heft liegen ein paar Bauteile bei, die sich am Ende zum Modell ergänzen. Typisch ist eine stark verbilligte erste Ausgabe zum Anfüttern, danach greift der reguläre Preis. DeAgostini zählt zu den größten Anbietern weltweit. Die häufigste Kritik: Zusammengerechnet kosten die Modelle oft deutlich mehr als ein vergleichbarer Bausatz am Stück.
Nitro-Verbrenner: was du wissen solltest
Wer so ein Modell heute noch fährt oder gebraucht kauft, holt sich einen klassischen Glühzünder-Verbrenner ins Haus. Die Motoren laufen mit einem Gemisch aus Methanol, Öl und Nitromethan und brauchen zum Starten einen Glühkerzenstecker.
- Einlaufen: Neue oder überholte Motoren laufen erst mal ein paar Tankfüllungen mit fettem Gemisch und schonend ein.
- Nach dem Fahren: Tank leer fahren und ein paar Tropfen After-Run-Öl in den Motor geben, sonst setzt sich Korrosion an.
- Luftfilter: Der Filter muss sauber und eingeölt sein. Schon ein paar Minuten Staub können einen Motor ruinieren.
Kraftstoff ist Gefahrstoff
Glühzünder-Kraftstoff enthält Methanol. Das ist giftig, auch über die Haut, und leicht entzündlich. Lager ihn verschlossen, kühl und außerhalb der Reichweite von Kindern, betanke nur im Freien und fahr nicht in Wohngebieten, wo Lärm und Abgase andere stören.
Was ist daraus geworden?
Die Serie ist seit 2010 abgeschlossen, im Forum auf rcsky.de fragten die Sammler danach schon: Was kommt nach dem AMG Mercedes? Ein paar Jahre später hatte DeAgostini tatsächlich wieder ein Verbrenner-Partwork in 1:8 im Programm, den Hummer H1. Wer lieber Standmodelle sammelt, findet bei der Panzer Sammlung 1:72 das Gegenstück ganz ohne Kraftstoffgeruch.
Auf Kleinanzeigen- und Auktionsplattformen tauchen bis heute Teile, Hefte und komplette Modelle auf. Einzelteile gibt es oft für ein paar Euro, für komplette, unbenutzte Modelle werden Angebotspreise im mittleren dreistelligen Bereich aufgerufen. Prüf bei einem Kauf vor allem, ob der Motor gelaufen ist und ob die Fernsteuerung dabei ist.
Wie viel Spaß, aber auch wie viel Fummelei so ein Verbrenner macht, kennt jeder, der schon mal versucht hat, ein RC-Car mit 2,5-cm³-Motor nach längerer Pause wieder anzuwerfen. Und wer sich für dicke Verbrenner in 1:8 begeistert, dem hat es vermutlich auch schon mal ein Katalogmodell wie der Nitrage 5.2 angetan – so wie mir.
Häufige Fragen
Wie viele Hefte hatte die DeAgostini-Serie zum AMG Mercedes?
80 Ausgaben, die wöchentlich erschienen. Die erste kostete 4,99 Euro, danach je nach Variante 8,99 oder 9,99 Euro.
Basiert das Modell auf dem Kyosho Inferno GT?
Nicht direkt. Motor und Reifen entsprechen dem Inferno GT, Länge und Radstand sind aber deutlich größer. Es handelt sich um Kyosho-Technik in einem eigenen Chassis.
Was kostete das komplette Modell?
Ohne Fernsteuerung 715,20 Euro, mit Fernsteuerung 794,20 Euro. Kraftstoff, Glühkerzenstecker und Zubehör kamen noch dazu.
Mein Fazit
Der AMG Mercedes hat mich 2008 richtig neugierig gemacht: echte Kyosho-Technik, ein ordentlicher Motor und DTM-Optik. Die Inferno-GT-Frage ist inzwischen weitgehend geklärt, die Preisfrage auch. Wer bei rund 800 Euro für ein RC-Modell zuckt, sollte so etwas lieber am Stück kaufen – wer das wöchentliche Basteln genießt, bekommt dafür anderthalb Jahre Vorfreude.
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