Der Blog ist tot, es lebe der Blog

September 2008: Ich erkläre meinen Blog offiziell für tot. Warum mich lange URLs und WordPress-Updates nervten, wem ich danke – und warum du das hier trotzdem liest.

5–8 Minuten

Der Blog ist tot, es lebe der Blog. Mit diesem Satz habe ich im September 2008 meinen Blog offiziell aufgegeben. Nicht verkauft, nicht vergessen, sondern mit einem Umzug im Hinterkopf. Hier steht, was damals wirklich dahintersteckte, wem ich gedankt habe, warum mich eine endlos lange Adresse und WordPress fast in den Wahnsinn trieben und was aus dem „toten“ Blog geworden ist.

Der Abschied von 2008

Der Titel spielt auf eine alte Formel an: „Der König ist tot, es lebe der König!“ In Frankreich rief man das beim Tod eines Monarchen aus, um im selben Atemzug den Nachfolger zu begrüßen. Genau so war mein Beitrag gemeint. Der alte Blog stirbt, der neue lebt schon.

Die Ansage war deutlich: Hiermit gebe ich offiziell diesen Blog auf. Nicht, weil mir das Bloggen keinen Spaß mehr macht oder weil ich einen Krampf in meinen Tippfingern habe. Es gab noch viele andere Gründe. Nur eines stand fest: Verkaufen tue ich ihn nicht, meinen Blog.

Dass ich das extra betont habe, hatte einen Grund. Blogs zu verkaufen war damals tatsächlich ein Thema. Wie ernst, zeigte sich ein paar Monate später: Robert Basic versteigerte 2009 sein Blog Basic Thinking bei eBay für knapp 47.000 Euro. Den Namen gibt es übrigens bis heute, BASIC thinking läuft als Tech-Magazin weiter.

Danke an die ersten Unterstützer

Hochoffiziell bedankt habe ich mich damals bei drei Leuten, die mich mit Zuspruch und Kommentaren bei der Stange gehalten haben:

  • Vin mit seiner Physik-Seite Drillingsraum, auf der es spannende Interviews mit Physikern gab, zum Beispiel zur Dunklen Materie.
  • Flap4jack mit seiner Mountainboard World, die es leider nicht mehr gibt.
  • meine Freundin mit WanderThisWorld. Auch diese Seite ist inzwischen offline.

Gerade in den ersten Monaten ist so etwas Gold wert. Wer bloggt, schreibt anfangs fast ins Leere. Ein einziger Kommentar zeigt dann, dass da draußen jemand mitliest.

Wie alles anfing: eine Test- und Spielwiese

Ursprünglich war das Ganze für mich nur eine Test- und Spielwiese. Ich wollte mich in das Blogsystem WordPress einarbeiten, herausfinden, was es mit den Pingdiensten auf sich hat, und verstehen, wie die Blogszene so funktioniert. Und ich muss sagen: Es hat mir in diesen Kreisen gefallen.

Ein paar kleine Erfolge konnte ich auch verbuchen. Mein Hinweis damals: Wer etwas über den AMG Mercedes Racer in Erfahrung bringen möchte, sollte es schleunigst tun. Gemeint war das Sammelmodell von De Agostini und Kyosho, über das ich kurz vorher unter AMG Mercedes Kyosho geschrieben hatte. Über Trackbacks hätte ich mich gefreut.

Pings, Trackbacks, Technorati – was war das?

  • Pingdienste wie Ping-O-Matic sagten Blogsuchmaschinen Bescheid, sobald ein neuer Beitrag erschien. WordPress trägt Ping-O-Matic bis heute standardmäßig ein.
  • Trackbacks und Pingbacks waren Benachrichtigungen von Blog zu Blog: Hey, ich hab dich verlinkt. So entstanden unter einem Beitrag kleine Gesprächsfäden quer durchs Netz. Spammer haben das System später kaputtgemacht, heute schalten es viele ab.
  • Stöckchen waren eine Art Kettenbrief unter Bloggern: Jemand stellte ein paar Fragen, beantwortete sie und warf das Stöckchen an andere Blogs weiter. Mich hat es 2007 zum Beispiel mit dem Thema Google Analytics erwischt.
  • Technorati war damals die Blogsuchmaschine schlechthin. Wer dort gut dastand, galt in der Szene etwas. Den Dienst gibt es in dieser Form längst nicht mehr.

Warum aufhören? Die lange URL und das Update-Gezerre

Zwei Dinge haben mich damals so richtig genervt.

Erstens die Adresse. Mein Blog lief unter patrick.mehner.mobasi.com. Versuch das mal jemandem am Telefon zu diktieren. Mit so einer Adresse machst du keinen Blog bekannt. Wie sperrig sie war, siehst du schön in meinem Beitrag über Links von Technorati, in dem sie gleich mehrfach auftaucht.

Zweitens WordPress selbst. Updates waren 2008 echte Handarbeit: neue Version herunterladen, per FTP hochladen, Datenbank-Upgrade anstoßen und hoffen, dass Theme und Plugins das überleben. Wie das bei mir lief, steht in meinem Beitrag zum WordPress-Update: Geplant waren 20 Minuten, am Ende waren es über zwei Stunden, mit zwischendurch zerschossener Datenbank. Kein Wunder, dass mein Abschiedsgruß lautete: Keine Lust mehr auf diese lange nervige URL und dieses umständliche, updatenervende WordPress. Aus, Schluss und vorbei!

Die Ironie: Nur ein paar Monate später, mit WordPress 2.7 im Dezember 2008, kamen Updates per Klick direkt aus dem Admin-Bereich. Seit Version 3.7 von 2013 spielt WordPress kleinere Sicherheitsupdates sogar automatisch ein, und seit Version 5.5 von 2020 lassen sich auch Plugins und Themes automatisch aktualisieren.

Was danach geschah: ein sehr lebendiger Toter

Mein letzter Satz damals: Wir lesen uns auf www.zuendy.net, hoffe ich. Die Adresse ist inzwischen Geschichte. Gelandet ist der Blog am Ende hier, unter zuendy.de, mit allen alten Beiträgen im Gepäck, auch diesem hier.

Und tot war er auch nicht lange. Knapp vier Wochen später ging es schon weiter, mit meinem Spaziergang durchs Colditzer Porzellanwerk. Danach kamen Modellbau, Werkstatt, Fräse und 3D-Druck. Das Beste daran: Der Blog läuft bis heute auf WordPress, also genau dem System, das ich 2008 so verflucht habe.

Ist der Blog wirklich tot? Ein Satz, der nie stimmt

„Blogs sind tot“ wurde in den letzten Jahrzehnten ungefähr alle paar Jahre verkündet: als Facebook und Twitter groß wurden, als alle zu Instagram und YouTube abwanderten, und zuletzt wieder, als KI-Antworten in Suchmaschinen auftauchten. Trotzdem ist WordPress laut W3Techs im Oktober 2026 auf rund 40 Prozent aller Websites im Einsatz.

Was sich geändert hat, ist die Rolle. Der Blog ist heute selten das Tagebuch, das er 2008 oft war. Er ist eher das eigene Zuhause im Netz, auf das kein Plattformbetreiber per Algorithmus Einfluss hat. Social-Media-Profile können gesperrt werden, Plattformen ändern ihre Regeln. Die eigene Domain bleibt.

Auch die Vernetzung, die 2008 über Pings und Trackbacks lief, gibt es in neuer Form. RSS-Feeds funktionieren nach wie vor, und wer einen Feedreader nutzt, bekommt neue Beiträge ganz ohne Algorithmus serviert. Dazu kommt das Fediverse: Mit dem ActivityPub-Plugin kannst du einem WordPress-Blog zum Beispiel direkt von Mastodon aus folgen, und Antworten dort landen als Kommentare im Blog. Im Grunde ist das die Idee der Trackbacks, nur eine Generation weiter.

Wer heute neu startet, sollte sich die Sache mit der Adresse von Anfang an sparen. Eine kurze eigene Domain kostet Stand 2026 meist nur einen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Eurobetrag im Jahr, und sie zieht mit dir um, egal ob du später den Hoster, das System oder beides wechselst. Hätte ich das 2007 gewusst, wäre mir die Sache mit patrick.mehner.mobasi.com erspart geblieben.

Und mach Backups, bevor du an deinem Blog herumschraubst. Als 2007 mein Blog nicht mehr in den Google-Index wollte, hatte ich vor dem Rückbau zum Glück ein XML-Backup angelegt, auch wenn danach erst mal alles doppelt da war.

Wenn du deinen Blog umziehen willst

  • Backup zuerst: Datenbank und Dateien sichern. WordPress bringt unter „Werkzeuge“ eine Export-Funktion mit, die Beiträge als XML-Datei speichert.
  • Adressen mitnehmen: Leite jede alte URL per 301-Weiterleitung auf die neue um. Sonst verlierst du Leser und Suchmaschinen-Rankings.
  • Google Bescheid sagen: In der Google Search Console gibt es dafür ein Werkzeug zur Adressänderung.
  • Permalinks behalten: Wenn du kannst, behalte die Struktur deiner Beitrags-URLs bei. Das spart viel Arbeit.

Mein Fazit

Der „tote“ Blog von 2008 war eigentlich ein Umzug mit Theaterdonner. Die lange Adresse bin ich losgeworden, WordPress nicht, und das ist auch gut so, denn die Updates, die mich damals in den Wahnsinn trieben, laufen heute fast von allein. Bloggen lohnt sich für mich bis heute, nicht wegen der Reichweite, sondern weil es mein eigener Platz im Netz ist.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Der Blog ist tot, es lebe der Blog“

  1. […] Zwei Monate nach diesem Beitrag habe ich dann erst einmal einen Schlussstrich gezogen und den Blog offiziell aufgegeben. Ganz losgekommen bin ich davon, wie du siehst, trotzdem […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.