Parallelblick, Kreuzblick, 3D-Bilder

Zwei fast gleiche Bilder nebeneinander, und plötzlich wird es räumlich: So funktionieren Kreuzblick und Parallelblick und so machst du eigene 3D-Fotos.

4–6 Minuten

2007 bin ich auf eine Seite gestoßen, die mich prompt ein paar Abende gekostet hat: drillingsraum.de. Dort dreht sich fast alles um 3D-Bilder – wie man sie herstellt, welche Formen es gibt und vor allem, wie man sie richtig anschaut. Die Seite ist bis heute online. Hier erkläre ich dir die beiden wichtigsten Techniken, Kreuzblick und Parallelblick, und zeige dir, wie du eigene Stereofotos machst.

Wie funktioniert räumliches Sehen?

Deine Augen liegen etwa 6 bis 7 Zentimeter auseinander. Deshalb sieht jedes Auge die Welt aus einem leicht anderen Winkel. Dein Gehirn verrechnet diese beiden Bilder zu einem, und aus den kleinen Unterschieden entsteht der Eindruck von Tiefe.

Ein Stereobild nutzt genau das. Es besteht aus zwei Fotos derselben Szene, aufgenommen aus zwei leicht versetzten Positionen. Gelingt es dir, jedem Auge nur „sein“ Bild zu zeigen, setzt dein Gehirn daraus ein räumliches Bild zusammen – ganz ohne Brille.

Der Kreuzblick: schielen mit System

Beim Kreuzblick kreuzen sich die Blickrichtungen deiner Augen vor dem Bild. Das linke Auge schaut auf das rechte Bild, das rechte Auge auf das linke. Die Bilder müssen dafür vertauscht angeordnet sein.

So klappt es:

  1. Setz dich bequem vor das Bildpaar, etwa eine Armlänge entfernt.
  2. Halte deinen Zeigefinger ungefähr auf halber Strecke zwischen Augen und Bild.
  3. Schau auf die Fingerspitze. Im Hintergrund siehst du jetzt unscharf drei oder vier Bilder.
  4. Beweg den Finger langsam vor und zurück, bis aus den mittleren beiden ein einziges Bild wird.
  5. Halte die Augenstellung, nimm den Finger weg und warte. Nach ein paar Sekunden stellt dein Auge scharf, und das mittlere Bild wird räumlich.

Der Vorteil: Der Kreuzblick ist leichter zu lernen, und die Bilder dürfen groß sein. Der Nachteil: Das 3D-Bild wirkt kleiner als das Original, und auf Dauer ermüden die Augenmuskeln.

Der Parallelblick: durch das Bild hindurchschauen

Beim Parallelblick schaust du so, als würdest du einen Punkt weit hinter dem Bild betrachten. Die Blickrichtungen laufen parallel, das linke Auge sieht das linke Bild, das rechte das rechte. Das ist dieselbe Augenstellung wie bei den „Magischen Augen“-Bildern, die in den Neunzigern überall hingen.

Meine Anleitung von 2007 war ziemlich pragmatisch: Nase nah ans Bild, ein wenig in die Ferne schauen und hoffen, dass es räumlich wird. Das funktioniert tatsächlich, etwas systematischer geht es so:

  1. Geh mit der Nase fast ans Bild, sodass alles verschwimmt.
  2. Schau entspannt „durch“ den Bildschirm hindurch, als würdest du aus dem Fenster in die Ferne gucken.
  3. Entfern dich ganz langsam, ohne die Augen neu zu fokussieren.
  4. Irgendwann schieben sich die beiden Bilder in der Mitte übereinander, und die Tiefe springt dich an.

Der Haken: Die Einzelbilder dürfen nicht breiter sein als dein Augenabstand, also etwa 6 bis 7 Zentimeter. Sonst müsstest du die Augen nach außen drehen, und das können sie nicht. Dafür empfinden viele den Parallelblick auf Dauer als angenehmer.

Kreuzblick oder Parallelblick – woran erkenne ich, was gemeint ist?

Ein Stereopaar funktioniert immer nur mit einer der beiden Techniken. Schaust du ein Parallelblick-Paar im Kreuzblick an, siehst du die Tiefe vertauscht: Was vorne sein sollte, liegt hinten. Gute Seiten schreiben dazu, welche Technik gemeint ist. Wenn nicht, probier beide aus. Was sich „falsch herum“ anfühlt, ist meist die andere Technik.

Eigene 3D-Fotos machen

Das Schöne daran: Du brauchst keine Spezialkamera. Für unbewegte Motive reicht die sogenannte Cha-Cha-Methode:

  1. Mach ein Foto und verlagere dein Gewicht danach aufs andere Bein, sodass die Kamera etwa 6 bis 7 Zentimeter zur Seite wandert.
  2. Mach das zweite Foto mit gleichem Ausschnitt, gleicher Höhe und gleicher Belichtung.
  3. Leg die Bilder nebeneinander: für den Parallelblick links das linke Foto, für den Kreuzblick vertauscht.

Bei weit entfernten Motiven wie Landschaften oder Gebäuden darf der Abstand zwischen den Aufnahmen deutlich größer sein, sonst wirkt alles flach. Bewegte Motive wie Menschen, Wasser oder Bäume im Wind funktionieren so allerdings schlecht, weil sich zwischen den Fotos etwas verändert.

So gelingen die ersten Versuche

  • Fang mit kleinen Bildern an, die sind leichter zu „fusionieren“.
  • Such dir Motive mit klarem Vordergrund und Hintergrund, etwa einen Ast vor einer Hauswand.
  • Halt die Kamera möglichst gerade. Schon ein leichtes Verkippen ruiniert den Effekt.
  • Gönn deinen Augen Pausen. Wenn es anstrengt oder Kopfweh macht, hör auf.

Was ist aus 3D-Bildern geworden?

3D hatte seitdem einige Hochs und Tiefs. Um 2010 sollten 3D-Fernseher den Massenmarkt erobern und sind wieder verschwunden. Rot-Cyan-Brillen kennt man noch aus Zeitschriften, und VR-Brillen zeigen heute jedem Auge ein eigenes Bild – im Grunde das Prinzip des Stereopaars in Hightech. Manche Smartphones können aus mehreren Kameras ebenfalls räumliche Fotos und Videos aufnehmen.

Der Kreuzblick hat einen Vorteil, den keine Technik schlägt: Er funktioniert überall, mit jedem Bild und ohne Zubehör. Auf drillingsraum.de findest du übrigens nicht nur die ausführliche Anleitung zu Kreuzblick und Parallelblick samt Übungsbildern, sondern auch Physik-Themen wie 4D oder Strings. Wer sich für so was begeistert, wird bei meinem Beitrag über Dark Flow fündig.

Damals hatte ich mir für meinen Beitrag einfach ein Bild von drillingsraum „gemopst“. Heute würde ich das nicht mehr so machen, denn fremde Bilder ohne Erlaubnis zu übernehmen ist urheberrechtlich heikel. Lieber verlinken oder selbst fotografieren – mit der Cha-Cha-Methode ist das ja schnell erledigt. Wer Spaß an Fototechnik hat, kann danach gleich mit HDR-Bildern weitermachen.

Mein Fazit

Kreuzblick und Parallelblick sind kleine Zaubertricks fürs Gehirn, und beide lassen sich mit etwas Übung lernen. Ich finde den Kreuzblick einfacher, der Parallelblick ist auf Dauer entspannter. Und mit zwei Fotos aus der Hand hast du in einer Minute dein eigenes 3D-Bild.

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