Von diesem Beitrag aus dem August 2007 ist nur die Überschrift übrig geblieben, der ursprüngliche Text ist nicht mehr erhalten. Das Thema ist aber zu gut, um die Seite leer stehen zu lassen. Also hier die Neufassung: Wo bekommst du heute Musik, die nichts kostet und trotzdem legal ist? Und woran erkennst du, wann es heikel wird?
Das Wichtigste in Kürze
- Creative-Commons-Plattformen wie Free Music Archive und Jamendo bieten Musik zum kostenlosen Hören und Herunterladen.
- Auf Bandcamp legen viele Künstler den Preis selbst fest, manchmal auch auf null.
- Gemeinfreie Klassik gibt es zum Beispiel bei Musopen.
- Radio, Webradio und Mediatheken sind legal und kosten dich nichts extra.
- Downloads aus offensichtlich illegalen Quellen und Tauschbörsen sind tabu.
Was heißt „gratis“ und „legal“ eigentlich?
Musik ist urheberrechtlich geschützt. Ob du sie kostenlos hören oder herunterladen darfst, entscheiden die Rechteinhaber, also Künstler, Labels oder Verlage. Kostenlos und legal wird Musik deshalb auf drei Wegen:
- Die Künstler geben sie frei, zum Beispiel unter einer Creative-Commons-Lizenz oder als Gratis-Download.
- Jemand anderes bezahlt, etwa Werbekunden beim Streaming mit Werbung oder der Rundfunkbeitrag beim öffentlich-rechtlichen Radio.
- Der Schutz ist abgelaufen. Kompositionen werden in Deutschland 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers gemeinfrei. Aber Achtung: Eine Aufnahme hat eigene Schutzrechte. Beethoven selbst ist frei, die Einspielung eines Orchesters von 2015 aber noch lange nicht.
Creative Commons in einer Minute
Creative-Commons-Lizenzen sind Baukästen, mit denen Künstler festlegen, was du mit ihrer Musik tun darfst. Die wichtigsten Bausteine:
| Kürzel | Bedeutung | Heißt für dich |
|---|---|---|
| BY | Namensnennung | Du musst den Künstler nennen. |
| SA | Weitergabe unter gleichen Bedingungen | Bearbeitungen müssen unter derselben Lizenz stehen. |
| NC | nicht kommerziell | Keine Nutzung, mit der Geld verdient wird. |
| ND | keine Bearbeitung | Nur unverändert verwenden. |
Zum privaten Hören ist praktisch jede CC-Lizenz unproblematisch. Spannend wird es erst, wenn du die Musik weiterverwendest, etwa in einem Video. Die Details erklärt Creative Commons auf der eigenen Übersicht der Lizenzen.
Free Music Archive: das Archiv für Unabhängige
Das Free Music Archive startete 2009 und gehört seit 2019 zum niederländischen Unternehmen Tribe of Noise. Dort findest du Musik unabhängiger Künstler quer durch alle Genres, von Elektro über Folk bis Experimentelles. Die Stücke darfst du zum persönlichen Gebrauch kostenlos hören, herunterladen und teilen. Welche Lizenz genau gilt, steht bei jedem Titel dabei. Für Videos und Podcasts gibt es zusätzlich ein kostenpflichtiges Lizenzangebot.
Jamendo: Hunderttausende Songs zum Stöbern
Jamendo aus Luxemburg ist eine der ältesten Plattformen für freie Musik. Nach eigenen Angaben stehen dort über 600.000 Songs von mehr als 40.000 unabhängigen Künstlern bereit. Zum privaten Hören kannst du streamen und herunterladen, es gibt auch Apps. Wer die Musik kommerziell nutzen will, etwa im Laden oder in einem Werbespot, braucht eine kostenpflichtige Lizenz.
Bandcamp: Zahl, was du willst
Bandcamp ist eigentlich ein Shop, in dem Bands ihre Musik direkt verkaufen. Viele nutzen aber die Option „Name your price“. Dann bestimmst du selbst, was du zahlst, und manchmal ist auch null erlaubt. Daneben verschenken Künstler einzelne Songs oder ganze Alben als Gratis-Download. Die Plattform gehört seit 2023 zum Musiklizenz-Unternehmen Songtradr.
Mein Rat: Wenn dir etwas gefällt, lass ein paar Euro da. Gerade kleine Bands leben davon, und auf Bandcamp kommt ein vergleichsweise großer Teil beim Künstler an.
Gemeinfreie Klassik und Konzertmitschnitte
Für Klassik ist Musopen eine gute Adresse. Das gemeinnützige Projekt bietet Aufnahmen gemeinfreier Werke an, die ebenfalls frei von Rechten sind, dazu kostenlose Noten. Für mehr Komfort gibt es Mitgliedschaften, die Grundidee bleibt aber frei.
Im Internet Archive lohnt ein Blick ins Live Music Archive. Dort liegen Konzertmitschnitte von Bands, die das Mitschneiden und Tauschen ihrer Konzerte ausdrücklich erlauben. Wer Jam-Bands mag, kann sich dort wochenlang verlieren.
Radio, Webradio und Mediatheken
Klingt unspektakulär, ist aber die größte legale Gratis-Quelle überhaupt. Über die ARD Audiothek hörst du Sendungen, Konzerte und DJ-Sets der öffentlich-rechtlichen Sender, bezahlt über den Rundfunkbeitrag. Mit Radio Garden drehst du einen Globus und hörst live Radiosender aus aller Welt. Und bei arte Concert laufen komplette Konzerte als Video, von Klassik bis Metal.
Auch Streamingdienste mit Werbung sind legal, zum Beispiel die kostenlosen Varianten von Spotify oder YouTube. Du besitzt die Musik dort zwar nicht, kannst sie aber ohne schlechtes Gewissen hören. Und nicht vergessen: Viele Stadtbibliotheken verleihen CDs, manche bieten mit dem Ausweis sogar Zugang zu Streamingangeboten.
Wo es illegal wird
Die Privatkopie ist in Deutschland zwar erlaubt, aber nicht aus offensichtlich rechtswidrigen Quellen. Musik von dubiosen Download-Seiten zu laden, ist also keine Grauzone. Besonders teuer werden Tauschbörsen: Dort lädst du beim Herunterladen meist gleichzeitig hoch, und genau das wird mit Abmahnungen verfolgt. Dazu kommt bei zwielichtigen Seiten und „Konvertern“ das Risiko, dir Schadsoftware einzufangen.
Häufige Fragen
Darf ich CC-Musik in meinem YouTube-Video verwenden?
Ja, wenn die Lizenz es erlaubt. Mit BY oder BY-SA bist du auf der sicheren Seite, wenn du den Künstler korrekt nennst. Steht NC in der Lizenz, wird es bei monetarisierten Videos heikel. Creative Commons empfiehlt für die Nennung das Schema Titel, Urheber, Quelle und Lizenz.
Ist Musik streamen mit Spotify Free legal?
Ja. Die Künstler und Labels werden über die Werbeeinnahmen bezahlt. Heikel wird Streaming erst bei Quellen, die offensichtlich illegal sind.
Ist Musik, die älter als 70 Jahre ist, automatisch frei?
Nein. Entscheidend ist der Tod des Komponisten, und die Aufnahme hat zusätzlich eigene Schutzrechte. Eine alte Komposition in einer neuen Einspielung ist deshalb in der Regel noch geschützt. Plattformen wie Musopen lösen das, indem sie die Aufnahmen selbst freigeben.
Und was hat das mit damals zu tun?
2007 war „Gratis-Musik im Web“ fast schon ein Synonym für Tauschbörsen. Heute ist die Lage viel entspannter: Es gibt so viele legale Quellen, dass sich das Risiko schlicht nicht mehr lohnt. Wie ich Musik damals am PC gehört habe, steht in meinem Beitrag über den Star-Trek-Audioplayer. Und warum live trotzdem nichts schlägt, erzählen meine Berichte über The Police in Leipzig und Travis in Berlin.
Mein Fazit
Gratis und legal schließen sich bei Musik überhaupt nicht aus. Für Entdeckungen würde ich heute mit Bandcamp und dem Free Music Archive anfangen, für den Alltag reichen Radio und Mediatheken locker. Und wenn dir eine kleine Band gefällt: Kauf ihr wenigstens ein Album ab.
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