Ein Abend mit Freunden, fünf Leute, ein Termin – und trotzdem gehen zig Mails hin und her, bis überhaupt etwas steht. Genau das hat mich 2007 genervt, bis ich über ein Tool gestolpert bin, das mir damals wie die Erlösung vorkam. Hier erfährst du, was ich daran so genial fand, was aus Doodle geworden ist und womit du Termine heute findest, ohne gleich deine Daten zu verteilen.
Das Problem kennt jeder
Irgendwie wird es mit jedem Jahr komplizierter, Termine mit Freunden zu vereinbaren. Der eine hat keine Zeit, der andere keine Lust, der dritte meldet sich gar nicht. Bis so ein grober Termin gefunden ist, gehen schon mal zig Mails rum. Und selbst der steht dann oft noch wackelig, weil einer die fünfte Antwort in der Kette überlesen hat.
2007: Doodle als Erlösung
Dann kam Doodle. Das Prinzip ist simpel: Du legst eine Umfrage mit ein paar Terminvorschlägen an, Doodle verschickt eine Mail an alle „Opfer“, und jeder kreuzt an, wann er kann – oder eben nicht. Fertig. Am Ende siehst du auf einen Blick, welcher Termin die meisten Häkchen hat.
Mein erster Gedanke damals: Warum ist da eigentlich vorher keiner drauf gekommen? Kopfkratz. Egal, jetzt war es da, und es war klasse. Das Beste obendrauf: Es kostete nichts.
Was ist aus Doodle geworden?
Doodle ist aus der Nische nie wieder verschwunden. Gegründet wurde es 2007 von den beiden ETH-Studenten Michael Näf und Paul E. Sevinç in Zürich, 2008 wurde daraus die Doodle AG. Die alte Adresse doodle.ch, die ich damals verlinkt hatte, gibt es so nicht mehr. Heute läuft alles über doodle.com.
Ab 2011 stieg das Schweizer Medienhaus Tamedia ein, seit 2014 hält es die Mehrheit. Tamedia heißt inzwischen TX Group. Nach eigenen Angaben nutzen Doodle heute über 30 Millionen Menschen im Monat. Neben der klassischen Gruppenumfrage gibt es Buchungsseiten und 1:1-Terminvergabe. Die Basis ist weiterhin kostenlos, für mehr Funktionen gibt es das Abo Doodle Pro.
Warum Datenschutz bei Terminumfragen ein Thema ist
Eine Terminumfrage wirkt harmlos. Trotzdem steckt einiges drin: Namen, oft Mailadressen, und vor allem die Info, wer wann Zeit hat und wann nicht. Bei einem Vereinstreffen ist das egal. Bei Umfragen im Job, in der Schule oder bei sensiblen Themen sieht das schon anders aus.
Dazu kommt: Viele kostenlose Dienste finanzieren sich irgendwie, und nicht jeder legt offen, wie genau. Wenn dir das wichtig ist, nimmst du ein Tool, das ohne Tracking und Werbung auskommt und die Daten nach einer Weile löscht.
Datenschutzfreundliche Alternativen
| Tool | Betreiber | Was es auszeichnet |
|---|---|---|
| Nuudel | Digitalcourage e. V. | basiert auf Framadate, kein Tracking, keine IP-Speicherung, ohne Anmeldung |
| dudle | TU Dresden | werbefrei, optional Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Löschung nach zwei Monaten ohne Zugriff |
| Bitpoll | Uni Hamburg, Fachbereich Informatik | Weiterentwicklung von dudle, modernere Oberfläche, Konto optional |
| Framadate | Framasoft (Frankreich) | freie Software, kannst du auch selbst hosten |
| Rallly | Open-Source-Projekt | moderne Oberfläche, ebenfalls selbst hostbar |
Mein Favorit für den Alltag wäre heute Nuudel. Der Verein Digitalcourage betreibt es auf eigener Hardware, speichert keine IP-Adressen und verlangt keine Anmeldung. Die Mailadresse ist sogar optional. Wichtig ist nur, dass du dir den Admin-Link der Umfrage als Lesezeichen speicherst, sonst kommst du später nicht mehr an die Einstellungen.
Was du vielleicht schon hast
Oft brauchst du gar kein extra Tool. Viele Messenger haben inzwischen Umfragen eingebaut, für die schnelle Frage in der Freundesgruppe reicht das völlig. Wer Nextcloud nutzt, findet dort eine Umfrage-App. Und auch die großen Kalender- und Mailprogramme bieten mittlerweile eigene Terminabstimmungen an.
So klappt die Terminumfrage
- Biete nicht mehr als fünf bis acht Termine an. Bei zwanzig Spalten klickt keiner mehr sauber durch.
- Setz eine Frist, bis wann alle abgestimmt haben sollen.
- Nutze die Option „wenn nötig“, falls das Tool sie hat. Sie zeigt dir, wo noch Luft ist.
- Schreib nichts Sensibles in den Titel, denn den sieht jeder mit dem Link.
- Verkünde den finalen Termin aktiv, statt darauf zu hoffen, dass alle nachschauen.
Umfrage oder Buchungsseite?
Für Gruppen ist die klassische Umfrage nach wie vor ideal. Wenn du dagegen regelmäßig Einzeltermine vergibst, etwa als Nachhilfelehrer, Fotograf oder Handwerker, ist eine Buchungsseite praktischer. Du gibst deine freien Zeiten frei, und dein Gegenüber bucht direkt einen Slot. Das kann Doodle inzwischen auch, daneben gibt es spezialisierte Dienste wie Calendly oder das quelloffene Cal.com.
Der Unterschied ist simpel: Eine Umfrage sucht den kleinsten gemeinsamen Nenner, eine Buchungsseite verteilt deine eigene Zeit. Wer beides durcheinanderbringt, bekommt entweder Chaos oder einen vollen Kalender ohne Pausen.
Kleine Zeitreise
Wenn ich heute auf den Beitrag von 2007 schaue, muss ich schmunzeln. Damals war schon eine Website, die automatisch Mails verschickt, eine kleine Sensation, und das Netz steckte voller Gratis-Entdeckungen, über die man sich einfach gefreut hat. Heute nervt eher die Flut an Umfragen, mit denen jeder Onlineshop wissen will, wie zufrieden du warst – eBay war darin schon 2009 ganz vorn. Die gute alte Terminumfrage gehört aber zu den Ideen, die einfach geblieben sind, weil sie funktionieren.
Mein Fazit
Doodle hat mir 2007 unzählige Mails erspart, und das Prinzip ist bis heute unschlagbar. Für private Runden würde ich inzwischen aber zu Nuudel oder dudle greifen: gleiche Idee, keine Anmeldung, kein Tracking. Und wenn es schnell gehen muss, tut es auch die Umfrage im Gruppenchat.
Schreibe einen Kommentar