Kletterwald: ein kurzer Name für einen langen Leidensweg. Im August 2007 wollten wir mal wieder ein bisschen Action in das doch so langweilige Studentenleben bringen und haben uns ganz spontan entschieden, in den Kletterwald zu gehen. Ehrlicherweise auch, um uns vor der eigentlichen Arbeit zu drücken. Hier erzähle ich, wie es uns im Kletterwald Kriebstein ergangen ist und worauf du achten solltest, wenn du selbst in die Bäume willst.
Kletterwald oder Hochseilgarten?
In Fachkreisen nennt man so einen Kletterwald übrigens auch Hochseilgarten. Darüber musste ich mich damals erst belehren lassen.
Ganz genau genommen ist der Oberbegriff „Seilgarten“. Ein Kletterwald ist ein Seilgarten, der in echten Bäumen hängt und in dem du dich nach einer Einweisung selbst sicherst. Mit Hochseilgarten sind oft auch Anlagen auf Holzmasten gemeint, die in der Erlebnispädagogik eingesetzt werden. Dort sichern Trainer die Teilnehmer, und es geht vor allem um Vertrauen und Zusammenarbeit in der Gruppe. Wer sich für diese Seite interessiert, findet in meiner Serie zur Gruppendynamik einiges zum Thema.
Fünf Parcours mit steigender Schwierigkeit
Von außen sah der Kletterwald erst mal gar nicht so spannend aus. Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Damals gab es fünf Parcours:
- Einweisungsparcours: wie lächerlich, dachte ich.
- Spaßparcours: Wenn du keine Ahnung hast und vorher nicht auf die anderen Möglichkeiten geachtet hast, ist der schon anstrengend.
- Fitnessparcours: ja, ganz nett.
- Abenteuerparcours: Jetzt geht’s ab.
- Risikoparcours: Uijuijui. Schon der Start war so hart, dass ich vermute, er soll erst einmal alle absolut Untrainierten abschrecken.
Freundliches Personal und ein vergessener Studentenausweis
Die Aufpasser und das Personal waren alle sehr angenehm. Ich hatte wie immer meinen Studentenausweis vergessen, und ohne Rumzicken oder ein „So geht das aber nicht“ haben wir den Rabatt trotzdem bekommen. Wahnsinn. Das gab es in meiner ganzen Laufbahn noch nie. Ein echt fettes Plus.
Dann ging es ans Angurten und vor den Einweisungsparcours. Dort wird einem am lebenden Beispiel gezeigt, wie man sich durchs Gestrüpp hangelt, oder eben auch nicht. Es gab noch ein paar Tipps, dann ging es rauf. Die Abläufe wurden trainiert, und ein, zwei Mal wurde korrigierend eingegriffen.
Vom Fitnessparcours ins Netz
Mein Rat von damals gilt bis heute: Lauf im Kletterwald erst die einfacheren Parcours, um dich aufzuwärmen. Dann hast du eine realistische Chance, die letzten beiden ohne Muskelkater zu überleben. Ich habe damals gehofft, keinen zu bekommen.
Die ersten vier Parcours haben wir ohne nennenswerte Ausfälle überstanden. Hier und da gab es kleine Kraft- und Leistungseinbußen und extreme Schweißausbrüche, aber keine Nervenzusammenbrüche.
Dann stand irgendjemand irgendwann vor dem Risikoparcours, und nur ungefähr zehn Sekunden später hing derjenige mitten im Netz. Länger hat es bestimmt nicht gedauert. Was der für Geräusche von sich gegeben hat, ging gar nicht.
Anschließend ging es in die Tarzan-Ecke, das muss man als Mann ja unbedingt haben. Außerdem hingen dort Boards mit Rollen, und zwischendurch gab es einen Freiflug à la Superman durch den Wald. Eine Lektion gab es gratis dazu: Als Kamerahalter solltest du nicht zu dicht am Geschehen stehen.
Sicher klettern: Darauf solltest du achten
Ein Kletterwald ist sicher, wenn alle die Regeln ernst nehmen. Seilgärten werden in Europa nach der Norm EN 15567 gebaut und betrieben, und vor dem ersten Parcours bekommst du immer eine Einweisung.
- Einweisung ernst nehmen: Auch wenn der Übungsparcours lächerlich wirkt, dort lernst du den Umgang mit Karabinern und Rolle.
- Immer gesichert: Bei klassischen Systemen mit zwei Karabinern hängt immer mindestens einer am Sicherungsseil. Viele Anlagen nutzen heute Systeme, bei denen sich nicht beide Karabiner gleichzeitig öffnen lassen.
- Passende Kleidung: bequeme Sportkleidung, feste, geschlossene Schuhe, lange Haare zusammenbinden, Schmuck ablegen. Handschuhe schonen die Hände.
- Langsam steigern: Erst die leichten Parcours, dann die schweren. Wer sich übernimmt, hängt eher im Netz als ihm lieb ist.
- Bei Gewitter runter: Bei Gewitter und Sturm wird in Kletterwäldern abgebrochen.
Für wen eignet sich ein Kletterwald?
Für fast alle, die halbwegs fit und schwindelfrei sind. Die meisten Anlagen haben für einzelne Parcours Mindestgrößen oder Altersgrenzen, Kinder klettern oft nur in Begleitung Erwachsener. Die genauen Regeln stehen auf der Website des jeweiligen Betreibers. Und wenn du ein bisschen Höhenangst hast: Die niedrigen Parcours sind ein guter Test. Niemand zwingt dich, ganz nach oben zu gehen.
Muskelkater vermeiden
Aufwärmen hilft wirklich, und die leichten Parcours sind dafür ideal. Klettere mit den Beinen, nicht nur mit den Armen, und mach zwischendurch Pausen. Trink genug, gerade an warmen Tagen.
Was ist aus dem Kletterwald Kriebstein geworden?
Den Kletterwald Kriebstein an der Talsperre Kriebstein gibt es noch, allerdings mit einer Unterbrechung. Auf der Website steht ein Hinweis, dass er wegen massiver Borkenkäferschäden im Baumbestand auch 2024 geschlossen bleiben musste und ein kompletter Umbau geplant war. Ob und in welcher Form er inzwischen wieder geöffnet hat, solltest du vor einem Besuch telefonisch oder per Mail beim Betreiber klären.
Die Gegend lohnt sich so oder so. Die Talsperre Kriebstein staut die Zschopau, nicht weit von Waldheim. Von April bis Oktober fahren dort Fahrgastschiffe, und baden kannst du auch. Gleich in der Nähe thront die Burg Kriebstein über dem Tal. Ein schönes Ziel, wenn du ohnehin in Mittelsachsen unterwegs bist.
Wer nach dem Kletterwald noch mehr Action sucht: Kurz danach hatte mich das Mountainboard gepackt, ein geländetaugliches Board mit Luftreifen, und in Winterberg eröffnete sogar ein eigener Mountainboard-Park.
Mein Fazit
Mein Urteil von damals steht: absolut fett, der Kletterwald Kriebstein hat gerockt. Heute würde ich mir vorher nur zwei Dinge vornehmen, nämlich mich auf den leichten Parcours richtig aufzuwärmen und vor der Anfahrt zu prüfen, ob die Anlage geöffnet hat. Und die Kamera würde ich mit etwas mehr Sicherheitsabstand halten.
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