Im August 2008 war ich nach langer Zeit mal wieder joggen. Das Wetter war eigentlich optimal, nicht zu kühl und nicht zu warm – bis auf den Nieselregen, der genau in dem Moment einsetzte, als ich die Haustür öffnete. Der perfekte Grund, wieder umzukehren. Ich bin trotzdem los, und am Ende hat mich ein Regenbogen auf einer ganz anderen Strecke rennen lassen, als ich geplant hatte.
Die Geschichte: Joggen, Regen, Regenbogen
Nein, dachte ich mir, jetzt wo du es mal vor die Haustür geschafft hast, ziehst du das auch durch. Die ersten 100 Meter liefen ziemlich okay. Jeden weiteren Schritt bereute ich mit innerlichem Bedauern.
Und auf einmal war es da: das perfekte Regenbogenmotiv über einem Feld. Normalerweise habe ich zu jeder möglichen und auch unmöglichen Situation eine Kamera dabei. Nur jetzt nicht. Ich hatte schon 1,5 Kilometer hinter mir. Einfach zurück? Oder ignorieren und die restlichen zwei Kilometer weiterlaufen?
Ich glaube, ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte. Und es ist erstaunlich, wie ein Ziel motivieren kann: Zurück ging es doppelt so schnell. Kamera geschnappt – und den Autoschlüssel gleich mit. Die Strecke lauf ich doch nicht ein zweites Mal am selben Tag.
Als ich dann da war, war es eigentlich schon zu spät. Der Regen hatte stark nachgelassen, der Regenbogen war blasser geworden und weitergezogen. Ein Bild von dem Feld mit dem Rest des Regenbogens habe ich trotzdem noch bekommen. Ganz umsonst war der Sprint also nicht.
Wie entsteht ein Regenbogen?
Damit du beim nächsten Mal vorbereitet bist, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Physik. Ein Regenbogen entsteht, wenn Sonnenlicht auf Regentropfen trifft. Das Licht wird beim Eintritt in den Tropfen gebrochen, an der Rückseite reflektiert und beim Austritt noch einmal gebrochen. Weil jede Farbe ein wenig anders gebrochen wird, fächert sich das weiße Licht in seine Farben auf.
Daraus ergeben sich ein paar feste Regeln:
- Die Sonne steht immer in deinem Rücken, der Regen vor dir.
- Der Bogen liegt rund 42 Grad um den Sonnengegenpunkt, also den Punkt genau gegenüber der Sonne, wo der Schatten deines Kopfes hinzeigt.
- Rot ist außen, Blau und Violett innen.
- Ein Nebenregenbogen entsteht durch eine zweite Reflexion im Tropfen. Er liegt bei etwa 51 Grad, ist blasser und hat die Farben in umgekehrter Reihenfolge.
- Zwischen Haupt- und Nebenbogen wirkt der Himmel dunkler. Dieses Alexanders dunkle Band ist nach Alexander von Aphrodisias benannt.
Wann du mit einem Regenbogen rechnen kannst
Weil der Bogen 42 Grad um den Sonnengegenpunkt liegt, spielt die Sonnenhöhe eine große Rolle. Steht die Sonne höher als etwa 42 Grad, liegt der ganze Bogen unter dem Horizont, und du siehst vom Boden aus nichts. In Deutschland passiert das im Sommer rund um die Mittagszeit.
Die besten Chancen hast du deshalb am Vormittag und am späten Nachmittag oder Abend, wenn Schauer durchziehen und zwischendurch die Sonne herauskommt. Typisches Regenbogenwetter sind Aprilwetter und Sommergewitter, die abziehen. Je tiefer die Sonne steht, desto höher und runder wird der Bogen. Bei Sonnenuntergang kann er sogar einen vollen Halbkreis bilden.
Regenbogen-Alarm
Wenn es regnet und gleichzeitig die Sonne scheint, dreh dich mit dem Rücken zur Sonne. Sieht der Himmel vor dir dunkel und regnerisch aus, ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Viele Wetter-Apps zeigen dir außerdem Regenradar und Sonnenstand, damit kannst du solche Situationen sogar vorausahnen.
Regenbögen richtig fotografieren
Ein Regenbogen ist flüchtig, oft hast du nur wenige Minuten. Umso wichtiger ist es, zu wissen, was du tust:
- Weitwinkel für den ganzen Bogen. Der Hauptbogen ist rund 84 Grad breit, wenn die Sonne tief steht. Für den kompletten Bogen brauchst du an einer Vollformatkamera etwa 18 Millimeter oder weniger. Beim Smartphone hilft die Ultraweitwinkel-Kamera.
- Oder bewusst einen Ausschnitt wählen. Mit Tele kannst du den Fuß des Regenbogens über einem Haus, Baum oder Feld zeigen. Das wirkt oft stärker als der ganze Bogen.
- Leicht knapp belichten. Eine Belichtungskorrektur von etwa −0,3 bis −1 Blendenstufe macht die Farben satter. Überbelichtet verblasst der Regenbogen.
- Polfilter mit Bedacht. Das Licht eines Regenbogens ist stark polarisiert. Je nach Drehung verstärkt der Polfilter den Bogen deutlich – oder lässt ihn fast verschwinden. Dreh langsam und schau genau hin.
- Vordergrund einbauen. Ein Feld, ein Weg oder ein Gebäude geben dem Bild Halt und Größe. Bei mir war es damals das Feld.
- Dunkler Hintergrund. Vor dunklen Regenwolken leuchten die Farben am stärksten.
Warum du nie am Ende des Regenbogens ankommst
Der Regenbogen ist kein Gegenstand an einem festen Ort, sondern ein optischer Effekt, der von deinem Standpunkt abhängt. Jeder Mensch sieht seinen eigenen Regenbogen, gebildet von anderen Tropfen. Läufst du auf ihn zu, wandert er mit. Den Topf voll Gold musst du dir also anders verdienen.
Die wichtigste Lektion: Kamera dabei haben
Was lernen wir daraus? Der größte Fehler ist schlicht, die Kamera nicht dabei zu haben. Genau so stand es damals auch in einer Blogparade zu vermeidbaren Fehlern beim Fotografieren, und ich kann das aus eigener schmerzhafter Erfahrung bestätigen.
Heute ist das Problem fast gelöst. Das Smartphone ist beim Joggen meistens sowieso dabei, ob für Musik, Lauf-App oder für den Notfall. Ein Regenbogen gelingt damit problemlos, mit Ultraweitwinkel sogar komplett. Der alte Fotografenspruch „Die beste Kamera ist die, die du dabeihast“ war selten so wahr wie heute.
Damals habe ich die „richtigen Fotografen“ unter meinen Lesern gefragt, was sie alles für ein gutes Foto tun. Die Frage gebe ich gern an dich weiter: Wofür bist du schon einmal umgekehrt, früher aufgestanden oder durch den Regen gelaufen? Mir fallen da noch ein paar Geschichten ein, etwa meine Geduldsprobe mit Insekten in Makro Reloaded oder das spontane Ford-Focus-Fotoshooting nach einem Umzug. Und wer bei schwierigem Licht noch mehr herausholen will, findet in meinem Beitrag zu HDR-Bildern einen Einstieg.
Mein Fazit
Der Regenbogen war weg, als ich mit Kamera zurückkam – aber ein Rest davon ist im Archiv gelandet, und joggen war ich an dem Tag ja auch. Wenn du Regenbögen fotografieren willst, merk dir: Sonne im Rücken, tief stehende Sonne, Weitwinkel und ein wenig knapp belichten. Und vor allem: Nimm die Kamera mit, auch wenn du nur kurz joggen gehst.
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