Der Tag war so schön entspannend: warm, ruhig, kein Stress. Bis man plötzlich das Gefühl hatte, verfolgt und beobachtet zu werden, kurz vor einem Überfall. Im August 2008 wurde ich Zeuge eines epischen Duells zwischen einer schwarzen Katze und einem weißen Kater, und ich hatte die Kamera dabei. Hier kommt die Geschichte, und danach schauen wir uns an, was bei so einem Katzenkrieg eigentlich passiert.
Die Fotostory: Schwarz gegen Weiß
Ein weißer Kater zog durch die Lande, um arme, hilflose Artgenossen zur Strecke zu bringen. Hinterrücks wurde angegriffen. Vorerst gelang der schwarzen Katze die Flucht, doch die schwarze Katzenpartei war angeschlagen. Sie wehrte sich mit allem, was die Kraft der Pfoten hergab.
Das Schauspiel wurde aus sicherer Distanz von ein paar Mischlings-Artgenossen beobachtet. Hätten die nicht Partei ergreifen sollen? Man weiß es nicht.
Dann kam es zum finalen Kampf zwischen Schwarz und Weiß. Welche Katze würde als triumphierendes Geschöpf von dannen ziehen? Eine Zeit lang waren beide Parteien gleichauf, bis nach und nach doch die helle Seite der Macht die Oberhand gewann. Das Ergebnis ließ einen erschaudern.
Doch dem Katzenwesen war das nicht genug. Zeitzeugen mussten ebenfalls zur Strecke gebracht werden, und weil der letzte Kampf viel Kraft gekostet hatte, griff es dabei zu weniger heldenhaften Tricks: Unbeteiligte wurden angegangen. Mir als Überlieferer dieser Geschichte gelang zwar die Flucht vor dem Monster, aber nicht ohne Blessuren.
Die Fotoserie dazu gibt es leider nicht mehr. Du musst dir die Bilder also selbst vorstellen: viel Fell, viel Drama und am Ende ein siegreicher weißer Kater.
Was steckt hinter so einem Katzenkrieg?
Mit einem Augenzwinkern betrachtet, war das großes Kino. Nüchtern betrachtet, war es ziemlich typisches Katzenverhalten. Katzen sind territorial. Gerade Freigänger haben ein Revier, das sie mit Duftmarken, Kratzspuren und regelmäßigen Kontrollgängen markieren. Wo sich Reviere überschneiden, kommt es zu Begegnungen, und die laufen nicht immer friedlich ab.
Besonders streitlustig sind unkastrierte Kater. Sie streifen weiter umher, verteidigen ihr Gebiet heftiger und konkurrieren um paarungsbereite Katzen. Ein weißer Kater, der „durch die Lande zieht“, passt da ziemlich gut ins Bild.
So läuft ein Revierkonflikt meist ab
Die meisten Konflikte unter Katzen sind eher Drohkulisse als echter Kampf. Beide Seiten wollen Verletzungen eigentlich vermeiden:
- Anstarren: Die Katzen fixieren sich, oft minutenlang.
- Imponieren: Fell sträuben, Buckel machen, sich seitlich präsentieren, um größer zu wirken. Die Ohren drehen nach hinten oder liegen flach an.
- Lautstärke: Knurren, Fauchen und dieses langgezogene, unheimliche Jaulen, das dich nachts aus dem Schlaf reißt.
- Eskalation: Gibt keine nach, wird es handgreiflich. Pfotenhiebe, Raufen, Beißen, Hinterbeintritte.
- Rückzug: Meist flieht eine Katze, und die andere setzt ihr ein Stück nach.
Dass sich in meiner Geschichte zwischendurch eine Fluchtphase und ein Gegenangriff abgewechselt haben, ist also ganz normal.
Spiel oder Ernst? So erkennst du den Unterschied
Nicht jede Rauferei ist ein Krieg. Gerade junge Katzen oder Katzen, die sich gut kennen, balgen gern. Ein paar Anzeichen helfen bei der Einordnung:
| Spielkampf | Ernster Kampf |
|---|---|
| eher leise, kaum Fauchen | lautes Knurren, Fauchen, Kreischen |
| Rollen wechseln, mal jagt die eine, mal die andere | eine Katze greift an, die andere will nur weg |
| kurze Pausen, danach geht es weiter | keine Pausen, Verfolgung bis zur Flucht |
| Krallen meist eingezogen | Krallen draußen, Fellbüschel fliegen |
| keine Verletzungen | Kratzer, Bisse, manchmal Blut |
Wenn sich die eigenen Katzen bekriegen
Streiten sich zwei Katzen im selben Haushalt immer wieder ernsthaft, geht es oft um Ressourcen. Eine bewährte Faustregel lautet: eine Katzentoilette mehr, als Katzen im Haus wohnen. Dazu kommen getrennte Futter- und Wasserstellen, mehrere Rückzugsorte und erhöhte Liegeplätze, damit sich niemand in die Enge gedrängt fühlt. Hilft das nicht, lass zuerst beim Tierarzt Schmerzen oder Krankheiten ausschließen und hol dir dann Rat bei einer Verhaltensberatung für Katzen.
Warum es auch Unbeteiligte erwischt
Der Teil meiner Geschichte, in dem das „Katzenwesen“ auf Zeitzeugen losgeht, klingt nach Übertreibung. Ist es aber gar nicht unbedingt. Verhaltensforscher kennen das Phänomen der umgerichteten Aggression: Eine Katze ist so aufgeregt, dass sie ihre Wut an dem auslässt, was gerade in Reichweite ist. Das kann eine andere Katze sein, die nur zugeschaut hat, oder eben ein Mensch.
Deshalb solltest du nie mit bloßen Händen zwischen kämpfende Katzen gehen. Besser funktionieren ein lautes Klatschen, ein Kissen oder ein Stück Pappe als Barriere oder eine Decke, die du über eine der Katzen wirfst. Und danach: beiden Zeit lassen, sich zu beruhigen, bevor du sie anfasst.
Katzenbisse und Kratzer ernst nehmen
Katzenbisse sehen oft harmlos aus, sind aber tief und infizieren sich leicht, weil Bakterien aus dem Maul weit ins Gewebe gelangen. Wirst du gebissen, besonders an der Hand, lass die Wunde ärztlich anschauen und prüf deinen Tetanusschutz. Auch bei Katzen selbst entstehen nach Bissen häufig Abszesse. Wird eine Stelle nach ein paar Tagen dick, warm und schmerzhaft, gehört deine Katze zum Tierarzt.
Schwarz oder weiß: Spielt die Fellfarbe eine Rolle?
Schwarze Katzen haben es nicht leicht. Dem Aberglauben nach bringen sie Unglück, wenn sie dir von links über den Weg laufen. In meiner Geschichte war die schwarze Katze dagegen die Verfolgte, der Bösewicht trug Weiß.
Ob die Fellfarbe den Charakter beeinflusst, wird immer wieder diskutiert. Es gibt Umfragen unter Katzenhaltern, die gewisse Zusammenhänge andeuten, belastbar ist das aber nicht. Viel wichtiger für das Verhalten sind, ob eine Katze kastriert ist, wie sie als Kätzchen geprägt wurde, was sie erlebt hat und welches Temperament sie mitbringt.
Weiße Katzen und Taubheit
Einen echten Zusammenhang zwischen Farbe und Körper gibt es allerdings: Weiße Katzen, vor allem solche mit blauen Augen, sind überdurchschnittlich oft taub. Das hängt mit dem Gen zusammen, das für das weiße Fell sorgt. Wenn eine weiße Katze auf Zurufe nicht reagiert, ist das also nicht immer Ignoranz.
Die Schattenseite: Freigänger und Kleintiere
Schon 2008 hatte ich im Nachtrag angemerkt, dass Katzen die nähere Umgebung von kleineren Lebewesen ziemlich stark „bereinigen“. Das ist gut belegt. Eine viel zitierte Studie aus dem Jahr 2013 schätzte, dass Hauskatzen allein in den USA jedes Jahr mehrere Milliarden Vögel und Säugetiere töten. Wie dramatisch das bei uns ist, hängt stark von der Gegend ab. Ich habe selbst schon einen Spatz vor einer Katze gerettet und weiß, wie schnell das gehen kann.
Was hilft, wenn deine Katze Freigänger ist:
- Kastration: Sie senkt Revierkämpfe und verhindert unkontrollierten Nachwuchs. Viele Städte und Gemeinden schreiben sie für Freigänger inzwischen per Katzenschutzverordnung vor.
- Kennzeichnung und Registrierung: Ein Chip, registriert bei einem Haustierregister, hilft, wenn deine Katze verletzt gefunden wird.
- Spielen: Regelmäßiges Jagdspiel mit Angel oder Federwedel lenkt den Jagdtrieb um. Studien aus Großbritannien deuten darauf hin, dass Katzen dann weniger Beute nach Hause bringen.
- Brutzeit beachten: Im Frühjahr, wenn junge Vögel flügge werden, ist die Gefahr am größten. Gerade morgens lohnt es sich, Freigänger etwas länger drinnen zu lassen.
Nachtrag von damals: Ich war nicht allein
Witzig fand ich 2008, dass sich auch andere Blogger zur selben Zeit mit Katzen und ihren Eigenwilligkeiten beschäftigt haben. Bei Spreeblick erschien zum Beispiel der schöne Text „K.“ darüber, wie man sich eine Katze ins Haus holt und plötzlich von ihr regiert wird. Wer Katzen hat, kennt das. Und wer wissen will, wie die Welt durch Katzenaugen bei Nacht aussieht, findet dazu meinen Beitrag Nachts wie eine Katze sehen.
Mein Fazit
Mein Krieg der Katzen war 2008 ein großer Spaß zum Fotografieren und ist im Rückblick ein ziemlich typisches Revierduell. Wer Katzen beobachtet, sollte Abstand halten, nicht mit den Händen dazwischengehen und Bisse ernst nehmen. Und auch wenn die helle Seite damals gewonnen hat: Am Ende gab es keinen echten Sieger, nur einen Chronisten mit Blessuren.
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