Modenschau in Chemnitz

Meine erste Modenschau – und eine Schwebfliege hat mir 30 Minuten davon geklaut. Was das Insekt kann und wie du Makros von flinken Fliegen scharf bekommst.

4–6 Minuten

Im Juli 2008 war ich in Chemnitz bei etwas, womit ich bis dahin noch nie zu tun hatte: einer Modenschau. Das Spannendste an diesem Wochenende lief allerdings nicht über den Laufsteg, sondern summte um eine Blüte herum. Eine Fliege, die aussah wie eine Wespe, hat mir locker eine halbe Stunde wertvolle Modenschauzeit geraubt. Hier erfährst du, was es mit dieser Schwebfliege auf sich hat – und warum meine Bilder nicht scharf werden wollten.

Eine Fliege im Wespenkostüm

Das Tierchen war eine Schwebfliege, wissenschaftlich Syrphidae. Ihr Trick: Viele Arten tragen schwarz-gelbe Streifen und sehen aus wie Wespen oder Bienen. Einen Stachel haben sie aber nicht. Die Tarnung reicht trotzdem, um Vögel und andere Fressfeinde abzuschrecken. Biologen nennen so eine Nachahmung eines wehrhaften Vorbilds Mimikry.

Zwei Zahlen hatte ich damals schon genannt, und beide stimmen bis heute:

  • In Europa sind etwa 500 Arten verbreitet. Weltweit sind es rund 6.000, in Deutschland über 450.
  • Im Schwirrflug schlagen die Flügel mit bis zu 300 Hertz, also bis zu 300-mal pro Sekunde.
  • Dadurch können Schwebfliegen in der Luft auf der Stelle stehen, selbst bei leichtem Wind. Daher kommt auch ihr Name.

Genau darauf hatte ich gesetzt. Eine Fliege, die auf der Stelle schwebt, müsste doch ein dankbares Motiv sein. Tat sie aber nicht. Ausgerechnet ich hatte die unruhigste Art erwischt, und die dachte gar nicht daran, stillzuhalten.

Nützlinge im Garten

Schwebfliegen sind echte Gartenhelfer. Die Larven vieler Arten fressen Blattläuse, eine einzige Larve schafft bis zu 100 Stück am Tag. Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten. Wenn du sie in deinem Garten haben willst, sorg für blühende Wildpflanzen und verzichte auf Insektenvernichter.

Warum die Bilder einfach nicht scharf wurden

Das Ergebnis meiner halben Stunde: ein paar Fotos, auf denen man die Fliege erkennt, aber keins, das richtig scharf war. Die Gründe dafür treffen auf fast jeden zu, der zum ersten Mal Insekten fotografiert:

  1. Minimale Schärfentiefe. Im Nahbereich ist der scharfe Bereich oft nur wenige Millimeter tief. Bewegt sich das Insekt oder du selbst um einen Hauch, liegt der Fokus daneben.
  2. Zu langsamer Autofokus. Kompaktkameras und ältere Bridgekameras brauchten im Makrobereich ewig zum Scharfstellen. Bis der Fokus saß, war die Fliege weg.
  3. Zu lange Belichtungszeit. Ein schwebendes Insekt mit 300 Flügelschlägen pro Sekunde bekommst du nur mit sehr kurzen Zeiten eingefroren. Ohne viel Licht ist das kaum möglich.
  4. Verwacklung. Im Nahbereich wirkt jede kleine Bewegung der Hand wie ein Erdbeben.

Neue Kamera, anderes Objektiv oder nur mehr Licht?

Diese Frage hatte ich mir damals selbst gestellt, nachdem ich bei Helmschrott gesehen hatte, dass dort am selben Wochenende ebenfalls mit Makros experimentiert wurde. Aus heutiger Sicht lautet die Antwort: vor allem mehr Licht und etwas Technik, nicht unbedingt eine neue Kamera.

LösungWas sie bringtAufwand
NahlinseVors Objektiv geschraubt, verkürzt die Naheinstellgrenzegering, günstig
ZwischenringeZwischen Kamera und Objektiv, mehr Vergrößerung ohne Glasgering, nur bei Wechselobjektiven
MakroobjektivAbbildungsmaßstab 1:1, beste Bildqualitäthöher, teurer
Blitz mit DiffusorKurze Leuchtzeit friert Bewegung ein, weiches Lichtmittel

Mit Licht meine ich vor allem einen Blitz. Seine extrem kurze Leuchtdauer friert auch flinke Insekten ein, und mit einer Streuscheibe davor wirken die Schatten weich. Ein längeres Makroobjektiv um die 100 Millimeter hat außerdem einen Vorteil: Du kannst mehr Abstand halten, und die Fliege fühlt sich weniger bedrängt.

Und das Smartphone? Viele aktuelle Handys haben einen Makromodus, meist über die Ultraweitwinkel-Kamera, die sehr nah scharf stellen kann. Für Blüten und ruhig sitzende Käfer reicht das erstaunlich gut. Bei einer schwebenden Fliege stößt aber auch das Handy schnell an Grenzen, weil du dafür bis auf wenige Zentimeter heranmusst.

Damals hatte ich mir vorgenommen, beim nächsten Mal ein Stativ mitzunehmen. Für Blüten, Pilze und schlafende Insekten ist das eine gute Idee. Bei einer schwebenden Fliege bringt es allerdings wenig, weil du der Bewegung nicht schnell genug folgen kannst. Da helfen eher kurze Belichtungszeiten und viele Versuche.

So erwischst du eine Schwebfliege

  • Geduld statt Hinterherrennen. Schwebfliegen kehren oft zur selben Blüte oder zum selben Platz in der Luft zurück. Stell dich daneben und warte.
  • Vorfokussieren. Stell den Fokus manuell auf die Stelle ein, an der die Fliege gleich auftaucht, und bewege dich dann leicht vor und zurück, bis sie scharf ist.
  • Kurze Zeiten. Für schwebende Tiere solltest du 1/1000 Sekunde oder kürzer anpeilen, sonst verschwimmen zumindest die Flügel.
  • Serienbild. Lieber 50 Aufnahmen mit drei Treffern als fünf ohne.
  • Früh morgens. Bei kühlen Temperaturen sind Insekten noch träger und sitzen öfter still.

Und die Modenschau?

Man könnte jetzt denken, die Modenschau war langweilig. War sie aber nicht! Sie war echt klasse. Mir war es nur einfach zu viel Input an Klamotten. Ich glaube, nach dem fünften Kleidungsstück habe ich innerlich abgeschaltet.

Für mich läuft Einkaufen so: sehen, anprobieren, passt, kaufen. Wenn es nicht passt, eine Nummer größer oder kleiner suchen und dann kaufen. Wie man das stundenlang durchhält und dabei auch noch Spaß hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Ein Foto von einem weißen Anzug auf dem Laufsteg habe ich dann aber doch noch geschossen, ganz ohne Schwebfliege.

Wie es weiterging

Die Schwebfliege hat mich nicht losgelassen. Nur ein paar Wochen später bin ich mit Makroaufsatz auf die Wiese hinterm Haus gezogen, nachzulesen in Makro Reloaded. Aus derselben Zeit stammt auch mein Ausflug zu den Enten in den Park, denn so eine Diplomarbeit will auch mal vergessen werden. Und dass Blattläuse nicht nur für Schwebfliegenlarven eine Delikatesse sind, durfte ich ein paar Wochen vorher beim Spatzsitting lernen.

Mein Fazit

Eine Modenschau besuchen und dann eine halbe Stunde einer Fliege hinterherjagen, das passt irgendwie zu mir. Die Schwebfliege war das eigentliche Highlight, auch wenn sie mich nicht scharf ins Archiv gelassen hat. Heute weiß ich: Mehr Licht, kurze Zeiten und Geduld bringen mehr als jede neue Kamera.

Kommentare

8 Kommentare zu „Modenschau in Chemnitz“

  1. Avatar von Frank

    Auf jeden Fall brauchen Deine Bilder etwas mehr Schärfe, woran auch immer das liegt.

    Der Blumengarten in dem das Makro enstanden ist auf das Du verlinkt hast ist übrigens in Aitzendorf direkt an der Dorfstraße zu finden 😉 Sollte Dir ja ein Begriff sein. In Colditz war ich schon mal baden.

  2. Avatar von admin
    admin

    Uih, ja ist mir ein Begriff, bei Geringswalde. 🙂 In Colditz warst du mal baden? Im Waldbad? Naja auch egal. 😉
    War ziemlich dunkel an der Stelle, wo die Fliege unterwegs war. Musste da ein wenig tricksen. Die automatische Scharfstellung wollte bei dem kleinen Teil auch nicht so funktionieren, musste auf manuell Umstellen. Dann waren meine Hände noch so zittrig, wegen den vielen Frauen um mich. Mehr ausreden fallen mir jetzt so spontan nicht mehr ein. 😉

  3. Avatar von Frank

    Ja das war im Waldbad – ist aber schon 2 oder 3 Jahre her.

    Mit welcher Ausrüstung fotografierst Du denn?

  4. Avatar von admin
    admin

    Naja Ausrüstung. Ist eine Sony DSC-F828. Für die Zwecke für die ich eine Kamera brauche ziemlich gut, nur irgendwie will man immer mehr…

  5. Avatar von Frank

    Waldbad war natürlich blödsinn… Bad Lausig… hätte nicht antworten sollen ohne mich vorher rückzuversichern 😉

    Mit der F828 haben wir bis vor wenigen WOchen auch noch fotografiert – liegt immer noch hier das gute Stück. Das ist ne feine Kamera und mehr Lichtstärke wirst Du für akzeptables Geld bei der Flexibilität kaum kriegen.

  6. Avatar von admin
    admin

    Hehe. Die Sauna dort ist mit einer der besten der Region. 🙂 Bin dort öfters.

    Ja, die F828 ist ein tolles Gerät. Am Anfang schaut man jedoch auf den Preis, wenn man einfach mal überhaupt keine Ahnung hat. Wusste ja auch garnicht was ich wollte… Davor waren meine Kameras maximal in Handies verbaut. Nach Forenrecherche und Portemonnaieabgleich kam eben diese raus. So nach und nach merkt man jedoch, das es hier und da ein wenig fehlt. Kann natürlich auch an mir liegen. 🙂

    Jedenfalls beneide ich dich um deine Schwebefliege, zumindest um diese Aufnahme. 😉

  7. Avatar von Frank

    Sicher gehört in erster Linie Können dazu wenns drum geht gute Fotos zu machen. Allerdings hast du mit einer DSLR halt mehr Flexibilität – natürlich hat die Sony da ihre Grenzen. Aber ich würde sie erst tauschen, wenn Du merkst, dass Du an diesen Grenzen kratzt und sie dich wirklcih einschränken.

  8. Avatar von admin
    admin

    Jup, ich renne jetzt auch nicht los um mir ein neues Modell zu kaufen.
    Wenn ich die nötige Zeit habe, dann klappt es ja schon. Die Leute um mich rum waren ja auch schon genervt, das mich diese Fliege mehr interessiert hat als alles andere. 😉

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