Modellauto Ferrari 312 PB

Zwölf Zylinder, Getriebe, Licht – und alles funktioniert: der Ferrari 312 PB im Maßstab 1:3 von Pierre Scerri. Die Geschichte hinter dem verrücktesten Modellauto.

3–4 Minuten

So etwas hatte ich mein Lebtag noch nicht gesehen: ein absolut originalgetreues Modell eines Ferrari, mit zwölf Zylindern, Bremse, Kupplung, Getriebe, Gangschaltung und Lichtanlage. Und das Beste daran: Es funktioniert alles. Dieses Modellauto ist originaler als das Original. Wer dahintersteckt und was aus dem Projekt geworden ist, erfährst du hier.

Was mich 2007 so umgehauen hat

Über ein Video bin ich damals auf dieses Modell gestoßen. Rund 15 Jahre und über 20.000 Stunden Entwicklungs- und Montagezeit sollen darin stecken, so hieß es. Die Zahlen sprechen für sich. Mit meinen selbst gefrästen Felgen kam ich mir dagegen ziemlich klein vor. Ich wollte auch so etwas.

Nur eine Sache hatte ich nicht ganz gecheckt: Wer steuert das Ding eigentlich? Ein Hamster?

Das Video von damals ist nicht mehr online. Wer nach „Pierre Scerri 312 PB“ sucht, findet aber bis heute Bilder und Clips.

Der Mann dahinter: Pierre Scerri

Gebaut hat das Modell Pierre Scerri, ein französischer Telekommunikationsingenieur. Sein Ziel war, so die Überlieferung, ein Ferrari, der in seinem Esszimmer funktioniert. Ein echter wäre wohl schwer durch die Tür gekommen.

Als Vorlage diente ein originaler 312 PB, den Scerri mit Erlaubnis des Sammlers Pierre Bardinon in dessen Ferrari-Museum am Rennkurs Mas du Clos fotografieren durfte. Aus den Fotos zeichnete er die Pläne, dann baute er die Formen für praktisch alle Teile selbst. Begonnen hat er 1978, fertig war das Modell im Dezember 1992.

Einige Eckdaten, wie sie über das Modell berichtet werden:

  • Maßstab 1:3, also ein ziemlich großes Modell
  • Zwölfzylinder-Boxermotor wie im Original, abgestimmt auf einen möglichst originalgetreuen Klang
  • funktionierende Instrumente, Scheinwerfer mit selbst gefertigten Glaslinsen, selbst gegossene Reifen
  • Schaltgetriebe und eine maßstäbliche Einspritzanlage

1998 wurde das Modell in der BBC-Sendung „Jeremy Clarkson’s Extreme Machines“ gezeigt und damit international bekannt.

Der 312 PB im Original

Der Name ist schnell erklärt: 3 Liter Hubraum, 12 Zylinder, „PB“ steht für „Prototipo Boxer“. Ferrari setzte den Sportprototyp Anfang der 1970er-Jahre in der Sportwagen-Weltmeisterschaft ein und holte damit 1972 den Titel. Im selben Jahr gewann ein 312 PB auch die Targa Florio auf Sizilien.

Ein Auto mit dieser Geschichte im Maßstab 1:3 nachzubauen, und zwar nicht als Standmodell, sondern mit laufendem Motor, ist eine Mischung aus Uhrmacherkunst, Maschinenbau und ziemlich viel Sturheit.

Und wer steuert das Ding nun?

Meine Hamster-Frage von damals lässt sich ganz gut beantworten: Ein RC-Car im eigentlichen Sinn ist das Modell nach allem, was darüber bekannt ist, nicht. Es ist ein Funktionsmodell, bei dem es darum geht, dass jedes Detail genauso funktioniert wie beim Vorbild. Über die Piste gejagt wird so ein Unikat nicht.

Der Unterschied zum RC-Modellbau ist grundsätzlich:

MerkmalRC-CarFunktionsmodell wie Scerris 312 PB
ZielFahren, Springen, RennenOriginaltreue bis ins Detail
TeileSerienteile, schnell tauschbarfast alles Einzelanfertigung
BauzeitStunden bis WochenJahre bis Jahrzehnte
Crashärgerlich, aber reparabelundenkbar

Was Bastler davon mitnehmen können

Man muss keinen Zwölfzylinder in 1:3 bauen wollen, um von so einem Projekt etwas zu lernen. Drei Dinge fallen mir dabei immer wieder auf:

  • Erst messen und zeichnen, dann bauen. Scerri hat aus Fotos komplette Pläne erstellt, bevor er das erste Teil gefertigt hat. Wer sauber konstruiert, spart sich später Nacharbeit.
  • Eigene Formen und Vorrichtungen. Wer viele gleiche Teile braucht, baut sich zuerst das Werkzeug dafür. Das gilt für Gussformen genauso wie für Fräs- und Spannvorrichtungen in der Hobbywerkstatt.
  • Durchhalten. Große Projekte scheitern selten an der Technik, sondern daran, dass sie irgendwann in der Ecke landen.

Was ist daraus geworden?

Scerri hat nach dem 312 PB weitergemacht, wieder im Maßstab 1:3: Es folgten ein Ferrari 330 P4, ein weiterer 312 PB und ein Motor für den Ferrari 250 GTO. Der Mann hat also offenbar nie aufgehört.

Wer selbst Lust auf detaillierte Ferrari- oder Mercedes-Modelle bekommt, muss heute keine 15 Jahre investieren. Mit Sammelserien und Bausätzen kommst du deutlich schneller ans Ziel, wie beim AMG Mercedes von Kyosho oder dem 1:8-Hummer von DeAgostini. Mit Scerris Werk hat das natürlich wenig zu tun. Aber man muss ja irgendwo anfangen.

Mein Fazit

Der 312 PB von Pierre Scerri ist für mich bis heute der Beweis, wie weit Modellbau gehen kann, wenn jemand Leidenschaft, Können und sehr viel Zeit mitbringt. Ein RC-Car zum Fahren ist er nicht, aber ein Kunstwerk mit laufendem Zwölfzylinder. Die Frage nach dem Hamster nehme ich hiermit offiziell zurück.

Kommentare

4 Kommentare zu „Modellauto Ferrari 312 PB“

  1. Avatar von Karl

    Auf der diesjährige Spielwarenmesse war so ein Teil auf einem Stand. Absoluter Wahnsinn das Ding!

  2. Avatar von Patrick

    Jup der Hammer. Glaube kaum das ich in so ein Gerät, soviel Zeit investieren würde. 🙂

  3. Avatar von Rizzo
    Rizzo

    das ist die absolute Granate das Ding, fast zu schade zum Fahren, ich mache zwar auch schon seit einigen Jahren Flugzeug Modellbau aber das habe ich auch noch nicht gesehen!

  4. […] Forum überbrücken. So hatte ich wenigstens ein paar Leser, besser ein paar Filmchengugger. Ferarri 312 PB. Daraufhin tätigte ich noch ein paar Versuche in diese Richtung, alles Tote Hose. Jedenfalls […]

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