Hurrican Update

Versteckte Bosse, das Rad als Geheimwaffe und ein Timeout-Monster, das keine Gnade kennt: meine zweite Runde Hurrican und Tipps für deinen eigenen Durchlauf.

4–6 Minuten

Eine Woche nach meinem ersten Bericht habe ich mir im Juli 2007 wieder Zeit für Hurrican genommen, um die Welt des Turrican-Fanspiels weiter zu erkunden. Da gab es einiges zu sehen. Unser Held ist mir dabei sogar noch sympathischer geworden, weil er ein bisschen menschlicher wirkt, als man es von einem Kampfanzug erwartet. Hier kommen meine Eindrücke aus der zweiten Runde und ein paar Tipps, falls du das Spiel heute selbst ausprobieren willst.

Auch ein Blechanzug kann mal drücken

Den Screenshot von damals gibt es nicht mehr, deshalb nur so viel: Es gibt in Hurrican eine Szene, in der der Held ganz unheldenhaft wirkt. Auch ein Blechanzug kann eben mal drücken. Genau solche Kleinigkeiten machen den Charme des Spiels aus. Die Macher nehmen ihre Vorlage ernst, sich selbst aber nicht.

Falls du gar nicht weißt, worum es geht: Hurrican ist ein kostenloses Fanspiel im Stil der Turrican-Reihe, das 2007 erschienen ist. Was dahintersteckt und wie mein erster Durchlauf lief, steht in meinem Beitrag Hurrican – der neue Turrican ist da.

Welten und Bosse: hier steckt die Liebe drin

Die Welten und vor allem die Zwischen- und Endgegner sind richtig gut gelungen. Einige davon sind nicht einmal leicht zu erreichen. Einen besonders gut versteckten Gegner habe ich erst gefunden, als ich die Radtechnik einigermaßen perfektioniert hatte. Das war ein ganz schöner Kraftakt, aber es hat sich gelohnt.

Was mich am meisten beeindruckt hat: wie sich die Gerätschaften zerlegen. Statt einfach in einer Explosion zu verschwinden, zerlegen sich Maschinen und Bosse regelrecht in ihre Einzelteile. So etwas habe ich in keinem anderen mir bekannten Turrican-Spiel gesehen.

Das Rad: Turricans Geheimwaffe

Wer Turrican kennt, kennt das Rad. Statt zu laufen, rollst du dich zu einer Art Kreisel zusammen. In dieser Form bist du kompakt und schnell, überrollst kleinere Gegner und passt durch Gänge, die zu Fuß unerreichbar sind. Bei Hurrican ist das nicht nur eine Spielerei, sondern der Schlüssel zu versteckten Ecken.

Ein paar Hinweise zum Rad:

  • Übung zahlt sich aus. Die Steuerung im Rad fühlt sich anders an als zu Fuß. Wer sie beherrscht, kommt an Stellen, die anderen verborgen bleiben.
  • Schmale Durchgänge sind Einladungen. Wenn eine Lücke im Level verdächtig klein aussieht, ist sie meistens fürs Rad gedacht.
  • Nicht nur zum Fliehen. Das Rad ist auch zum Angreifen da, gerade bei kleinen, nervigen Gegnern.

Zu zweit gegen die Maschinen

Etwas, das die alten Turrican-Teile auf C64 und Amiga nicht hatten: Hurrican lässt sich zu zweit an einem Rechner spielen. Das verändert das Spiel spürbar. Bosse, an denen du allein verzweifelst, werden im Team machbar, und beim Erkunden kann einer vorrollen, während der andere den Rücken freihält. Gleichzeitig wird es auf dem Bildschirm herrlich chaotisch, wenn zwei Kampfanzüge gleichzeitig alles in Schutt und Asche legen. Wenn du also jemanden mit einem zweiten Gamepad kennst: ausprobieren.

Der härteste Brocken: das Timeout-Monster

Der härteste Gegner von allen ist wohl das Timeout-Monster. Mein Rat: Lass das Spiel nicht einfach laufen und vergiss es dabei. Ich war zum Glück noch zur Stelle, als es auftauchte. Lange hat die Begegnung allerdings nicht gedauert, so kurz habe ich noch nie einen Gegner gesehen. Hat das Ding eigentlich schon mal jemand gekillt?

Die Idee dahinter ist ein Augenzwinkern in Richtung der alten Zeiten. In vielen Action-Spielen der 80er und 90er tickte eine Uhr mit, und wer trödelte, verlor einfach ein Leben. Hurrican macht daraus einen eigenen Gegner, und nach meiner kurzen Begegnung zu urteilen keinen, mit dem man diskutieren kann. Das ist gemein, aber auch ziemlich witzig.

Tipps für deinen eigenen Durchlauf

  • Fang ruhig auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad an und lern die Level kennen. Beim zweiten Anlauf auf einer schwereren Stufe hast du dann doppelt Spaß.
  • Erkunde in alle Richtungen. Wie bei Turrican lohnt sich der Blick nach oben, unten und hinter jede Ecke.
  • Behalte die Uhr im Blick, siehe Timeout-Monster.
  • Spiel mit Gamepad. Gerade das Rad fühlt sich damit viel besser an.

Mehr Turrican als jedes Turrican?

Ein Fanspiel muss sich immer am Original messen lassen. Bei Hurrican fällt das Urteil für mich klar aus: Es greift alles auf, was Turrican groß gemacht hat, also riesige Level, versteckte Extras, fette Bosse und das Rad. Dazu packt es eigene Ideen und eine Portion Humor, die man in den Originalen so nicht findet.

Wenn du nach Hurrican Lust auf die Wurzeln bekommst, lohnt sich ein Blick auf den C64. Dort gibt es mit Turrican 3 für den C64 sogar einen inoffiziellen dritten Teil, den Fans entwickelt haben. Und wer lieber horizontal ballert, findet in Prototyp MK1 einen bockschweren Shooter im R-Type-Stil.

Wo bekommst du Hurrican heute?

Die ursprüngliche Download-Adresse von damals leitet inzwischen auf die neue Projektseite um. Das Spiel gibt es dort weiterhin kostenlos: Hurrican Download bei winterworks. Neben der Windows-Fassung findest du dort Versionen für Amiga OS4, AROS und Pandora. Der Quellcode ist offen, deshalb läuft Hurrican dank einer Community-Version inzwischen auch unter Linux. Die Hardware-Anforderungen eines Spiels von 2007 sind für heutige Rechner übrigens ein Witz, selbst ein betagtes Notebook kommt damit klar.

Den Rest musst du selbst herausfinden, es gibt noch massig zu entdecken. Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle noch einmal an das Poke-Team.

Mein Fazit

Die zweite Runde hat meinen ersten Eindruck mehr als bestätigt: Hurrican steckt voller Details, versteckter Ecken und Gegner, die sich spektakulär zerlegen. Nur das Timeout-Monster bleibt für mich ein Mysterium: kurz gesehen, nicht besiegt. Wenn du einen Abend für Retro-Action übrig hast, ist dieses Spiel immer noch eine der besten Adressen.

Kommentare

2 Kommentare zu „Hurrican Update“

  1. […] Über Hurrican, das Fan-Remake für den PC, habe ich übrigens zwei eigene Beiträge geschrieben: Hurrican – der neue Turrican ist da und das Hurrican Update. […]

  2. […] Auch das Steinmonster war ein fieser Brocken. Ich hatte „den Kleinen“ am Anfang als deutlich einfacher in Erinnerung. Mein Fazit damals: Naja, nächste Woche wieder. Daraus wurde dann tatsächlich ein zweiter Bericht mit noch mehr Hurrican. […]

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