Nach einem langen Tag im Juli 2007 gönnte ich mir mal wieder einen Retro-Ausflug. Was passt da besser, als nach einer PC-Version von R-Type III zu googeln? Fünf Minuten später hatte ich zwar kein R-Type, dafür aber einen kostenlosen Shooter namens Prototype auf der Platte, der mich ganz schön vorgeführt hat. Hier liest du, was das für ein Spiel ist, warum ich daran gescheitert bin und warum horizontale Shooter so gnadenlos sein können.
Warum ausgerechnet R-Type?
R-Type von Irem kam 1987 in die Spielhallen und gilt bis heute als einer der prägendsten horizontalen Shooter. Zwei Ideen haben das Genre verändert: der Ladeschuss, bei dem du den Feuerknopf gedrückt hältst und dann einen fetten Strahl loslässt, und die Force, eine Art Kapsel, die du vorn oder hinten an dein Schiff koppeln oder vorausschicken kannst. Sie schießt mit und blockt gleichzeitig feindliche Kugeln.
R-Type III: The Third Lightning erschien 1993 für das Super Nintendo. Eine PC-Version, wie ich sie mir an jenem Abend gewünscht hatte, gab es nicht. Also landete ich bei der nächstbesten Alternative.
Prototype: R-Type-Gefühl zum Nulltarif
Gefunden habe ich das Spiel über einen Beitrag im Blog the2bears, der Prototype schon 2006 vorgestellt hatte. Damals war es ein Beitrag zu einem Wettbewerb für horizontale Shooter mit Bossgegnern. Die Parallelen zu R-Type sind kaum zu übersehen:
- mehrere Schussarten und Raketen
- ein aufladbarer Strahl
- ein drehbares Begleitobjekt, das wie die Force funktioniert
- Level, die du auswendig lernen musst, um weiterzukommen
- eine Highscore-Tabelle für den ewigen Wettstreit
Für ein kostenloses Spiel war das richtig klasse. Wer die Klassiker aus der Spielhalle mochte, fühlte sich sofort zu Hause.
Hundeschwer: mein Scheitern im Easy-Modus
Und dann kam die Ernüchterung. Prototype ist echt klasse, aber hundeschwer. Nach dem fünften Versuch im EASY-Modus hatte ich es noch nicht einmal bis zum Ende des ersten Levels geschafft. Naja, beim nächsten Mal.
Wer jetzt denkt, ich hätte mich besonders dumm angestellt: Genau das ist der Charakter dieser Spiele. Sie sind nicht dafür gemacht, beim ersten Anlauf durchgespielt zu werden.
Warum sind solche Shooter so gnadenlos?
Horizontale Shooter, im Netz oft „Shmups“ genannt (von „shoot ’em up“), stammen aus der Spielhalle. Dort sollte ein Spiel möglichst schnell das nächste Geldstück kosten. Diese DNA steckt bis heute in vielen Vertretern des Genres:
- Ein Treffer, ein Leben. In vielen Shootern dieser Machart reicht eine einzige Kugel.
- Feste Abläufe. Gegner kommen immer an denselben Stellen. Das ist fies beim ersten Mal, aber fair, sobald du die Muster kennst.
- Waffenverlust. Wer stirbt, verliert oft seine mühsam gesammelten Power-ups und muss mit dem Grundschuss weiterkämpfen.
So kommst du in R-Type-artigen Shootern weiter
- Lerne den Level abschnittweise auswendig, statt jedes Mal komplett neu zu reagieren.
- Nutze die Force-Kapsel als Schild. Gerade vor dem Schiff fängt sie viele Kugeln ab.
- Spar dir den Ladeschuss für zähe Gegner auf, statt ihn ständig zu verballern.
- Bleib in Bewegung, aber ohne Hektik. Kleine, kontrollierte Ausweichbewegungen bringen mehr als wildes Zickzack.
- Mach Pausen. Mit Frust im Bauch wird es nur schlimmer.
Was ist daraus geworden?
Der Blogbeitrag bei the2bears ist bis heute online. Prototype selbst taucht weiterhin bei Download-Portalen als Freeware für Windows auf, dort wird als Entwickler Dark Castle Software genannt. 2019 wurde das Spiel sogar auf AmigaOS 4 portiert. Das passt irgendwie, denn auf dem Amiga waren R-Type-artige Shooter schon immer zu Hause.
Und R-Type selbst? Die Reihe lebt. 2021 erschien mit R-Type Final 2 ein neuer Teil für PC und aktuelle Konsolen, nachdem es lange still um die Serie war. Für Retro-Fans gibt es zudem Sammlungen und Neuauflagen der Klassiker.
Wer generell auf Retro-Action steht, findet bei mir noch mehr: Mit Hurrican gibt es ein kostenloses Fan-Remake von Turrican, und auf dem C64 wartet ein inoffizielles Turrican 3. Wer lieber unterwegs zockt, schaut in meine GamePi43 Rezension.
Mein Fazit
Prototype hat mir gezeigt, dass „kostenlos“ nicht „harmlos“ heißt. Das Spiel ist liebevoll gemacht, fühlt sich nach Spielhalle an und verlangt dir alles ab. Wenn du Geduld mitbringst und dich gern an Levels festbeißt, ist es auch heute noch einen Abend wert.
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