Vorrichtung fürs Eloxieren

Schluss mit krummen Drähten: wie ich mir 2007 aus Aluprofil und Gewindestange ein Gestell zum Eloxieren gebaut habe und warum ein Vergaser trotzdem scheiterte.

5–8 Minuten

Nachdem ich im September 2007 endlich erfolgreich aus Aluminium „Gold“ gemacht hatte, dachte ich mir: Warum das Ganze nicht ein klitzekleines bisschen professioneller aufziehen? Bis dahin hatte ich für jedes Teil die Drähte so lange zurechtgebogen, bis es richtig im Bad hing. Hier zeige ich dir, wie ich mir stattdessen eine Eloxier-Vorrichtung gebaut habe, worauf es bei Kontakt und Material ankommt und warum mein erstes Testteil trotzdem durchgefallen ist.

Das Problem mit dem Drahtgebastel

Jedes Teil im Eloxalbad braucht einen festen elektrischen Kontakt zum Pluspol. Mit gebogenen Drähten klappt das zwar, raubt aber jedes Mal unheimlich viel Zeit. Und es gibt ein paar Tücken, die man erst mit der Zeit merkt:

  • Der Kontakt eloxiert mit. Alles, was am Pluspol im Bad hängt, bekommt ebenfalls eine Oxidschicht. Die ist isolierend. Wackelt der Kontakt während des Eloxierens, bricht der Stromfluss an dieser Stelle ab.
  • Draht ist kein Mehrwegartikel. Ein eloxierter Aluminiumdraht leitet an der Oberfläche nicht mehr. Du musst ihn vor dem nächsten Einsatz blank machen oder neuen nehmen.
  • Kontaktstellen bleiben sichtbar. Wo der Draht anliegt, entsteht keine Schicht. Deshalb gehört die Kontaktstelle an eine Stelle, die man später nicht sieht.

Was die Schritte beim Eloxieren selbst angeht und welche Fehler ich dabei gemacht habe, steht in meinem Beitrag Eloxieren.

Die Einkaufsliste aus dem Baumarkt

Also ab in den Baumarkt. Mitgenommen habe ich:

  • rund 2 Meter Aluprofil
  • 1 Meter Gewindestange M4
  • 24 Schrauben und Muttern

Mehr braucht es für das Grundgerüst nicht. Wichtig dabei ist die Materialfrage, denn nicht alles darf ins Bad.

Was darf ins Bad, was nicht?

Alles, was in die Säure eintaucht und mit dem Pluspol verbunden ist, sollte aus Aluminium oder Titan bestehen. Aluminium eloxiert mit und muss danach gereinigt oder ersetzt werden. Titan ist der Profistandard für Gestelle, weil es sich immer wieder verwenden lässt. Stahl, Kupfer oder Messing haben im Bad nichts verloren: Am Pluspol werden sie von der Säure angegriffen, lösen sich teilweise auf, verunreinigen das Bad und können das Ergebnis ruinieren. Schrauben und Gewindestangen aus Stahl müssen also oberhalb der Flüssigkeit und außerhalb der Spritzzone bleiben.

Der Aufbau Schritt für Schritt

Schnell war das Grundgerüst für die Eloxier-Vorrichtung fertig: ein Rechteck aus dem Aluprofil, das genau auf meinen Behälter passte. So liegt die ganze Konstruktion stabil auf dem Rand, und die Teile hängen frei in der Flüssigkeit.

Danach brauchte ich noch ein paar Halter für die Aluminiumstäbe, an denen die Werkstücke später hängen. Die habe ich dann auf mein Rechteck geschraubt. Jeweils links und rechts sitzen die Anschlüsse für den Pluspol.

Die Feststellschrauben waren erst einmal nur ein Provisorium. Für den Dauerbetrieb wollte ich mir noch ein paar Flügelmuttern besorgen, damit sich die Stäbe ohne Werkzeug umstecken lassen. Gerade wenn du mit nassen Handschuhen arbeitest, ist das Gold wert.

Warum zwei Anschlüsse für den Pluspol?

Meine Überlegung damals: Der Strom geht den Weg des geringsten Widerstands, also sind zwei Anschlüsse ganz praktisch. Ganz so einfach ist die Physik nicht, denn der Strom teilt sich auf alle Wege auf, nur eben mehr auf die mit geringem Widerstand. Die Idee dahinter stimmt aber trotzdem.

Mit nur einem Anschluss fließt der gesamte Strom von einer Seite durch das Gestell. Teile, die nah am Anschluss hängen, bekommen dann etwas mehr ab als die weiter entfernten. Mit zwei Anschlüssen links und rechts verteilt sich der Strom gleichmäßiger, und die Schichtdicke wird auf allen Teilen ähnlicher. Bei einem kleinen Hobbybad ist der Effekt überschaubar, schaden kann es aber nicht.

Tipps für dein eigenes Gestell

  • Lass zwischen den Teilen genug Abstand, damit sie sich nicht berühren und das Bad überall gut hinkommt.
  • Hänge die Teile so, dass Luft und Gasblasen nach oben entweichen können. Eingeschlossene Blasen hinterlassen Flecken.
  • Achte auf einen gleichmäßigen Abstand zur Gegenelektrode am Minuspol. Wer sie auf beiden Seiten des Bads anbringt, bekommt ein gleichmäßigeres Ergebnis.
  • Klemme jedes Teil wirklich fest, am besten an mindestens zwei Punkten.

Behälter und Temperatur: das unterschätzte Thema

Ein Gestell ist nur so gut wie das Bad, in dem es hängt. Beim Eloxieren wird elektrische Energie zu einem guten Teil in Wärme umgewandelt. Je mehr Teile du gleichzeitig eloxierst und je höher der Strom, desto schneller wird die Säure warm. Und ein zu warmes Bad liefert weichere, pulvrige Schichten, die Farbe schlecht halten.

Ein paar Faustregeln helfen:

  • Lieber ein größeres Bad: Mehr Flüssigkeit puffert die Wärme besser. Ein Gestell, das genau auf den Behälter passt, ist praktisch, der Behälter selbst sollte aber nicht zu knapp bemessen sein.
  • Temperatur messen: Ein säurefestes Thermometer gehört ins Bad. Steigt die Temperatur deutlich über etwa 20 °C, gönn dem Bad eine Pause.
  • Kühlen: Bei längeren Durchgängen kannst du den Behälter in ein größeres Gefäß mit kaltem Wasser stellen.
  • Bewegen: Leichtes Umwälzen verteilt Wärme und Konzentration gleichmäßig. Beliebt ist eine Aquarien-Luftpumpe, die außerhalb des Bads steht und über einen Kunststoffschlauch Luft einblubbern lässt.

Der erste Test: ein Vergaser-Unterteil

Das neue Gestell musste natürlich sofort ausprobiert werden. Als Versuchskaninchen musste ein Vergaser-Unterteil herhalten. Das Ergebnis: Es ist an der bestehenden Legierung gescheitert. Schade, aber der Aufwand für die Vorrichtung hatte sich trotzdem gelohnt.

Warum das nicht geklappt hat, liegt am Material. Vergasergehäuse werden üblicherweise im Druckgussverfahren hergestellt. Dafür nimmt man Legierungen, die gut fließen, und das sind meist Aluminium mit viel Silizium oder gleich Zinkdruckguss. Beides verträgt sich schlecht mit dem Eloxieren.

Welche Legierungen eignen sich?

MaterialEignungTypisches Ergebnis
Reinaluminium, AlMg (5000er-Reihe)sehr gutgleichmäßig, gut färbbar
AlMgSi (6000er-Reihe, z. B. Profile)gutder Standard für Hobby und Industrie
AlCu (2000er-Reihe)eingeschränktungleichmäßig, Farben wirken blasser
Aluminiumguss mit viel Siliziumschlechtgrau, fleckig, kaum färbbar
Zinkdruckgussungeeignetlässt sich nicht wie Aluminium eloxieren

Wenn du nicht weißt, woraus ein Teil besteht, hilft ein Blick in die Unterlagen des Herstellers oder ein Test an einer unauffälligen Stelle. Gefräste Teile aus Halbzeug, etwa aus Platten oder Rundmaterial der 6000er-Reihe, sind fast immer die sichere Wahl. Wer selbst fräst, wie ich später zum Beispiel bei neuen Alufelgen für RC-Cars, hat es da leichter, weil beim Rohmaterial meist angegeben ist, welche Legierung du kaufst.

Was ich heute anders machen würde

Das Gestell aus Aluprofil war für den Einstieg genau richtig. Mit dem Wissen von heute würde ich ein paar Dinge ändern:

  • Titan für die Kontakte: Haken oder Klemmen aus Titan halten ewig und müssen nicht nach jedem Durchgang gereinigt werden.
  • Flügelmuttern von Anfang an: Werkzeugloses Umbauen spart Zeit und schont die Nerven.
  • Ein Labornetzteil mit Strombegrenzung: Damit stellst du die passende Stromdichte direkt ein, statt herumzuprobieren.
  • Ein Behälter aus Polypropylen: Der Kunststoff verträgt verdünnte Schwefelsäure und ist leicht zu bekommen.

Gebastelt habe ich übrigens schon immer gern, wenn gekaufte Lösungen nicht passten. Ein Beispiel ist meine WLAN-Antenne aus einer alten Sat-Schüssel.

Sicherheit geht vor

Beim Eloxieren arbeitest du mit Lauge, Säure und Strom, und es entsteht Wasserstoff. Trag Schutzbrille und säurefeste Handschuhe, sorg für gute Lüftung und halte offene Flammen fern. Säure immer ins Wasser geben, nie umgekehrt. Privatleute dürfen in der EU seit 2021 Schwefelsäure nur bis 15 % und Salpetersäure nur bis 3 % kaufen und verwenden. Alle Details dazu findest du im Beitrag Eloxieren.

Mein Fazit

Die Vorrichtung hat mir jede Menge Zeit und Fummelei erspart, und dafür hat sich der Bastelnachmittag voll gelohnt. Dass das Vergaser-Unterteil gescheitert ist, lag nicht am Gestell, sondern am Material. Wenn du selbst eloxieren willst, fang mit einem einfachen Gestell an und nimm für die ersten Versuche gutmütiges Material wie Profile der 6000er-Reihe.

Kommentare

2 Kommentare zu „Vorrichtung fürs Eloxieren“

  1. Avatar von vin
    vin

    hey die idee ist klasse. und es is schön, gleichgesinnte hobbywerkler werkeln zu sehen 🙂 Ich bau ja auch grad was, geht aber eher in richtung optik und elektronik 😉

  2. Avatar von Patrick

    Also Erzählungen nützen mir da garnix!! Ich brauch dafür mal nen Link. 😀

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