Ja, richtig gelesen: Keine drei Monate war zuendy.de online, und schon klingelte es in der Kasse – zumindest auf dem Papier. Ich hatte meine Seite von einem dieser Blogwert-Rechner checken lassen, und das Ergebnis hat mich im September 2007 ziemlich stolz gemacht. Wolle Blog kaufen? Hier liest du, was hinter solchen Rechnern steckte und wie Websites heute tatsächlich bewertet werden.
Wie viel war mein Blog wert?
Die genaue Summe kann ich dir leider nicht mehr verraten. Ich hatte das Ergebnis damals als Bild in den Beitrag gepackt, und das ist im Laufe der Jahre verloren gegangen. Fest steht nur: Da stand eine Zahl, die irgendwie nach Geld aussah, und das für ein paar Wochen Geschreibsel über Modellautos, Gruppendynamik und Eloxieren. Mehr brauchte es 2007 nicht, um einen frischgebackenen Blogger zum Grinsen zu bringen.
Woher kamen diese Zahlen?
Der bekannteste Rechner dieser Art hieß „How much is my blog worth?“ und stammte vom US-Blogger Dane Carlson. Die Idee dahinter war simpel. 2005 hatte AOL das Blognetzwerk Weblogs Inc. gekauft, gemunkelt wurde über einen Preis zwischen 25 und 40 Millionen US-Dollar. Carlson teilte diesen Kaufpreis durch die Zahl der Links, die Weblogs Inc. bei der Blogsuchmaschine Technorati hatte. Heraus kam ein Dollarwert pro Link. Den multiplizierte der Rechner mit den Technorati-Links deines Blogs, und fertig war der Blogwert.
Das ist natürlich herrlich unseriös. Ein einziger, nicht einmal offiziell bestätigter Kaufpreis wurde auf jeden beliebigen Blog hochgerechnet, egal ob der Geld verdiente oder nicht. Spaß gemacht hat es trotzdem, und genau deshalb tauchte das Ergebnis damals in unzähligen Blogs auf. Technorati selbst gibt es in dieser Form übrigens schon lange nicht mehr.
Kenngrößen von damals
2007 hat die Blogosphäre gern alles Mögliche gemessen: Technorati-Rang, Google-PageRank, Besucherzahlen. Viele dieser Zahlen sind heute verschwunden. Wie es mit dem PageRank weiterging, steht in meinem Beitrag über PageRank als Qualitätsmerkmal.
Und heute? Website-Wert-Rechner gibt es immer noch
Solche Rechner findest du bis heute zuhauf. Sie schätzen Besucherzahlen anhand von Daten aus Drittquellen, multiplizieren mit einem angenommenen Werbeerlös und spucken einen Betrag aus. Mit dem, was ein Käufer tatsächlich zahlen würde, hat das wenig zu tun. Die Schätzungen der Besucherzahlen liegen oft weit daneben, vor allem bei kleinen Seiten.
Wie Websites wirklich bewertet werden
Wenn Websites tatsächlich den Besitzer wechseln, zählt vor allem eins: Wie viel Gewinn wirft die Seite ab, und wie sicher ist dieser Gewinn in Zukunft? Käufer rechnen meist mit einem Vielfachen des durchschnittlichen Gewinns der letzten Monate oder Jahre. Wie hoch dieser Faktor ausfällt, hängt von einer ganzen Reihe von Punkten ab:
- Stabile Einnahmen: Ein Blog, der seit Jahren gleichmäßig verdient, ist mehr wert als einer mit einem einzigen Glückstreffer-Monat.
- Verteilte Besucherquellen: Wer fast alle Besucher über Google bekommt, hängt am Tropf jedes Algorithmus-Updates. Newsletter, Stammleser und Direktzugriffe machen eine Seite robuster.
- Mehrere Einnahmequellen: Nur AdSense ist riskanter als ein Mix aus Werbung, Partnerprogrammen und eigenen Produkten.
- Arbeitsaufwand: Eine Seite, die ohne tägliche Pflege läuft, ist für Käufer attraktiver als eine, die den Verkäufer selbst als Zugpferd braucht.
- Sauberes Profil: Gekaufte Links, kopierte Texte oder frühere Abstrafungen drücken den Wert enorm.
Wenn du ernsthaft über einen Verkauf nachdenkst
Bereite echte Zahlen vor: Statistiken über mindestens zwölf Monate, Einnahmenachweise, eine Übersicht über laufende Kosten. Seriöse Käufer wollen Zugriff auf die Auswertungen, etwa per Lesezugang zu deiner Webanalyse. Und lass dich bei größeren Summen beraten, auch steuerlich.
Warum persönliche Blogs schwer zu verkaufen sind
Ein Punkt, den kein Rechner berücksichtigt: Ein persönlicher Blog lebt von der Person dahinter. Die Leute lesen zuendy.de, weil ich hier von meinen Basteleien, Simsons und RC-Autos erzähle. Ohne mich wäre das ein Haufen alter Beiträge mit einem lustigen Domainnamen. Für Käufer zählen deshalb eher Themenseiten, bei denen die Inhalte auch ohne den Gründer funktionieren.
Dazu kommt, dass sich die Suchlandschaft stark verändert hat. Viele kleine Content-Seiten haben in den letzten Jahren durch Google-Updates und KI-Antworten in den Suchergebnissen spürbar Besucher verloren. Käufer sind entsprechend vorsichtiger geworden.
Mein Fazit
Der Blogwert-Rechner von 2007 war ein netter Ego-Booster, mehr nicht. Was eine Website wirklich wert ist, entscheidet sich an stabilen Einnahmen und treuen Lesern. Und der eigentliche Wert eines persönlichen Blogs liegt für mich ohnehin woanders: in den Geschichten, die sich über die Jahre ansammeln.
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