2 Minuten und 9 Sekunden. Mehr brauchte jemand in einem YouTube-Video, über das ich im August 2008 gestolpert bin, für The Last V8 auf dem C64. Oh mein Gott. Und dann dieser Sound! Hier steht, was es mit dem Spiel auf sich hat, warum Rob Hubbards Musik bis heute Gänsehaut macht und wie du den Klassiker heute noch selbst spielen kannst.
Zwei Minuten neun, ein Video und eine offene Kinnlade
Das Video von damals gibt es leider nicht mehr. Die Zahl hat sich trotzdem eingebrannt: zwei Minuten und neun Sekunden für The Last V8. Wer das Spiel kennt, weiß, warum das so beeindruckt. The Last V8 war berüchtigt dafür, dass man ständig irgendwo gegenknallt und von vorn anfängt. Wer da in gut zwei Minuten durchrauscht, kennt die Strecke im Schlaf.
Und dann lief die Musik. Hach, war der Sound geil.
Was ist The Last V8?
The Last V8 erschien 1985 bei Mastertronic, auf dem Label M.A.D. (Mastertronic Added Dimension). Programmiert hat es David Darling, das Design stammt von seinem Bruder Richard Darling, die Grafik von Jim Wilson und die Musik von Rob Hubbard. Mastertronic war in den 80ern vor allem für günstige Budget-Spiele bekannt, die es teils sogar beim Zeitschriftenhändler und an der Tankstelle gab. M.A.D. war das etwas ambitioniertere Label des Hauses.
Die Darling-Brüder gründeten 1986 übrigens Codemasters. Die Firma wurde später mit Rennspielen wie Micro Machines, Colin McRae Rally und der F1-Reihe groß und gehört heute zu Electronic Arts. The Last V8 ist also ein frühes Rennspiel aus der Werkstatt von Leuten, die das Genre noch Jahrzehnte prägen sollten.
Erschienen ist das Spiel für den Commodore 64 und den C128, für die Atari-8-Bit-Rechner und den Amstrad CPC.
Die Geschichte ist düster: Ein Atomkrieg hat die Welt verwüstet. Du lebst in einem unterirdischen Bunker und fährst den letzten V8, einen computergesteuerten Wagen mit Strahlenschild, der bis zu 410 km/h schafft. Deine Aufgabe ist, das Auto zurück in den Bunker zu bringen, bevor Sprit oder Strahlenschild ausgehen. Und jetzt kommt der Witz: Das Spiel ist im Jahr 2008 angesiedelt. Genau in dem Jahr, in dem ich das Video gefunden habe. Die Welt stand zum Glück noch, der Sound auch.
Kurz und knackig: The Last V8 in Zahlen
- Erscheinungsjahr: 1985
- Publisher: Mastertronic, Label M.A.D.
- Systeme: C64/C128, Atari 8-Bit, Amstrad CPC
- Musik: Rob Hubbard
- Level: zwei auf dem C64, drei in der C128-Fassung, die zusätzlich auf einer Marskolonie spielt
Warum ist man in gut zwei Minuten durch?
Weil das Spiel auf dem C64 nur zwei Level hat. Lang ist es also nicht, aber gnadenlos. Jede Kollision zerstört den V8, und der Level beginnt von vorn. Dazu warnt das Armaturenbrett vor steigender Strahlung, und nach der Explosion eines Sprengkörpers baut der Strahlenschild mit der Zeit ab. Du fährst also gegen die Uhr.
Die Kritiker waren sich damals entsprechend uneinig. Grafik und Musik wurden gelobt, die Steuerung galt als schwierig, manche fanden das Spiel schlicht unspielbar. In die Verkaufscharts schaffte es The Last V8 trotzdem, bis auf Platz 5.
Genau diese Mischung macht so einen Durchlauf in zwei Minuten neun so beeindruckend. Das ist kein Glück, sondern auswendig gelernte Strecke, perfektes Timing und null Fehler.
Hach, dieser Sound: Rob Hubbard und der SID
Rob Hubbard ist einer der bekanntesten C64-Komponisten überhaupt. Von ihm stammen unter anderem die Musiken zu Commando und Monty on the Run, und seine Melodie zu The Last V8 gehört für viele zum Besten, was der Brotkasten je von sich gegeben hat.
Möglich macht das der Soundchip des C64, der SID (Sound Interface Device). Entwickelt hat ihn Bob Yannes, der später die Synthesizer-Firma Ensoniq mitgegründet hat. Man merkt dem Chip an, dass ein Musikinstrumenten-Mensch dahintersteckte:
- Drei Stimmen, die unabhängig voneinander spielen
- Vier Wellenformen: Dreieck, Sägezahn, Rechteck mit variabler Pulsbreite und Rauschen
- Hüllkurven für jede Stimme, also wie schnell ein Ton anschwillt und verklingt
- Ein analoger Filter mit Tiefpass, Hochpass und Bandpass
Für 1982 war das ein echter kleiner Synthesizer. Komponisten wie Hubbard haben aus diesen drei Stimmen Tricks herausgeholt, die wie viel mehr klingen: schnelle Arpeggien statt Akkorden, Schlagzeug aus Rauschen und Wellenformwechseln, Bässe, die durch den Filter wummern. Dazu kommt, dass der Filter je nach Chipversion, dem alten 6581 oder dem späteren 8580, etwas anders klingt. Fans streiten bis heute, welcher besser ist.
Den Soundtrack einfach so hören
Die High Voltage SID Collection sammelt seit Jahrzehnten C64-Musik und ist kostenlos. Mit einem SID-Player auf dem PC oder Handy hörst du die Originalmusik so, wie der C64 sie abspielt, ganz ohne Spiel und Emulator.
The Last V8 heute spielen
Den Weg über den Emulator kenne ich gut. Schon 2007 habe ich Turrican 3 auf einem C64-Emulator zum Laufen gebracht, und seitdem ist das alles noch viel einfacher geworden.
Emulator: Der Standard ist heute VICE, kostenlos und für Windows, macOS und Linux zu haben. Du brauchst nur ein Abbild der Diskette oder Kassette. Das kannst du in VICE laden wie früher den echten Datenträger, nur ohne fünf Minuten Kassetten-Gedudel. So geht’s in der Kurzfassung:
- VICE installieren und den C64-Emulator starten (in neueren Versionen heißt er x64sc).
- Das Abbild per Drag and Drop ins Fenster ziehen oder über das Datei-Menü mit „Smart attach“ einlegen. VICE startet das Spiel dann automatisch.
- Den Joystick auf Tastatur oder Gamepad legen. Die meisten C64-Spiele erwarten ihn in Port 2, klappt es nicht, probier Port 1.
- Beim Laden hilft der Warp-Modus, danach wieder ausschalten, sonst wird der V8 wirklich unfahrbar.
Fertige Retro-Geräte: Wer keine Lust auf Einrichten hat, greift zu Nachbauten wie dem TheC64 von Retro Games, der als Mini-Version und in voller Größe mit funktionierender Tastatur erschienen ist. 2025 wurde außerdem der Commodore 64 Ultimate angekündigt, ein Nachbau auf FPGA-Basis, der die alte Hardware in Logik nachbildet und mit alten Peripheriegeräten und Modulen zusammenarbeiten soll.
Original-Hardware: Ein echter Brotkasten ist natürlich das Nonplusultra, gerade wegen des SID. Gebrauchte C64 sind aber inzwischen teils über 40 Jahre alt. Netzteile und Elkos sollte ein Fachkundiger prüfen, bevor du das gute Stück stundenlang laufen lässt.
Disk-Images und Urheberrecht
Auch wenn The Last V8 seit Jahrzehnten nicht mehr im Laden steht: Das Urheberrecht daran läuft noch lange. Spiele-Abbilder aus dem Netz bewegen sich deshalb oft in einer Grauzone. Auf der sicheren Seite bist du mit offiziellen Re-Releases oder mit einer Sicherung deines eigenen Originals.
Speedruns: Was 2008 Kuriosität war, ist heute Sport
Als ich 2008 vor diesem Video saß, war so ein Durchlauf eine Kuriosität, über die man staunte. Heute ist Speedrunning eine eigene Szene mit Ranglisten, Regeln und Live-Übertragungen. Bei Wohltätigkeits-Marathons wie Games Done Quick spielen Leute seit Jahren Klassiker in Rekordzeit und sammeln dabei Spenden.
Der C64 ist da mittendrin. Neben Speedruns gibt es eine lebendige Szene, die neue Spiele, Demos und Musik für den alten Rechner macht. Wie viel Spaß das machen kann, siehst du an Projekten wie Guitar Hero für den C64, über das ich im selben Sommer gestolpert bin.
Mein Fazit
Zwei Minuten und neun Sekunden, und ich saß 2008 mit offenem Mund vor dem Bildschirm. The Last V8 ist kein langes Spiel, aber ein gnadenlos schweres, und der Soundtrack von Rob Hubbard gehört für mich zum Besten, was der C64 zu bieten hat. Wenn du das Spiel nicht kennst, hör dir zuerst die Musik an und wirf dann den Emulator an.
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