Ein kurzer und knackiger Titel: Mofa. Im August 2008 hatte ich eine Begegnung der besonderen Art, und sie hat mich so beschäftigt, dass ich ihr einen ganzen Beitrag gewidmet habe. Hier ist die Geschichte, dazu die Antwort auf die Frage, die ich mir damals gestellt habe: Warum tut man sowas? Und weil man beim Mofa schnell bei Führerschein, Helm und Drossel landet, gibt es auch das Wichtigste zur heutigen Rechtslage.
Näääähh: die Begegnung
Ich war mitten in einer Häuserschlucht unterwegs, auf dem Weg zu einer Kreuzung. Da kam ganz langsam, von ganz weit weg, so ein Geräusch: näääääähh. Mit morbider Gleichmäßigkeit wurde der Laut immer stärker. NäääääÄhhH.
Ich dachte mir: wieder so eine aufgemotzte HuFuh mit einem schnöseligen 16-Jährigen, der unbedingt Aufmerksamkeit braucht. HuFuh ist übrigens Ostdeutsch für eine 125er. Wieso, weiß ich bis heute nicht, frag mich nicht. Die Aufmerksamkeit hatte er jedenfalls, meine zumindest, und zwar ohne dass ich ihn überhaupt gesehen hatte.
Dann tauchte etwas in meinem rechten Blickfeld auf. Ein Mofa. Deswegen auch der Titel. Das Teil machte einen Krach, NÄÄÄÄÄÄHHHÄH, so konstant gleichbleibend, dass es eben krank war. Und das Ganze ergab nicht mal Sinn. Bei dem Krach hätte es wenigstens schnell sein müssen und nicht nur laut! Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit von bestimmt 25 Kilometern in der Stunde zog das Gefährt an mir vorbei, und ich konnte mir ein paar Details merken, bevor es wieder aus meinem Blickfeld verschwand.
Fünf Details in 25 km/h
- Der Schal: um den Hals geschlungen, flatterte aber nicht im Wind. Er hing.
- Handschuhe: brauchte er nicht. Warum dann einen Schal?
- Kurze Hosen: Na gut, bei 25 km/h auf einem Mofa vielleicht nicht ganz so gefährlich.
- Der Helm: so ein Highway-Police-Helm mit Schirm. Ahhhhhhhh.
- Das Körbchen: weiß, mit Bananen drin.
Meine Güte, war das eine Show. Warum tut man sowas? Wieso traut man sich mit so einem Mofa raus?
Was ist eigentlich ein Mofa?
Mofa steht für Motorfahrrad. Rechtlich ist es in Deutschland ein einspuriges Fahrrad mit Hilfsmotor, das bauartbedingt nicht schneller als 25 km/h fährt. Die Rechtsgrundlage für das führerscheinfreie Mofa wurde 1965 geschaffen. Tretkurbeln sind heute nicht mehr vorgeschrieben, und seit Januar 2013 dürfen Mofas auch mehr als einen Sitz haben.
Für die Straße brauchst du:
- Mofa-Prüfbescheinigung ab 15 Jahren, geregelt in § 5 der Fahrerlaubnis-Verordnung. Die gibt es nach einer Ausbildung in der Fahrschule und einer theoretischen Prüfung. Wer schon einen Führerschein hat oder vor dem 1. April 1965 geboren ist, braucht keine.
- Versicherungskennzeichen und eine gültige Betriebserlaubnis.
- Helm: Seit dem 1. Oktober 1985 gilt für Mofafahrer Helmpflicht.
So ordnet sich das Mofa zwischen den anderen kleinen Zweirädern ein:
| Fahrzeug | Höchstgeschwindigkeit | Fahrerlaubnis | Helmpflicht |
|---|---|---|---|
| Pedelec | Motorhilfe bis 25 km/h | keine | nein |
| Leichtmofa | 20 km/h | Mofa-Prüfbescheinigung | nein |
| Mofa, auch E-Mofa | 25 km/h | Mofa-Prüfbescheinigung | ja |
| Moped, Roller, S-Pedelec | 45 km/h | Klasse AM | ja |
| Simson aus der DDR (bis 28.2.1992) | 60 km/h | Klasse AM | ja |
Die Sache mit der Simson
Die letzte Zeile ist ein ostdeutsches Kuriosum. Laut Einigungsvertrag gelten Kleinkrafträder aus der DDR, die bis zum 28. Februar 1992 erstmals in den Verkehr gekommen sind, weiterhin als Kleinkrafträder, auch wenn sie 60 km/h schaffen. Deshalb darfst du eine originale Simson S51 mit der Klasse AM fahren. Eine Ablauffrist hat diese Ausnahme nicht. Mehr zu den kleinen Flitzern aus Suhl findest du in meinen Beiträgen zum Simson Tuning an der S51.
Woher kommt das Näääähh?
Der Krach, der mich damals so irritiert hat, hat ganz handfeste Gründe. Die meisten klassischen Mofas haben einen Zweitaktmotor. Der zündet bei jeder Kurbelwellenumdrehung, ein Viertakter nur bei jeder zweiten. Das ergibt dieses typische, helle Sägen.
Dazu kommt die Drossel. Viele Mofas sind technisch eng verwandt mit Mopeds und werden auf 25 km/h gebremst, etwa über einen engeren Ansaugweg, einen anderen Auspuff oder eine andere Übersetzung. Der Motor dreht und sägt also fleißig, nur kommt hinten wenig Geschwindigkeit an. Genau das ist der Effekt, den ich damals so unsinnig fand: laut wie ein Motorrad, schnell wie ein Fahrrad. Ein ausgeleierter Auspuff tut sein Übriges.
Entdrosseln ist kein Kavaliersdelikt
Wer ein Mofa schneller macht als 25 km/h, fährt rechtlich kein Mofa mehr. Die Betriebserlaubnis erlischt, die Mofa-Prüfbescheinigung reicht nicht mehr, und das ist dann Fahren ohne Fahrerlaubnis, also eine Straftat. Dazu kann die Versicherung bei einem Unfall Geld zurückfordern. Tuning gehört deshalb auf Privatgelände, oder du machst den passenden Führerschein und lässt das Fahrzeug ordentlich umschreiben.
HuFuh, Simson und die Mofa-Frage im Osten
Vielleicht hat mich die Begegnung auch deshalb so verwundert, weil das Mofa im Osten nie richtig angekommen ist. In der DDR gab es die Mofa-Klasse rechtlich nicht. Simson baute zwar kurzzeitig ein klassisches Mofa, das SL 1. Das galt aber als führerscheinpflichtiges Fahrrad mit Hilfsmotor, und der Verkaufserfolg blieb aus. Wer im Osten jung und motorisiert war, fuhr eher Simson mit 60 km/h.
Mein Bruder hat damals fleißig an seiner S51 geschraubt, wie du in meinem Beitrag zum Moped-Tuning nachlesen kannst. Neben so einer S51 wirkt ein näselndes 25-km/h-Mofa natürlich wie ein Fremdkörper. Und dass die DDR auf Zweirädern ohnehin noch längst nicht verschwunden ist, zeigen Begegnungen wie die mit dem Simson Krause Duo.
Warum tut man sowas? Versuch einer Antwort
Mit ein paar Jahren Abstand muss ich dem Mann mit den Bananen ein bisschen Abbitte leisten. Es gibt durchaus gute Gründe, Mofa zu fahren:
- Früh mobil: Mit der Prüfbescheinigung geht’s schon ab 15 los, ohne teuren Führerschein.
- Einfache Technik: Ein Zweitakter ist überschaubar. Wer schrauben lernen will, ist hier richtig.
- Kultfaktor: Klassiker von Hercules, Kreidler, Puch oder Zündapp sind gesuchte Liebhaberstücke. Pony baut sogar bis heute klassische Mofas.
- Alltag: Für den Weg zum Bäcker, zum Garten oder eben mit Bananen im Körbchen reicht Tempo 25 völlig.
Und der Highway-Police-Helm? Geschmackssache. Achte auf jeden Fall auf eine ECE-Prüfung. Ein Jet- oder Integralhelm schützt aber deutlich mehr als eine offene Halbschale mit Schirm, auch bei 25 km/h.
Mofa 2026: leiser, aber nicht weg
Das klassische Zweitakt-Näääähh wird seltener. Der Slowene Tomos hat die Produktion klassischer Mofas 2019 eingestellt, und auf der Straße übernehmen E-Mofas und E-Roller mit 25 km/h, für die du ebenfalls die Mofa-Prüfbescheinigung brauchst. Leise sind die, ziemlich sauber und ohne Gemischtanken. Wer gar keine Prüfbescheinigung machen will, fährt Pedelec, das rechtlich ein Fahrrad bleibt.
Ein bisschen schade ist das schon. Ein E-Mofa hätte ich in der Häuserschlucht wohl gar nicht bemerkt. Und dann gäbe es diesen Beitrag nicht.
Häufige Fragen
Brauche ich für ein Mofa einen Führerschein?
Einen Führerschein im engeren Sinn nicht, aber eine Mofa-Prüfbescheinigung. Die bekommst du ab 15 Jahren nach Ausbildung und theoretischer Prüfung in der Fahrschule. Wer einen Autoführerschein oder eine andere Fahrerlaubnis hat, darf ohne Prüfbescheinigung Mofa fahren.
Gilt auf dem Mofa Helmpflicht?
Ja, seit 1985. Ausgenommen sind nur Leichtmofas bis 20 km/h.
Darf ich mit der Mofa-Prüfbescheinigung ein E-Mofa fahren?
Ja, solange es bauartbedingt nicht schneller als 25 km/h fährt. Für schnellere E-Roller und S-Pedelecs brauchst du die Klasse AM.
Mein Fazit
Der Mann mit dem hängenden Schal und den Bananen ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. Damals fand ich die Vorstellung absurd, heute sehe ich das gelassener: Ein Mofa ist günstig, simpel und für kurze Wege völlig ausreichend. Nur das Näääähh, das braucht wirklich niemand.
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