Hurrican – der neue Turrican ist da

Zehn Jahre gewartet, dann kam Hurrican: wie ich das Fan-Remake von Turrican 2007 durchgezockt habe und wo du den Freeware-Klassiker heute noch bekommst.

7–10 Minuten

Ganz frisch war die Nachricht im Juli 2007 nicht mehr, Hurrican war da schon eine Weile draußen. Ich hatte bis dahin nur keine Zeit gefunden, darüber zu schreiben. Dabei hatte ich auf genau so ein Spiel gefühlt zehn Jahre gewartet: ein neues Turrican, gemacht von Fans, die das Original mindestens so lieben wie ich. Hier liest du, was Hurrican ist, wie mein erster Durchlauf lief und wo du das Spiel heute noch legal und kostenlos bekommst.

Was ist Hurrican?

Hurrican ist ein Run-and-Gun-Shooter im Stil der Turrican-Reihe, entwickelt von einem kleinen Team, das sich poke 53280 nennt. Der Name ist schon ein Insider: Mit dem Befehl POKE 53280 hat man auf dem C64 die Rahmenfarbe des Bildschirms umgestellt. Wer das kennt, weiß sofort, wo die Macher herkommen.

Laut der heutigen Projektseite haben zwei Freunde und eingefleischte Turrican-Fans Anfang 2000 mit dem Projekt angefangen. Nach rund fünf Jahren Arbeit in der Freizeit erschien Hurrican 2007 als Freeware. Geschrieben ist es in C++ mit DirectX, ursprünglich also ganz klassisch für Windows.

Was dich erwartet:

  • neun Level mit dem typischen Turrican-Gefühl aus Erkunden und Ballern
  • eine „Best of“-Auswahl an Waffen aus den Turrican-Spielen
  • ein eigener Soundtrack
  • dicke Zwischen- und Endgegner
  • ein lokaler Koop-Modus für zwei Spieler

Ein 1:1-Remake ist Hurrican also nicht. Es ist ein eigenständiges Spiel, das sich anfühlt wie die Fortsetzung, die es offiziell nie gab.

Mein erster Durchlauf: erst mal im Schnullermodus

Die Pokes haben uns da etwas vorgesetzt, das sich wirklich sehen lassen kann. Ich glaube, die wussten anfangs noch nicht einmal, was für ein schöpferisches Händchen sie haben. Das Spiel ist detailverliebt und gleichzeitig herrlich frech.

Richtig viel Zeit, um mich ausgiebig damit zu beschäftigen, hatte ich 2007 schon nicht mehr. Durchgezockt habe ich Hurrican trotzdem, zugegeben erst einmal im Schnullermodus, also auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad. Egal, durch ist durch.

Danach kam der zweite Anlauf in einem schwereren Modus. Und da gab es einige Momente, bei denen ich erst einmal nicht schlecht geschaut habe. „So kniehet nieder ihr Unwürdigen“ – herrlich. Einer meiner Screenshots von damals trug schlicht den Namen „Manfred Trenz“, und wer die Reihe kennt, weiß, warum: Trenz ist der Erfinder von Turrican.

Auch das Steinmonster war ein fieser Brocken. Ich hatte „den Kleinen“ am Anfang als deutlich einfacher in Erinnerung. Mein Fazit damals: Naja, nächste Woche wieder. Daraus wurde dann tatsächlich ein zweiter Bericht mit noch mehr Hurrican.

Wer nicht weiterkam, für den hatte ich damals in einem Forum einen Thread mit Hurrican-Cheats verlinkt. Den gibt es leider nicht mehr. Meine Frage von damals gilt aber immer noch: Wie war das bei dir, als du Hurrican zum ersten Mal starten durftest?

Eine Woche später: noch mehr Hurrican

Eine Woche nach meinem ersten Bericht habe ich mir im Juli 2007 wieder Zeit für Hurrican genommen. Unser Held ist mir dabei sogar noch sympathischer geworden, weil er menschlicher wirkt, als man es von einem Kampfanzug erwartet.

Auch ein Blechanzug kann mal drücken

Den Screenshot von damals gibt es nicht mehr, deshalb nur so viel: Es gibt in Hurrican eine Szene, in der der Held ganz unheldenhaft wirkt. Auch ein Blechanzug kann eben mal drücken. Genau solche Kleinigkeiten machen den Charme des Spiels aus. Die Macher nehmen ihre Vorlage ernst, sich selbst aber nicht.

Welten und Bosse: hier steckt die Liebe drin

Die Welten und vor allem die Zwischen- und Endgegner sind richtig gut gelungen. Einige davon sind nicht einmal leicht zu erreichen. Einen besonders gut versteckten Gegner habe ich erst gefunden, als ich die Radtechnik einigermaßen perfektioniert hatte. Das war ein ganz schöner Kraftakt, aber es hat sich gelohnt.

Was mich am meisten beeindruckt hat: wie sich die Gerätschaften zerlegen. Statt einfach in einer Explosion zu verschwinden, zerlegen sich Maschinen und Bosse regelrecht in ihre Einzelteile. So etwas habe ich in keinem anderen mir bekannten Turrican-Spiel gesehen.

Das Rad: Turricans Geheimwaffe

Wer Turrican kennt, kennt das Rad. Statt zu laufen, rollst du dich zu einer Art Kreisel zusammen. In dieser Form bist du kompakt und schnell, überrollst kleinere Gegner und passt durch Gänge, die zu Fuß unerreichbar sind. Bei Hurrican ist das nicht nur eine Spielerei, sondern der Schlüssel zu versteckten Ecken.

Ein paar Hinweise zum Rad:

  • Übung zahlt sich aus. Die Steuerung im Rad fühlt sich anders an als zu Fuß. Wer sie beherrscht, kommt an Stellen, die anderen verborgen bleiben.
  • Schmale Durchgänge sind Einladungen. Wenn eine Lücke im Level verdächtig klein aussieht, ist sie meistens fürs Rad gedacht.
  • Nicht nur zum Fliehen. Das Rad ist auch zum Angreifen da, gerade bei kleinen, nervigen Gegnern.

Zu zweit gegen die Maschinen

Etwas, das die alten Turrican-Teile auf C64 und Amiga nicht hatten: Hurrican lässt sich zu zweit an einem Rechner spielen. Das verändert das Spiel spürbar. Bosse, an denen du allein verzweifelst, werden im Team machbar, und beim Erkunden kann einer vorrollen, während der andere den Rücken freihält. Gleichzeitig wird es auf dem Bildschirm herrlich chaotisch, wenn zwei Kampfanzüge gleichzeitig alles in Schutt und Asche legen. Wenn du also jemanden mit einem zweiten Gamepad kennst: ausprobieren.

Der härteste Brocken: das Timeout-Monster

Der härteste Gegner von allen ist wohl das Timeout-Monster. Mein Rat: Lass das Spiel nicht einfach laufen und vergiss es dabei. Ich war zum Glück noch zur Stelle, als es auftauchte. Lange hat die Begegnung allerdings nicht gedauert, so kurz habe ich noch nie einen Gegner gesehen. Hat das Ding eigentlich schon mal jemand gekillt?

Die Idee dahinter ist ein Augenzwinkern in Richtung der alten Zeiten. In vielen Action-Spielen der 80er und 90er tickte eine Uhr mit, und wer trödelte, verlor einfach ein Leben. Hurrican macht daraus einen eigenen Gegner, und nach meiner kurzen Begegnung zu urteilen keinen, mit dem man diskutieren kann. Das ist gemein, aber auch ziemlich witzig.

Tipps für deinen eigenen Durchlauf

  • Fang ruhig auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad an und lern die Level kennen. Beim zweiten Anlauf auf einer schwereren Stufe hast du dann doppelt Spaß.
  • Erkunde in alle Richtungen. Wie bei Turrican lohnt sich der Blick nach oben, unten und hinter jede Ecke.
  • Behalte die Uhr im Blick, siehe Timeout-Monster.
  • Spiel mit Gamepad. Gerade das Rad fühlt sich damit viel besser an.

Mehr Turrican als jedes Turrican?

Ein Fanspiel muss sich immer am Original messen lassen. Bei Hurrican fällt das Urteil für mich klar aus: Es greift alles auf, was Turrican groß gemacht hat, also riesige Level, versteckte Extras, fette Bosse und das Rad. Dazu packt es eigene Ideen und eine Portion Humor, die man in den Originalen so nicht findet.

Wenn du nach Hurrican Lust auf die Wurzeln bekommst, lohnt sich ein Blick auf den C64. Dort gibt es mit Turrican 3 für den C64 sogar einen inoffiziellen dritten Teil, den Fans entwickelt haben. Und wer lieber horizontal ballert, findet in Prototyp MK1 einen bockschweren Shooter im R-Type-Stil.

Warum Turrican so viele Fans hat

Wer nicht mit C64 oder Amiga aufgewachsen ist, fragt sich vielleicht, warum Leute fünf Jahre Freizeit in ein Fanspiel stecken. Die Antwort liegt im Original von 1990. Turrican war damals eine Wucht: riesige Level, die du in alle Richtungen erkunden konntest, statt nur stur nach rechts zu laufen. Dazu kamen versteckte Extras, ein Blitzstrahl, den du im Stand rundum schwenken kannst, und die Möglichkeit, dich in ein rollendes Rad zu verwandeln.

Und dann die Musik. Chris Hülsbeck hat für die Reihe Stücke geschrieben, die längst Kultstatus haben und später sogar mit Orchester aufgeführt wurden. Hurrican greift genau dieses Gefühl auf: viel Raum zum Entdecken, viel Krawall und Bosse, die den ganzen Bildschirm füllen. Wie die Reihe auf dem C64 weiterging, inklusive eines inoffiziellen dritten Teils, habe ich in meinem Beitrag über Turrican 3 für den C64 aufgeschrieben.

Was heißt eigentlich „Run and Gun“?

So nennt man Actionspiele, bei denen du läufst, springst und gleichzeitig in mehrere Richtungen schießt. Bekannte Vertreter sind neben Turrican etwa Contra oder Metal Slug. Turrican hat das Genre um große, offene Level erweitert, in denen sich Erkunden lohnt.

Was ist daraus geworden?

Die alte Seite der Pokes ist längst offline, Hurrican selbst ist aber quicklebendig. Das Spiel hat ein neues Zuhause bei winterworks, einer Firma, die einer der ursprünglichen Macher gegründet hat. Dort ist von Hunderttausenden Downloads die Rede, und das glaube ich sofort.

Spannend ist, was nach 2007 passiert ist:

  • Der Quellcode wurde veröffentlicht. Dadurch konnten Fans das Spiel auf andere Systeme bringen.
  • Es gibt Portierungen für Amiga OS4, AROS und die Handheld-Konsole Pandora, alle auf der Projektseite verlinkt.
  • Eine Community-Version auf GitHub setzt auf die plattformübergreifende Bibliothek SDL2. Damit läuft Hurrican auch unter Linux und auf Bastelrechnern wie dem Raspberry Pi. In einigen Linux-Distributionen steckt das Spiel sogar direkt in den Paketquellen.

Für Sammler gibt es auf der Projektseite sogar DVD-Cover zum Ausdrucken, damit Hurrican auch im Regal neben den alten Originalen eine gute Figur macht. Dass ein Fanprojekt fast zwei Jahrzehnte später noch gepflegt wird, sagt eigentlich alles über seine Qualität.

Wer nach Hurrican Lust auf mehr Retro-Ballerei hat, findet in meinem Beitrag über Prototyp MK1 einen kostenlosen Shooter im R-Type-Stil, der allerdings deutlich gnadenloser ist.

Hurrican heute spielen

Unter Windows nimmst du das Setup von der Projektseite. Unter Linux lohnt sich zuerst ein Blick in die Paketverwaltung deiner Distribution. Ein Gamepad ist Pflicht, mit der Tastatur macht das Rad nur halb so viel Spaß. Und wenn ein Freund dabei ist: Probier den Koop-Modus aus.

Mein Fazit

Hurrican ist für mich bis heute das Paradebeispiel dafür, was Fans auf die Beine stellen können, wenn sie ein Spiel wirklich lieben. Es fühlt sich an wie das Turrican, auf das ich jahrelang gewartet habe, und es kostet nichts. Wenn du die Klassiker magst, gehört es auf deine Platte.

Kommentare

5 Kommentare zu „Hurrican – der neue Turrican ist da“

  1. Avatar von Martin
    Martin

    Hi wollte mich als Redakteur für Videospiele bewerben.Meld dich mal bei mir, ok?

  2. Avatar von Olli
    Olli

    hab bei google „Schnullermodus“ eingegeben und lande hier LOL.
    Bin ein alter Amiga und C64-Nerd und liebe Hülsbeck – Musik! Ein superpuziger
    Blog, go ahead. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder … 😀

  3. Avatar von Patrick
    Patrick

    Ich frag mich gerade wie man auf die IDEE kommt nach Schnullermodus zu suchen. ^^‘ Jup die Hülsbeck Mugge war, ist und wird immer geil sein. Amiga war mir nie wirklich vergönnt. Ich bearbeitete immmer meinen C64, um später brachial auf die PC Engine umzusteigen. Die Amiga Zeit habe ich mittlerweile mit Emulatoren nachgeholt.
    Wünsch dir noch viel Spaß-

  4. Avatar von Olli
    Olli

    Hehe, beim rumkaspern mit nem Kumpel… und dann einfach mal bei Google eingeben. vielleicht melde ich „Schnullermodus“ als Wortmarke an :LOL:

    So long,

    Olli 🙂

  5. Avatar von Thom

    c64 rulezz !!!!!!!!!!! 🙂

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