Winamp war gestern, dachte ich mir im September 2007. Da hatte ich nämlich einen Audioplayer für den PC gefunden, der meinen Rechner in eine Konsole auf der Brücke der Enterprise verwandelte. Hier erzähle ich, was das Teil konnte, woher der typische Star-Trek-Look kommt und was du heute nimmst, wenn du beim Musikhören ein bisschen Sternenflotte haben willst.
Was konnte der Star-Trek-Player?
Der Star-Trek-Audioplayer spielte so ziemlich alle gängigen Audioformate ab. MP3, Ogg, WMA und sogar WMV-Dateien waren kein Problem. Das eigentliche Highlight war aber die Bedienung:
- Jeder Tastendruck wurde mit einem typischen Sternenflotten-Ton untermalt.
- Nirgends eine nervige Windows-Eingabemaske, alles im Stil von „The Next Generation“.
- Dazu gab es Visualisierungen zu den einzelnen Musiktiteln, an die weder der Media Player noch die Standard-Visualisierungen von Winamp herankamen.
Groß war der Player auch nicht. Gerade einmal 4 MB wollte er auf meiner kleinen, zarten Festplatte haben. Und das Beste: Er war Freeware. Angeboten wurde er von Torransoft, deren Website es inzwischen allerdings nicht mehr gibt.
LCARS: Woher der Look kommt
Der Look, an dem sich solche Star-Trek-Player orientieren, heißt LCARS. Die Abkürzung steht für „Library Computer Access/Retrieval System“, so heißt das Computersystem der Sternenflotte in der Serie. Entworfen hat die Oberflächen Grafikdesigner Michael Okuda für „Star Trek: The Next Generation“, die ab 1987 lief.
Typisch sind die abgerundeten Balken in Orange, Lila und Blau, große Flächen statt kleiner Knöpfe und kaum Rahmen. Aus heutiger Sicht ist das fast prophetisch: Die Crew wischte und tippte auf flachen Touch-Oberflächen, Jahrzehnte bevor Smartphones und Tablets das zum Alltag machten. Kein Wunder, dass Fans seitdem versuchen, diesen Look auf ihre eigenen Rechner zu holen.
Was ist aus dem Player geworden?
Die Website von Torransoft ist offline, und eine offizielle Bezugsquelle für den Player gibt es nicht mehr. Im Netz tauchen solche alten Programme zwar gelegentlich auf obskuren Download-Seiten auf. Davon würde ich die Finger lassen, denn bei verwaisten Freeware-Programmen von Drittseiten weißt du nie, was noch mit im Paket steckt.
Und Winamp? Totgesagte leben länger. Der Player gehört inzwischen der Llama Group und ist weiterhin zu haben. 2024 sorgte der Versuch, den Quellcode zu veröffentlichen, für Wirbel. Das Repository verschwand nach Kritik an der Lizenz kurz darauf wieder.
Alternativen für Freunde schicker Player
Wenn du heute einen Player suchst, der mehr kann als nur abspielen, gibt es reichlich Auswahl:
- foobar2000: schlank, extrem anpassbar und bei Musiksammlern beliebt. Mit Erweiterungen und eigenen Layouts lässt sich viel bauen.
- VLC: spielt so gut wie alles ab, Audio wie Video, auf praktisch jedem System.
- Audacious: ein schlanker Player, vor allem unter Linux beliebt, der sogar klassische Winamp-Skins versteht.
- Webamp: ein Nachbau des alten Winamp, der direkt im Browser läuft. Reine Nostalgie, aber herrlich.
Star-Trek-Feeling für deinen Desktop
In der Fan-Community gibt es LCARS-Designs für Desktop-Tools wie Rainmeter unter Windows, dazu LCARS-Skins und Bildschirmschoner. Lade so etwas nur von bekannten Plattformen und achte darauf, wann es zuletzt aktualisiert wurde.
MP3, WMA und Ogg: Was ist aus den Formaten geworden?
Der Titel meines Beitrags zeigt, worauf es 2007 ankam: Ein Player musste MP3 und WMA können. Das hat sich deutlich verschoben.
- MP3 ist immer noch überall abspielbar. Seit das Fraunhofer-Institut 2017 sein Lizenzprogramm beendet hat, ist das Format praktisch frei nutzbar.
- WMA, das Format von Microsoft, spielt heute kaum noch eine Rolle.
- Ogg Vorbis war damals die freie Alternative. Sein Nachfolger im Geiste ist Opus, das bei Sprache und Musik sehr effizient ist und in vielen Apps und Browsern steckt.
- FLAC hat sich für verlustfreie Musiksammlungen durchgesetzt.
Der größte Wandel ist aber ein anderer: Viele Leute verwalten heute gar keine Dateien mehr, sondern streamen. Wo du dabei legal und kostenlos an Musik kommst, habe ich in Gratis-Musik im Web zusammengetragen. Wer seine Sammlung dagegen lokal pflegt, sollte sie sichern. Wie schnell Daten weg sein können, habe ich in meinem Beitrag über eine gelöschte Partition beschrieben.
Mein Fazit
Der Star-Trek-Player war für mich das perfekte Spielzeug: verspielt im besten Sinne und jeden Klick ein Grinsen wert. Heute würde ich einen zuverlässigen Player wie foobar2000 oder VLC nehmen und mir den LCARS-Look über Skins holen. Ein bisschen Sternenflotten-Pieps beim Klicken darf es aber gern wieder sein.
Schreibe einen Kommentar