Werner Zorn? Wer das ist, fragte sich 2007 bestimmt so mancher. Dabei hat der Mann eine ganze Menge damit zu tun, dass du heute E-Mails schreibst – und leider auch damit, dass dein Postfach voller Spam ist. Im September 2007 ging er in den Ruhestand, und ich hab mich damals mit einem Augenzwinkern bedankt. Hier erfährst du, was er geleistet hat und wie du dem E-Mail-Schlamassel heute beikommst.
Wer ist Werner Zorn?
Prof. Dr.-Ing. Werner Zorn, geboren 1942 in Frankfurt am Main, ist einer der deutschen Internetpioniere. Ab 1972 arbeitete er an der Universität Karlsruhe, wo er das Rechenzentrum der jungen Informatik-Fakultät leitete und 1979 Professor wurde. Von 2001 bis zu seiner Emeritierung 2007 lehrte er am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, Fachgebiet Kommunikationssysteme.
Zwei Daten stehen in jeder Internetchronik:
- 3. August 1984: In Karlsruhe kommt die erste E-Mail über das Internet in Deutschland an. Zorns Team hatte die Verbindung aufgebaut, und Deutschland war damit eines der ersten Länder außerhalb der USA, die per Internet-Mail erreichbar waren.
- 20. September 1987: Aus Peking erreicht eine E-Mail Karlsruhe, die als erste E-Mail aus China gilt. Der Text: „Über die Große Mauer erreichen wir alle Ecken der Welt.“ Zorn hatte die Verbindung gemeinsam mit chinesischen Kollegen aufgebaut.
So eine Mail soll damals übrigens noch 2 Mark 50 gekostet haben. Wenn du bedenkst, wie viele Mails du heute an einem einzigen Tag bekommst, ist das eine ziemlich charmante Vorstellung.
Was hat er noch bewegt?
Ab 1989 bot die Uni Karlsruhe unter seiner Regie mit Xlink einen der frühen Internetzugänge in Deutschland an. Für seine Verdienste bekam er 2006 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Und danach ging es mit den Ehrungen weiter: 2013 wurde er in die Internet Hall of Fame aufgenommen, 2014 erhielt er den Freundschaftspreis der chinesischen Regierung. Mehr zu seinem Werdegang findest du in seinem Wikipedia-Artikel.
Der Schlamassel, den er uns hinterlassen hat
Mein Abschiedsgruß von 2007 war natürlich nicht ganz ernst gemeint: Er geht in Rente und lässt uns mit dem ganzen Schlamassel allein – Spam, Viren und Spaßmails. Schuld ist er daran selbstverständlich nicht. Aber die drei Plagen gibt es bis heute, nur in neuem Gewand:
- Spam ist millionenfach automatisiert und oft schwer von echten Mails zu unterscheiden.
- Viren kommen heute meist als Phishing: Statt dein System zu zerschießen, wollen die Mails an deine Passwörter oder dein Geld.
- Spaßmails und Kettenbriefe sind von der Mail in die Messenger-Gruppen umgezogen, die Falschmeldungen gleich mit.
Was sich gegen Spam getan hat
Die gute Nachricht: Gegen Spam hat sich seit 2007 einiges getan. Moderne Filter sortieren den Großteil automatisch aus, bevor du ihn überhaupt siehst. Dazu kommen technische Standards mit kryptischen Namen wie SPF, DKIM und DMARC. Sie sorgen dafür, dass ein empfangender Mailserver prüfen kann, ob eine Mail wirklich von der Domain stammt, die als Absender drinsteht. Große Anbieter wie Google und Yahoo verlangen diese Absicherung seit 2024 von allen, die massenhaft Mails verschicken.
Wenn du eine eigene Domain mit Mailadresse hast, lohnt sich ein Blick in die Einstellungen deines Hosters. Viele richten SPF und DKIM inzwischen automatisch ein, DMARC musst du oft selbst ergänzen.
Woran du gefälschte Mails im Detail erkennst, hab ich in meinem Beitrag über die Aidstest-Spammasche zusammengetragen. Und wie wichtig ein stabiler Netzzugang damals war, zeigt mein Bastelprojekt mit der Bi-Quad-Antenne in der Sat-Schüssel, über das ich nur ein paar Wochen später gebloggt habe.
So hältst du dein Postfach sauber
- Zweitadresse nutzen: Für Gewinnspiele, Newsletter und Shops eine eigene Adresse oder Alias-Adressen verwenden.
- Adresse nicht offen posten: Eine Mailadresse im Klartext auf einer Website landet früher oder später in Spam-Listen.
- Nicht antworten: Auch kein „Bitte streicht mich von der Liste“. Jede Reaktion bestätigt, dass die Adresse aktiv ist.
- Als Spam markieren: So lernt der Filter dazu.
- Postfach absichern: Schalte die Zwei-Faktor-Anmeldung ein. Wer dein Mailkonto hat, kann über „Passwort vergessen“ fast alle deine anderen Konten übernehmen.
Warum E-Mail trotzdem nicht totzukriegen ist
Seit Jahren wird die E-Mail totgesagt, erst von sozialen Netzwerken, dann von Messengern und Kollaborationstools. Sie ist trotzdem geblieben. Der Grund ist genau das Prinzip, an dem Leute wie Werner Zorn mitgebaut haben: Jeder kann jedem schreiben, egal bei welchem Anbieter er ist. Das kann kein Messenger so. Dass Spammer das gleiche offene Prinzip ausnutzen, ist die Kehrseite.
Mein Fazit
Werner Zorn hat Deutschland und China ans weltweite Mailnetz gebracht, und dafür gebührt ihm Respekt – trotz Spam im Postfach. Mein „Danke“ von 2007 meine ich heute eher ernst als ironisch. Und gegen den Schlamassel helfen ein guter Filter, eine Zweitadresse und gesundes Misstrauen.
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