Die DDR lebt! An einem Sommertag im August 2008 kamen mir gleich zwei Krause Duos entgegen. Das dreirädrige Krankenfahrzeug aus DDR-Zeiten war berühmt für seine, sagen wir, unbeschreiblichen Leistungsdaten. Hier erzähle ich dir, was ich damals über das Duo wusste, was davon stimmt und warum das Ding bis heute Kult ist.
Zwei Duos auf einen Streich
So ein Duo siehst du nicht alle Tage, und zwei auf einmal schon gar nicht. Natürlich musste sofort ein Foto her. Das gibt es leider nicht mehr, aber das Wichtigste daran lässt sich auch so erzählen: Ich hatte mit einem weißen Pfeil markiert, wo der Schalthebel sitzt. Nämlich außen. Wer im Duo den Gang wechseln will, muss die Hand aus dem Fahrzeug nehmen. Immer wieder witzig, so ein Geschoss zu sehen.
Meine Kenndaten-Liste von damals, aus dem Kopf und mit einem Augenzwinkern:
- 3 Räder
- Verdeck rundum
- wahlweise 3- oder 4-Gang, 50 ccm Simson-Motor mit knapp 3,5 PS oder so
- Rückspiegel
- 6-Volt-Elektrik
- Blinker
- Abblend- und Fernlicht, Rücklichter mit integriertem Bremslicht
- Trommelbremsen, angesteuert über Bowdenzüge
- 2 Sitze
- mehr fiel mir damals nicht ein
Als Höchstgeschwindigkeit hatte ich 50 km/h im Kopf, je nach Quelle und Modell liest man auch von etwas mehr. Für ein Fahrzeug, das aussieht wie eine Mischung aus Moped, Kabinenroller und Kinderwagen, ist das ordentlich.
Was ist ein Krause Duo eigentlich?
Das Duo ist ein dreirädriges Versehrten- oder Krankenfahrzeug aus der DDR. Gedacht war es für Menschen, die wegen einer Körperbehinderung kein normales Moped oder Auto fahren konnten. Deshalb ist es so gebaut, dass du es komplett mit den Händen bedienen kannst. Das Deutsche Straßenmuseum beschreibt bei seinem Duo 4/1 von 1974 die Bedienung so: rechte Hand am Gasdrehgriff, linke Hand an Kickstarter- und Schalthebel. Füße braucht man zum Fahren nicht.
Damit das funktioniert, hat das Duo eine automatische Fliehkraftkupplung, wie man sie von der Simson Schwalbe in der Variante mit Automatik kennt. Ein Kupplungshebel fällt damit weg, und anfahren klappt nur mit Gas. Gebremst wird an allen drei Rädern, dazu kommt eine Feststellbremse. Drinnen gibt es zwei gepolsterte Sitze hintereinander, darüber ein Klappverdeck aus Stoff mit Fenstern.
Der Schalthebel, über den ich mich 2008 so amüsiert habe, gehört also zum Bedienkonzept: Alles läuft über die Hände. Und weil das Duo auf Simson-Technik aus Suhl setzt, lässt es sich bis heute gut am Leben halten.
Steckbrief: Simson Krause Duo 4/1
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Hersteller | Louis Krause, Leipzig; ab 1972 Krankenfahrzeugfabrik Krause, später VEB Fahrzeugbau und Ausrüstungen Brandis |
| Bauzeit | 1961 (Piccolo Duo) bis März 1991 |
| Motor | Einzylinder-Zweitakter, 49,6 cm³, 2,65 kW (3,6 PS) |
| Getriebe | 3 Gänge, von Hand geschaltet, automatische Fliehkraftkupplung |
| Höchstgeschwindigkeit | etwa 60 km/h, heute meist mit 55 km/h angegeben |
| Gewicht | 140 kg |
| Führerschein | Klasse AM, Versicherungskennzeichen statt Zulassung |
Quelle der Daten: Wikipedia-Artikel Duo (Krankenfahrzeug), abgerufen im November 2026.
Wer war eigentlich Herr Krause?
Im Originalbeitrag hatte ich geschrieben, ein Herr Krause habe einfach zwei Simson Schwalben genommen und daraus das Duo entwickelt. Die Geschichte ist charmant, aber zu einfach.
Hinter dem Namen steckt die Firma Louis Krause, ein bereits 1880 gegründeter Betrieb, der sich später auf motorisierte Krankenfahrzeuge spezialisiert hat. Schon kurz nach dem Krieg baute Krause Dreiräder mit Simson-Motoren, etwa die Modelle der Reihe Piccolo und Trumpf in den 1950er und 1960er Jahren. Das Duo ist der Nachfolger dieser Linie. Nach dem, was sich heute dazu findet, ging der Betrieb in den 1970er Jahren in Volkseigentum über, gebaut wurde das Duo dann in Brandis bei Leipzig.
Mit der Wende lief die Serienfertigung aus, Anfang der 1990er war Schluss. Zu den Stückzahlen kursieren unterschiedliche Angaben, deshalb lasse ich sie hier lieber weg.
Warum so ein Fahrzeug in der DDR so wichtig war, liegt auf der Hand: Auf einen Trabant oder Wartburg warteten die Leute oft viele Jahre, und umgebaute Autos für Menschen mit Behinderung waren rar. Ein Duo war für viele Betroffene der einzige Weg, selbstständig zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Arbeit zu kommen. Dass da zwei Leute reinpassen, war ein echter Gewinn, denn so konnte jemand mitfahren und helfen.
Was ist aus dem Duo geworden?
Duos sind längst Kultfahrzeuge und ein Stück Verkehrsgeschichte. Das oben erwähnte Duo 4/1 gehört zum Bestand des Deutschen Straßenmuseums in Germersheim. Auf Simson- und Ostfahrzeugtreffen sind sie gern gesehene Gäste, und die Besitzer erzählen meist mit großem Vergnügen, wie sich das Fahren anfühlt. Weil Motor und viele Teile aus der Simson-Welt stammen, sind Verschleißteile kein großes Problem. Karosserieteile, Verdecke oder Innenausstattung zu finden ist dagegen schwieriger.
Auch die Preise für Simson-Fahrzeuge allgemein sind seit Jahren stark gestiegen. Was 2008 noch für kleines Geld im Schuppen stand, wird heute oft liebevoll restauriert und teuer gehandelt.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Falls dich das Duo-Fieber packt, hier ein paar Punkte für die Besichtigung:
- Papiere: Gibt es Fahrzeugbrief oder Betriebserlaubnis, und passen die Nummern zum Fahrzeug? Ohne Papiere wird die Zulassung aufwendig.
- Rahmen und Fahrgestell: Rost an tragenden Teilen ist das größte Risiko. Lass dir Unterseite und Aufhängungen zeigen.
- Karosserie und Verdeck: Risse, fehlende Teile oder ein zerschlissenes Verdeck sind teurer zu beheben als ein müder Motor.
- Bremsen: Alle drei Räder und die Feststellbremse müssen sauber greifen. Bowdenzüge sollten leichtgängig sein.
- Elektrik: Die 6-Volt-Anlage ist nach Jahrzehnten oft geflickt. Licht, Blinker und Bremslicht prüfen.
- Motor: Springt er an, läuft er rund, schaltet das Getriebe sauber durch? Hier hilft die Simson-Erfahrung von Freunden oder aus dem Verein.
Zulassung und Führerschein prüfen
Wenn du ein Duo kaufen und fahren willst, klär vorher genau, wie es eingetragen ist und welche Fahrerlaubnis du brauchst. Ob ein Fahrzeug als Krankenfahrstuhl, Kleinkraftrad oder anders eingestuft ist, hängt von den Papieren und der technischen Ausführung ab. Ansprechpartner sind die Zulassungsstelle und Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA. Und lass den technischen Zustand von jemandem checken, der sich mit Simson-Technik auskennt. Bremsen und Lenkung an einem jahrzehntealten Fahrzeug sind keine Nebensache.
Und meine Schwalbe?
Apropos Schwalbe: Rainer vom Blog Schengenland suchte damals gerade eine Simson Schwalbe. Hey Rainer, leider habe ich keine übrig. Meine hatte zu der Zeit auch gerade kein Vorderrad, und für unter einer Million Euro hätte ich sie sowieso niemals hergegeben.
Aus heutiger Sicht war die Million natürlich ein Witz. Aber dass eine Schwalbe mal so begehrt wird, hätte 2008 wohl kaum jemand gedacht.
Wer selbst an Simsons schraubt, kennt wahrscheinlich die Besonderheit: Simson-Mopeds wie Schwalbe, S50 oder S51 dürfen nach einer Sonderregel aus der Zeit der Wiedervereinigung bis zu 60 km/h fahren, und zwar mit dem Führerschein der Klasse AM. Das gilt aber nur für Fahrzeuge, die bis Ende Februar 1992 erstmals in Verkehr gekommen sind. Ein Blick in die Papiere lohnt sich also. Wer allerdings so viel umbaut wie bei meinem Simson-Tuning an der S51 oder gleich einen Kettensägenkolben in den Simson-Motor setzt, ist für den Straßenverkehr schnell raus. Das ist eher etwas für abgesperrte Strecken.
Häufige Fragen
Was ist ein Krause Duo?
Ein dreirädriges Krankenfahrzeug aus der DDR mit Simson-Technik, gebaut für Menschen mit Körperbehinderung. Es wird komplett mit den Händen bedient und bietet Platz für zwei Personen hintereinander.
Hat das Duo wirklich einen Schwalbe-Motor?
Es setzt auf Simson-Technik mit 50 ccm und einer automatischen Fliehkraftkupplung, wie sie auch in der Schwalbe mit Automatik steckt. Dass es aus zwei kompletten Schwalben zusammengebaut wurde, wie ich 2008 schrieb, ist dagegen zu einfach erzählt.
Bekommt man noch Ersatzteile?
Für Motor und viele Verschleißteile ja, dank der riesigen Simson-Szene. Spezielle Duo-Teile wie Karosserie, Verdeck oder Sitze sind deutlich schwerer zu bekommen.
Mein Fazit
Zwei Duos auf einmal waren 2008 schon ein seltenes Schauspiel, heute wären sie fast eine Sensation. Das Duo ist ein schönes Beispiel dafür, wie viel man mit Simson-Technik und einer pfiffigen Idee anstellen konnte. Wenn dir eines entgegenkommt: Winken nicht vergessen, die Fahrer freuen sich.
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