Im Juli 2008 gab es mal wieder ein kleines Update in Sachen Simson-Tuning. Mein Bruder hatte an seiner S51 erneut Hand angelegt: Auspuff überarbeitet, ein paar Kubik mehr, ein Zylinder mit zusätzlichen Kanälen und ein neuer Kolben. Hier erzähle ich, was damals passiert ist, und erkläre, warum diese Bauteile bei einem Zweitakter so eng zusammenhängen.
Was wurde gemacht?
Das Volumen des Auspuffs wurde noch einmal überarbeitet. Dazu kamen ein paar weitere Kubik Hubraum, und der Zylinder bekam zusätzliche Kanäle spendiert. Die sollten für ein besseres Überströmen des Gemischs sorgen.
Damit tauchte aber ein neues Problem auf: Große Massen sind träge. Der alte Kolben war für die angestrebten Drehzahlen schlicht zu schwer. Also musste ein alternativer Kolben her, leichter und damit drehfreudiger, vor allem oben heraus. Welcher das war, blieb erst einmal ein Geheimnis. Die Auflösung kam wenige Tage später im Beitrag über den Kettensägenkolben im Simson-Motor.
Das Ergebnis laut meinem Bruder: gefühlte 30 Prozent Mehrleistung. Und wie immer galt der alte Schrauberspruch: Kraft kommt von Kraftstoff, noch mehr Kraft von noch mehr Kraftstoff.
Wie atmet ein Zweitakter?
Um zu verstehen, was die Umbauten bewirken, lohnt ein Blick ins Innere. Ein Zweitaktmotor wie der in der S51 kommt ohne Ventile aus. Der Kolben selbst öffnet und schließt die Kanäle in der Zylinderwand.
- Der Kolben bewegt sich nach oben, verdichtet oben das Gemisch und saugt unten im Kurbelgehäuse frisches Gemisch an.
- Kurz vor dem oberen Totpunkt zündet die Kerze, der Kolben wird nach unten gedrückt.
- Auf dem Weg nach unten gibt er zuerst den Auslasskanal frei, das Abgas strömt hinaus.
- Kurz danach öffnen die Überströmkanäle, und das vorverdichtete Frischgemisch strömt aus dem Kurbelgehäuse in den Brennraum.
Je besser dieser Gaswechsel klappt, desto mehr Leistung steckt im Motor.
Warum mehr Kanäle?
Mehr Überströmkanäle bedeuten mehr Querschnitt, durch den das Gemisch in den Brennraum gelangt. Gleichzeitig lässt sich die Strömung besser lenken, damit das Frischgemisch das Abgas sauber hinausspült und nicht gleich hinterherrauscht. Zylinder mit fünf oder sechs Kanälen sind in der Simson-Szene deshalb beliebt.
Warum der Auspuff so wichtig ist
Beim Zweitakter ist der Auspuff kein bloßes Rohr. Ein Resonanzauspuff schickt Druckwellen zurück zum Auslass und drückt dabei Frischgemisch, das schon entwischen wollte, wieder in den Zylinder. Stimmen Volumen und Form, steigt die Leistung in einem bestimmten Drehzahlbereich deutlich. Genau deshalb wurde am Auspuffvolumen gefeilt.
Warum ein leichterer Kolben?
Der Kolben wechselt bei jeder Umdrehung zweimal die Richtung. Bei hohen Drehzahlen wirken dabei enorme Kräfte, und die wachsen mit dem Quadrat der Drehzahl. Ein leichterer Kolben belastet Pleuel und Lager weniger und lässt den Motor williger hochdrehen.
Und der Vergaser?
Hier kommt der Schrauberspruch mit dem Kraftstoff ins Spiel. Mehr Hubraum und bessere Füllung bedeuten mehr Luft im Zylinder, und dazu gehört mehr Sprit. Ohne größere Hauptdüse oder gleich einen größeren Vergaser läuft der Motor zu mager. Das fühlt sich anfangs sogar spritzig an, endet aber schnell mit einem überhitzten Kolben oder einem Klemmer. Ein Blick auf das Kerzenbild nach einer Vollgasfahrt verrät, ob die Abstimmung passt: rehbraun ist gut, hellgrau bis weiß ist zu mager.
Drehzahl hat ihren Preis
Höhere Drehzahlen belasten den ganzen Motor: Kurbelwellenlager, Pleuel, Kupplung und Getriebe. Auch die Zündung muss mitspielen. Genau das wurde später zum Problem, denn die originale Zündung kam mit den neuen Drehzahlen nicht mehr hinterher.
Gefühlt oder gemessen?
„Gefühlte 30 Prozent“ sind natürlich keine Messung. Ein lauterer Motor und ein spitzeres Drehzahlband fühlen sich schnell stärker an, als sie sind. Wer es genau wissen will, lässt das Moped auf einem Leistungsprüfstand messen, und zwar vorher und nachher. Viele Motorradwerkstätten und Tuner bieten das an. Alternativ zeigt ein Vergleich der Beschleunigung auf abgesperrtem Gelände mit GPS-Messung, ob sich wirklich etwas getan hat.
Nur für Rennstrecke und Privatgelände
Mehr Hubraum, geänderte Kanäle und ein anderer Auspuff bringen die Betriebserlaubnis zum Erlöschen. Damit ist das Moped auf öffentlichen Straßen tabu, und je nach Umbau reicht der AM-Führerschein nicht mehr. Die Simson-Sonderregel für 60 km/h gilt nur für den Originalzustand. Alles Wichtige zur Rechtslage findest du im Beitrag zum Moped-Tuning.
Wie ging es weiter?
Wer die Preview zum Moped-Tuning-Video gesehen hatte, wusste, dass da noch einiges im Argen lag. Mit dem neuen Kolben kam die nächste Baustelle, denn der saß tiefer als das Original, und der Brennraum musste angepasst werden. Wie das ging, steht im Beitrag zum Kettensägenkolben.
Mein Fazit
Das S51-Update zeigt schön, wie bei einem Zweitakter alles zusammenhängt: Wer an einer Stelle dreht, muss an drei anderen nachziehen. Ich finde, genau das macht den Reiz aus. Nur gehört so ein Motor auf die Rennstrecke und nicht in den Straßenverkehr.
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