ANet A8 richtig kalibrieren

Dein ANet A8 druckt krumm und ungleichmäßig? Firmware, PID, Steps, E-Steps, Bed-Leveling – plus der MOSFET-Mod, den du aus Sicherheitsgründen nicht weglassen solltest.

7–10 Minuten

Nach den ersten Gehversuchen mit dem ANet A8 stellt sich in Sachen Druckqualität ziemlich schnell Ernüchterung ein. Manche Besitzer haben Glück und alles passt, die anderen eher Pech. Hier zeige ich dir, in welcher Reihenfolge du den Bausatz-Drucker in den Griff bekommst – und was du heute zusätzlich beachten solltest, damit er dir nicht die Bude abfackelt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zuerst die Firmware: Die Werks-Firmware hat keinen brauchbaren Schutz gegen durchgehende Heizungen.
  • Danach PID-Tuning, Achsen-Steps und Extruder-Steps – genau in dieser Reihenfolge.
  • Bed-Leveling geht manuell, per Mesh oder mit Sensor.
  • Das Heizbett gehört über ein externes MOSFET-Modul geschaltet, die Stecker auf dem Board sind eine bekannte Schwachstelle.

Warum muss man einen ANet A8 überhaupt kalibrieren?

Das liegt vor allem an den Fertigungstoleranzen beim ANet A8. Ehrlich gesagt: Es gibt einfach keine. Ob die Pulleys Unter- oder Übermaß haben oder das Extruderritzel mit einem stumpfen Werkzeug bearbeitet wurde – in die Bausatzkiste kommt alles, was gerade rumliegt, ohne Gegenprüfung.

Das Ergebnis kennst du vielleicht: Würfel, die nicht ganz würfelig sind, Wände mit Lücken, mal zu viel, mal zu wenig Material. Mit ein paar Messungen und den richtigen Werten in der Firmware holst du aus dem günstigen Gerät aber erstaunlich viel heraus.

Schritt 1: Aktuelle Firmware statt Stand 2014

Allererster Schritt ist eine aktuelle Firmware statt der bisher aufgespielten von 2014. Mit einer aktuellen Marlin-Version bekommst du nicht nur Sicherheitsabschaltungen, zum Beispiel bei einem Thermal Runaway. Du bekommst auch Babystepping zum genaueren Einstellen der ersten Schicht und PID-Regelung statt der Bang-Bang-Schaltung fürs Heizbett.

Was der Thermal-Runaway-Schutz macht

Die Firmware vergleicht ständig Soll- und Ist-Temperatur. Steigt die Temperatur trotz voller Heizleistung nicht, etwa weil der Thermistor aus seiner Halterung gerutscht ist, schaltet sie Heizungen und Druck ab. Ohne diesen Schutz heizt der Drucker im Fehlerfall einfach weiter – und genau das ist das Brandrisiko.

Wie sieht das heute aus?

Stand Herbst 2026 ist Marlin 2.1.2.8 die aktuelle stabile Version. Im offiziellen Konfigurations-Repository von Marlin gibt es eine fertige Beispielkonfiguration für den ANet A8. Darin sind Thermal Protection für Hotend und Bett sowie PID fürs Heizbett schon aktiv, die Grundwerte liegen bei 100/100/400/100 Steps pro mm für X, Y, Z und Extruder.

Ein Stolperstein: Auf dem Anet-V1.0-Board sitzt kein Arduino Mega 2560, wie man manchmal liest, sondern ein ATmega1284P. In der Arduino IDE wählst du deshalb das Sanguino-Boardpaket mit ATmega1284P, in PlatformIO die Umgebung sanguino1284p. Der Flash-Speicher ist knapp. Wer viele Extras aktiviert, muss anderswo verzichten oder einen Optiboot-Bootloader brennen, der ein paar Kilobyte freischaufelt.

Bevor du flashst, schick ein M503 an den Drucker und kopier dir die Ausgabe weg. Dann hast du deine alten Werte schwarz auf weiß. Nach dem Flashen lädst du mit M502 die Werte aus der neuen Firmware und speicherst sie mit M500 im EEPROM.

Schritt 2: PID-Tuning für Hotend und Heizbett

PID-Tuning ist ein Näherungsverfahren, um einer möglichst konstanten Temperatur an Extruder und Heizbett nahezukommen. Warum der Aufwand? Die Bang-Bang-Standardschaltung ist träge und schwankt um bis zu 5 °C. Dazu kommt beim Einschalten des Heizbetts ein spürbarer Spannungsabfall, der sich im Druckbild widerspiegelt. Je konstanter die Spannung, desto gleichmäßiger laufen die Schrittmotoren.

Auch das Filament sieht bei schwankender Temperatur je nach Moment unterschiedlich aus. Fürs Heizbett muss die PID-Funktion in älteren Konfigurationen extra aktiviert werden (PIDTEMPBED). Eine detaillierte Anleitung findest du unter ANet A8 PID-Tuning.

Die Kurzfassung für ein aktuelles Marlin:

M303 E0 S200 C8 U1   ; Hotend bei 200 °C, 8 Zyklen, Ergebnis übernehmen
M303 E-1 S60 C8 U1   ; Heizbett bei 60 °C
M500                 ; im EEPROM speichern

Tune bei der Temperatur, mit der du später auch druckst, und lass dabei den Bauteillüfter so laufen wie im normalen Betrieb.

Schritt 3: Achsen vermessen und Steps anpassen

Bei den Achsen geht es darum, die Schrittauflösung an Pulleys und Riemen anzupassen. Hier schlagen die Fertigungstoleranzen dieses doch recht günstigen Bausatzes voll zu. Die Durchmesser der Pulleys können variieren, und die Riemen können sich bei zu viel Spannung dehnen. Du gibst einen Verfahrweg von 20 mm vor, und der Schlitten fährt 20,2 mm – das ist selbst für einen ANet nicht mehr im Rahmen.

Die Rechnung ist simpel:

neue Steps = alte Steps × Sollweg ÷ Istweg

Für das Beispiel oben heißt das: 100 × 20 ÷ 20,2 = 99,01 Steps/mm. Den Wert setzt du mit M92 X99.01 und speicherst mit M500. Miss lieber über eine längere Strecke, zum Beispiel 100 mm, dann fallen Messfehler weniger ins Gewicht. Eine bebilderte Anleitung gibt es hier: Steps am ANet A8 kalibrieren.

Erst Mechanik, dann Zahlen

Bevor du Steps verbiegst, prüf die Riemenspannung und ob die Madenschrauben der Pulleys fest auf der flachen Seite der Motorwelle sitzen. Ein rutschender Pulley oder ein schlabbriger Riemen lässt sich mit keinem Wert der Welt wegrechnen.

Schritt 4: Den Extruder kalibrieren (E-Steps)

Die Standard-Steps des Extruders sind ganz normale, rechnerisch ermittelte Werte. Das Problem: Das Extruderrad ist nicht perfekt gefertigt, und die Federspannung wurde nicht berücksichtigt. Der Mitnehmer greift dadurch zu tief oder nicht tief genug ins Filament, und schon passt die Schritteinstellung nicht mehr zum Drucker. Deshalb ist auch hier eine Schrittanpassung des Extruders fällig.

  1. Hotend auf Drucktemperatur bringen, sonst blockiert die Firmware das Extrudieren.
  2. Am Filament 120 mm über dem Einzug eine Markierung setzen.
  3. Mit M83 auf relative Extrusion umstellen und G1 E100 F100 senden.
  4. Reststück bis zur Markierung messen. Sind es 20 mm, passt alles.
  5. Sind es zum Beispiel 22 mm, wurden nur 98 mm gefördert: 100 × 100 ÷ 98 = 102,04. Also M92 E102.04 und M500.

Schritt 5: Bed-Leveling – damals Papier, heute Mesh oder Sensor

Der ANet A8 kommt mit vier Rändelschrauben unter dem Heizbett. Der Klassiker ist die Papiermethode: Bett und Düse auf Temperatur bringen, alle vier Ecken anfahren und so lange drehen, bis ein Blatt Papier unter der Düse leicht schleift. Weil jede Schraube die anderen Ecken beeinflusst, brauchst du zwei bis drei Durchgänge.

Mit aktuellem Marlin hast du zwei Wege, Unebenheiten auszugleichen:

  • Mesh Bed Leveling (MESH_BED_LEVELING): Du tastest ein Raster von Punkten über das Display per Papiermethode ab, die Firmware gleicht die Höhenunterschiede beim Drucken aus. Ganz ohne zusätzliche Hardware.
  • Automatisches Leveling mit Sensor, etwa mit einem BLTouch oder einem induktiven Sensor (AUTO_BED_LEVELING_BILINEAR). Ein induktiver Sensor erkennt nur Metall, auf einer Glasplatte funktioniert er nicht zuverlässig.

Wichtig: Ein Mesh ersetzt kein grobes Ausrichten. Verzogene Rahmen oder ein schiefes X-Portal solltest du vorher mechanisch korrigieren.

Sicherheit: Heizbett-Anschlüsse und der MOSFET-Mod

Beim ANet A8 läuft der komplette Strom fürs Heizbett über das Mainboard. Die Stromanschlüsse dort sind für diese Last knapp bemessen, und im Netz gibt es zahlreiche Berichte über verschmorte oder durchgebrannte Stecker. Auch die MOSFETs auf dem Board gelten als unterdimensioniert.

Die bewährte Abhilfe ist ein externes MOSFET-Modul mit Kühlkörper. Das Board liefert dann nur noch das Schaltsignal, der hohe Strom fließt direkt vom Netzteil über das Modul zum Heizbett. Nebeneffekt: Das Bett wird spürbar schneller warm.

  • Verwende ausreichend dicke Kabel zwischen Netzteil, MOSFET und Bett.
  • Crimp Aderendhülsen auf die Litzen, statt die Enden zu verzinnen. Verzinnte Enden setzen sich in Schraubklemmen und werden locker.
  • Gib dem Heizbettkabel eine Zugentlastung, denn es bewegt sich bei jedem Druck mit.
  • Kontrolliere die Klemmen regelmäßig auf Verfärbungen.

Strom und Brandschutz

Am Netzteil liegen 230 Volt an. Arbeite nur mit gezogenem Netzstecker, achte auf einen angeschlossenen Schutzleiter und lass dir im Zweifel von einer Elektrofachkraft helfen. Lass den Drucker nicht unbeaufsichtigt laufen, und häng einen Rauchmelder in den Raum, in dem er steht.

Feintuning: Flow, Temperatur und Kühlung

Ist das alles erledigt, kannst du über deinen Kalibrierwürfel, Benchy oder was auch immer den Fluss des Filaments nachtrimmen, die optimalen Temperaturen herausfinden und dich mit der Bauteilkühlung beschäftigen.

  • Flow: Einen Würfel mit einer einzigen Wandlinie drucken und die Wandstärke messen. Ist sie 0,44 statt 0,40 mm, senkst du den Flow auf rund 91 Prozent.
  • Temperatur: Ein Temperaturturm zeigt dir in einem Druck, wo dein Filament am saubersten läuft. Jede Marke verhält sich ein bisschen anders.
  • Kühlung: Der Serienlüfter des A8 ist eher schwach. Ein besserer Lüfterkanal bringt bei Überhängen und Brücken oft mehr als jede Einstellung im Slicer.

Viel Spaß beim weiteren Tunen!

Aus heutiger Sicht (2026)

Der ANet A8 war um 2017 und 2018 einer der beliebtesten Billig-Bausätze und für viele die Eintrittskarte in den 3D-Druck. Wer damit klarkam, hat unterwegs eine Menge über Firmware, Mechanik und Elektrik gelernt.

Heute bringen schon günstige Drucker automatisches Leveling, Resonanzkompensation und einen stabilen Rahmen ab Werk mit. Wenn du noch einen A8 im Regal hast, lohnt sich das Kalibrieren als Lernprojekt immer noch. Viel Geld würde ich aber nicht mehr hineinstecken – außer in den MOSFET-Mod. Wie sich der Markt seitdem entwickelt hat, steht im Überblick zum 3D-Druck.

Häufige Fragen

Welche Firmware ist für den ANet A8 die beste?

Marlin in der aktuellen 2.1.x-Version. Sie hat eine fertige Beispielkonfiguration für den A8 und alle wichtigen Schutzfunktionen. Klipper ist ebenfalls möglich, braucht aber einen zusätzlichen Rechner wie einen Raspberry Pi.

Brauche ich den MOSFET-Mod wirklich?

Wenn du den Drucker weiter betreibst: ja. Er kostet wenig und nimmt die größte Last von den bekannten Schwachstellen auf dem Board. Eine aktuelle Firmware mit Thermal-Runaway-Schutz gehört trotzdem dazu.

Wie oft muss ich neu kalibrieren?

Nach dem Zusammenbau, nach Umbauten und wenn die Druckqualität ohne erkennbaren Grund nachlässt. Das Bed-Leveling solltest du öfter prüfen, besonders nach einem Transport.

Mein Fazit

Der ANet A8 ist kein Drucker, den man auspackt und vergisst – er will verstanden werden. Firmware, PID, Steps und E-Steps in der richtigen Reihenfolge machen aus ihm einen brauchbaren Drucker. Und wer ihn heute noch betreibt, sollte Firmware und MOSFET-Mod als Pflicht sehen, nicht als Kür.

Kommentare

5 Kommentare zu „ANet A8 richtig kalibrieren“

  1. Avatar von Ulrich Puskás
    Ulrich Puskás

    Hallo,

    Ich hab mir längere Gewindestangen und Linearachsen eingebaut um den Druckbereich in der Y-Achse zu vergrößern, natürlich hab ich auch die Druckbettgröße angepasst, wo kann ich jetzt den Y-Achsenzuwachs in der Firmware einstellen?
    Ich bedanke mich schon mal im Voraus
    Grüßle Uli

    1. Avatar von Patrick
      Patrick

      In der Configuration.h von Marlin hast du ein #define X_MAX_POS 200
      #define Y_MAX_POS 200
      #define Z_MAX_POS 250 definiert.

  2. Avatar von Christian Reichenthaler
    Christian Reichenthaler

    Hallo,
    ich bin seit 2 Wochen stolzer Besitzer eines AM8 und habe den Würfelam Wochenende gedruckt. Bei mir ist das Z nicht richtig gedruckt, X und Y sind ok. Was muss ich tun um ein gutes Druckergebnis zu erreichen?
    Viele Grüße aus dem Frankenland
    Christian

    1. Avatar von Patrick
      Patrick

      Aus der Kalten würde ich erstmal auf mehr Deckschichten tippen. Bei 0,2mm Schichtdicke mindestens 3, bei 0,1mm schon eher 5 oder 6. Ansonsten kann ich nur bei einem Bild mehr sagen. 😉

  3. Avatar von Christian Reichenthaler
    Christian Reichenthaler

    Hallo Patrick,
    danke für die Info. Ich versuche mal die Info zu testen und ein Foto zu machen.
    Danke Christian

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