ANet A8 richtig kalibrieren

Der ANet A8 ist ein beliebter Budget-3D-Drucker, der sich großer Beliebtheit erfreut – allerdings oft mit gemischten Gefühlen. Während einige Nutzer direkt nach dem Zusammenbau zufriedenstellende Ergebnisse erzielen, kämpfen andere mit Druckproblemen und enttäuschender Qualität. Der Hauptgrund liegt in den schwankenden Fertigungstoleranzen dieses Bausatzes. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Kalibrierung lässt sich aus dem ANet A8 ein zuverlässiger 3D-Drucker machen, der präzise und qualitativ hochwertige Drucke liefert. In diesem ausführlichen Leitfaden zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihren ANet A8 richtig kalibrieren und optimale Druckergebnisse erzielen.

Übersicht

Warum die Kalibrierung des ANet A8 so wichtig ist

Der ANet A8 ist ein Einstiegs-3D-Drucker im Bausatz-Format, der durch seinen günstigen Preis besticht. Doch genau hier liegt auch die Herausforderung: Die Fertigungstoleranzen sind oft großzügig ausgelegt, was bedeutet, dass Bauteile unterschiedlicher Qualität in den Bausätzen landen können. Pulleys können Über- oder Untermaß haben, Extruderritzel sind manchmal unsauber gefertigt, und die Riemenspannung variiert von Gerät zu Gerät.

⚠️ Sicherheitshinweis: Die Werks-Firmware des ANet A8 (oft aus dem Jahr 2014) verfügt nicht über wichtige Sicherheitsfunktionen wie Thermal Runaway Protection. Ein Firmware-Update sollte daher Ihre allererste Maßnahme sein, bevor Sie mit der Kalibrierung beginnen!

Die häufigsten Probleme beim unkalibriertem ANet A8

🔧 Ungleichmäßige Extruding

Zu viel oder zu wenig Filament wird extrudiert, was zu unsauberen Oberflächen und schwachen Schichten führt.

📏 Dimensionsungenauigkeiten

Gedruckte Objekte haben nicht die richtigen Maße – ein 20mm-Würfel wird 20,3mm oder 19,7mm groß.

🌡️ Temperaturschwankungen

Die Bang-Bang-Steuerung führt zu Schwankungen von bis zu 5°C, was sich im Druckbild bemerkbar macht.

⚡ Spannungsabfälle

Beim Einschalten des Heizbetts kommt es zu Spannungsabfällen, die die Schrittmotoren ungleichmäßig laufen lassen.

Schritt 1: Firmware-Update durchführen

Bevor Sie mit der eigentlichen Kalibrierung beginnen, ist ein Firmware-Update unerlässlich. Die aktuelle Marlin-Firmware bietet nicht nur Sicherheitsfunktionen, sondern auch erweiterte Kalibrierungsmöglichkeiten.

Vorteile der aktuellen Marlin-Firmware (Version 2.1.x):

  • Thermal Runaway Protection: Verhindert Brände durch defekte Temperatursensoren
  • PID-Tuning: Für präzise Temperaturregelung
  • Babystepping: Feineinstellung der Z-Achse während des Drucks
  • Mesh Bed Leveling: Kompensation von Unebenheiten im Druckbett
  • Linear Advance: Verbesserte Extruder-Steuerung für sauberere Kanten

So installieren Sie die neue Firmware

1 Arduino IDE installieren: Laden Sie die Arduino IDE von der offiziellen Website herunter und installieren Sie diese auf Ihrem Computer.
2 Marlin-Firmware herunterladen: Besuchen Sie die Marlin-GitHub-Seite und laden Sie die neueste Version herunter (aktuell 2.1.x).
3 Konfiguration anpassen: Öffnen Sie die Configuration.h und Configuration_adv.h Dateien und passen Sie diese für den ANet A8 an. Vorlagen finden Sie in der Marlin-Community.
4 Firmware kompilieren und hochladen: Verbinden Sie den Drucker per USB, wählen Sie das richtige Board (Arduino Mega 2560) und laden Sie die Firmware hoch.

Schritt 2: PID-Tuning für stabile Temperaturen

PID-Tuning ist ein Regelverfahren, das für konstante Temperaturen am Hotend und Heizbett sorgt. Die Standard-Bang-Bang-Steuerung schaltet die Heizung einfach ein und aus, sobald eine Temperaturschwelle erreicht wird. Das führt zu Schwankungen von bis zu 5°C. Mit PID-Tuning wird die Heizleistung kontinuierlich angepasst, was zu einer Stabilität von ±0,5°C führt.

Warum ist PID-Tuning so wichtig?

AspektBang-Bang (Standard)PID-Tuning
Temperaturschwankung±3-5°C±0,5°C
SpannungsabfälleStark spürbarMinimal
DruckqualitätUngleichmäßigKonstant hoch
VerschleißHöherGeringer

PID-Tuning für das Hotend durchführen

Verbinden Sie Ihren Drucker mit einem Computer und öffnen Sie ein Terminal-Programm wie Pronterface, Repetier-Host oder die Arduino Serial Monitor. Geben Sie folgende G-Code-Befehle ein:

M106 S255 ; Lüfter auf volle Leistung
M303 E0 S200 C8 ; PID-Tuning für Hotend bei 200°C, 8 Zyklen
M500 ; Werte im EEPROM speichern

Der Drucker führt nun mehrere Heiz- und Kühlzyklen durch. Nach Abschluss werden die optimalen PID-Werte angezeigt. Notieren Sie sich diese Werte (Kp, Ki, Kd).

PID-Tuning für das Heizbett

Wichtig: PID-Tuning für das Heizbett muss in der Firmware explizit aktiviert werden (PIDTEMPBED in Configuration.h). Ohne diese Aktivierung nutzt das Heizbett weiterhin Bang-Bang-Steuerung.
M303 E-1 S60 C8 ; PID-Tuning für Heizbett bei 60°C, 8 Zyklen
M500 ; Werte im EEPROM speichern

Schritt 3: Achsen kalibrieren (Steps/mm)

Die Achsenkalibrierung ist entscheidend für dimensionsgerechte Drucke. Aufgrund der Fertigungstoleranzen des ANet A8 stimmen die voreingestellten Steps/mm-Werte oft nicht mit der Realität überein. Ein Pulley kann statt 16mm Durchmesser 15,8mm oder 16,3mm haben, was zu erheblichen Abweichungen führt.

Benötigte Werkzeuge

  • Digitale Schieblehre oder Messschieber (Genauigkeit mindestens 0,1mm)
  • Permanentmarker
  • Taschenrechner
  • Terminal-Programm für G-Code-Eingabe

X- und Y-Achse kalibrieren

1 Ausgangswerte auslesen: Geben Sie M503 ein, um die aktuellen Steps/mm-Werte anzuzeigen. Notieren Sie die Werte für X, Y und Z (typischerweise 100 Steps/mm).
2 Markierung setzen: Markieren Sie die aktuelle Position des Druckkopfes mit einem Permanentmarker auf dem Druckbett oder platzieren Sie ein Lineal.
3 Testfahrt durchführen: Geben Sie G91 (relativer Modus) und dann G1 X100 F1000 ein. Der Druckkopf sollte nun exakt 100mm nach rechts fahren.
4 Tatsächliche Strecke messen: Messen Sie mit der Schieblehre die tatsächlich zurückgelegte Strecke. Angenommen, Sie messen 100,8mm.
5 Neue Steps berechnen: Verwenden Sie die Formel:
Neue Steps = (Alte Steps × Soll-Wert) ÷ Ist-Wert
Beispiel: (100 × 100) ÷ 100,8 = 99,21 Steps/mm
6 Neue Werte eintragen: Geben Sie M92 X99.21 ein und speichern Sie mit M500.
7 Verifizieren: Wiederholen Sie die Messung. Bei Bedarf nachjustieren.

Wiederholen Sie diesen Vorgang für die Y-Achse (G1 Y100 F1000) und die Z-Achse (G1 Z10 F500 – Achtung: nur 10mm!).

💡 Profi-Tipp: Führen Sie die Kalibrierung mehrmals durch und nehmen Sie den Durchschnitt. Temperaturunterschiede und mechanisches Spiel können einzelne Messungen verfälschen.

Schritt 4: Extruder-Steps kalibrieren (E-Steps)

Die Extruder-Kalibrierung ist einer der wichtigsten Schritte für gute Druckqualität. Selbst bei perfekt kalibrierten Achsen führt ein falsch eingestellter Extruder zu Over- oder Under-Extrusion. Beim ANet A8 sind die Standard-E-Steps oft ungenau, da Faktoren wie Federspannung, Ritzelqualität und Grip auf dem Filament stark variieren können.

Symptome falscher E-Steps

📈 Over-Extrusion

  • Blobs und Noppen auf der Oberfläche
  • Elefantenfuß bei der ersten Schicht
  • Verstopfte Düse
  • Raue Oberflächen

📉 Under-Extrusion

  • Lücken zwischen den Perimetern
  • Schwache Schichthaftung
  • Löcher in Top-Layern
  • Instabile Objekte

Extruder kalibrieren – Schritt für Schritt

1 Hotend aufheizen: Heizen Sie das Hotend auf Ihre Standard-Drucktemperatur (z.B. 200°C für PLA).
2 Filament vorbereiten: Entfernen Sie das Filament aus dem Hotend oder schneiden Sie es knapp oberhalb der Einzugsstelle ab.
3 Markierung setzen: Markieren Sie mit einem Permanentmarker eine Stelle 120mm oberhalb der Einzugsstelle am Extruder.
4 Filament extrudieren: Stellen Sie sicher, dass der Extruder im absoluten Modus ist (M82). Geben Sie dann ein:
G92 E0 (Extruder-Position zurücksetzen)
G1 E100 F100 (100mm Filament mit 100mm/min extrudieren)
5 Restliche Strecke messen: Messen Sie den Abstand von der Einzugsstelle bis zu Ihrer Markierung. Im Idealfall sollten noch 20mm übrig sein. Wenn Sie z.B. 22mm messen, wurden nur 98mm extrudiert.
6 Aktuelle E-Steps auslesen: Geben Sie M503 ein und notieren Sie den Wert bei „M92 E“ (Standard meist 96-100).
7 Neue E-Steps berechnen:
Neue E-Steps = (Alte E-Steps × Soll-Wert) ÷ Ist-Wert
Beispiel: (100 × 100) ÷ 98 = 102,04 E-Steps/mm
8 Neue Werte speichern: Geben Sie M92 E102.04 ein und speichern Sie mit M500.
9 Verifizieren: Wiederholen Sie den gesamten Vorgang zur Kontrolle.
🔍 Wichtig: Die E-Steps-Kalibrierung sollte für jede Filamentsorte überprüft werden, da unterschiedliche Filamente (PLA, PETG, ABS) unterschiedliche Reibungseigenschaften haben können. Zusätzlich kann sich die Federspannung am Extruder mit der Zeit verändern – kontrollieren Sie die E-Steps alle 3-6 Monate.

Schritt 5: Druckbett nivellieren (Bed Leveling)

Ein perfekt nivelliertes Druckbett ist die Grundlage für erfolgreiche Drucke. Beim ANet A8 erfolgt dies zunächst manuell über die vier Rändelschrauben unter dem Heizbett. Mit der richtigen Firmware können Sie anschließend Mesh Bed Leveling aktivieren, das kleinere Unebenheiten automatisch ausgleicht.

Manuelles Bed Leveling

1 Drucker vorbereiten: Heizbett und Hotend auf Betriebstemperatur bringen (z.B. 60°C/200°C), da sich Materialien bei Erwärmung ausdehnen.
2 Alle Ecken anfahren: Fahren Sie die vier Ecken des Druckbetts nacheinander an. Nutzen Sie dafür ein Blatt Papier als Abstandslehre.
3 Papiermethode: Das Papier sollte zwischen Düse und Bett leichten Widerstand haben – es sollte sich ziehen lassen, aber nicht zu locker sein.
4 Rändelschrauben justieren: Drehen Sie die Rändelschrauben, bis der Abstand in allen vier Ecken gleich ist. Arbeiten Sie sich diagonal vor (vorne links → hinten rechts → vorne rechts → hinten links).
5 Mittelpunkt prüfen: Fahren Sie den Mittelpunkt des Bettes an und prüfen Sie auch hier den Abstand. Bei großen Abweichungen ist das Bett verzogen.
6 Iterativ wiederholen: Da das Verstellen einer Schraube die anderen Ecken beeinflusst, wiederholen Sie den Vorgang 2-3 Mal.

Mesh Bed Leveling aktivieren

Mit der aktuellen Marlin-Firmware können Sie Mesh Bed Leveling nutzen, um Unebenheiten automatisch auszugleichen. Aktivieren Sie dazu in der Configuration.h die Option MESH_BED_LEVELING. Nach der Aktivierung führt der Drucker vor jedem Druck ein automatisches Leveling durch und erstellt eine Höhenkarte des Druckbetts.

Schritt 6: Flow-Rate und Retraction optimieren

Nach der grundlegenden Kalibrierung folgt die Feinabstimmung. Flow-Rate und Retraction-Einstellungen sind filament- und druckerspezifisch und müssen durch Testdrucke ermittelt werden.

Flow-Rate kalibrieren

Die Flow-Rate bestimmt, wie viel Filament tatsächlich extrudiert wird. Selbst bei perfekt kalibrierten E-Steps kann eine Anpassung nötig sein, da verschiedene Filamente unterschiedliche Eigenschaften haben.

1 Kalibrierungswürfel drucken: Drucken Sie einen hohlen Würfel mit einer Wandstärke von genau 0,4mm (bei 0,4mm Düse) und nur einer Perimeter-Linie.
2 Wandstärke messen: Messen Sie mit einer Schieblehre die tatsächliche Wandstärke an mehreren Stellen.
3 Flow anpassen: Ist die Wand z.B. 0,44mm dick (statt 0,4mm), reduzieren Sie den Flow auf 91% (0,4 ÷ 0,44 × 100).
4 Erneut testen: Drucken Sie den Testwürfel mit der neuen Flow-Rate und verifizieren Sie das Ergebnis.

Retraction-Einstellungen

Retraction verhindert Stringing (Fäden zwischen Druckbereichen). Die optimalen Werte hängen vom Extruder-Typ und Filament ab.

EinstellungStartwert ANet A8Typischer Bereich
Retraction Distance6,5mm5-8mm (Bowden)
Retraction Speed25mm/s20-40mm/s
Z-Hop0,2mm0,1-0,3mm

Drucken Sie einen Retraction-Tower-Test, um die optimalen Werte für Ihr Filament zu finden. Diese Testmodelle sind kostenlos verfügbar und ändern die Retraction-Einstellungen während des Drucks.

Schritt 7: Temperatur-Tuning

Die richtige Drucktemperatur variiert nicht nur zwischen verschiedenen Filamenten, sondern auch zwischen verschiedenen Herstellern desselben Materials. Nach der Kalibrierung sollten Sie die optimale Temperatur für Ihr Filament ermitteln.

Temperatur-Tower drucken

PLA

Temperaturbereich: 180-220°C

Starten Sie bei 190°C und testen Sie in 5°C-Schritten

PETG

Temperaturbereich: 220-250°C

Starten Sie bei 230°C und testen Sie in 5°C-Schritten

ABS

Temperaturbereich: 230-260°C

Starten Sie bei 240°C und testen Sie in 5°C-Schritten

TPU

Temperaturbereich: 210-230°C

Starten Sie bei 220°C und testen Sie in 5°C-Schritten

Worauf Sie achten sollten

  • Schichthaftung: Gute Verbindung zwischen den Layern
  • Überhänge: Saubere Überhänge ohne Durchhängen
  • Brücken: Filament sollte nicht durchhängen
  • Stringing: Minimale Fadenbildung zwischen Objekten
  • Oberflächenqualität: Glatte, gleichmäßige Oberfläche

Schritt 8: Teilekühlung optimieren

Der Standard-Radiallüfter des ANet A8 ist oft unterdimensioniert. Eine gute Teilekühlung ist besonders wichtig für Überhänge, Brücken und kleine Details. Die optimale Lüftergeschwindigkeit hängt vom Material ab.

Lüftereinstellungen nach Material

MaterialErste SchichtAb Schicht 2Überhänge/Brücken
PLA0-20%50-100%100%
PETG0%20-40%60%
ABS0%0-20%30%
TPU0%30-50%80%
⚠️ Hinweis zu ABS: ABS benötigt minimale Kühlung, da es sonst zu Warping und Schichtablösungen kommt. Verwenden Sie am besten ein beheiztes Gehäuse (Enclosure) beim ABS-Druck.

Abschließende Testdrucke und Validierung

Nach Abschluss aller Kalibrierungsschritte sollten Sie verschiedene Testdrucke durchführen, um die Qualität zu validieren:

Empfohlene Testmodelle

📦 Kalibrierungswürfel (20mm)

Prüft dimensionale Genauigkeit auf allen Achsen

Sollwert: ±0,1mm Toleranz

🚢 Benchy

Der Klassiker zum Testen von Überhängen, Brücken und Gesamtqualität

Druckzeit: ca. 1-2 Stunden

📐 Temperatur-Tower

Findet die optimale Drucktemperatur für Ihr Filament

Druckzeit: ca. 1-1,5 Stunden

🔗 Retraction-Test

Optimiert Retraction-Einstellungen gegen Stringing

Druckzeit: ca. 30-45 Minuten

Wartung und regelmäßige Nachkalibrierung

Die Kalibrierung ist kein einmaliger Vorgang. Mechanischer Verschleiß, Temperaturänderungen und verschiedene Filamente erfordern regelmäßige Überprüfungen.

Wartungsplan für optimale Druckqualität

📅 Vor jedem Druck: Bed Leveling überprüfen, besonders nach Transport des Druckers
📅 Wöchentlich: Riemenspannung prüfen, Achsen von Staub befreien, Z-Achse schmieren
📅 Monatlich: Alle Schrauben nachziehen, Lüfter reinigen, Düse reinigen oder wechseln
📅 Vierteljährlich: E-Steps neu kalibrieren, PID-Tuning wiederholen, Achsen-Kalibrierung überprüfen
📅 Bei Filamentwechsel: Flow-Rate anpassen, Temperatur neu ermitteln, Retraction überprüfen

Häufige Probleme und Lösungen

Problem: Erste Schicht haftet nicht

Mögliche Ursachen

  • Düse zu weit vom Bett entfernt
  • Bett nicht sauber
  • Heizbett zu kalt
  • Falsche First-Layer-Höhe

Lösungen

  • Bed Leveling wiederholen
  • Bett mit Isopropanol reinigen
  • Betttemperatur um 5-10°C erhöhen
  • Babystepping während des Drucks nutzen

Problem: Warping (Ecken lösen sich)

Mögliche Ursachen

  • Zu schnelle Abkühlung
  • Zugluft
  • Zu wenig Bett-Adhäsion
  • Falsches Material für Drucker

Lösungen

  • Betttemperatur erhöhen
  • Lüfter reduzieren/ausschalten
  • Brim oder Raft verwenden
  • Haftmittel auftragen (z.B. Haarspray)

Problem: Layer-Shifting (Schichten verschieben sich)

Mögliche Ursachen

  • Riemen zu locker
  • Schrittmotoren überhitzen
  • Zu hohe Druckgeschwindigkeit
  • Mechanische Blockaden

Lösungen

  • Riemen nachspannen
  • Motortreiber-Spannung prüfen
  • Beschleunigung reduzieren
  • Achsen auf Hindernisse prüfen

Upgrade-Empfehlungen für den ANet A8

Nach erfolgreicher Kalibrierung können Sie mit gezielten Upgrades die Druckqualität weiter verbessern:

Sinnvolle Upgrades nach Priorität

UpgradePrioritätGeschätzte KostenNutzen
MOSFET für Heizbett🔴 Sehr hoch5-10€Verhindert Überhitzung, erhöht Sicherheit
Bessere Teilekühlung🔴 Sehr hoch10-20€Deutlich bessere Überhänge und Details
Auto Bed Leveling (BLTouch)🟡 Mittel30-50€Automatisches Bed Leveling, spart Zeit
Aluminiumrahmen-Versteifung🟡 Mittel15-30€Reduziert Vibrationen, bessere Druckqualität
E3D V6 Hotend🟢 Niedrig20-40€Bessere Temperaturkonstanz, mehr Materialvielfalt
TMC2208 Stepper-Treiber🟢 Niedrig30-50€Leiser Betrieb, präzisere Bewegungen

Zusammenfassung: Der Weg zum perfekt kalibrierten ANet A8

Die Kalibrierung des ANet A8 ist ein mehrstufiger Prozess, der Geduld und Sorgfalt erfordert. Doch die investierte Zeit zahlt sich durch deutlich bessere Druckqualität und weniger Fehldrucke aus. Folgen Sie dieser Checkliste in der angegebenen Reihenfolge:

  • Firmware auf aktuelle Marlin-Version aktualisieren
  • PID-Tuning für Hotend und Heizbett durchführen
  • X-, Y- und Z-Achsen kalibrieren (Steps/mm)
  • Extruder-Steps (E-Steps) präzise einstellen
  • Druckbett manuell nivellieren
  • Flow-Rate und Retraction optimieren
  • Optimale Drucktemperatur ermitteln
  • Teilekühlung an Material anpassen
  • Mit Testdrucken validieren
  • Regelmäßige Wartung und Nachkalibrierung
🎯 Erfolgskriterium: Ein gut kalibrierter ANet A8 kann Objekte mit einer Genauigkeit von ±0,1mm drucken und produziert saubere Oberflächen ohne Stringing oder Layer-Probleme. Mit der richtigen Einstellung steht der Drucker teureren Modellen in puncto Druckqualität kaum nach!

Dokumentieren Sie Ihre finalen Einstellungen für verschiedene Filamente in einer Tabelle oder einem Notizbuch. Das spart Zeit bei zukünftigen Drucken und hilft bei der Fehlersuche, wenn sich die Druckqualität verschlechtert.

Wie oft muss ich meinen ANet A8 kalibrieren?

Eine vollständige Kalibrierung sollten Sie nach dem ersten Zusammenbau, nach größeren Modifikationen und etwa alle 3-6 Monate durchführen. Das Bed Leveling sollten Sie vor jedem Druck oder zumindest wöchentlich überprüfen. Die E-Steps sollten Sie bei jedem Filamentwechsel kontrollieren, besonders wenn Sie zwischen verschiedenen Herstellern oder Materialien wechseln. Regelmäßige Wartung und kleine Nachkalibrierungen sind der Schlüssel zu konstant guter Druckqualität.

Warum sind die Steps/mm beim ANet A8 oft ungenau?

Der ANet A8 ist ein Budget-3D-Drucker mit großzügigen Fertigungstoleranzen. Die Pulleys können Durchmesserabweichungen von ±0,2mm haben, Riemen können sich unterschiedlich stark dehnen, und die Extruderritzel sind oft nicht präzise gefertigt. Diese Toleranzen summieren sich und führen zu Abweichungen bei den voreingestellten Steps/mm-Werten. Durch manuelle Kalibrierung können Sie diese Ungenauigkeiten kompensieren und dimensionsgerechte Drucke erzielen.

Was ist der Unterschied zwischen PID-Tuning und Bang-Bang-Steuerung?

Bang-Bang-Steuerung ist eine einfache An/Aus-Regelung: Wenn die Temperatur unter den Sollwert fällt, wird die Heizung eingeschaltet, bei Überschreitung ausgeschaltet. Das führt zu Temperaturschwankungen von ±3-5°C und starken Spannungsabfällen beim Heizbett. PID-Tuning nutzt einen intelligenten Algorithmus mit drei Parametern (Proportional, Integral, Derivative), der die Heizleistung kontinuierlich anpasst. Das Ergebnis sind stabile Temperaturen mit nur ±0,5°C Schwankung, gleichmäßigere Motorleistung und bessere Druckqualität.

Welche Firmware sollte ich für den ANet A8 verwenden?

Die aktuelle Marlin-Firmware (Version 2.1.x) ist die beste Wahl für den ANet A8. Sie bietet wichtige Sicherheitsfunktionen wie Thermal Runaway Protection, die in der Werks-Firmware fehlen. Zusätzlich erhalten Sie Funktionen wie PID-Tuning, Babystepping, Mesh Bed Leveling und Linear Advance. Einige Nutzer verwenden auch Klipper-Firmware für noch bessere Performance, allerdings erfordert dies einen Raspberry Pi. Für Einsteiger ist Marlin die empfohlene und am besten dokumentierte Option.

Wie erkenne ich, ob meine E-Steps korrekt eingestellt sind?

Falsche E-Steps zeigen sich durch Over- oder Under-Extrusion. Bei Over-Extrusion sehen Sie Blobs auf der Oberfläche, einen ausgeprägten Elefantenfuß, raue Oberflächen und eventuell Düsenverstopfungen. Under-Extrusion äußert sich durch Lücken zwischen den Perimetern, schwache Schichthaftung, Löcher in Top-Layern und instabile Objekte. Der beste Test ist die Messmethode: Markieren Sie 120mm oberhalb des Extruders, lassen Sie 100mm extrudieren und messen Sie den Rest. Bleiben genau 20mm übrig, sind die E-Steps korrekt. Jede Abweichung muss korrigiert werden.

Kommentare

5 Kommentare zu „ANet A8 richtig kalibrieren“

  1. Avatar von Ulrich Puskás
    Ulrich Puskás

    Hallo,

    Ich hab mir längere Gewindestangen und Linearachsen eingebaut um den Druckbereich in der Y-Achse zu vergrößern, natürlich hab ich auch die Druckbettgröße angepasst, wo kann ich jetzt den Y-Achsenzuwachs in der Firmware einstellen?
    Ich bedanke mich schon mal im Voraus
    Grüßle Uli

    1. Avatar von Patrick
      Patrick

      In der Configuration.h von Marlin hast du ein #define X_MAX_POS 200
      #define Y_MAX_POS 200
      #define Z_MAX_POS 250 definiert.

  2. Avatar von Christian Reichenthaler
    Christian Reichenthaler

    Hallo,
    ich bin seit 2 Wochen stolzer Besitzer eines AM8 und habe den Würfelam Wochenende gedruckt. Bei mir ist das Z nicht richtig gedruckt, X und Y sind ok. Was muss ich tun um ein gutes Druckergebnis zu erreichen?
    Viele Grüße aus dem Frankenland
    Christian

    1. Avatar von Patrick
      Patrick

      Aus der Kalten würde ich erstmal auf mehr Deckschichten tippen. Bei 0,2mm Schichtdicke mindestens 3, bei 0,1mm schon eher 5 oder 6. Ansonsten kann ich nur bei einem Bild mehr sagen. 😉

  3. Avatar von Christian Reichenthaler
    Christian Reichenthaler

    Hallo Patrick,
    danke für die Info. Ich versuche mal die Info zu testen und ein Foto zu machen.
    Danke Christian

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