Im August 2007 hab ich mir eine MP3 zum dritten Mal reingezogen und dabei ein ganz breites Grinsen im Gesicht gehabt. Darin versucht ein 14-Jähriger, ein „paar“ Server für seinen Clan gesponsert zu bekommen. Und das auch noch für Counter-Strike. Schon verwunderlich, was so ein Kiddy alles anstellt, um an Server zu kommen. Hier die Geschichte dazu und warum das damals gar nicht so abwegig war.
Die MP3, die mich zum Lachen brachte
Ehrlich, das war zum Schießen. Ich hab mich beim Zuhören bestens amüsiert, und genau deshalb lief die Datei bei mir auch gleich dreimal. Die Aufnahme hatte ich damals direkt hier im Blog eingebunden. Die Datei gibt es inzwischen nicht mehr, und ehrlich gesagt ist das auch gut so – dazu weiter unten mehr.
Aus heutiger Sicht ist der Aufwand gar nicht so abwegig. Für einen Clan war ein eigener Server damals so etwas wie das Vereinsheim für den Fußballclub: Ohne ging es kaum.
Warum ein Clan 2007 Server brauchte
Um das zu verstehen, musst du dich kurz ins Jahr 2007 zurückversetzen. Counter-Strike war damals in zwei Versionen populär, als 1.6 und als Counter-Strike: Source. Gespielt wurde nicht über ein zentrales Matchmaking, sondern auf Servern, die Spieler, Clans oder Firmen selbst betrieben.
Ein ordentlicher Clan brauchte deshalb einiges:
- Einen eigenen Gameserver, auf dem man trainieren und Clanwars gegen andere Clans austragen konnte. Den mietete man meist monatlich bei einem Hoster.
- Einen Voice-Server wie TeamSpeak oder Ventrilo, damit man sich während des Spiels absprechen konnte.
- Eine Clan-Homepage mit Mitgliederliste, Kalender für die nächsten Wars und natürlich einem Forum.
All das kostete Geld, jeden Monat. Für Schüler mit Taschengeld war das eine echte Hürde. Kein Wunder also, dass viele Clans nach Sponsoren suchten. Naheliegende Ansprechpartner waren Gameserver-Hoster oder Hardware-Shops.
Kiddy, Clan, Clanwar
„Kiddy“ war in der Szene der leicht abfällige Ausdruck für junge Spieler, die vor allem durch große Klappe auffielen. Ein Clan war ein fester Zusammenschluss von Spielern mit eigenem Kürzel im Namen. Ein Clanwar war ein verabredetes Match zweier Clans, oft im Rahmen einer Liga wie der ESL.
Was heute anders ist
Counter-Strike gibt es immer noch, inzwischen als Counter-Strike 2, das am 27. September 2023 den Vorgänger Counter-Strike: Global Offensive abgelöst hat. Valve bietet eigenes Matchmaking mit Ranglisten, dazu kommen Plattformen wie FACEIT. Wer einfach nur spielen will, braucht keinen eigenen Server mehr.
Community-Server gibt es trotzdem weiterhin, etwa für eigene Spielmodi oder Trainings. Die Sprachkommunikation ist zu großen Teilen zu Discord gewandert, das für normale Nutzer kostenlos ist. Aus den Clans von damals sind oft „Teams“ oder „Orgs“ geworden, und die Clan-Homepage ist ein Discord-Server mit ein paar Kanälen.
Sponsoring wiederum ist eine Nummer größer geworden. Im professionellen E-Sport geht es um Millionenbeträge, Trikots mit Sponsorenlogos und ganze Marketingabteilungen. Für Amateure bleibt es dagegen meist bei Rabattcodes oder Sachleistungen wie einem Headset.
So fragst du heute nach Sponsoring
Falls du selbst ein Team hast oder streamst und über Sponsoring nachdenkst, hilft ein Perspektivwechsel: Ein Sponsor will etwas zurück, meistens Sichtbarkeit. Damit deine Anfrage nicht im Papierkorb landet:
- Zeig Reichweite: Follower, Zuschauerzahlen, Turnierergebnisse. Ohne Publikum gibt es nichts zu sponsern.
- Biete etwas an: Logo im Stream-Overlay, Erwähnung in Videos, Link in der Beschreibung.
- Tritt professionell auf: eine kurze, freundliche Mail mit einer Seite Infos über dich oder dein Team, ohne Rechtschreib-Massaker.
- Fang klein an: Lokale Läden oder kleine Hersteller sagen eher Ja als große Marken.
- Benimm dich: Sponsoren schauen sich an, wie du im Chat und im Spiel auftrittst.
Minderjährige und Verträge
Wer unter 18 ist, kann in Deutschland in der Regel nur mit Zustimmung der Eltern wirksam Verträge schließen. Das gilt auch für Sponsoringverträge. Und wenn du als Streamer gesponserte Produkte zeigst, musst du das als Werbung kennzeichnen.
Warum ich so eine Aufnahme heute nicht mehr teilen würde
2007 hab ich mir über so etwas wenig Gedanken gemacht. Heute sehe ich das anders. Ein 14-Jähriger, der sich um Sponsoren bemüht, ist zwar lustig, aber eben auch ein Kind, das nicht gefragt wurde, ob halb das Internet darüber lacht.
Dazu kommt das Rechtliche: Gespräche ohne Einverständnis aufzunehmen oder solche Aufnahmen zu verbreiten, kann in Deutschland nach § 201 StGB strafbar sein. Und Aufnahmen von Minderjährigen ins Netz zu stellen, berührt ihre Persönlichkeitsrechte. Wenn dir so etwas heute über den Weg läuft: Lach ruhig, aber lad es nicht weiter hoch.
Wer Lust auf mehr Zockerei aus der Zeit hat: Kurz vorher hatte ich mich über Hurrican, das Remake von Turrican, gefreut, und ein Jahr später war ich bei der Beta von Kickster, dem Online-Street-Soccer, dabei.
Mein Fazit
Die Sponsoring-MP3 war für mich 2007 ein echter Lacher und zeigt im Rückblick schön, wie viel Aufwand Clans damals für ein bisschen Infrastruktur betreiben mussten. Heute braucht kein 14-Jähriger mehr einen eigenen Server, um Counter-Strike zu spielen. Und ich würde so eine Aufnahme nicht mehr verbreiten, so lustig sie auch war.
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