Im August 2007 bin ich über etwas richtig Witziges gestolpert: Smilies für jede PageRank-Stufe. Viele haben sich damals beinahe die Beine ausgerissen, um wenigstens ein bisschen Grün im PageRank-Balken zu erhaschen. Da kamen grüne Gesichtskugeln, die das Ganze auf die Schippe nehmen, genau richtig. Hier steht, was es mit dem Balken auf sich hatte und was davon übrig ist.
Die grünen Gesichtskugeln
Gefunden hatte ich die Smilies bei Greensmilies, einer Seite mit einer ganzen Armee grüner Figuren. Dort gab es gleich mehrere PageRank-Smilies, und am besten gefiel mir der zu PageRank 3. Herrlich.
Viele meinten ja, Tee sei optimal für die Wartezeit aufs nächste PageRank-Update. Ich bevorzugte da lieber Bier. Und beim Stöbern fiel mir auf: Ich musste dringend meine eigenen Smilies im Blog austauschen. Auf der Seite gab es nämlich noch jede Menge anderer lustiger Figuren, schlimmer als bei den Schlümpfen.
Die Seite von damals ist inzwischen leider nicht mehr erreichbar.
Was war der grüne Balken?
Wer 2007 eine Website betrieb, hatte oft die Google Toolbar im Browser. Darin saß ein kleiner Balken, der für jede besuchte Seite einen Wert von 0 bis 10 anzeigte: den Toolbar-PageRank. Je grüner der Balken, desto wichtiger fand Google die Seite – so zumindest die Lesart.
Dahinter steckte der PageRank-Algorithmus, benannt nach Google-Mitgründer Larry Page. Die Grundidee ist einfach: Ein Link ist eine Art Stimme. Eine Seite, auf die viele andere Seiten verlinken, ist wahrscheinlich wichtig. Und eine Stimme von einer wichtigen Seite zählt mehr als die von einer unbedeutenden.
Warum PageRank 3 gar nicht so schlecht war
Die Skala in der Toolbar galt als logarithmisch. Von PageRank 3 auf 4 zu kommen, war also deutlich schwerer als von 2 auf 3, und die Abstände wurden nach oben immer größer. Werte von 9 oder 10 hatten nur ganz große Seiten. Für einen kleinen Blog war eine 3 durchaus ein Grund zum Anstoßen, mit Tee oder Bier.
Warten auf das PageRank-Update
Der angezeigte Wert war nie live. Google aktualisierte den Toolbar-PageRank nur ein paar Mal im Jahr, und zwar ohne Ankündigung. Entsprechend nervös wurde in Blogs und Foren spekuliert, wann das nächste Update kommt. Fiel der Balken plötzlich grüner aus, wurde gefeiert. Fiel er grauer aus, wurde gerätselt.
Das hatte auch handfeste Gründe: Ein hoher PageRank war bares Geld wert. Links von Seiten mit viel Grün wurden gehandelt, Blogs mit gutem PageRank bekamen Angebote für bezahlte Beiträge. Wie sehr das Thema damals alle beschäftigte, zeigt auch mein Beitrag Mein Blog ist was wert. Und im Oktober 2007 griff Google durch und senkte bei vielen Linkverkäufern den angezeigten Wert, ich habe das im Beitrag Qualitätsmerkmal PR kitten? kommentiert.
Wie viel Aufwand Leute damals in Links gesteckt haben, zeigt auch mein Versuch, Technorati einen Link aus dem Kreuz zu leiern.
Was ist aus dem PageRank geworden?
Der öffentliche PageRank ist Geschichte. Google hat den Wert in der Toolbar über Jahre immer seltener aktualisiert und schließlich 2016 ganz abgeschaltet. Seit April 2016 zeigt Google nirgends mehr öffentlich einen PageRank an.
Verschwunden ist die Idee dahinter aber nicht. Google hat mehrfach durchblicken lassen, dass PageRank intern weiterhin eine Rolle spielt, nur eben als ein Signal unter vielen und ohne öffentliche Zahl. Links sind also nach wie vor wichtig, aber ein einzelner Wert, auf den alle starren, existiert nicht mehr.
Womit man heute misst
Die Lücke haben kommerzielle SEO-Tools gefüllt. Bekannte Kennzahlen sind etwa die Domain Authority von Moz, das Domain Rating von Ahrefs oder im deutschsprachigen Raum der Sichtbarkeitsindex von Sistrix.
Kennzahlen richtig einordnen
Diese Werte sind Schätzungen der jeweiligen Anbieter, keine Google-Daten. Sie eignen sich gut, um Seiten grob zu vergleichen oder die eigene Entwicklung zu verfolgen. Als Ziel an sich taugen sie so wenig wie damals der grüne Balken. Was Google tatsächlich über deine Seite denkt, siehst du am ehesten in der Search Console an Impressionen und Klicks.
Mein Fazit
Die PageRank-Smilies haben 2007 perfekt eingefangen, wie verbissen viele um ein bisschen Grün gekämpft haben. Heute würde ich keinem Wert hinterherjagen, der sich in einer einzelnen Zahl ausdrücken lässt. Das Bier fürs Warten trinke ich trotzdem gern, nur eben nicht mehr auf ein PageRank-Update.
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