Im Oktober 2007 ging ein Raunen durch die Internetgemeinde: Google hatte bei etlichen bekannten Websites den sichtbaren PageRank gesenkt. Selbst Zeit Online war betroffen, und man konnte seine Strichliste mit großen Namen fleißig weiterführen. Hier liest du, was damals passiert ist, was ich mir dazu gedacht habe und was aus dem PageRank bis heute geworden ist.
Was war im Oktober 2007 los?
Google hatte reihenweise Seiten abgewertet, die Textlinks verkauften. Getroffen hat es neben Zeit Online unter anderem golem.de, die Netzeitung, etracker, Heise Telepolis und in den USA Schwergewichte wie die Washington Post, Forbes und Engadget. Golem rutschte laut damaligen Berichten von 6 auf 4, etracker sogar von 8 auf 5. Meist ging es um zwei oder drei Punkte nach unten, und auch viele kleinere Blogs bekamen ihr Fett weg. Der Blog SEO Blogger hatte damals eine ganze Sammlung weiterer Beispiele zusammengetragen.
Der Hintergrund: Wer Links verkauft, die PageRank vererben, verstößt gegen Googles Richtlinien. Gekaufte Links sollen das Ranking nicht beeinflussen. Mit der Aktion setzte Google ein deutliches Zeichen gegen den florierenden Linkhandel.
Meine Gedanken von damals
Krasse Sache, dachte ich. Jetzt ging es allen an den Kragen, die Links in irgendeiner Form verkauften. Nach meinem Verständnis mussten dadurch natürliche Links deutlich relevanter und vor allem interessanter werden. Ich wusste doch, dass Google hinter verschlossener Tür etwas ausheckt – nun war es raus.
Mich beschäftigten damals vor allem ein paar Fragen:
- Wollte Google den PageRank wieder als Statussymbol etablieren? Man hörte ja allzu oft, dass man PR von überall her bekommen könne und er deshalb nichts mehr wert sei. Da musste sich Herr Page wohl sehr geärgert haben.
- Wird ein hoher PR jetzt schwerer zu bekommen? Zumindest teurer würde es auf jeden Fall.
- War das nur ein sinnloser Rundumschlag auf alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war?
- Oder gar keine Bestrafung, sondern „nur“ eine Neuaufteilung?
Fragen über Fragen. Mal sehen, was die Zeit bringt, schrieb ich damals. Inzwischen wissen wir es.
Was ist PageRank überhaupt?
PageRank ist der Algorithmus, mit dem Google groß geworden ist. Entwickelt haben ihn Larry Page und Sergey Brin Ende der Neunzigerjahre an der Stanford University. Der Name ist übrigens ein Wortspiel: Er steht für das Ranking von Webseiten und zugleich für Larry Page – daher mein „Herr Page“.
Die Idee: Ein Link ist wie eine Empfehlung. Je mehr Seiten auf dich verlinken und je wichtiger diese Seiten selbst sind, desto höher dein PageRank. Ein Link von einer großen Nachrichtenseite zählte also deutlich mehr als einer von einem frischen Hobbyblog.
Die Google Toolbar zeigte diesen Wert als grünen Balken von 0 bis 10 an. Genau das machte ihn zum Statussymbol unter Bloggern und gleichzeitig zur Währung im Linkhandel. Wer einen Blog mit PR 5 hatte, konnte Links teuer verkaufen – bis Google im Herbst 2007 den Riegel vorschob.
Was ist aus dem PageRank geworden?
Den öffentlich sichtbaren PageRank gibt es nicht mehr. Google hat die Anzeige jahrelang nur noch selten aktualisiert, das letzte Update gab es Ende 2013. Im März 2016 bestätigte Google, die Toolbar-Anzeige abzuschalten, Mitte April 2016 war sie endgültig verschwunden.
Intern lebt die Idee aber weiter. PageRank ist bei Google weiterhin ein Signal unter vielen, nur sieht ihn eben niemand mehr. Den Kampf gegen gekaufte Links hat Google seit 2007 deutlich ausgebaut: 2012 kam das Penguin-Update, das gezielt Linkspam abstrafte und seit 2016 fester Teil des Algorithmus ist. 2019 führte Google eigene Kennzeichnungen für bezahlte Links ein.
Domain Authority, Domain Rating und Co.
Weil der grüne Balken fehlt, nutzen viele heute Kennzahlen von SEO-Tools wie Moz oder Ahrefs. Die versuchen, die Linkstärke einer Seite nachzubilden. Mit Googles eigener Bewertung haben sie aber nichts zu tun. Es sind Schätzungen von Drittanbietern, nicht mehr und nicht weniger.
Links kaufen und verkaufen – was gilt heute?
Gesponserte Beiträge sind nicht verboten. Entscheidend ist, dass bezahlte Links für Suchmaschinen gekennzeichnet sind, am besten mit rel=„sponsored“ oder alternativ mit rel=„nofollow“. Dann vererben sie keine Linkkraft, und Google hat kein Problem damit.
Für deine Leser gilt zusätzlich: Werbung muss als Werbung erkennbar sein. Ein gesponserter Beitrag gehört also klar als „Anzeige“ oder „Werbung“ markiert. Wer bezahlte Links ohne Kennzeichnung verkauft, riskiert Ärger mit Google und unter Umständen auch rechtlich.
Was heute für gute Links zählt
- Inhalte, die man gern verlinkt: Anleitungen, eigene Erfahrungen, echte Daten.
- Relevanz statt Zahlen: Ein Link von einem passenden Fachblog bringt mehr als zehn von irgendwelchen Linkfarmen.
- Echte Besucher: Ein guter Link bringt Leute, die klicken. Das ist der eigentliche Wert.
- Ehrlich kennzeichnen: Bezahltes immer als solches markieren.
Häufige Fragen
Gibt es den Google PageRank noch?
Als öffentlich sichtbaren Wert nicht. Die Toolbar-Anzeige hat Google 2016 abgeschaltet. Intern nutzt Google die Idee hinter PageRank aber weiterhin als eines von vielen Signalen.
Kann ich den PageRank meiner Seite noch prüfen?
Nein. Tools, die heute einen „PageRank“ anzeigen, berechnen eigene Werte oder zeigen veraltete Daten. Für die echte Sicht von Google auf deine Seite ist die kostenlose Google Search Console die beste Quelle.
Sind gekaufte Links verboten?
Nicht grundsätzlich. Sie verstoßen aber gegen Googles Richtlinien, wenn sie ohne Kennzeichnung Linkkraft vererben sollen. Mit rel=„sponsored“ oder nofollow und einer klaren Werbekennzeichnung bist du auf der sicheren Seite.
Zahlenspiele von damals
Wie wichtig uns Bloggern der grüne Balken damals war, zeigt schon mein Beitrag über PageRank-Smilies. Und ein paar Wochen vorher hatte mir ein Rechner bescheinigt, dass mein Blog was wert sei. Und wie man sich bei Technorati einen Link aus dem Kreuz leiern konnte, hab ich kurz darauf aufgeschrieben. Heute wirken diese Zahlenspiele fast niedlich.
Mein Fazit
Im Rückblick hatte ich 2007 ganz gut geraten: Natürliche Links sind tatsächlich wichtiger geworden, gekaufte riskanter. Den PageRank als Statussymbol hat Google aber nicht wiederbelebt, sondern abgeschafft. Ich finde das richtig – so zählt wieder, ob ein Link Menschen weiterhilft.
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