Wie Technorati einen Link aus dem Kreuz leiern?

Technorati setzte 2007 überall nofollow – bis ich einen Schleichweg zu echten Links fand. Was aus dem Trick, dem Uni-Link-Mythos und Technorati selbst wurde.

3–5 Minuten

Ich hab mich das 2007 eine ganze Weile gefragt: Wie kriegt man von Technorati einen Link, der auch zählt? Das eigene Profil war komplett mit nofollow zugekleistert, die Infoseiten sahen nicht besser aus. Und dann bin ich doch fündig geworden. Hier steht, wie der Trick funktionierte, warum er heute niemanden mehr interessiert und was aus Technorati geworden ist.

Was war Technorati?

Wer Mitte der 2000er gebloggt hat, kam an Technorati nicht vorbei. Die Seite war so etwas wie das Google der Blogosphäre: eine Suchmaschine nur für Blogs, die mitbekam, wer wen verlinkt. Du konntest deinen Blog dort „claimen“, also als deinen eigenen eintragen, und bekamst einen Authority-Wert, der sich aus der Zahl der verlinkenden Blogs ergab. Dazu gab es Ranglisten der meistverlinkten Blogs und eine Tag-Suche.

Für viele Blogger war die Technorati-Authority das, was für SEOs der PageRank war: eine Zahl zum Vergleichen, Angeben und Verzweifeln.

Der Trick von damals

Draufgekommen bin ich, als ich mal wieder nach mir selbst gegoogelt habe. Ziemlich schizophren, oder? Zum Glück nur eine rhetorische Frage. Jedenfalls tauchte dabei eine Technorati-Adresse nach dem Muster s.technorati.com/ auf. Da hängst du einfach noch einen schönen Blog dran. Ich bin ja ein großzügiger Mensch, also nehmen wir meinen damaligen Blog patrick.mehner.mobasi.com.

Und bahm: viele kleine Links ohne nofollow. Ist doch nett, oder? Auf meinem Mist gewachsen war das natürlich nicht, ich hatte es nur beim Selbst-Googeln entdeckt. Mein Kommentar damals: Mal sehen, wie lange das funzt.

Gelohnt hat sich so etwas aus heutiger Sicht ohnehin nie lange. Solche Schlupflöcher wurden meist schnell gestopft, und Google wurde in den Jahren danach immer besser darin, Links aus Profilen, Verzeichnissen und automatisch erzeugten Seiten einfach zu ignorieren.

Was nofollow eigentlich soll

Das Attribut rel="nofollow" hat Google im Januar 2005 gemeinsam mit anderen Suchmaschinen eingeführt. Der Grund war Kommentarspam: Wenn Links in Kommentaren nichts mehr bringen, lohnt sich das Zuspammen nicht mehr. Plattformen wie Technorati haben es dann großzügig auf alles gepappt, was Nutzer selbst eintragen konnten.

Im September 2019 hat Google die Regeln umgebaut:

  • rel="sponsored" kennzeichnet bezahlte Links und Werbung.
  • rel="ugc" steht für nutzergenerierte Inhalte wie Kommentare und Forenbeiträge.
  • rel="nofollow" bleibt für alles, dem du keine Empfehlung mitgeben willst.

Gleichzeitig wurden alle drei vom Befehl zum Hinweis. Google entscheidet seitdem selbst, ob es so einen Link fürs Ranking berücksichtigt, und seit März 2020 auch, ob es ihm beim Crawlen und Indexieren folgt.

Warum das für dich als Blogger zählt

Bezahlte oder getauschte Links, die du nicht kennzeichnest, verstoßen gegen Googles Spam-Richtlinien. Wenn du also einen Partner- oder Werbelink setzt, gehört ein sponsored oder nofollow dran. Kommentarlinks markiert WordPress von Haus aus.

Der Mythos von den Uni-Links

Jojo von Internetmarketing-News hatte sich damals mit Links von Hochschulseiten beschäftigt. Um die rankten sich viele Mythen. Einer davon: Die 500 MB Gratis-Webspace, die Studenten bei ihrer Uni bekamen, würden einer verlinkten Seite richtig viel Trust bringen, weil die Hochschul-Domain so vertrauenswürdig sei.

Meine Meinung dazu war schon 2007 eindeutig: Kannst du vergessen, sobald der Webmaster ein wenig Ahnung vom SEO-Geschäft hat. Daran hat sich nichts geändert. Nach allem, was Google öffentlich dazu gesagt hat, bekommt ein Link keinen Sonderbonus, nur weil er von einer Hochschul-Domain kommt. Was zählt, ist, ob die Seite selbst Gewicht hat und der Link redaktionell sinnvoll gesetzt ist. Eine Studenten-Spielwiese mit drei Unterseiten hat beides nicht.

Was ist aus Technorati geworden?

Technorati hat sich mit der Blogosphäre gewandelt und am Ende nicht überlebt, jedenfalls nicht als Blogsuche. 2014 hat die Seite aufgehört, Blogs zu indexieren und Authority-Werte zu vergeben, und sich auf Publishing und Werbung verlegt. 2016 kaufte der US-Konzern Synacor Technorati für rund drei Millionen Dollar, um sein Werbetechnik-Geschäft auszubauen. Mit der Blogsuchmaschine von damals hat das nichts mehr zu tun.

Den Rest erledigten Social Media und die immer bessere Google-Suche. Ob ein Blog relevant ist, misst heute niemand mehr mit einer einzigen Zahl auf einer zentralen Plattform.

Was heute statt Link-Tricks hilft

Wenn du deinen Blog heute sichtbar machen willst, bringen dir Schleichwege über Profilseiten nichts. Sinnvoller sind:

  • Inhalte, die jemand verlinken will, etwa ausführliche Anleitungen, eigene Messungen oder Erfahrungen, die es so nirgends gibt.
  • Echte Kontakte in deiner Nische: Gastbeiträge, Interviews oder ein Hinweis an jemanden, für den dein Artikel wirklich nützlich ist.
  • Die Google Search Console: Dort siehst du, welche Seiten indexiert sind, für welche Suchanfragen du auftauchst und wer auf dich verlinkt.

Wie hart Google mit gekauften Links umgehen kann, hatte sich übrigens schon im Oktober 2007 gezeigt, als etliche Seiten bei der PageRank-Abstrafung für Linkverkäufer Federn lassen mussten.

Mein Fazit

Der Technorati-Trick war ein typisches Kind seiner Zeit: kurz lustig, schnell vorbei und im Rückblick ziemlich egal. Heute würde ich keine Minute mehr in solche Schlupflöcher stecken. Ein guter Artikel, den jemand freiwillig verlinkt, bringt mehr als hundert Links von Profilseiten.

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