Online Street Soccer

2008 durfte ich in die Beta von Kickster, einem Online-Straßenfußball mit Avataren und Itemshop. Was daraus wurde und wo du heute online kickst.

4–6 Minuten

Ich bin dabei, Goooaaal! Im Sommer 2008 bekam ich einen Zugang zur Beta von Kickster, einem Online-Straßenfußball für den PC. Der Christian von endoflevelboss.de hatte ein paar Beta-Keys an die Ersten verteilt, die sich per Kommentar gemeldet hatten, und ich war schnell genug. Hier erzähle ich, wie sich das Spiel damals anfühlte, was aus Kickster geworden ist und wo du heute online kicken kannst.

Worum ging es bei Kickster?

Um Fußball, ist doch klar. Allerdings nicht im großen Stadion mit elf gegen elf, sondern als Straßenfußball in kleinen Teams. Laut der damaligen Spielbeschreibung traten online zwei gegen zwei oder drei gegen drei an. Gespielt wurde an Orten wie einer Lagerhalle, einer U-Bahn-Station oder einem Hinterhof. Herausgeber war Frogster Online Gaming aus Berlin, das Spiel war kostenlos herunterzuladen.

Das Besondere war der eigene Avatar. Mit virtuellem Geld konntest du ihn nach Lust und Laune aufmotzen:

  • Kleidung und Schuhe
  • Frisuren
  • Körpergröße und Aussehen
  • spezielle Fähigkeiten wie Tricks und Spezialbewegungen, die du trainieren oder im Shop kaufen konntest

Optisch setzte Kickster auf einen comicartigen Look. Die Figuren bewegten sich sehr geschmeidig, das Spiel war richtig angenehm anzuschauen. Den Eindruck vermittelt auch dieses kleine Video aus der damaligen Zeit:

Läuft das auf meinem Laptop?

Ein großer Pluspunkt war der moderate Systemhunger. Mein Laptop hatte damals folgende Eckdaten:

  • 2,2-GHz-Mobilprozessor
  • 768 MB RAM
  • GeForce-4-Grafik mit 333 MHz

Das reichte aus, um das Spiel flüssig zu spielen. Natürlich in beinahe der niedrigsten Detailstufe, aber das war mir erst einmal egal. Viele Online-Spiele dieser Zeit setzten bewusst auf geringe Anforderungen, damit möglichst viele Leute mitmachen konnten, auch mit älteren Rechnern oder Notebooks.

Free-to-play: Und wie sieht das in einem halben Jahr aus?

In der Beta hatte ich genug Online-Kohle, damit es auch Spaß macht. Trotzdem hatte ich damals schon eine Frage im Hinterkopf: Wie sieht das in einem halben Jahr aus?

Die Frage war berechtigt, denn Kickster folgte dem Free-to-play-Modell, das damals in Europa gerade groß wurde. Das Spiel selbst kostet nichts, Geld verdient der Betreiber über einen Itemshop. Dort gibt es Kleidung, Extras oder Abkürzungen gegen echtes Geld. Ob so ein Spiel fair bleibt, hängt davon ab, was man kaufen kann:

  • Nur Optik: Klamotten und Frisuren sind harmlos. Wer zahlt, sieht schicker aus, spielt aber nicht besser.
  • Spielvorteile: Wenn sich Fähigkeiten, Tempo oder Schusskraft kaufen lassen, wird es schnell unfair. Dafür hat sich der Begriff „Pay-to-win“ eingebürgert.

Free-to-play ohne böse Überraschung

Schau dir vor dem ersten Kauf an, ob der Shop nur Optik oder echte Vorteile verkauft. Leg dir ein festes Budget fest, und nutze bei Kindern die Ausgabensperren der Plattform. Virtuelle Währungen verschleiern gern, wie viel Geld du tatsächlich ausgibst.

Leere Plätze in der Beta

Das Einzige, was mich damals störte: Ich traf online niemanden an. Kickster befand sich noch in einer frühen, geschlossenen Testphase, entsprechend leer waren die Server. Deshalb habe ich meine drei Einladungen damals hier im Blog angeboten. Wer wollte, wer hatte noch nicht? Am liebsten wäre mir ein Trackback gewesen, aber eigentlich war es egal. Also hurtig.

Geschlossene Betas funktionieren bis heute nach diesem Prinzip. Die Entwickler lassen nur wenige Spieler rein, um Server und Spielmechanik zu testen. Die Tester bekommen Keys, die sie oft an Freunde weitergeben dürfen. Das sorgt für Bekanntheit, bevor das Spiel überhaupt fertig ist. Blogger wie der Christian bei endoflevelboss.de waren dabei wichtige Verteiler.

Was ist aus Kickster geworden?

Die Website kickster.eu ist längst offline, und soweit sich das nachvollziehen lässt, ist das Spiel schon lange Geschichte. Auch der Herausgeber hat sich verändert: Frogster wurde 2010 mehrheitlich vom Karlsruher Spieleanbieter Gameforge übernommen. Kickster teilte damit das Schicksal vieler kleiner Online-Spiele jener Jahre. Wenn nicht genug Spieler kommen, werden die Server irgendwann abgeschaltet, und alles, was du im Spiel gekauft hast, ist weg.

Dass das nicht nur Nostalgiker ärgert, zeigt die Europäische Bürgerinitiative „Stop Destroying Videogames“. Sie hat 2025 rund 1,3 Millionen gültige Unterschriften gesammelt und fordert, dass Spiele nach dem Ende des offiziellen Supports spielbar bleiben, etwa über einen Offline-Modus oder eigene Server. Die EU-Kommission hat im Juni 2026 allerdings erklärt, dass sie keine gesetzliche Pflicht dazu vorschlagen will. Stattdessen setzt sie vorerst auf Gespräche mit Herstellern und auf mehr Aufklärung über Verbraucherrechte. Für dich heißt das: Geld in einem reinen Online-Spiel ist immer eine Art Miete, keine Anschaffung für die Ewigkeit.

Straßenfußball online ist aber nicht ausgestorben. Wer heute kicken will, hat zum Beispiel diese Möglichkeiten:

  • Rocket League: Fußball mit raketengetriebenen Autos. Seit 2020 ist das Spiel kostenlos spielbar und finanziert sich über kosmetische Inhalte.
  • Rematch: Das Studio Sloclap hat 2025 einen Online-Fußball veröffentlicht, in dem jeder Spieler genau eine Figur steuert, fünf gegen fünf. Vom Gefühl her kommt das dem Kickster-Prinzip ziemlich nahe, allerdings als Kaufspiel.
  • EA Sports FC: Der Straßenfußballmodus Volta wurde mit FC 25 durch den Modus Rush ersetzt, in dem ebenfalls fünf gegen fünf gespielt wird.

Wenn dich interessiert, was 2007 auf der Spielemesse in Leipzig los war, schau in meinen Beitrag über die Games Convention 2007. Und wie früh das Zocken aufs Handy wanderte, zeigt WoW mobile aufs iPhone.

Mein Fazit

Kickster war für mich ein netter Ausflug: hübsch, flüssig auf schwacher Hardware und mit einem witzigen Avatar-System. Leider fehlten damals die Mitspieler, und genau daran scheitern viele Online-Spiele. Heute würde ich bei jedem Free-to-play-Spiel zuerst schauen, was der Shop verkauft, bevor ich Zeit oder Geld investiere.

Kommentare

3 Kommentare zu „Online Street Soccer“

  1. Avatar von Christian

    Moin,

    danke für die Verlinkung 🙂
    Ich hoffe grad auch mal, ein Zeitfenster zu erwischen, in dem mal etwas mehr auf den Servern los ist. Aber so ist das bei geschlossenen Alphas. Irgendwann werden sie dann ja auch Betas etc… ich denke, da geht bald endlich mehr…

  2. Avatar von Patrick
    Patrick

    Ursprünglich wollte ich eine EMail schreiben, war dann doch zu faul. Glaube das hier bringt mehr. 😉
    Ist übrigens mein erstesmal – so eine Alpha. 😉
    Bin auch gespannt.

  3. Avatar von Christoph

    für die sehr schöne Seite erstmal ein herzliches Dankeschön, wir geben uns die größte Mühe, es mal ein wenig anders und besser zu machen, als von Gamesseiten gewohnt. In den nächsten Tagen werden wir wieder weiteren Usern den Zugang in die Alpha freischalten, ich hoffe dann wird es auch leichter sein, immer einen Mitspieler zu finden. Ansonsten freue ich mich ganz persönlich natürlich auch über Feedback auf unserer Seite 😉

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