Jena News geht online

2008 habe ich für die Jenaer Studentenzeitschrift unique meine erste fremde Website gebaut. Welche WordPress-Plugins damals halfen und was du heute stattdessen nimmst.

4–6 Minuten

Im Juni 2008 war es so weit: Nach vielen Monden öffnete unique-online.de wieder seine Pforten. Die junge Studentenzeitschrift aus Jena ging endlich wieder online, und die Website dazu war die erste, die ich nicht für mich selbst gebaut habe. Ein bisschen stolz war ich schon. Hier erzähle ich, wie das Projekt entstand, welche Plugins mir damals geholfen haben und was aus ihnen geworden ist.

Was ist die unique?

Hinter der Zeitschrift stand eine schlagkräftige Truppe junger, engagierter Leute, die kein Blatt vor den Mund nahmen. Die News aus und um Jena erschienen damals einmal pro Semester gedruckt. Dazwischen sollte die Website die Themen kommentieren, weiter beleuchten und vertiefen.

Die gute Nachricht aus heutiger Sicht: Die unique gibt es immer noch. Sie nennt sich inzwischen „das studentische Kulturmagazin für Jena & Weimar“, versteht sich als unabhängige Zeitschrift für kulturelle und gesellschaftspolitische Themen und erscheint laut Impressum drei- bis viermal im Jahr. Unterstützt wird sie vom Rektoramt der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Und die Website läuft, wie damals, mit WordPress.

Warum WordPress und nicht Drupal?

Zwei Gründe waren entscheidend. Erstens drängte die Zeit. Zweitens sollte die Verwaltungsoberfläche für die Redakteure so angenehm wie möglich sein. Kurz und gut: Ich kannte mich mit WordPress damals einfach besser aus als mit Drupal.

Ganz glücklich war ich trotzdem nicht mit allem. Es gab noch ein paar Dinge, die mir nicht gefielen, und auch der WordPress-Kern war mir nicht ganz koscher. Allein schon, wie da mit h2-Überschriften um sich geworfen wurde. Wer sich damals für ein CMS entscheiden musste, stand oft vor ähnlichen Fragen. Ein paar Gedanken dazu stehen in meinen Beiträgen zu Typo3 und zur Frage nach einem einfachen CMS für jedermann.

Meine Plugin-Liste von 2008

Bei der Recherche liefen mir einige nette Plugins über den Weg, die ich euch damals nicht vorenthalten wollte:

  1. Recent Comments zeigte die letzten Kommentare und Trackbacks auf der Startseite an. Es ließ sich sauber konfigurieren, schien aber mit WordPress 2.5.1 ein wenig buggy zu sein. Oder lag es nur an den Widgets?
  2. Nofollow Case by Case – damit konnte ich gezielt einzelne Kommentare mit rel="nofollow" versehen, und zwar genau bei denen, wo ich dachte: Nee, du nicht! Vor allem Trackbacker, die selbst nur nofollow-Links setzen, konnte ich nicht leiden. Mit dem Plugin-Autor hatte ich deswegen ein kleines Intermezzo und wartete danach sehnsüchtig auf ein Update.
  3. Role Manager für die Rechteverwaltung der Redakteure.
  4. Similar Posts listete mit einer gewissen Relevanz andere Artikel zum jeweiligen Beitrag auf.
  5. Sociable für Social-Bookmark-Buttons. Waren ja irgendwie alle im Web-2.1-Fieber, nech?
  6. Lightbox machte Bilder schön groß, ohne die Seite zu verlassen.
  7. WPLite blendete Elemente und Werkzeuge im Adminbereich aus, die man nicht wirklich braucht.
  8. Auf dem Blog Texto habe ich gelernt, wie man statische Seiten ganz easy in WordPress einbindet. Immer wieder hilfreich, wenn sich gerade verschiedene JavaScripts beißen. Spezial-Thanks dafür.
  9. Und zum Schluss etwas ganz Neckisches: die Featured Content Gallery, eine Bildergalerie mit Wahnsinns-Übergangseffekten.

Ohne die netten Beschreibungen und Erklärungen der Plugin-Autoren wäre ich nie so weit gekommen. Danke dafür!

Was ist aus den Plugins geworden?

Die meisten dieser Plugins sind längst Geschichte. Vieles, wofür man 2008 eine Erweiterung brauchte, kann WordPress heute selbst.

Plugin 2008WofürHeute (2026)
Recent CommentsLetzte Kommentare zeigenBlock „Neueste Kommentare“ ist in WordPress eingebaut
Nofollow Case by CaseKommentarlinks entwertenWordPress setzt bei Kommentarlinks automatisch rel="nofollow ugc"
Role ManagerRechte für RedakteureRollen wie Redakteur, Autor und Mitarbeiter sind Standard, Feintuning per Plugin wie „Members“ oder „User Role Editor“
Similar PostsÄhnliche ArtikelPlugins wie Jetpack oder spezialisierte Related-Posts-Erweiterungen
SociableTeilen-ButtonsDatensparsame Lösungen wie Shariff statt eingebetteter Fremd-Skripte
LightboxBilder vergrößernDer Bild-Block kann Fotos selbst per Klick vergrößern
WPLiteAdminbereich entschlackenPlugins wie Adminimize oder passend zugeschnittene Rollen

nofollow, ugc und sponsored

Google hat 2019 die Link-Attribute rel="ugc" für nutzergenerierte Inhalte wie Kommentare und rel="sponsored" für bezahlte Links eingeführt. Seitdem wertet Google auch nofollow nur noch als Hinweis, nicht als strikte Anweisung. Die Debatten von 2008 über Linkgeiz und nofollow-Trackbacks wirken aus heutiger Sicht ziemlich nostalgisch.

Website für eine Studi-Gruppe oder einen Verein: Was heute zählt

Wenn du heute eine Website für eine Zeitschrift, einen Verein oder eine Hochschulgruppe aufsetzt, ist die Technik das kleinere Problem. Wichtiger sind diese Punkte:

  • Rollen und Rechte: Nicht jeder braucht Admin-Rechte. Redakteure bekommen die Rolle „Redakteur“ oder „Autor“, und nur ein bis zwei Leute verwalten Plugins und Updates.
  • Updates: WordPress, Themes und Plugins regelmäßig aktualisieren. Verwaiste Plugins, die seit Jahren keine Updates mehr bekommen, fliegen raus.
  • Backups: Automatische Sicherungen von Datenbank und Dateien, und zwar an einem anderen Ort als auf dem Webserver.
  • Rechtliches: Impressum und Datenschutzerklärung sind Pflicht. Eingebettete Dienste wie Videos, Karten oder Schriftarten von externen Servern sind datenschutzrechtlich heikel.
  • Übergabe: Schreib auf, wo was liegt, wer Zugänge hat und wie Updates laufen. Studentische Redaktionen wechseln schnell, und ohne Doku steht die nächste Generation vor einer Blackbox.

Plane die Übergabe von Anfang an

Lege alle Zugänge wie Hosting, Domain und Admin-Konto auf eine Vereins- oder Gruppen-Adresse an, nicht auf deine private. Sonst hängt die Website am Ende an einer Person, die längst ihren Abschluss hat.

Zepter und Krone

Damals stand bei mir erst einmal die Diplomarbeit an, danach wollte ich noch ein paar „operative Eingriffe“ an der Seite vornehmen. Auf meiner Liste standen außerdem ein Forum, das dringend überarbeitet werden musste, und dieser Blog, aus dem endlich mal etwas Ordentliches werden sollte. Was mit dem Forum kurz darauf passierte, steht in Der totale Absturz beim RC Forum.

An die Redaktion der unique habe ich damals feierlich Zepter und Krone übergeben, mit den Worten: Die Werkzeuge habt ihr nun erhalten, richtig benutzen müsst ihr sie! Dass die Zeitschrift fast zwei Jahrzehnte später immer noch erscheint und online ist, freut mich sehr.

Mein Fazit

Die unique-Website war mein erstes Projekt für andere, und WordPress war dafür die richtige Wahl. Die meisten Plugins von damals braucht heute niemand mehr, weil WordPress vieles selbst kann. Was bleibt, ist die wichtigste Lektion: Eine Website ist erst fertig, wenn die Leute, die sie täglich nutzen, gut damit klarkommen.

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