Im Juli 2008 wollte ich mal ganz schnell ein WordPress-Update durchziehen. Von meiner etwas angestaubten 2.0-irgendwas-Version auf den aktuellen Stand, 20 Minuten, höchstens. Es wurden über zwei Stunden, und zwischendurch ging gar nichts mehr. Hier die Geschichte und was du heute besser machen kannst.
20 Minuten geplant, zwei Stunden gebraucht
OMG, hier ging gar nix. Zwei-, dreimal habe ich mir die Datenbank zerschossen. Dann dachte ich, ich könnte wenigstens einfach das alte Template übernehmen. Ging auch nicht. Nerv!
Zumindest lief der Blog irgendwann wieder, den Rest wollte ich nach und nach erledigen. Ach, was für ein Nerv. Etwas später kam dann der erlösende Nachtrag: Jetzt scheint wieder alles richtig zu laufen. Puuuh.
Andere freuten sich zur selben Zeit schon auf WordPress 2.6 und mehr. Florian Fiegel berichtete etwa, dass WordPress 2.7 schon in Planung sei, während 2.6 gerade erst in die Beta ging. Und ich? Ich überlegte langsam, ob ich nicht doch ein anderes System wählen sollte.
Warum der Sprung so wehgetan hat
Aus heutiger Sicht ist klar, warum das schiefgehen musste. Zwischen meiner 2.0 und der damals aktuellen 2.5er-Reihe lagen gleich mehrere große Versionen. Allein mit WordPress 2.3 hatte sich die Datenbankstruktur deutlich geändert: Kategorien und die neu eingeführten Schlagwörter wanderten in ein gemeinsames System neuer Tabellen. Wer gleich mehrere solcher Umbauten auf einmal überspringt, verlangt dem Update-Skript eine Menge ab.
Dazu kommt das Template. Themes aus der 2.0-Zeit nutzten Funktionen, die später geändert oder ersetzt wurden, und kannten neuere Dinge wie Widgets oft nur teilweise. Ein altes Theme in eine neue Version zu verpflanzen, war damals eher Glückssache.
Kleine Schritte statt großer Sprünge
Je größer der Versionssprung, desto mehr kann schiefgehen. Wer regelmäßig aktualisiert, hat bei jedem Update nur wenige Änderungen zu verdauen. Das gilt für WordPress genauso wie für Plugins, Themes und die PHP-Version auf dem Server.
Was sich seitdem geändert hat
Ironischerweise hoffte Florian Fiegel in genau dem Beitrag auf automatische Updates, wie sie andere Blogsysteme schon boten. Die kamen tatsächlich, und zwar in mehreren Stufen:
- WordPress 2.7 brachte Ende 2008 das Update des Kerns per Knopfdruck im Dashboard. Dateien per FTP hochladen war damit für die meisten Nutzer Geschichte.
- WordPress 3.7 führte im Oktober 2013 automatische Hintergrund-Updates ein. Wartungs- und Sicherheitsversionen spielt WordPress seitdem von selbst ein.
- WordPress 5.5 brachte 2020 einen Schalter, mit dem du auch automatische Updates für einzelne Plugins und Themes aktivieren kannst.
Inzwischen ist WordPress bei Version 7.0 angekommen, die am 20. Mai 2026 unter dem Namen „Armstrong“ erschienen ist. Von meiner 2.0 trennen sie also fast zwei Jahrzehnte Entwicklung.
So läuft ein WordPress-Update heute sauber
Auch wenn vieles automatisch geht: Bei großen Versionen lohnt sich ein bisschen Sorgfalt. So würde ich heute vorgehen:
- Komplettes Backup machen: Datenbank und alle Dateien, inklusive Uploads. Viele Hoster bieten das per Klick an, sonst hilft ein Backup-Plugin.
- Kompatibilität prüfen: Schau bei deinen wichtigsten Plugins und beim Theme nach, ob sie mit der neuen Version getestet sind. Prüf auch, ob dein Server eine passende PHP-Version hat.
- Erst auf einer Staging-Kopie testen: Viele Hoster bieten eine Testumgebung an. Dort kannst du das Update ausprobieren, ohne dass deine Leser etwas merken.
- Update einspielen: erst den WordPress-Kern, dann Plugins und Themes.
- Gründlich durchklicken: Startseite, ein paar Beiträge, Kommentare, Kontaktformular, Feed. Leere den Cache, falls du ein Caching-Plugin nutzt.
Child-Theme statt Template-Gebastel
Wenn du am Theme etwas anpassen willst, nutz ein Child-Theme. Deine Änderungen liegen dann in einem eigenen Ordner und überleben jedes Update des eigentlichen Themes. Hätte es das 2008 schon in der heutigen Form gegeben, wäre mir einiges an Ärger erspart geblieben.
Doch ein anderes System?
Mit dem Gedanken, WordPress den Rücken zu kehren, habe ich 2007 und 2008 öfter gespielt. Ich hatte mir zum Beispiel Typo3 angeschaut und mit einem einfachen CMS für jedermann geliebäugelt. Probleme mit der Datenbank kannte ich ohnehin schon, denn ein knappes Jahr zuvor wollte mein Blog nicht mehr in den Index, nachdem ich zu viel geschraubt hatte.
WordPress ist bis heute eines der meistgenutzten Systeme im Netz, gerade weil es so viele Plugins und Themes gibt und fast jeder Hoster es mit einem Klick installiert. Wer etwas Schlankeres sucht, findet heute aber auch Alternativen, etwa statische Seitengeneratoren wie Hugo, die gar keine Datenbank mehr brauchen, oder gehostete Plattformen, bei denen du dich um Updates überhaupt nicht kümmern musst.
Mein Fazit
Mein Update-Marathon von 2008 war die Quittung dafür, dass ich meinen Blog zu lange nicht angefasst hatte. Heute würde ich die automatischen Updates eingeschaltet lassen, regelmäßig Backups ziehen und große Versionssprünge erst auf einer Testkopie ausprobieren. Zwei Stunden Nerv für 20 Minuten Arbeit brauche ich nicht noch einmal.
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