Es war mal wieder so weit: ProSieben hatte ein neues „Experiment“. Ausgestrahlt war es schon eine Weile, ich habe es aber erst im November 2007 gefunden. Die Frage diesmal: Kann ein RC-Car über einen LKW springen? Uih, wie spannend. Ich habe mir das Ganze damals angeschaut und rechne hier nach, was so ein Sprung eigentlich verlangt.
Dasselbe Team, neue Aufgabe
Verantwortlich war wieder das gleiche Team wie beim letzten Mal, als RC-Cars einen LKW ziehen sollten. Und auch diesmal war es wieder ein Füllstück für die „Wissenschaftssendung“ des Senders.
Meine Überlegung damals: Warum eigentlich nicht? Speed ist da, Gewicht ist kaum vorhanden, nur bei der Landung müsste man ein klitzekleines bisschen aufpassen. Ansonsten sah ich nichts, was dagegen spricht. Ich hätte das RC-Car hinterher trotzdem lieber für mich behalten.
Das Video von damals ist nicht mehr online. Die Frage, ob so ein Sprung klappt, lässt sich aber auch mit Stift und Taschenrechner beantworten.
Wie groß ist so ein LKW?
In der EU darf ein LKW höchstens 4 Meter hoch und 2,55 Meter breit sein. Ein Sattelzug darf bis zu 16,50 Meter lang sein. Der Unterschied zwischen „quer drüber“ und „der Länge nach“ ist also gewaltig:
- Quer: 2,55 Meter Breite und 4 Meter Höhe. Das ist vor allem eine Frage der Rampe.
- Längs: über 16 Meter Strecke in mindestens 4 Meter Höhe. Das ist eine ganz andere Liga.
Wie schnell muss das RC-Car sein?
Ohne Luftwiderstand gerechnet hängt die Sprungweite nur von der Absprunggeschwindigkeit und dem Rampenwinkel ab. Die größte Weite gibt es theoretisch bei 45 Grad.
| Absprung | Weite bei 30° | Weite bei 45° | Gipfelhöhe bei 45° |
|---|---|---|---|
| 36 km/h | 8,8 m | 10,2 m | 2,5 m |
| 50 km/h | 17,0 m | 19,7 m | 4,9 m |
| 60 km/h | 24,5 m | 28,3 m | 7,1 m |
| 80 km/h | 43,6 m | 50,3 m | 12,6 m |
Für einen Sprung quer über den LKW reicht also schon ein moderates Tempo, solange die Rampe hoch genug ist. Für die Längsrichtung wird es spannend: Mit einer 45-Grad-Rampe auf Bodenhöhe und rund 60 km/h würde ein Modell rechnerisch einen 16,5 Meter langen und 4 Meter hohen Sattelzug knapp überfliegen, wenn er mittig zwischen Absprung und Landung steht.
In der Praxis kostet der Luftwiderstand bei einem leichten Modell mit klobiger Karosserie spürbar Weite. Etwas Reserve braucht es also immer. Schnelle 1:8-Buggys und Truggys erreichen allerdings schon seit Jahren Geschwindigkeiten in diesem Bereich. Die Physik spricht also nicht gegen das Experiment.
Das eigentliche Problem: die Landung
Mein Bauchgefühl von damals stimmt: Die Landung ist der kritische Teil. Ein Modell, das bei 45 Grad mit 60 km/h abspringt, fliegt über 7 Meter hoch. Fällt es von dort ungebremst auf ebenen Boden, schlägt es senkrecht mit rund 40 km/h auf. Das ist, als würdest du das Auto aus dem zweiten Stock werfen.
Darum landet man bei solchen Sprüngen nie auf flachem Boden, sondern auf einer Landerampe, deren Neigung ungefähr der Flugbahn entspricht. So wird der Großteil der Energie in Vorwärtsbewegung umgesetzt, statt Querlenker, Dämpfer und Chassis zu zerlegen.
Steuern in der Luft
Erfahrene Fahrer korrigieren die Fluglage noch in der Luft:
- Gas geben lässt die Räder schneller drehen. Das Gegenmoment hebt die Nase des Autos an.
- Bremsen stoppt die Räder. Das Auto kippt mit der Nase nach unten.
Heute helfen bei vielen Modellen zusätzlich Stabilisierungssysteme mit Gyrosensor, die beim Geradeauslauf und beim Beschleunigen eingreifen. Ein bisschen Fingerspitzengefühl bleibt trotzdem nötig.
Sicherheit beim Springen
Ein RC-Car mit mehreren Kilo Gewicht und 60 km/h ist ein gefährliches Geschoss. Spring nur auf abgesperrten Flächen, nie in der Nähe von Zuschauern, Straßen oder Tieren. Prüf nach jeder harten Landung Schrauben, Querlenker und Akkubefestigung. Ein lockerer Akku kann bei der nächsten Landung herausfliegen.
Aus heutiger Sicht (2026)
Sprünge über Autos und Hindernisse sind in der RC-Szene längst Alltag, vor allem in Videos. Mit Brushless-Motoren und LiPo-Akkus mit vielen Zellen erreichen große Monstertrucks und Buggys Geschwindigkeiten, die 2007 nur ausgewachsene Verbrenner geschafft haben. Was gleich geblieben ist: Gute Rampen sind die halbe Miete, und eine missglückte Landung kostet Ersatzteile. Wie das enden kann, zeigt mein Beitrag über einen Traxxas Jato, der zu Grabe getragen wurde.
Was bei dem LKW-Zug-Experiment des gleichen Teams angeblich nicht ganz sauber lief, habe ich im Beitrag Pro 7 bescheißt bei RC-Cars ziehen LKW aufgeschrieben.
Mein Fazit
Ein RC-Car über einen LKW springen zu lassen, ist physikalisch kein Hexenwerk, die Geschwindigkeit haben gute Modelle locker. Die eigentliche Kunst liegt in Rampe, Landung und Fluglage. Für eine Wissenschaftssendung war mir das damals trotzdem zu dünn. Ich hätte das Auto lieber selbst fliegen lassen.
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