Mysteriös war es ja schon: Warum hörte der LKW nach gerade mal zwei Metern auf zu rollen? Ich dachte zuerst, die Jungs hätten einfach aufgehört zu ziehen. Dass ProSieben seine eigene „Wissenschaftssendung“ so hinbiegt, hätte ich nicht gedacht. Hier ist, was ich im September 2007 herausgefunden habe, und warum schon ein kaum sichtbares Gefälle alles verändert.
Der Verdacht
Ein paar Tage vorher hatte ich mich über das Video gefreut, in dem RC-Cars einen echten LKW ziehen. Nach ein paar Metern war allerdings Schluss. Der LKW blieb einfach stehen, obwohl die Modelle scheinbar weiterzogen.
Also habe ich mich auf den Weg gemacht und nach Leuten gesucht, die beim Dreh dabei waren. Was dabei herauskam, so wurde es mir jedenfalls erzählt: Der LKW ist „einfach“ nur einen Berg heruntergerollt, und die RC-Cars waren „nur“ zur Unterstützung da.
Dazu gab es ein Foto, auf dem ein Brett unter dem LKW zu sehen war. Das sah jetzt nicht sonderlich wild aus. Eine unterstützende Wirkung war trotzdem nicht auszuschließen.
Wie wenig Gefälle reicht
Klingt erst mal nach Verschwörungstheorie, ist aber simple Physik. Ein Fahrzeug auf einer schiefen Ebene wird von der sogenannten Hangabtriebskraft nach unten gezogen. Bei kleinen Steigungen entspricht sie ziemlich genau dem Gefälle in Prozent, bezogen auf die Gewichtskraft.
Ein Beispiel mit einem 7,5-Tonner:
| Gefälle | Hangabtriebskraft (ca.) | Im Vergleich zum Rollwiderstand |
|---|---|---|
| 0,5 % | 370 N | etwa gleich groß |
| 1 % | 740 N | reicht meist zum Rollen |
| 2 % | 1.470 N | LKW rollt deutlich von allein |
Der Rollwiderstand von LKW-Reifen liegt grob bei 0,5 bis 1 Prozent der Gewichtskraft. Schon bei einem Prozent Gefälle, also einem Zentimeter Höhenunterschied pro Meter, kann ein LKW mit gelöster Bremse von allein losrollen. Mit bloßem Auge erkennst du so ein Gefälle kaum, auf einem Fernsehbild schon gar nicht.
Und das Brett? Das größte Problem beim Ziehen ist das Anrollen. Ein stehender Reifen ist unten leicht abgeflacht, und die Lager müssen erst in Bewegung kommen. Steht ein Rad auf einer kleinen Erhöhung, hilft das genau in diesem Moment. Ob das Brett dafür gedacht war, kann ich nicht beweisen, aber es passt ins Bild.
Hört das Gefälle dann auf, fehlt die Hilfe von oben. Ein paar Meter rollen, dann ist Schluss. Genau das war im Video zu sehen.
Mein Ärger damals
Schade, ProSieben, damit habt ihr mich ein zweites Mal enttäuscht. Ein paar Wochen vorher hatte ich mich schon über die Werbung rund um den Simpsons-Film geärgert. Wenn ihr wenigstens etwas dazu gesagt hättet, aber das einfach so unter den Tisch fallen zu lassen? Nee, nee.
Zur Fairness gehört dazu: Was genau am Drehtag passiert ist, weiß ich nur aus zweiter Hand. Eine Stellungnahme des Senders dazu habe ich nie zu Gesicht bekommen.
TV-Experimente kritisch anschauen
Wissenssendungen wollen unterhalten, und ein „Experiment“, das sauber scheitert, ist schlechtes Fernsehen. Wenn du solche Beiträge anschaust, helfen ein paar Fragen:
- Wie ist das Gelände? Wird auf einer völlig ebenen Fläche gearbeitet, oder ist ein Gefälle möglich?
- Gibt es Schnitte an der entscheidenden Stelle? Zwischen zwei Einstellungen kann viel passieren.
- Wird das Ergebnis gemessen? Ein Kraftmesser im Zugseil wäre aussagekräftiger als jede dramatische Musik.
- Werden Hilfsmittel erwähnt? Ballast, Bretter oder Rampen gehören in die Erklärung, nicht unter den Tisch.
Das gleiche Team hat sich übrigens später noch einmal an einem LKW versucht, diesmal mit RC-Cars, die darüber springen sollten.
Was ist aus der Sendung geworden?
Galileo läuft bis heute auf ProSieben, inzwischen seit über 25 Jahren. Moderator Aiman Abdallah ist auch 2026 noch dabei. Ältere Beiträge findest du teilweise auf der Streaming-Plattform Joyn, unter anderem in der Reihe „Galileo Classics“.
Mein Fazit
Ob nun Berg, Brett oder beides: Ganz ohne Hilfe hätten die RC-Cars den LKW wohl nicht weit bewegt, das zeigt schon die Physik. Mich hat damals weniger der Trick geärgert als das Schweigen darüber. Ein Satz zum Gefälle hätte aus der Show ein ehrliches Experiment gemacht.
Schreibe einen Kommentar