Travis Berlin Bilder

Travis live in Berlin, 2009 – und die Security nimmt mir die Kamera ab. Warum Veranstalter das dürfen und wie du heute trotzdem an gute Konzertfotos kommst.

5–8 Minuten

496 Kilometer und zehn Stunden später war ich wieder da, wo ich gestartet war. Im Februar 2009 bin ich nach Berlin gefahren, um mir Travis reinzuziehen. Das Konzert war fantastisch, nur meine Kamera durfte nicht mit rein. Hier erzähle ich, wie das lief, warum Veranstalter so etwas dürfen und wie du heute an gute Bilder von deinem Konzert kommst.

Ick war in Berlin: Travis live

Travis ist eine Band aus Glasgow, die vielen spätestens seit dem Album The Man Who von 1999 ein Begriff ist. Aktuell war damals ihr Album Ode to J. Smith, das Ende September 2008 erschienen war.

Sehr sympathische Band, es war fantastisch! Die Vorband war ebenfalls sehr angenehm. Nur habe ich leider wieder den Namen vergessen. Ein gutes halbes Jahr vorher war ich übrigens schon bei The Police in Leipzig.

Die Kamera musste draußen bleiben

Nun zu meinem Problem: Die Security hat mir für die Dauer des Konzerts die Kamera abgenommen. Ich könnt kotzen! In dem Saal waren gefühlt eine Million Menschen mit einer Kamera. Aber nur ich musste meine abgeben, weil sie ein wenig größer war. Mein prähistorisches Teil eben.

Den Gipfel gab es dann mitten im Konzert. Von der Bühne kam tatsächlich die Ansage, alle sollten möglichst alles aufnehmen, damit die Band sich die tolle Party hinterher auch ansehen kann. Narv und kotz. Dabei habe ich normalerweise zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit eine Kamera dabei. Wie weit ich für ein Foto manchmal gehe, kannst du in Was tut man nicht alles für ein gutes Foto? nachlesen.

Gleich nach der Rückkehr habe ich hier im Blog um Hilfe gebeten. Es wäre unglaublich nett, wenn mir jemand ein paar schöne Travis-Bilder vom Konzert zukommen lassen würde, ich wäre unglaublich dankbar. Abgeschlossen habe ich den Beitrag damals mit: „Danke fürs Lesen, ich muss ins Bett. Rechtschreibfehler könnt ihr behalten. Good Night.“

Später kam noch ein Nachtrag: So langsam trudelten die ersten Videos vom Konzert bei YouTube ein. Scheen! Auch auf travisonline.com, der Seite der Band, tauchten Bilder auf. Mein Urteil stand danach fest: sauber gemachte Show. Die Videos und Bilder von damals sind inzwischen leider nicht mehr online.

Warum darf die Security einfach meine Kamera einkassieren?

So ärgerlich das war: Rechtlich ist so etwas in aller Regel gedeckt. Dahinter stecken im Wesentlichen zwei Dinge.

Hausrecht und Ticketbedingungen

Der Veranstalter bestimmt über sein Hausrecht und die Ticketbedingungen, was mit in die Halle darf. Ob du mit einer Kamera reinkommst, hängt also nicht vom Gesetz ab, sondern von der Hausordnung des jeweiligen Abends. Häufig ist von „professionellen Kameras“ die Rede. Gemeint sind meist Geräte mit Wechselobjektiv oder großem Zoom. Wo genau die Grenze liegt, entscheidet am Ende die Security am Einlass. Und eine Ansage von der Bühne hebt die Hausordnung am Eingang nicht auf. Genau das war mein Pech.

Üblich ist, dass die Kamera verwahrt wird und du sie nach dem Konzert zurückbekommst. Lass dir dafür am besten eine Marke oder einen Abholschein geben.

Urheberrecht

Dazu kommt das Urheberrecht. Ein Konzert ist eine öffentliche Aufführung, und für deren Aufnahme auf Bild- oder Tonträger braucht es laut § 53 Abs. 7 UrhG grundsätzlich die Einwilligung der Berechtigten. Das gilt auch, wenn du das Video nur für dich behalten willst. Wer große Kameras ausschließt, will vor allem verhindern, dass ohne Absprache Aufnahmen in Profiqualität entstehen, die dann irgendwo verkauft oder veröffentlicht werden.

Wie Profis auf Konzerten fotografieren

Akkreditierte Fotografen bekommen einen Fotopass, meist über eine Zeitung, ein Magazin oder die Band selbst. Eine verbreitete Regel lautet „first three songs, no flash“: fotografiert wird nur während der ersten drei Songs und ohne Blitz, oft aus dem Graben vor der Bühne. Danach ist Schluss, auch für die Profis.

Damals die Ausnahme, heute Alltag

2009 hatten zwar viele Leute eine Kamera oder ein Handy mit Kamera dabei, aber die Bilder waren meist körnig und die Videos verwackelt. Heute steckt in fast jeder Hosentasche ein Smartphone, das bei Bühnenlicht erstaunlich gute Fotos und Videos macht. Die meisten Veranstalter haben sich damit arrangiert. Handys sind fast überall erlaubt, die große Kamera mit Wechselobjektiv bleibt dagegen oft draußen.

Manche Künstler gehen inzwischen den umgekehrten Weg. Bei einzelnen Shows müssen Handys am Einlass in verschließbare Taschen, damit das Publikum wieder auf die Bühne schaut statt aufs Display. Andere freuen sich ausdrücklich über jedes Video in den sozialen Netzwerken, weil es kostenlose Werbung ist. Die Ansage, die ich 2009 in Berlin gehört habe, war in dieser Hinsicht ihrer Zeit voraus.

So kommst du trotzdem an gute Konzertfotos

Vorher informieren

Schau vor dem Konzert in die Hausordnung oder die FAQ der Location. Dort steht meist, was erlaubt ist. Kleine Kompaktkameras ohne Wechselobjektiv werden oft akzeptiert. Ist das Verbot eindeutig, lass die große Kamera lieber gleich im Auto oder zu Hause, statt sie an der Garderobe abzugeben.

Mit dem Smartphone das Beste rausholen

  • Blitz aus: Auf die Entfernung bringt er nichts und nervt nur die Leute um dich herum.
  • Belichtung runterziehen: Tipp auf den Sänger und zieh die Helligkeit etwas herunter. Sonst fressen die Scheinwerfer jedes Detail weg.
  • Nicht digital zoomen: Lieber den Ausschnitt später zuschneiden. Noch besser ist es, eine bessere Position zu suchen.
  • Serienbild nutzen: Halt den Auslöser gedrückt. Unter zwanzig Bildern ist meist eins dabei, das wirklich scharf ist.
  • Kurz filmen: Ein Refrain reicht. Den ganzen Song schaut sich hinterher sowieso keiner an.
  • Rücksicht nehmen: Arm nicht dauerhaft über den Kopf halten, Display dunkler stellen. Hinter dir will auch jemand die Band sehen.

Erst erleben, dann knipsen

Nimm dir vor, nur bei zwei, drei Songs zu fotografieren und den Rest einfach zu genießen. Die Bilder werden nicht schlechter, und vom Konzert hast du deutlich mehr.

Bilder von anderen bekommen

Genau wie ich 2009 kannst du andere Konzertbesucher fragen. Heute geht das viel leichter. Durchsuch die sozialen Netzwerke nach dem Bandnamen, der Stadt und dem Datum oder schau in Fan-Foren und Gruppen. Viele Bands und Hallen veröffentlichen außerdem offizielle Fotos ihrer Shows.

Wichtig: Ein Foto von jemand anderem darfst du nicht einfach selbst veröffentlichen, etwa in deinem Blog. Das Urheberrecht liegt beim Fotografen. Frag also kurz nach und nenne den Namen, wenn du es verwenden darfst.

Was ist aus Travis geworden?

Travis gibt es bis heute, und zwar in der gleichen Besetzung wie damals: Fran Healy, Dougie Payne, Andy Dunlop und Neil Primrose. Seit dem Berlin-Abend sind unter anderem die Alben Where You Stand (2013), Everything at Once (2016), 10 Songs (2020) und L.A. Times (2024) erschienen. 2024 und 2025 war die Band wieder auf Tour und auf Festivals unterwegs. Wer sie damals verpasst hat, hat also immer noch Chancen. Und wer weiß, vielleicht darf die Kamera beim nächsten Mal mit rein.

Häufige Fragen

Darf die Security bei einem Konzert meine Kamera abnehmen?

Ja, wenn die Hausordnung oder die Ticketbedingungen solche Kameras ausschließen. Üblich ist, dass die Kamera verwahrt wird und du sie nach dem Konzert zurückbekommst. Alternativ kann dir der Einlass verweigert werden.

Darf ich auf Konzerten mit dem Handy filmen?

Ob das erlaubt ist, entscheidet der Veranstalter. Meist werden Handyaufnahmen geduldet. Rechtlich braucht die Aufnahme einer öffentlichen Aufführung aber die Einwilligung der Berechtigten (§ 53 Abs. 7 UrhG). Ganze Konzertmitschnitte ins Netz zu stellen ist deshalb keine gute Idee.

Welche Kameras sind bei Konzerten erlaubt?

Das regelt jede Location selbst. Häufig sind Smartphones und kleine Kompaktkameras erlaubt, Kameras mit Wechselobjektiv dagegen nicht. Ein Blick in die Hausordnung vor dem Konzert erspart dir Ärger am Einlass.

Mein Fazit

Das Konzert war großartig, das Kameraverbot hat mich damals trotzdem richtig geärgert. Heute würde ich einfach vorher in die Hausordnung schauen und mit dem Handy ein paar gute Bilder machen, statt die große Kamera am Einlass abgeben zu müssen. Und ehrlich gesagt: Ohne Sucher vor dem Auge hört man eine Band wie Travis sowieso besser.

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