Nachts wie eine Katze sehen

Meine Katze hat nicht damit gerechnet, nachts fotografiert zu werden. Wie Katzen im Dunkeln sehen, warum ihre Augen leuchten und wie dir gute Nachtfotos gelingen.

3–5 Minuten

Damit hat meine Katze nun wirklich nicht gerechnet: Ich hab sie im Oktober 2007 mitten in der Nacht fotografiert. „Was du kannst, kann ich auch“, war mein Gedanke dabei. Wie eine Katze im Dunkeln zu sehen, ist schon eine ziemlich krasse Vorstellung. Das Foto ist leider verloren gegangen, die Frage dahinter ist aber geblieben: Wie gut sehen Katzen nachts eigentlich – und wie bekommst du selbst bei wenig Licht noch brauchbare Bilder hin?

Wie sehen Katzen im Dunkeln?

Katzen sind Dämmerungsjäger, und ihre Augen sind genau darauf gebaut. Sie brauchen nur etwa ein Sechstel der Lichtmenge, die wir Menschen zum Sehen benötigen. Dafür sorgen drei Dinge:

  • Viele Stäbchen. Die Netzhaut einer Katze enthält besonders viele Stäbchen, also die lichtempfindlichen Sehzellen für Hell und Dunkel.
  • Große Pupillen. Im Dunkeln öffnen sich die Pupillen weit und lassen viel Licht herein. Bei Helligkeit schließen sie sich zu einem schmalen Schlitz.
  • Ein eingebauter Spiegel. Hinter der Netzhaut liegt eine reflektierende Schicht, das Tapetum lucidum. Licht, das die Netzhaut beim ersten Durchgang nicht erwischt, wird zurückgeworfen und bekommt eine zweite Chance.

Ganz umsonst gibt es das nicht. Katzen sehen Farben deutlich schwächer als wir und sind zudem ziemlich kurzsichtig. Was du aus 20 bis 30 Metern noch scharf erkennst, muss eine Katze sich auf etwa 6 Meter heranschleichen. Für die Mäusejagd auf kurze Distanz ist das völlig ausreichend.

Sehen Katzen auch in völliger Dunkelheit?

Nein. Ganz ohne Licht sieht auch eine Katze nichts. Ein bisschen Restlicht von Mond, Sternen oder einer Straßenlaterne reicht ihr aber schon. Im Stockdunkeln helfen ihr die Schnurrhaare, mit denen sie Luftbewegungen und Hindernisse ertastet.

Warum Katzenaugen auf Fotos leuchten

Wer schon einmal eine Katze mit Blitz fotografiert hat, kennt das Ergebnis: zwei grell leuchtende Augen, die aussehen wie kleine Scheinwerfer. Schuld ist wieder das Tapetum lucidum. Es wirft das Blitzlicht direkt zur Kamera zurück. Beim Menschen gibt es diese Schicht nicht. Dort entstehen die bekannten roten Augen, weil der Blitz die stark durchblutete Aderhaut im Augenhintergrund beleuchtet.

Das Leuchten fällt besonders stark aus, wenn der Blitz direkt neben dem Objektiv sitzt, wie bei Kompaktkameras und Smartphones. Je weiter Blitz und Objektiv auseinander liegen, desto geringer ist der Effekt.

Tipps: Katzen und andere Motive bei wenig Licht fotografieren

Mit der Kamera wie eine Katze sehen – das ist heute viel einfacher als 2007. Damals war jedes Bild bei Dunkelheit ein Kampf mit Rauschen und Verwacklern. Diese Tipps helfen dir:

  1. Blitz weglassen, wenn es geht. Nutze vorhandenes Licht, etwa eine Lampe im Zimmer. Das sieht natürlicher aus und erspart dir die Leuchteaugen. Für die Katze ist es außerdem angenehmer.
  2. Indirekt blitzen. Wenn du einen Aufsteckblitz hast, richte ihn an die Decke oder an eine Wand. Das Licht wird weich und kommt nicht mehr frontal ins Auge.
  3. Blende auf, ISO rauf. Eine große Blendenöffnung (kleine Blendenzahl) und eine höhere ISO-Einstellung bringen dir die nötigen kurzen Belichtungszeiten. Aktuelle Kameras liefern auch bei hohen ISO-Werten noch saubere Bilder.
  4. Auf die Augen fokussieren. Bei Tierporträts muss das Auge scharf sein, alles andere verzeiht man.
  5. Abstützen statt Stativ. Ein Stativ bringt bei Tieren wenig, weil sie sich bewegen. Lehn dich an oder leg die Kamera auf, um Verwackler zu vermeiden.
  6. Geduld haben. Katzen sind in der Dämmerung ohnehin am aktivsten. Wenn sie gerade auf Pirsch sind, warte, bis sie ruhig sitzen.

Nachtmodus: das Smartphone als Katzenauge

Den größten Sprung haben die Smartphones gemacht. Google stellte 2018 mit „Night Sight“ einen Nachtmodus für seine Pixel-Handys vor, Apple zog 2019 mit dem iPhone 11 nach. Das Prinzip ähnelt dem Trick der Katze, nur mit Software: Das Handy sammelt über eine oder mehrere Sekunden viele Einzelbilder, richtet sie aneinander aus und verrechnet sie. So entstehen aus fast dunklen Szenen erstaunlich helle, rauscharme Fotos.

Für schlafende Katzen funktioniert das wunderbar. Bewegt sich das Tier während der Aufnahme, wird es allerdings schnell unscharf. Dann ist eine kurze Belichtung mit etwas Rauschen die bessere Wahl.

Echte Nachtsicht-Technik

Wer wirklich im Dunkeln sehen will, greift zu anderer Technik. Infrarot-Kameras, wie sie in Wildkameras und vielen Überwachungskameras stecken, beleuchten die Szene mit für uns unsichtbarem Licht. Wärmebildkameras zeigen dagegen Temperaturunterschiede und brauchen gar kein Licht. Damit siehst du eine Katze im Garten selbst im Stockdunkeln – zumindest als warmen Fleck.

Katzen im Blog

Katzen tauchen im Blog übrigens noch öfter auf. Wie sich ein Revierkampf zwischen zwei Katzen fotografisch dokumentieren lässt, siehst du im Krieg der Katzen. Und dass der nächtliche Jagdinstinkt seine Schattenseiten hat, durfte ich ein gutes halbes Jahr später erleben, als ein Kater einen jungen Spatz angeschleppt hat.

Mein Fazit

Nachts wie eine Katze sehen kann ich auch mit der besten Kamera nicht, aber dank Nachtmodus kommt man heute erstaunlich nah heran. Wenn du deine Katze im Dunkeln fotografieren willst, lass den Blitz stecken, nutze vorhandenes Licht und hab Geduld. Die schönsten Bilder entstehen ohnehin, wenn die Katze gar nicht merkt, dass sie fotografiert wird.

Kommentare

2 Kommentare zu „Nachts wie eine Katze sehen“

  1. Avatar von Tom

    jöööööööööööö… dieser Gesichtsausdruck einfach köstlich 🙂

  2. Avatar von Stephanie Braun
    Stephanie Braun

    sehr witzig 🙂 gerne mehr davon!

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