Werbung in Simpsons – Der Film (von Pro7)

Laufband, Product-Placement, Split-Screen: Warum mich 2007 die Werbung rund um den Simpsons-Film so genervt hat – und welche Werbeformen heute erlaubt sind.

3–5 Minuten

Mmmh, nun ist es wohl so weit: Der Werbestreifen, der im Fernsehen unten durchs Bild läuft und das ganze Filmgefühl versaut, kommt jetzt auch ins Kino. Ausgerechnet bei den Simpsons! Hier steht, warum mich das im Sommer 2007 so aufgeregt hat, wie viel Werbung rund um den Film tatsächlich lief und welche Werbeformen im Fernsehen heute überhaupt erlaubt sind.

Was hat mich so genervt?

Die Simpsons – Der Film kam am 26. Juli 2007 in die deutschen Kinos. Ich hatte mich ohnehin schon gewundert, warum ProSieben so exzessiv und zur besten Sendezeit für den Film geworben hat. Die Quittung kam prompt: blinkender, scrollender Werbetext, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, und das nun auch im Kino.

Früher war Werbung dezent. Hier mal ein Coladöschen im Bild, dort mal ein BMW oder Mercedes. Eigentlich bin ich auch eher der ruhigere Typ, den so etwas nicht groß stört. Aber wenn mich etwas nervt, dann ist es scrollender, blinkender Text, der so gar nicht ins Geschehen passt. Grrr. Das ist mit ein Grund, warum ich kaum noch fernsehe. Aber jetzt auch noch im Kino? Und vor allem bei den Simpsons? Was soll der Schmarrn?

Warum ProSieben und die Simpsons zusammengehören

Ganz überraschend war die Werbeoffensive natürlich nicht. Die Simpsons liefen in Deutschland zwar zuerst 1991 im ZDF, seit 1994 sind sie aber fest bei ProSieben zu Hause. Für den Sender sind Homer, Marge und Co. seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Programms. Dass er den Kinofilm nach Kräften bewirbt, liegt da auf der Hand.

Erfolgreich war der Film allemal: Er lockte in Deutschland schon am ersten Wochenende über 1,6 Millionen Zuschauer in die Kinos und knackte nach nur elf Tagen die Marke von drei Millionen Besuchern. Weltweit spielte er über 500 Millionen US-Dollar ein.

Wie viel Werbung steckte im Simpsons-Film?

Die Werbung rund um den Film war gewaltig, und das nicht nur bei uns. In den USA und Kanada hat die Supermarktkette 7-Eleven zum Filmstart zwölf ihrer Filialen in echte Kwik-E-Marts verwandelt. Dort gab es Buzz Cola, KrustyO’s-Müsli und Radioactive-Man-Comics zu kaufen – nur Duff-Bier nicht, weil der Film familienfreundlich bleiben sollte. Dazu kamen Simpsons-Figuren in Kindermenüs, ein Simpsons-Handy und eine Sonderedition der Xbox 360.

Das Schöne daran: Die Simpsons nehmen sich dabei selbst auf die Schippe. Gleich zu Beginn des Films sitzt Homer im Kino und beschwert sich, dass man hier für etwas bezahlt, das man im Fernsehen umsonst bekommt. Wer im Saal sitzt, sei ein Riesentrottel – vor allem du. Selbstironie können sie.

Welche Werbung ist im Fernsehen erlaubt?

Was im Fernsehen geht und was nicht, regelt in Deutschland heute der Medienstaatsvertrag. Ganz grob gilt: Werbung muss als Werbung erkennbar und vom Programm getrennt sein. Innerhalb dieses Rahmens sind einige Formen erlaubt, die du sicher schon gesehen hast:

WerbeformWas ist das?
Werbeblockklassische Unterbrechung mit mehreren Spots
Split-Screendas Programm läuft verkleinert weiter, daneben läuft Werbung
Product-PlacementProdukte tauchen gezielt in der Sendung auf, gekennzeichnet mit einem „P“
ProgrammhinweiseEinblendungen für eigene Sendungen, oft als Laufband oder Bauchbinde

Product-Placement ist in Deutschland übrigens erst seit 2010 unter Bedingungen erlaubt. Vorher war gezielte Produktplatzierung als Schleichwerbung verboten. Die Kennzeichnung mit dem „P“ zu Beginn, am Ende und nach jeder Werbeunterbrechung soll dafür sorgen, dass du weißt, wenn ein Produkt nicht zufällig im Bild steht.

Viele der nervigen Laufbänder sind übrigens gar keine Werbung für fremde Produkte, sondern Hinweise auf das eigene Programm. Am gestörten Filmgefühl ändert das leider nichts.

Und im Kino?

Für das Kino gelten die Regeln des Fernsehens nicht. Dort läuft Werbung traditionell vor dem eigentlichen Film, zusammen mit den Trailern. Wer die überspringen will, kommt einfach etwas später – auf eigenes Risiko, was die Platzwahl angeht.

Aus heutiger Sicht (2026)

Seit 2007 hat sich viel verändert. Streamingdienste haben den klassischen Sendern viele Zuschauer abgenommen. Werbefrei ist das Streaming aber auch nicht mehr unbedingt: Netflix bietet seit 2022 ein günstigeres Abo mit Werbung an, und bei Amazon Prime Video läuft in Deutschland seit 2024 standardmäßig Werbung, sofern du nicht extra bezahlst. Die Werbung ist also nicht verschwunden, sie ist nur umgezogen.

Die Simpsons selbst laufen übrigens bis heute weiter, und die Serie ist inzwischen auch beim Streamingdienst Disney+ zu finden, seit Disney 2019 große Teile von 21st Century Fox übernommen hat. Über ProSieben-Laufbänder muss sich dort niemand mehr ärgern.

Wer noch mehr über ProSieben und seine Experimente lesen will: Ich habe mich hier im Blog auch schon über die RC-Cars, die angeblich einen LKW ziehen, aufgeregt – und darüber, ob RC-Cars über einen LKW springen können.

Mein Fazit

Werbung gehört dazu, das sehe ich ein – ohne sie gäbe es vieles im Fernsehen gar nicht. Aber blinkender Text mitten im Bild, egal ob im Fernsehen oder im Kino, zerstört genau das, wofür ich mir einen Film anschaue. So, das musste mal gesagt werden.

Kommentare

3 Kommentare zu „Werbung in Simpsons – Der Film (von Pro7)“

  1. Avatar von Kopfschüttler

    Was? Wie? Das wusste ich ja noch gar nicht!

  2. Avatar von Patrick

    Joo, schaus Dir an! So schlecht ist der Film garnicht. 🙂 Bin mal gespannt, ob das auf der DVD auch noch mit drauf ist…

  3. […] habt ihr mich ein zweites Mal enttäuscht. Ein paar Wochen vorher hatte ich mich schon über die Werbung rund um den Simpsons-Film geärgert. Wenn ihr wenigstens etwas dazu gesagt hättet, aber das einfach so unter den Tisch […]

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