Im Oktober 2008 saß ich mal wieder vor dem Fernseher, Werbepause, und auf einmal kam sie: die Wunderwaffe gegen Google. SMS Guru, quasi der Fragenbeantworter schlechthin. Statt Suchbegriffe hin und her zu schieben, sollte man einfach eine Frage per SMS schicken und eine fertige Antwort zurückbekommen. Hier steht, was ich damals davon hielt, was hinter dem Dienst steckte und warum seine Idee heute aktueller ist denn je.
Die Wunderwaffe gegen Google
Entweder war es mir früher nicht aufgefallen, oder der „Informationsgehalt“ im Fernsehen verlagerte sich damals primär auf die Werbepausen. Egal. Da saß ich nun, und der Spot versprach etwas, das 2008 tatsächlich nach Zukunft klang.
Bei Google, Yahoo, MSN, Altavista und Co. musste man sich mit Schlüsselwörtern in verschiedenen Anordnungen begnügen. Bei SMS Guru dagegen sollte man eine x-beliebige Frage stellen können, ganz normal formuliert. Das schafften die Suchmaschinen damals nämlich noch nicht. Der Werbespot war schon irgendwie witzig. Das kann aber auch daran liegen, dass ich zu wenig fernsehe.
Was war SMS Guru eigentlich?
Hinter SMS Guru stand ein Start-up aus Berlin. Das Prinzip war einfach: Du schickst deine Frage per SMS an die Kurzwahl 37000, und ein Mensch recherchiert die Antwort und schickt sie dir zurück. Diese Rechercheure nannte die Firma passenderweise „Gurus“. Laut Berichten aus der Gründerszene wurden sie eigens für schnelles Recherchieren geschult.
Die Antwort kostete 1,99 Euro und wurde über die Handyrechnung abgebucht. 2009 stiegen Risikokapitalgeber wie Wellington Partners und der VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin ein. Im Frühjahr 2010 berichtete das Portal deutsche-startups.de, dass sich über die Jahre mehr als eine Million Antworten angesammelt hätten. Die sollten nach und nach auch im Web landen, als Konkurrenz zu Frage-Antwort-Portalen wie gutefrage.net.
Warum das 2008 eine Marktlücke war
2008 hatten die wenigsten Leute eine Datenflatrate auf dem Handy, und mobiles Surfen auf dem kleinen Display machte wenig Spaß. Eine SMS konnte dagegen jedes Handy. Genau in diese Lücke zielte SMS Guru: Antworten unterwegs, ohne Internet, ohne Tippen von Suchbegriffen.
AGB, Kühlschrank und der Sinn des Lebens
Noch witziger als der Spot war, wie andere gleich das Kleingedruckte von SMS Guru auseinandergenommen haben. Einige empfanden das Ganze schlicht als Werbung des Grauens. Ein Blogger hat sich damals die AGB von SMS Guru genauer angeschaut. Interessant fand er unter anderem, dass laut AGB erst dann ein kostenpflichtiger Vertrag zustande kommt, wenn der Guru auch eine Antwort liefert. Außerdem fiel ihm auf, dass die Beispielfragen nicht so recht zusammenpassten: Im Spot ging es um Fragen in der Art von „Sind die echt?“, auf der Website stand ganz oben eine Frage nach dem zwölften US-Präsidenten. Entstanden war der Dienst laut der damaligen Website übrigens aus „Wissensdurst und Faulheit“. Ehrlicher kann man es kaum sagen.
Genial fand ich in einer der Diskussionen damals diesen Kommentar. Die Frage lautete: „Was gibt es zu essen?“ Die Antwort des Gurus:
Du kannst jederzeit etwas essen. Gehe an deinen Kühlschrank und suche dir etwas Leckeres aus. Ist dieser leer, gehe noch schnell in eine Kaufhalle.
Da wollte wohl jemand witzig sein. Für alle, die nicht im Osten aufgewachsen sind: Die Kaufhalle ist der Supermarkt. Und mal ehrlich: Hast du den Guru schon mal nach dem Sinn des Lebens gefragt?
Deutlich mehr Mühe hat sich damals Gretus von seo-united.de gegeben. Er hat SMS Guru und Google in einer eigenen Aufstellung direkt gegeneinander antreten lassen.
Mein Urteil damals: zu teuer
Für mich war die Sache schnell klar: Mir war es einfach zu teuer. Wenn Google und Co. nicht ausreichen, gehe ich in die Bibliothek. Zehn Fragen hätten rund 20 Euro gekostet, und das für Antworten, die man nicht überprüfen konnte und die in die knappe SMS-Form passen mussten.
Fair muss man aber auch sein. Wer unterwegs war, kein Internet auf dem Handy hatte und schnell eine Telefonnummer, eine Öffnungszeit oder ein Kneipenquiz-Ergebnis brauchte, für den konnte der Guru durchaus nützlich sein. Ob einem das 1,99 Euro wert war, musste jeder selbst wissen. Mit dem Handy und den Tarifen habe ich mich damals übrigens auch in Handy Tarif billig herumgeschlagen.
Premium-SMS: Darauf solltest du heute noch achten
Dienste wie SMS Guru laufen über sogenannte Premium-SMS. Abgerechnet wird nicht direkt beim Dienst, sondern über deinen Mobilfunkanbieter auf der Handyrechnung. Das ist bequem, aber genau darüber laufen bis heute auch viele ungewollte Abos und Abzocken.
- Kurzwahlen ernst nehmen: Fünfstellige Nummern sind typisch für kostenpflichtige SMS-Dienste. Bevor du dort etwas hinschickst, schau nach dem Preis.
- Rechnung kontrollieren: Posten von Drittanbietern stehen meist gesondert auf der Mobilfunkrechnung. Taucht dort etwas auf, das du nicht bestellt hast, widersprich der Abbuchung sofort beim Anbieter.
- Drittanbietersperre einrichten: Bei deinem Mobilfunkanbieter kannst du sperren lassen, dass Fremdfirmen über deine Handyrechnung abrechnen. Das kostet nichts und verhindert die meisten Probleme schon im Ansatz.
Gilt auch für Kinderhandys
Gerade auf dem Handy von Kindern und Jugendlichen lohnt sich die Drittanbietersperre. Ein Klick auf das falsche Werbebanner oder eine SMS an die falsche Nummer reichen sonst schon für ein ungewolltes Abo.
Was ist aus SMS Guru geworden?
Überraschung: Ganz verschwunden ist der Guru bis heute nicht. Die Website smsguru.de ist 2026 noch erreichbar und wirbt nach wie vor mit dem Spruch „Wir beantworten jede Frage“. Betrieben wird der Dienst laut Impressum inzwischen von der Crowd Mobile Operations Q&A B.V. aus Amsterdam. In den AGB ist weiterhin von einem Premium-SMS-Dienst über die 37000 die Rede, gedacht „zu Unterhaltungszwecken“.
Ob dort heute noch nennenswert Fragen beantwortet werden, lässt sich von außen nicht sagen. Die Seite wirkt jedenfalls wie ein Relikt aus der Zeit, als ich den Spot im Fernsehen gesehen habe. Eine offizielle Einstellung ist nicht bekannt. Eine große Rolle dürfte er aber längst nicht mehr spielen, denn die Konkurrenz von heute ist übermächtig.
Heute beantwortet die KI jede Frage
Das Lustige an der Geschichte: Die Idee hinter SMS Guru war richtig, nur rund 15 Jahre zu früh und zu teuer. Eine Frage ganz normal formulieren und eine fertige Antwort bekommen, genau das machen heute KI-Chatbots. In der Basisversion kosten sie meist nichts, und auch Google blendet inzwischen KI-generierte Antworten über den Suchergebnissen ein. Was ich 2008 noch als Grenze der Suchmaschinen beschrieben habe, ist damit Geschichte.
Ein Problem ist allerdings geblieben. Auch die KI kann sich irren, und manchmal klingt eine falsche Antwort genauso überzeugend wie eine richtige. In den AGB des Gurus steht immerhin ganz offen, dass auch er nicht perfekt ist und Fehler macht. Mein Rat von damals gilt deshalb immer noch, nur etwas moderner: Wenn es wichtig ist, prüf die Quelle. Und wenn das nicht reicht, ab in die Bibliothek. Dass Google auch nicht immer so reibungslos funktioniert, wie man sich das wünscht, habe ich übrigens schon 2007 in Ist Google paranoid? erlebt.
Häufige Fragen
Gibt es SMS Guru noch?
Die Website smsguru.de ist 2026 noch online, als Betreiber nennt das Impressum eine Firma aus Amsterdam. Ob der Dienst noch aktiv genutzt wird, ist unklar. Eine offizielle Einstellung ist nicht bekannt.
Was kostete eine Frage bei SMS Guru?
Zur Hochzeit kostete eine Antwort 1,99 Euro, abgerechnet über die Handyrechnung. Laut den damaligen AGB wurde nur gezahlt, wenn tatsächlich eine Antwort kam.
Wie richte ich eine Drittanbietersperre ein?
Ruf bei deinem Mobilfunkanbieter an oder schau in dein Kundenkonto. Viele Anbieter bieten die Sperre direkt online an. Sie ist kostenlos und verhindert, dass Fremdfirmen über deine Handyrechnung abbuchen.
Mein Fazit
SMS Guru war 2008 eine witzige Idee mit einem witzigen Werbespot, aber für 1,99 Euro pro Antwort war mir das zu teuer. Heute sieht man, dass die Idee nicht dumm war, die Technik war nur noch nicht so weit. Ich frage inzwischen lieber eine KI und prüfe danach die Quellen, statt Geld per SMS zu verschicken.
Schreibe einen Kommentar